2040-1781 v. Chr.
Mittleres Reich.
1550-1075 v. Chr.
Neues Reich.
1479-1458 v. Chr.
Königin Hatschepsut, Tante und Mitregentin von Thutmosis III.
1279-1212 v. Chr.
unter Ramses II. Grabtempel Sethos' I. von Kurna.
1184-1153 v. Chr.
Ramses II.
1153-1147 v. Chr.
Ramses IV.
1147-1075 v. Chr.
20. Dynastie, u. a. Ramses XI.
1799
Napoleonische Expedition.
1817
Entdeckung des Grabes von Sethos I.
1894-96
Ausgrabungen des Hatschepsut Tempels.
1995
Entdeckung des Mausoleums der Söhne von Ramses II.
Kulturdenkmal: Ägyptische Hochkultur in Theben Ost und West, u. a. mit dem Tal der Könige.
UNESCO-Ernennung: 1979
Die Königsstadt Theben, am Ostufer des Nils gelegen, beherrschte vier Jahrhunderte lang Ägypten und war zeitweilig Zentrum des östlichen Mittelmeerraumes. Seine Blütezeit erlebte Theben, so haben es die Griechen genannt (altägyptisch Weset), im Neuen Reich während der 18. Dynastie, deren Pharaonen ihren unermesslichen Reichtum zur Verschönerung ihrer Residenz verschwendeten.
Das "hunderttorige" Theben war so groß, daß heute die Orte Luxor, Karnak und die umliegenden Dörfer das ursprüngliche Gebiet nicht bedecken können. Unermesslich alt war der Hauptort Oberägyptens schon zu Ramses Zeiten um 1280 v. Chr. und trotzdem vergänglich, weil er aus getrockneten Nilschlammziegeln gebaut wurde.
Nur die Tempel aus Stein sind geblieben. Der Luxor Tempel und die riesige Tempelstadt von Karnak; der Amun Tempel von Karnak, der größte Sakralbau der Welt. Der Luxor Tempel, mit Karnak durch eine drei Kilometer lange, von Sphingen gesäumte Allee, verbunden, war das zweitwichtigste Heiligtum Thebens. Die Gott Amun geweihte Anlage besitzt außer einer Fülle von Reliefs riesige Statuen von Ramses II., der wie kein anderer Herrscher Theben mit Denkmälern geschmückt hatte.
Die Pharaonen des Neuen Reiches fanden ihre letzte Ruhestätte in der Totenstadt westlich des Nils, auch Ramses II, der Größte aller Pharaonen.
Eine Barkenprozession fährt Nilaufwärts. Es ist das Jahr 1279 vor Christus. Zwei Wochen dauert die Reise von Memphis, dem Regierungssitz, nach Theben, dem alten religiösen Zentrum des Reiches, Grabstätte aller Könige. Die erste Pflicht des neuen Pharao Ramses II. ist es, seinem Vater Sethos den Weg zum ewigen Leben im Jenseits zu ebnen. Theben Westufer. Die Totenbarke wird auf einen Schlitten gehievt und über verschlungene Wüstenpfade zum Tal der Könige gezogen. Hier sind seit dem 15. Jahrhundert vor Christus die Grabkammern aller Könige verborgen.Sethos Grab ist eingestürzt, ist aber Vorbild für alle späteren Gräber: Tief in den Fels geschlagen, vom Eingang bis zur hinteren Wand der Sarkophaghalle farbige Reliefs und eine prächtig bemalte Decke Texte und Darstellungen sollen dem Toten die Orientierung erleichtern, gleichsam ein Reiseführer durch die Unterwelt sein. Überall lauern Gefahren, auch auf dem Weg zum Totengericht. Seine Stellvertreter im Jenseits preisen schon des Pharaos gute Taten vor Osiris, dem Gott der Unterwelt, den Lebensschlüssel Ankh in den Händen. Er entscheidet, ob ein Mensch sein gewohntes Leben im Jenseits weiterführen darf. Anderen droht die Enthauptung, aber ein Pharao wird auch im Jenseits von Scharen von Dienern mit allem versorgt, wie schon zu Lebzeiten als König der Ägypter. "Mein Herz weint. Wehe, wehe!", sagt Ramses II., der neue Pharao zum Abschied. Dann wird das Grab des "Königs, der früher war" versiegelt, auf daß es kein Sterblicher mehr betrete. Ramses kann nun daran gehen, sich den Platz für sein eigenes Grab auszusuchen und seinen Grabtempel in Auftrag zu geben.
Ramses ist ehrgeizig, besonders als Bauherr. Mit seinem Wesir bespricht er alle architektonischen Einzelheiten, dann kann die Arbeit am sogenannten Ramesseum beginnen. Die kahlen Berge der Toten, zum Nil hin ein Streifen üppigen Ackerlandes, auf dem Ostufer die eigentliche Stadt. Das hunderttorige Theben. So groß, daß heute die Kleinstadt Luxor, der Flecken Karnak und einige umliegende Dörfer sein Gebiet nicht bedecken können. Unermeßlich alt war der Hauptort Oberägyptens schon zu Ramses Zeiten und trotzdem vergänglich. Selbst die prunkvollen Paläste und Villen waren wie die Wohnhäuser des Volkes, wie Märkte und Warenlager aus luftgetrockneten Nilschlammziegeln gebaut. Nur die Tempel sind aus ewigem Stein: Der Luxor-Tempel und die riesige Tempelstadt von Karnak. Pharao um Pharao, Dynastie um Dynastie hatten das zentrale Heiligtum des Reichsgottes Amun-Re erweitert. Der größte Sakralbau der Welt. 70 000 Priester gehörten dem Tempel, seinen Außenstellen und Landgütern an. Ramses der Zweite will sie nun alle übertreffen. Er schickt sich an, der größte Pharao aller Zeiten zu werden.
Wahrscheinlich hat sich Ramses schon als Kronprinz viel vorgenommen, und nicht erst beim Gang durch die Bauwerke seiner Vorgänger. Vorbei an den Obelisken der Hatschepsut zur Festhalle Tutmosis des III. Sein Vater Sethos hatte den großen Säulensaal im Amun Tempel von Karnak schon begonnen Ramses läßt das Werk vollenden, größer und mächtiger als Sethos es sich wohl vorzustellen vermochte. 134 Säulen, 24 Meter hoch. Jede trägt in Augenhöhe die Königskartusche des Ramses mit seinem vollen Herrschernamen:
"Ramses - Re ist es, der ihn geboren hat. Starker Stier, von Maat geliebt Schützer Ägyptens, der die Fremdländer besiegt Reich an Jahren, groß an Siegen Erwählter des Re Ramses, geliebt von Amun"
Das sind Name und Programm, denen es gerecht zu werden gilt. Der neue Pharao bleibt zu Opet, dem größten Fest der alten Ägypter im Jahr. Während der zweiwöchigen Feiern darf auch das normale Volk die Tempelstadt besuchen. Der Zutritt zum Allerheiligsten allerdings bleibt dem Pharao und den Hohepriestern vorbehalten. Sie holen die Götterbilder von Amun, dessen Gemahlin Mut und ihres Sohns Chons aus den Kultnischen und treideln sie auf einem Nil-Kanal zum Luxor-Tempel. "Amun besucht seinen südlichen Harem", nennen die alten Ägypter diese Reise. Hunderte von Sphingen säumen die Verbindungsstraße zwischen beiden Heiligtümern. Tänzer und Musikanten warten vor dem Luxor Tempel auf die Götter. Ausgelassene Tage voller Riten, Zeremonien und religiöser Begeisterung beginnen. Und mittendrin Ramses, "Er, bei dessen Anblick alle Menschen in Jubel ausbrechen." Auch der Luxor Tempel soll den Ruhm des neuen Pharao mehren. An den gro§en Hof läßt Ramses einen neuen, noch größeren Hof anbauen und seine Statuen sollen diesen Hof zieren.
Ramses, Sohn der Götter, selbst ein Gott. "Wir lassen Deine Würde als König von Ägypten dauern. Du, der du auf dem Thron des Horus erschienen bist." "Siehe, was seine Majestät betrifft, so ist er wachsam beim Aufspüren jeder günstigen Gelegenheit, um hervorragende Dinge für seinen Vater Horus zu tun, um für ihn ein Haus von Millionen Jahren zu erstellen." Vor dem Pylon, vor dem Eingang zu seinem Hof, preisen Obelisken des neuen Pharaos künftige Taten. Und als Wächter: Ramses selbst, kolossal. Bevor der Pharao aber zu seinen Regierungsgeschäften und künftigen Ruhmestaten aufbricht, gilt es noch die Vergangenheit neu zu erschaffen. Ramses besucht den Tempel der Hatschepsut, die 200 Jahre vor ihm regierte. Eine Frau auf dem Pharaonenthron passt nicht in Ramses Weltbild. Seit dieser Zeit ist der Name der Königin Hatschepsut in ihrem Tempel getilgt.
Es ist der 23. Tag, im 3. Monat der Überschwemmungszeit, im 1. Regierungsjahr. Die königlichen Barken setzen Segel. Sie fahren nordwärts zum Platz der Macht, den Taten des göttlichen Pharao Ramses entgegen, des Sohns der Sonne, die jeden Abend von der Göttin Mut verschlungen, in der Nacht durch ihren Körper wandert, und jeden Morgen neu geboren wird. Der junge König muß sich beweisen. Als Herrscher, als Führer, als Krieger. Er zieht gegen die kleinasiatischen Hethiter zu Felde. Knapp überlebt er die Schlacht von Kadesch, aber der Pharao lässt in unzähligen Inschriften in Theben und im ganzen Reich die Niederlage als großartigen Sieg feiern, Ramses, ein Meister der Propaganda; aber auch der Diplomatie: Einige Jahre später schließt er einen Friedensvertrag mit seinen Erzfeinden. Nach Theben kehrt Ramses immer wieder zurück; aus traurigem Anlaß. Der Pharao regiert so lange, daß er den Großteil seiner Familie überlebt.
Viele Söhne und Töchter muß er in Theben zur ewigen Unruhe geleiten. Erst sein 14. Sohn wird als alter Mann seine Nachfolge antreten. Im 26. Regierungsjahr stirbt auch seine Lieblingsfrau Nefertari. Für sie, die Schöne, die Geliebte, lässt Ramses das schönste Grab im Tal der Königinnen errichten. Eines Pharaos würdig und tatsächlich wird Nefertari auch wie ein Pharao dargestellt.
Nefertaris Seele als Vogel, Nefertari beim Opfer, Nefertari in der Gestalt von Göttinnen, der kuhgehörnten Hathor oder der geflügelten Maat als Verkörperung der Weltordnung, und in der Grabkammer wacht der Unterweltgott Osiris. Möge sie die Namen aller Schwellendämonen wissen, damit sie nicht an ihren Unterwelttüren scheitert, möge sie vor Osiris Gnade finden, damit ihre Seele nicht der großen Fresserin vorgeworfen wird. Memnon Kolosse nennt man die Front Skulpturen des Tempels von Amenophis III. Daneben hat Ramses seinen Grabtempel errichten lassen. Wohl wußte der Sohn der Sonne, daß auch er seine irdische Reise beenden musste, aber seine Zeit war noch lange nicht gekommen.
Erst im Jahre 1213 vor Christus, im 67. Regierungsjahr, als Vater von über 100 Kindern, starb Ramses der Zweite mit 92 Jahren. Die Geschichte verlieh ihm den Beinamen "der Große."
Er trat vor seine Götter, vor Hathor, vor Mut und Ptah. Möge Amun, sein himmlischer Vater, ihm mit dem Zeichen des Lebens berührt haben, auf daß er auch im Jenseits weiterlebe als das, was er hier gewesen ist und immer sein wollte:
Ramses - der Größte aller Pharaonen, "die Sonne Ägyptens." Auch Theben ist, wie so viele andere Orte, auf immer mit seinem Namen verbunden.
Buch und Regie: Jens Dücker