Um 1620
Gründung des Königreiches Fon mit der Hauptstadt Abomey.
1625
Dako erster König von Abomey.
1645-85
König Ouegbadja.
1708-40
König Agadja.
1728-1818
Regentschaft der Könige Tegbesu, Kengala, Agongolo und Adandozan; Blütezeit des Sklavenhandels.
1818-58
König Ghezo.
1858-89
König Glele.
1878
Vertrag zwischen König Glele und Frankreich zur Abtretung des Gebietes von Cotonou.
1889-94
König Béhanzin; Widerstand gegen das "Protektorat" Frankreich.
1894
Endgültige französische Kolonisierung und Verbannung von Béhanzin.
1906
Tod König Béhanzins in Algie.
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1944
Umwandlung der Paläste von König Ghezo und Glele in Museen.
Kulturdenkmal: Königspaläste von Abomey
Unesco-Ernennung: 1985
Die Königspaläste des westafrikanischen Reichs Dahomey zeugen nicht nur von der politischen Macht ihrer 12 Könige, die durch Sklavenhandel und Eroberungsfeldzüge, sowie einer hervorragenden Verwaltung das Königreich zu einer Wirtschaftsmacht aufbauten. Die Paläste zeugen auch von der Kultur ihres Volkes, der Fon, ihrer Vodou Religion und ihrer Bildkunst, den Basreliefs, die in Bildzyklen die Geschichte und Taten der Könige erzählen.
Sklaven gab es in Afrika schon lange bevor die ersten Weißen den schwarzen Kontinent betraten. Sklaven wurden den Fremden dort sogleich zum Kauf angeboten. Daraus entwickelte sich jener gigantisch-grausame Handel mit Millionen von Menschen, die meist von der afrikanischen Westküste, der noch heute so genannten Sklavenküste, nach Nord-, Mittel- und Südamerika verschleppt wurden. Ein glänzendes Geschäft war das nicht nur für die portugiesischen, holländischen und englischen Händler, sondern auch für die afrikanischen "Exporteure", darunter die Könige von Abomey. Jahrhunderte lang schöpften sie viel Reichtum und Macht aus diesem Handel, bis er Ende des 19. Jahrhunderts weltweit verboten wurde. Die Kolonisierung durch Frankreich beendete schließlich die grausame Herrschaft der Dynastie.
Heute zeugen nur noch die Ruinen ihrer Paläste aus Lehm vom Prunk jener Könige und von ihrer großen Grausamkeit beim Umgang mit den Sklaven. So hatte zum Beispiel der Thron des Königs auf vier abgeschlagenen Köpfen zu stehen. Recht bescheiden geht es dagegen beim heute amtierenden König von Abomey zu, der für Geld gern mit seinem Hofstaat vor Touristen posiert. An das Thema Sklaverei möchte in Abomey weder der König noch sonst jemand erinnert werden.
Ich bin vor 200 Jahren gestorben. In Brasilien. Jetzt rufen mich die Lebenden. In Afrika. Im Totenhaus haben sie mir Jahr für Jahr zu essen gegeben und zu trinken, wie es der Voodoo-Glaube befielt.
Jetzt seien Fremde da, sagen sie, die wollten mich sehen und von mir die Wahrheit hören. Wie das damals wirklich war, hier, an der Sklavenküste. Denn: Ich war einer der Sklaven. Von diesem Strand aus, der heute zu Benin gehört, haben sie mich zusammen mit vielen, sehr vielen anderen über den Atlantik, nach Südamerika verschleppt. Und hier hatte man damals dieses Verbrechen organisiert: in den Königspalästen von Abomey. Reich und mächtig waren diese Könige geworden, durch den Handel mit Menschen. Groß und prächtig waren ihre Paläste.
Was davon noch übrig ist, wird heute von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützt, auch die Halbreliefs mit Darstellungen der Grausamkeiten bei Hofe. Ein Königsthron, das war damals Sitte, der hatte auf vier abgeschlagenen Köpfen zu stehen. Menschenköpfen. Zeichen der Allmacht jener Herrscher über ihre Untertanen. Köpfe brauchte man auch, bei größeren Festlichkeiten manchmal sogar zu Tausenden, als Schmuck für den Palast des Königs und seiner Pferde. Da konnte unser einer froh sein, wenn er nicht geköpft, sondern als Sklave nach Amerika verkauft wurde. Als Bezahlung für die lebende Ware nahm der König Gewehre an und Kanonen, Schießpulver und Blei, Tabak und Branntwein, Gold und Muscheln.
Auf dem Marktplatz von Ouidah steht noch der Baum, unter dem der König damals die zum Verkauf vorgesehenen Sklaven anbieten ließ. Mich auch. Hier, nur ein paar Kilometer vom Strand, konnten die Weißen sich die schwarze Ware aussuchen. Sie brauchten nur von ihrem Schiff an Land zu rudern. Dort wartete schon das Verkaufspersonal des Königs. Gut 300 Jahre lang brachte der Menschenhandel den Königen großen Reichtum, bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Sklaverei endlich verboten wurde.
Einer der befestigten Handelsstützpunkte der Weißen steht noch. Hier wurde die Ware zwischengelagert. Sklaven waren der erfolgreichste Exportartikel, den Afrika je anzubieten hatte. Auf dieser "Straße der Sklaven" wurden wir gefesselt in langen Kolonnen zum Strand geführt. Das Schiff der Weißen wartete da draußen auf Reede. Die ersten Todesopfer gab es schon auf dem Weg vom Strand zum Schiff. Viele von uns ertranken in der Brandung mit gefesselten Händen. "Transportverluste" in den Büchern der weißen Sklavenhändler. Doch an Nachschub war kein Mangel. Der König lieferte Sklaven, so viele die Weißen mit ihren Schiffen abtransportieren konnten.
Keiner von uns hat diesen Strand lebend wiedergesehen. Erst nach dem Tod sind unsere Geister über das Meer in die Heimat zurückgekehrt. Das hatten uns die Voodoopriester des Königs vor dem Abtransport fest versprochen, und wir haben alle daran geglaubt: Afrika, wir kommen wieder! Der König in seinem Palast von Abomey hatte andere Sorgen: Woher all die Sklaven nehmen, die am Strand so gut zu verkaufen waren? Er schickte Aufkäufer zu den Sklavenmärkten bis tief ins Innere von Afrika und manchmal auch Soldaten.
Es gab Sklaven, die waren 2000 Kilometer weit marschiert, bevor sie hier vom König an einen weißen Schiffskapitän verkauft wurden. Wurde dennoch die Ware einmal knapp, so ließ der König rasch ein Dorf im eigenen Reich von seinen Soldaten umstellen und kurzerhand die ganze Bevölkerung als Sklaven verkaufen. Einen gewissen Vorrat von Gefangenen brauchte der König stets selber, für die religiösen Opferzeremonien im Palast oder wenn wichtiger Besuch kam. Dann mussten stets Gefangene sterben, grausam. In den Mauern der Königspaläste von Abomey ist der Boden mit Blut getränkt. Manche der religiösen Bräuche jener Zeit sind bis heute erhalten. So wird immer noch die Schlange verehrt, die den Bogen zwischen Himmel und Erde spannt. Den größten Segen bringen heute die Schlangen ihren Besitzern, der sie gegen Geld Fremden um den schwitzenden Hals legt. Sogar eine ganze Vodoo-Zeremonie ist heute auf Bestellung zu haben.
Der Vodoopriester und seine Jünger leben davon nicht schlecht. Die Religion, die früher dem König zum Erhalt seiner Macht diente, ist jetzt Touristenattraktion. Sie singen ein Loblied auf den König. Den gibt es nämlich immer noch. Leibhaftig. Vor der Nase ein silberner Filter, damit er nicht dieselbe Luft atmen muss wie das gemeine Volk. Die Minister des königlichen Hofstaats. Der Premierminister, der das Geld für diese Darbietung entgegennahm. Die Gattinnen seiner Majestät. Wie viele es sind, bleibt ein Geheimnis. Prinzen und Prinzessinnen, verarmter Adel, seit ihnen der Sklavenhandel verboten wurde. Früher mussten, wenn der König starb, auch alle seine Frauen sterben. So war einmal unter dem runden Häuschen dort ein tiefes Loch. Dort hinein mussten nach dem Tod des damaligen Königs alle seine 42 Ehefrauen steigen. Unten wurden sie vergiftet und dann das Loch mit Erde zugeschüttet, damit Majestät im Jenseits nicht einsam sein musste.
Vorbei die Zeit der großen grausamen Könige von Abomey. Vorbei. 1898 eroberten die Franzosen diesen Palast und setzten den letzten Herrscher gefangen. Sein Nachkomme, der hier jetzt den König spielt, der hat in Wahrheit nichts zu sagen. Der kann nicht einmal die allernötigsten Reparaturen an den Lehmmauern der alten Paläste bezahlen. So verfallen diese Ruinen aus Lehm mit jedem Regen ein Stück weiter. Hier stört das niemand. Die Lebenden in Afrika nämlich, die mögen an die Wahrheit nicht erinnert werden, wollen nichts davon hören, daß es unsere eigenen Könige waren, die Herren dieser Paläste, die den Sklavenhändlern Millionen von Afrikanern verkauften.
Die Leute werden wütend, wenn ich das erzähle. Deshalb verschwinde ich jetzt schnell zurück ins Reich der Toten.
Buch und Regie: Albrecht Heise