

Übersicht:
Rwanda
Repubulika y'u Rwanda
République Rwandaise
Republic of Rwanda
Zentralafrika
Geographische Lage: 1°S - 3°S / 29°O - 31°O
Ruanda ist ein kleines bergiges Binnenland in Zentralafrika und grenzt im Norden an Uganda, im Osten an Tansania, im Süden an Burundi und im Westen an die Demokratische Republik Kongo. Von Nord nach Süd erstreckt sich eine bis zu 3000 m hohe Bergkette. Die Virunga-Vulkane steigen westlich des Kiwu-Sees steil auf und neigen sich zum hügeligen Zentralplateau. Ganz im Westen, am Oberlauf des Kagera-Flusses, gibt es eine Region mit Sumpfland.
Zeitzone: MEZ + 1h
Fläche: 26.338 qkm
Höchster Punkt: Karisimbi 4519 m
Tiefster Punkt: Rusizi River 950 m
Größter See: Kivusee 2700 qkm (Anteil Ruanda)
Klima: Es gibt keine Jahreszeiten im eigentlichen Sinn, sondern nur einen Wechsel von Regen- und Trockenzeit. Zwei Regenperioden von Februar bis Juni und von Oktober bis Mitte Dezember.
Flora und Fauna: In den Bergwäldern leben noch die gefährdeten Berggorillas. Die Hochebenen sind bedeckt mit Baum- und Grassavanne.
Hauptstadt: Kigali
Bevölkerung: 9,038.000
Bevölkerungsdichte: 343/qkm
Ethnische Zusammensetzung: Hutu 84%, Tutsi 15%
Religion: Christen 74%, Naturreligionen 25%
Sprache: Amtssprachen sind Französisch, Kinyarwanda und Englisch. Geschäftssprache ist Swahili.
Politisches System: Präsidialrepublik seit 1962. Verfassung von 1995, letzte Änderung von 1996. Seit 1994 gibt es ein provisorisches Parlament mit 70 Abgeordneten. Staatsoberhaupt: Paul Kagame, seit 2000. Regierungschef: Bernard Makuza, seit 2000. Unabhängig seit 1962 (ehemaliges belgisches Treuhandgebiet).
Währung: 1 CFA Franc = 100 Centimes
Durchschn. Kaufkraft/Jahr: 800 EUR
Wirtschaft: Ruanda ist ein Agrarland, produziert wird überwiegend für den Eigenbedarf. In den letzten zehn Jahren hat sich die Regierung bemüht, die Produktion teilweise auf Exporterzeugnisse wie Tee und vor allem Kaffee umzustellen. Zuckerplantagen und Reisfelder sind ebenfalls eingeführt worden. Erdgasfunde, die womöglich zu den größten der Welt zählen, stimmen hoffnungsvoll für die Zukunft. Für afrikanische Verhältnisse verlief Ruandas wirtschaftliche Enwicklung bei einer Inflationsrate von unter 10% bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs gut; auch die Auslandsschulden des Landes waren vertretbar. Der Zusammenbruch des Kaffeepreises auf dem Weltmarkt 1990 trübte allerdings die Zukunftsaussichten, zumal diese Entwicklung mit einer ernsthaften innenpolitischen Krise zusammentraf.
Nach der Beendigung des Bürgerkriegs wird es wahrscheinlich Jahre dauern, bis sich die Wirtschaft des Landes wieder erholt. Internationale Hilfe wird dabei erforderlich sein. Mitte 1995 fand in Genf eine Konferenz statt, auf der die ruandische Regierung ihr Programm zum wirtschaftlichen Wiederaufbau vorstellte. Insgesamt wurden internationale Hilfsgelder in Höhe von 560 Mio. US-Dollar zugesagt, Ruandas wichtigste Handelspartner sind die Benelux-Staaten, Deutschland und Kenia.
Bananen, Yams, Maniok, Hirse, Kaffee, Tee, Pyrethrum.
Gewinnung von Zinnerzen, Wolfram, Columbit, Beryll.
Verarbeitung von ladwirtsch. Erzeugnissen.
Exportgüter: Erze, Kaffee, Tee.
Landwirtschaft: 44%
Industrie: 20%
Dienstleistung: 36%
Lebenserwartung: 39 Jahre
Analphabetenrate Männer: 26%
Analphabetenrate Frauen: 40%
Information:
Das Land
Ruanda ist ein mäßig warmes und feuchtes, klimagünstiges Tropenhochland, das zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Afrikas gehört. Es reicht von dem knapp 1500 m hoch gelegenen Zentralafrikanischen Graben am Kivusee über die östliche Randstufe des Grabens (2000-3000 m) bis zum Ostafrikanischen Hochland (1500-1700 m). Über dem Graben erheben sich im Norden des Landes die Virunga-Vulkane (Karisimbi 4507 m). Bergwald und Feuchtsavanne bedecken den gebirgigen Westen bis 2500 m, darüber gibt es besondere Höhenvegetation mit Bambus, Moosen u. a. Das Hochland östlich des Gebirges trägt Feuchtsavanne, die im regenärmeren Osten in Trockensavanne übergeht.
Die Bevölkerung
Die älteste Bevölkerungsschicht sind die den Pygmäen verwandten Batwa (rund 60 000), die als Sammler, Jäger oder Handwerker leben. Den größten Teil der Bevölkerung (88%) stellt die Hackbau treibende Bantugruppe der Hutu (Bahutu). Das osthamitische Hirtenvolk der Tutsi (Tussi) bildete (1995 rund 8% der Bevölkerung) früher das staatstragende Volk; es stellte auch den König. In heftigen Stammes-kämpfen wurde die Tutsi-Hegemonie beseitigt. 56% der Einwohner sind Katholiken, 13% Protestanten, 9% Moslems und der Rest Anhänger von Naturreligionen. - Die Staatsuniversität von Ruanda liegt in Butare.
Die Wirtschaft
Rund 90% der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft tätig, die zum größten Teil der Eigenversorgung dient. Die traditionelle Viehzucht verliert an Bedeutung. Wichtigste Anbauprodukte sind Bananen, Mais, Süßkartoffeln, Erdnüsse und Maniok. Für den Export werden besonders Kaffee, der 75% ausmacht, ferner Tee, Baumwolle, Pyrethrum, Sisal, Chinarinde, Tabak u. a. angebaut. Der Bergbau liefert vor allem Zinnerz und Wolfram. Der Kivusee enthält große Vorräte an Methan. Das Land ist kaum industrialisiert, deshalb wandern zahlreiche Rwander als Saisonarbeiter ins angrenzende Ausland ab.
Der Verkehr
Das verhältnismäßig dichte Straßennetz ist nur zu den Trockenzeiten befahrbar. Kigali und Cyangugu besitzen internationale Flughäfen.
Die Geschichte
Wahrscheinlich im 14. Jahrhundert begannen die Tutsi, ein Volk von Rinderhirten, in das Gebiet des heutigen Ruandas einzuwandern. Sie dominierten bald die dort bereits ansässigen Hutu-Ackerbauern und errichteten seit dem 15. Jahrhundert einen aristokratischen Staat mit dem Mwami (König) an der Spitze. Durch den Helgoland-Sansibar-Vertrag wurden die deutschen Besitzansprüche auf Ruanda anerkannt. Zusammen mit Burundi bildete es das Grenzgebiet der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Während des 1. Weltkriegs fiel das Territorium an Belgien. Die Belgier verwalteten beide Länder als Ruanda-Urundi zunächst als Mandat des Völkerbundes, seit 1946 als Treuhandgebiet der UNO (wirtschaftlich mit Belgisch-Kongo verknüpft). Die Kolonial-mächte begnügten sich mit indirekter Herrschaft, ohne den Gegensatz zwischen den Hutu, die die Masse der Bevölkerung stellten, und den Tutsi, zu beheben. Seit 1959 traten die Spannungen zwischen den Hutu-Bauern und den Tutsi-Rinderhirten als Minderheit offen zu Tage. Die "Partei der Hutu-Emanzipation" (Parmehutu) gewann die ersten Wahlen 1960, erklärte 1961 den Mwami (König) der Tutsi Kigeri V. für abgesetzt und rief die Republik aus. Der Mwami floh mit 60 000 Tutsi nach Burundi. 1962 wurde die Staatenunion getrennt, Ruanda wurde unabhängige Republik. Staatspräsident war 1962-1973 der Parmehutu-Führer G. Kayibanda. 1963 versuchten die emigrierten Tutsi vergeblich eine Restitution der alten Machtverhältnisse. Daraufhin kam es zu blutigen Ausschreitungen gegen die in Ruanda verbliebenen Tutsi. 1973 brachen erneut Kämpfe zwischen den verfeindeten Bevölkerungsgruppen aus. Im selben Jahr wurde Kayibanda von General J. Habyarimana gestürzt; dieser wurde Präsident und gründete 1975 die Einheitspartei MRND. 1990 drang von Uganda aus eine Rebellenarmee von im Exil lebenden Tutsi (Front patriotique Rwandais, FPR) in Ruanda ein und verwickelte die Regierungstruppen in schwere Kämpfe. Vor diesem Hintergrund leitete Habyarimana politische Reformen ein. Am 10. 6. 1991 trat eine neue Verfassung in Kraft. Die MRND verlor ihren Status als Einheitspartei. In der Zwischenzeit gingen die Kämpfe mit dem FPR weiter. 1993 beschloss der Welt-sicherheitsrat die Entsendung einer UN-Friedenstruppe. Nachdem Habyarimana im April 1994 zusammen mit dem burundischen Präsidenten bei einem wahrscheinlich durch ein Attentat verursachten Flugzeugabsturz ums Leben kam, brachen in Ruanda schwere Unruhen aus, die zum Massenmord an der Tutsi-Minderheit und an gemäßigten Hutus eskalierten. Die Massaker forderten nach vorläufigen Schätzungen weit über 800 000 Todesopfer. Gleichzeitig kam es zu einer Flüchtlingskatastrophe. Französische Interventionsstreitkräfte leisteten humanitäre Hilfe. Inzwischen konnte der FPR den Bürgerkrieg zu seinen Gunsten entscheiden und die Macht in Ruanda übernehmen. Im Juli 1994 wurde in Zusammenarbeit mit gemäßigten Hutu-Politikern eine Regierung der nationalen Einheit als provisorische Exekutive eingesetzt. Das Amt des Staatspräsidenten übernahm der Hutu P. Bizimungu. Für die strafrechtliche Verfolgung des Völkermords setzte der UN-Sicherheitsrat in Arusha (Tansania) ein Kriegsverbrechertribunal ein. 1995 trat eine neue rwandische Verfassung in Kraft, die ein Präsidialsystem institutionalisierte. Durch die Rückkehr von Flüchtlingen aus Uganda, Tansania und der Demokratischen Republik Kongo brachen in Ruanda seit 1996 immer wieder blutige Konflikte aus. Rwandische Truppen unterstützten 1998/99 in der Demokratischen Republik Kongo die Rebellion gegen den dortigen Machthaber Kabila. Im März 2000 trat Präsident Bizimungu zurück. Die Nationalversammlung wählte P. Kagame, einen Tutsi, zu seinem Nachfolger.
Reiseinformation
Verkehrsmittel:
FLUGZEUG: Air Rwanda (RY) bietet Flüge zu den größeren Städten an.
BUS/PKW: Das Straßennetz ist nicht allzu umfangreich und hat durch den Bürgerkrieg stark gelitten; auch wichtige Brücken sind beschädigt worden. Die Panoramastraße entlang des Kiwu-Sees ist unbefestigt. Busse werden vom L'Office National des Transports en Commun betrieben und sind in drei Klassen aufgeteilt: Stadtbusse (mit A, B oder C beschildert); Vorortbusse (D) und Langstreckenbusse. Fahrpläne und Fahrpreise sind in Ruanda erhältlich. Taxis gibt es in Kigali und in den anderen größeren Städten, der Fahrpreis sollte im voraus vereinbart werden. Mietwagen sind in Kigali erhältlich, u. a. von Eurocar (Méridien Hotel) oder TAT (Hotel des Mille Collines). Wagen mit Allradantrieb werden empfohlen.
Unterkunft:
HOTELS: Sind teuer, die meisten sind in Kigali zu finden. In der Nähe touristisch interessanter Gebiete gibt es kleine, preiswerte Hotels. Schlafsäle von Missionen sind besonders in Kleinstädten und abgelegeneren Regionen empfehlenswert. Die Hotels der Ruhengeri- und der Gisenyi-Mission bieten ausgezeichnete Unterkünfte und gutes Essen.
PENSIONEN: Außerhalb der größeren Städte gibt es Guest Houses, die normalerweise billiger als Hotels sind. Ein Guest House ist auch am Rand des Kagera-Nationalparks bei Byumba im Nordosten des Landes vorhanden.