Naturdenkmal: 160 qkm großes Vogelschutzgebiet, seit 1971 Nationalpark und seit 1980 international bedeutendes Feuchtgebiet im Sinne der Ramsar-Konvention.
Unesco-Ernennung:1981
Flora und Fauna:
17 Pflanzengemeinschaften mit Wasserfarnen, Seerosen, Rohrkolben, Tamarisken und Akazien.
Durchzugs- und Rastgebiet für 3 Mio. Zugvögel wie Spieß-, Löffel- und Knäkenten sowie Uferschnepfen.
Lebensraum für 1,5 Mio. Wasser- und Watvögel.
Brutkolonie von 5000 Rosa Pelikanen und 4500 Witwenpfeifgänsen, Kampfläufer als Wintergäste, zudem Löffler, Flamingo, Mangroven- und Rallenreiher, Bruchwasserläufer sowie Kronenkranich
Pelikane, soweit das Auge reicht. In einer endlos erscheinenden Kette schweben sie dicht über der Wasseroberfläche dahin. Ihr Ziel ist eine kleine Insel inmitten der Wasserwildnis des Djoudj Vogelparks im Delta des Senegal. Über 5000 Paare treffen sich dort im Winter zur Brut und bilden eine der größten Vogelkolonien Afrikas, ein Naturschauspiel, das seinesgleichen sucht. Immer wieder überqueren sie von Tamarisken gesäumte Flußarme, die mit bunten Teppichen aus Lotusblumen überzogen sind, ein blühendes Paradies in einem wüstenhaften Land voller Tiere. Warzenschweine wühlen im Ufersaum nach schmackhafter Nahrung, an jeder Flußbiegung trifft man auf Störche und Reiher, die im flachen Wasser nach Beute Ausschau halten.
Die kleinen Flußarme münden in große Lagunen, an denen sich Millionen Wintergäste versammelt haben. Für die Sing- und Wasservögel aus Europa und den Weiten Sibiriens ist der Djoudj Park überlebenswichtig, denn er bietet eine der wenigen Möglichkeiten nach Überquerung der Sahara endlich wieder Wasser und Nahrung aufzunehmen. So ist es nicht verwunderlich, daß der Djoudj Park erst unter Schutz gestellt und dann von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde.
Das Erbe zu bewahren war nicht einfach, denn Afrika verändert sich schnell. Sperrwerke und Deiche am Senegalfluß hatten das Schutzgebiet von den herbstlichen Überflutungen fast abgeschnitten. Doch mit neu errichteten Schleusen gelang es, die Überschwemmungen wieder herzustellen. Die einzigartige Wasserwildnis des Djoudj Vogelparks scheint heute gesichert.
Der karge Norden des Senegal. Ein bizarrer Wald aus Baobabs bedeckt den sandigen Boden. Gewaltige Wasserreserven lagern in ihren Stämmen, mit ihnen überdauern sie die Trockenzeit. Die Sahara ist nicht weit, über viele Monate streckt sie ihre Hand weit nach Süden aus. Doch einmal im Jahr, wenn der Regen fällt, schwellen die Flüsse an und überfluten riesige Gebiete bis zum Wüstenrand, auch den Djoudj Vogelpark.
Schnell zieht das Wasser neues Leben an. Afrikanischen Pelikanen folgen Reiher, Zugvögel aus Europa. Für Tiere wie für die Menschen im Delta des Senegal beginnt nach der langen Dürre eine bessere Zeit. Jeden Tag sind jetzt die Fischer unterwegs. Kilometerweit gleiten sie fast lautlos dahin und streifen ein blühendes Paradies. Die flachen Wasserarme sind über und über mit Seerosen bedeckt. Röhricht säumt die Ufer. In seinem Schutz verbringen Ibisse und Reiher die Nacht, früh am Morgen brechen sie zu ihren Futterplätzen auf. Und immer wieder weiten sich die schmalen Nebenflüsse des Senegal zu kleinen Lagunen. Pelikane tauchen nach den Fischen, die mit der Flut aus dem großen Strom eingewandert sind.
In Gruppen zu fischen hat sich für Pelikane bewährt. Geschickt treiben sie in schmalen Ketten ihre Beute auf das Ufer zu, bis es kein Entrinnen mehr gibt. Solche Verbände können viele hundert Tiere umfassen. In kurzer Zeit wird der Überfluß abgeschöpft, doch die Wasserwildnis aus Lagunen und Flüssen ist fast unermeßlich. Sobald ein Späher eine neue, vielversprechende Stelle entdeckt, geht es weiter mit der turbulenten Jagd. Während die Nachhut noch das Wasser durchkämmt, steuern die ersten Pelikane auf eine kleine Insel zu.
Tief im Innern des Djoudj Parkes haben sich über 5000 Paare versammelt, eine der großen Kolonien Afrikas. Dort sind sie vor Nachstellungen durch Schakale sicher. In der Brutzeit sind Kehlsack und Stirn prachtvoll verfärbt. Dicht gedrängt stehen die Tiere beisammen und sind auf Brautschau aus.
Trockene Inseln in dieser Wildnis sind selten und auch von anderen sehr begehrt. So lockt die Abendsonne immer wieder Krokodile aus dem Wasser heraus. Solange der Reichtum an Fischen im Park kein Ende nimmt, sind die riesigen Reptilien für die Pelikane keine Gefahr. Viele Stunden können sie regungslos in der Sonne dösen. Inmitten der Kolonie, an der sichersten Stelle, hocken die erfahrenen Pelikane. Vier Wochen nach Brutbeginn sind in ihren Nestern die ersten Jungen geschlüpft. Kaum zu glauben, in einem Monat werden sie fast so groß wie ihre Eltern sein.
In der Zeit der Jungenaufzucht ist der Nahrungsbedarf besonders groß und so brechen die Erwachsenen viele Male am Tag zur Futtersuche auf. Kurz nach Sonnenaufgang starten die ersten Gruppen. Unter ihren Schwingen breitet sich die endlose Sumpfebene aus. Schmale Flußarme wechseln sich mit überfluteten Grasebenen ab. Für Zugvögel aus dem Norden sind diese Nässezonen überlebenswichtig, es gibt nur wenige solcher Gebiete am Sahararand. Aus größerer Höhe zeigt sich das ganze Ausmaß der Flut. Wo noch vor wenigen Wochen der Boden in der Sonne glühte, erstreckt sich ein Paradies in einem wüstenhaften Land. Überall an den Rändern der Lagunen sprießt frisches Grün. Früher wurde es von Antilopen und Flußpferden beweidet, doch im Westen Afrikas sind sie fast ausgerottet.
In stillen Buchten wiederum bedecken Lotusblumen die Oberfläche. Jungfischen bietet der dichte Pflanzenteppich Schutz. Doch an manchen Stellen öffnet sich das Blätterwerk und gibt langbeinigen Jägern eine unverhoffte Chance. Gern stellen Seidenreiher der Fischbrut nach. Durch den Nahrungsreichtum in den Lagunen können sie sich wie die Pelikane mühelos versorgen. An anderen Stellen ist der Boden nur einige Zentimeter überflutet und oft nur für wenige Wochen im Jahr. Hier wachsen farbenprächtige Winden. In diesen seichten Gewässern picken Stelzenläufer noch kleinste Insekten von der Oberfläche ab. Stets trifft man sie mit wachem Blick und schon bei der kleinsten Störung sind sie auf der Hut. Ungewohnte Laute dringen vom Rande des Parks heran. Der Fischer hat nach langer Fahrt sein Fanggebiet erreicht, jetzt gibt es für ihn reiche Beute. Nicht nur für die Vögel, auch für die Menschen des Deltas ist Fisch eine wichtige Nahrungsgrundlage.
In Afrika herrscht fast überall Eiweißmangel. Dann breiten sich noch merkwürdigere Geräusche aus. Warzenschweine wühlen im bauchtiefen Wasser und machen sich genüßlich über die Früchte der Lotusblumen her. Kurz nach der Blüte sinken ihre Knospen zu Boden, im Tauchgang werden sie wieder emporgeholt. Nicht nur die Schweine, auch die Menschen des Deltas lieben die Delikatessen. Damit verfeinern Sie ihren Couscous. Die Kalebasse ist mit geübten Griffen in das Gewirr der Blätter schnell gefüllt. Das Ernten der Lotusfrüchte hat Tradition und findet seit Jahrhunderten statt, auch wenn heute Reis mehr und mehr zur Hauptnahrung wird. Ende Januar beginnt der Park sich schnell zu wandeln. Der Wasserspiegel ist bereits um viele Zentimeter gefallen. Rohrweihen sind auf der Suche nach leichter Beute und ihre Chancen stehen jetzt nicht schlecht.
Hunderttausende Enten aus Europa und den Weiten Sibiriens haben sich an den Lagunen des Djoudj Parks versammelt, Vogelmassen wie es sie andeswo nur selten gibt. Nach dem langen, beschwerlichen Weg über die Sahara verbringen sie hier die Winterzeit. Viele Vögel haben in den vergangenen Wochen ihr Prachtkleid angelegt und schon bald geht es in den Norden, in die Brutgebiete zurück. Vom Wechsel der Jahreszeit bleiben auch die Pelikane nicht verschont. Nach wochenlanger Jagd werden die Wege zu ergiebigen Fischgründen immer weiter. In der Nähe der Brutinsel lohnt die Suche bereits nicht mehr. Dennoch sind die jungen Pelikane in nur 2 Monaten erwachsen geworden. Viele tummeln sich bereits am Wasserrand und versuchen mit dem großen Schnabel umzugehen. Andere hocken noch in ihren Kindergärten, von wenigen Alten bewacht. Sie werden die Kolonie verlassen, sobald das Wasser versiegt.
Die Trockenperiode mit ihren Entbehrungen kündigt sich an. Heiße Winde aus der Sahara nehmen bald die letzte Feuchtigkeit mit. Schon wühlen die Warzenschweine in schlammigen Pfützen, um an die restlichen Lotusfrüchte zu gelangen. Der Überfluß neigt sich langsam dem Ende zu. An den verbliebenen Lagunen, in der Nähe des großen Stroms, versammeln sich noch einmal die Scharen. Die meisten Tiere haben den Djoudj Park Ende Februar verlassen. Bald wird auch hier von der Wasserwildnis nichts als ausgedörrter Boden bleiben, bis nach Monaten der Dürre mit der nächsten Flut wieder neues Leben Einzug hält.
Buch und Regie: Thomas Willers