pte
28.01.2003

UN-Wasserbericht: Graphik statt Text

UNEP veröffentlicht "Vital Water Graphics" am Weltwassertag

Das Umweltprogramm der UNO, die UNEP (United Nations Environment Programme) http://www.unep.org, hat den Bericht "Vital Water Graphics" http://www.unep.org/vitalwater erstellt. Der Report enthält Informationen über die Quantität und die Qualität der weltweiten Wasserressourcen sowie dessen Verfügbarkeit. Um die Botschaft der global zunehmenden Wasserkrise eindringlicher zu transportieren, weicht der Text Graphiken. Der Bericht wird durch CD-Roms und andere audiovisuelle Materialien ergänzt und wird am 22. März, dem Weltwassertag, veröffentlicht.

Der Bericht ist eine Co-Produktion der UNEP, anderen UN-Behörden, internationalen Organisationen und einzelnen Experten. Er illustriert Probleme wie die weltweit zunehmende Wasserverschwendung, die schwindende Süßwasserversorgung ebenso wie den sinkenden Wasserspiegel des Aralsees, des nordafrikanischen Tschad-Sees und dem Marschland von Mesopotamien im Delta von Euphrat und Tigris, das nahezu vollständig ausgetrocknet ist. Zusätzlich zeigt der Report, der periodisch auf den neuesten Stand gebracht wird, Trends auf und gibt Prognosen ab, schreibt die BBC heute, Montag.

Alarmierend zeigt der Report die Wasserverschwendung von Industrie, Landwirtschaft und Haushalten auf. Im Jahr 2002 sollen Landwirtschaft und Haushalte je 800 Kubikkilometer Wasser, die Industrie 400 Kubikkilometer Wasser verschleudert haben. Bis 2025 sollen sich diese Zahlen dramatisch erhöhen. Die Schätzungen gehen von 1.100 Kubikkilometern in der Landwirtschaft, 1.000 Kubikkilometern in Haushalten und 500 Kubikkilometern in der Industrie aus. Weltweit hat sich der Wasserverbrauch seit den 50-er Jahren verdreifacht. Einer von sechs Menschen hat laut Bericht keinen regulären Zugang zu sicherem Trinkwasser. Schätzungen nach sterben täglich 41.000 Kinder durch verunreinigtes Trinkwasser.
Von Sandra Standhartinger


pte
12.03.2003

Sahara wird zur Savanne

Potsdamer Forscher simulieren Folgen des Global Warming

Internationale Klimaforscher haben in jüngsten Klimamodellen mithilfe von Computersimulationen ein neues Bild der zukünftigen Umwelt gezeichnet. Insbesondere in den markanten Landschaften wie der Sahara und der Tundra wird es nach Ansicht der Wissenschafter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) http://www.pik-potsdam.de zu großen Veränderungen der Vegetation kommen, berichten sie im Fachmagazin "Climatic Change" in der jüngsten Ausgabe.

Die Potsdamer Wissenschafter haben gemeinsam mit einem Team von der belgischen Universität Catholique de Louvain und dem amerikanischen National Center for Atmospheric Research mithilfe eines Erdsystemmodells die Wechselwirkungen zwischen Klimaerwärmung und Verschiebung der Vegetationszonen in Nordafrika und Sibirien untersucht. "Erdsystemmodelle sind erweiterte Klimamodelle, die das Zusammenspiel von Atmosphäre, Ozean, Vegetation und Eismassen beschreiben", so Martin Claußen, Direktor des PIK. Atmosphäre und Landoberfläche wirken in den beiden Regionen intensiv miteinander, daher bezeichnen Forscher diese Regionen als "Hotspots".

Beide Modelle zeigen, daß die erhöhte Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre sowie die damit verbundene Erwärmung und die zunehmenden Niederschläge in tropischen Gebieten die Vegetation am Südrand der Sahara und in der Tundra besonders stark beeinflussen können. Das könnte zu einem Wandel der Vegetation in beiden Regionen führen. Die mit Bäumen und Gräsern bewachsene Savanne würde in die Wüste vordringen und die bewaldete Taiga in die moos- und flechtenreiche Tundra. Die Verschiebung der Vegetationszonen wirkt sich in den Modellen wiederum auf die Atmosphäre aus. Die Savanne zieht mehr Niederschlag an und die Ausbreitung der Nadelwälder führt zu einer weiteren Erwärmung der nördlichen Breiten. "Diese Veränderung kann sich abrupt vollziehen, im Falle der Sahara innerhalb weniger Jahrzehnte", meint Claußen, der auch Leiter der Sahara-Studie ist. Die Erdgeschichte kenne solche plötzlichen Klima- und Vegetationsänderungen. Vor etwa 11.000 bis 6.000 Jahren war die Sahara deutlich grüner und die Wälder der Taiga wanderten nach Norden. Für die Forscher steht fest, daß der Vegetationsvorstoß auf der Nordhalbkugel durch eine Klimaerwärmung verursacht wurde.

Daher komme die Frage auf, ob Parallelen zwischen dem damaligen Klima- und Vegetationswandel und dem der Zukunft bestehen, meint Claußen. "Die Veränderungen sehen ähnlich aus, aber die physikalischen Mechanismen spielen eine unterschiedliche Rolle", so PIK-Forscher Victor Brovkin, der Autor der Tundra-Studie ist. "Entscheidend ist, daß die Modelle die Vegetationsverschiebungen beschreiben können. Solche Studien helfen die Vergangenheit zu verstehen und die Güte unserer Klimamodelle zu überprüfen", führt der Wissenschafter aus. "Es ist für uns wichtig zu erkennen, dass Klimawandel nicht nur eine allmähliche Erwärmung bedeutet, sondern auch mit Überraschungen einhergehen kann", meint PIK-Direktor Claußen. Die Verschiebung der Vegetationszonen scheine eine solche Überraschung zu sein, denn nach den Simulationen zu urteilen neigt die Vegetation zu abrupteren Veränderungen als bisher vermutet.
Von Wolfgang Weitlaner


Neue Zürcher Zeitung
28.10.2005

Afrika als nächstes Ziel der Vogelgrippe?

Eintreffen der Zugvögel aus Vorderasien in Ostafrika

Wie jedes Jahr wandern derzeit Zugvögel aus Europa und Vorderasien nach Ostafrika, um dort zu überwintern. Diesmal birgt die Migration jedoch die Gefahr, daß damit die Vogelgrippe nach Afrika eingeschleppt wird. Auf einen möglichen Ausbruch der Seuche sind die afrikanischen Staaten jedoch denkbar schlecht vorbereitet.

Wenn die Zugvögel aus dem Norden demnächst in Afrika eintreffen, könnte sich die Vogelgrippe auf den Schwarzen Kontinent ausbreiten. Weil Mensch und Geflügel vor allem in den ländlichen Gebieten eng beieinander leben, bringt eine solche Ausbreitung viel grössere Risiken mit sich als in Europa. Das H5N1-Virus, der Auslöser der Vogelgrippe, wird höchstwahrscheinlich durch Ausscheidungen der Zugvögel auf Hühner übertragen. Wer mit Kot oder Körperflüssigkeiten infizierter Hühner in Kontakt kommt, kann somit selbst an der oft tödlich verlaufenden Vogelgrippe erkranken. Diese Gefahr ist in Afrika besonders groß, weil schätzungsweise 80 Prozent des Geflügels nicht in kommerziellen Mastbetrieben, sondern im Freien gehalten werden. Fast jeder Bauer besitzt Hühner, die sich ihre Nahrung in nächster Nähe zum Menschen und nicht selten auch innerhalb der Behausungen suchen.

Ideale Bedingungen zum Überwintern
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) warnt deshalb vor einem möglichen Ausbruch der Vogelgrippe in Nord- und Ostafrika. Besonders gefährdet erscheint die Region des ostafrikanischen Grabenbruchs, der sich vom Roten Meer quer durch Äthiopien und Kenya bis hinunter nach Moçambique zieht. Die zum Beispiel im kenyanischen Teil des "Rift Valley" gelegenen Seen bieten den Zugvögel ein ideales Lebensumfeld zum Überwintern. Die umliegenden Gebiete sind zum Teil dicht besiedelt, ein Überspringen des Virus auf lokale Geflügelbestände stellt also eine echte Gefahr dar.

Ein Problem ist aber auch die Ansteckung gesunder Zugvögel durch infizierte. Im Frühling, wenn die Vögel wieder gen Norden aufbrechen, könnte das Virus dann leicht nach West- und Nordeuropa eingeschleppt werden, warnt die FAO weiter. Probleme bei der Bekämpfung einer allenfalls ausgebrochenen Seuche bereiten die schwachen staatlichen Strukturen, die ausserhalb Südafrikas in den meisten Ländern des Kontinents vorherrschen. Selbst bei gutem Willen der Behörden - der bei weitem nicht überall vorausgesetzt werden kann - wären die afrikanischen Beamten sehr schnell überfordert. Ausserdem ist das Misstrauen gegenüber dem Staat so groß, daß grossflächige Tötungsaktionen von Geflügel kaum durchführbar erscheinen. Es stellt sich auch die Frage, ob ein Ausbruch der Vogelgrippe rechtzeitig als solcher erkannt würde. Afrikas Bauern sind daran gewöhnt, daß ihr Geflügel manchmal von Seuchen wie der Newcastle-Krankheit dahingerafft werden. Sie würden wegen einiger toter Hühner wohl kaum die Behörden alarmieren.

Ausländische Hilfe nötig
Trotzdem hat eine Reihe von Staaten vorsorgliche Massnahmen wie ein Importverbot für Geflügel erlassen. Solche Verbote, wenn sie denn wirklich durchgesetzt werden, können jedoch das Problem der Seuchenausbreitung durch Zugvögel nicht entschärfen. Not tun nun in erster Linie stichprobenartige Tests der einwandernden Zugvögel, um überhaupt zu wissen, wie groß der Anteil der Infektionen sein könnte. Die wenigsten afrikanischen Staaten haben jedoch die Möglichkeit, solche Tests durchzuführen. Kenyas Regierung hat zum Beispiel versprochen, eine entsprechende Untersuchung durchzuführen und soll dabei laut lokalen Presseberichten unter anderem auch Hilfe von der medizinischen Forschungsstelle der amerikanischen Marine erhalten. Ostafrika stelle eine ideale Brutstätte für das H5N1- Virus dar und brauche deshalb unbedingt ausländische Hilfe zum Aufbau grundlegender Überwachungssysteme, meint die FAO.
Von K. P., Nairobi


pte
02.11.2005

Afrikanische Seen verschwinden rasend schnell

UNEP-Atlas markiert katastrophale Lage der Süßwasser-Reserven

UNEP: Der Tschad-See 1972 und heute
Die dramatischen und teilweise auch erschreckenden Zerstörungen von afrikanischen Seen sind nun erstmals in einem Atlas des UN-Environment Programme UNEP http://www.unep.org sichtbar gemacht worden. Darin wird zum Beispiel die Ausdehnung der Gewässer anhand von Satellitendaten der vorhergehenden Jahrzehnte mit denen der Jetztzeit verglichen. Der Atlas wurde bei der diesjährigen World Lake Conference in Nairobi vorgestellt.

Nach Schätzungen der UNEP gibt es in Afrika rund 680 Seen mit einem Wasservolumen von etwa 30.000 Kubikkilometer. Das ist das weltweit größte Wasservolumen aller Kontinente. Der Wert des Wassers wird vom UNEP-Direktor Klaus Töpfer auf 37 Mrd. Dollar geschätzt. Die Seen in Afrika sind nicht nur eine wichtiges Reservoir für Trinkwasser, sondern auch Nahrungsquelle. Nach Angaben der UNEP kann die Armut nur bekämpft werden, wenn das ökologische Gleichgewicht der Seen bestehen bleibt.

Die Erhaltung der Seen muß Länder übergreifend stattfinden, meinen die UNEP-Experten. So ist etwa das Volta-Flußsystem, das von den Staaten Burkina Faso, Ghana, Mali, Togo, Benin und der Elfenbeinküste genutzt wird, ein Grund zur Besorgnis. Innerhalb der kommenden zwei Jahrzehnte wird sich die Bevölkerungszahl auf 40 Mio. in der Region verdoppeln. Damit wird auch der Wasser-Konsum steigen. In den vergangenen 30 Jahren hat die Zahl der Niederschläge in dieser Region deutlich abgenommen.

Aus den afrikanischen Seen werden jährlich 1,4 Mio. Tonnen Fische gefangen. 14 Prozent davon entfallen auf Ägypten. Die Zahl der Dämme und Flußverbauten hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Hinzu kommt eine noch größere Menge an ungeklärten Abwässern aus Haushalten, der Landwirtschaft und der Industrie. Umweltverschmutzung hat zu einem massiven Rückgang der Fischerträge geführt, insbesondere im Nildelta, aber auch im Tschad-See.

Feuchtbiotope - sehr oft mit Flußsystemen und Seen in Verbindung gebracht - sind wichtig für den Erhalt von Ökosystemen und zur Filterung von Wasser. Wichtige Feuchtbiotope sind das Okavango-Delta und die Bassins des Lake Victoria und des Tschad-Sees sowie die Mündungsgebiete der großen Flüsse Kongo, Sambesi und Niger. In den vergangenen 30 Jahren sind diese Regionen geschrumpft. Trauriger Rekordhalter ist der Niger: 80 Prozent der Feuchtgebiete sind in den vergangenen 20 Jahren verschwunden.

Dramatisch ist auch der Wasserrückgang im größten See Afrikas, dem Viktoria-See. 30 Mio. Menschen leben rund um das 68.800 Quadratkilometer große ostafrikanische Gewässer, das die zweitgrößte Süßwasserreserve der Welt bildet. Die Bevölkerungsdichte ist mit 1.200 Einwohnern je Quadratkilometer extrem hoch. Geschätzte 150.000 Quadratkilometer Fläche fällt der Land-Degradation jährlich zum Opfer. Der ökologische Zustand des Viktoriasees ist durch die schnell wachsende Bevölkerung hochgradig gefährdet, ebenso durch den Kahlschlag der natürlichen Vegetation entlang der Uferlinie, die boomenden Fischexportindustrie, die Einführung verschiedener exotischer Pflanzen- und Tierarten, das Verschwinden von 50 Prozent der heimischen Fischarten, übermäßiges Algenwachstum und das Ablassen von ungeklärtem Abwasser aus Industrie und menschlichen Siedlungen.
Von Wolfgang Weitlaner


vista verde
02.11.2005

US-Forscher lernen von Afrika: Zurück zur Weidewirtschaft

Künftig könnten auch in den USA wieder mehr Kühe auf Wiesen und Weiden grasen. Dies führt zu einer pflanzengerechten Düngung ohne Verluste, meinen Forscher nach Studien in Afrika.

Was in Afrikas Landwirtschaft Gang und Gäbe und wirtschaftliche Notwendigkeit ist, nämlich die Nährstoffe aus Kot und Urin von Tieren möglichst effizient zu nutzen, soll auch in der amerikanischen Milchwirtschaft wieder Einzug halten. Geht es nach Forschern des Dairy Forage Research Center in Madison, Wisconsin, grasen künftig wieder mehr Kühe auf Wiesen, Weiden und Äckern.

In ihren Untersuchungen des afrikanischen Weidewirtschaftssystems stellten die Forscher fest, daß die Nährstoffe aus den Exkrementen unmittelbar den Pflanzen zu Gute kommen und kaum Verluste auftreten. Die Tiere werden auf Wiesen, Weiden und Äcker getrieben und arbeiten die Exkremente gleichzeitig ein. Ganz im Gegensatz zu amerikanischen (und in anderen Ländern üblichen) Verfahren der Stallhaltung und Lagerung von Mist, Jauche oder Gülle in Vorratsbehältern. Die Farmer bräuchten ihre Rinder einfach auf die für Grünfutter vorgesehenen Felder zu treiben und sorgten so für eine pflanzengerechte Düngung ohne Verluste.

Daneben sei diese Art der Viehwirtschaft auch für die Konsumenten attraktiv, sie liebten schließlich den Anblick von grasenden Rindern und Kühen. Über diese "neuen" Erkenntnisse berichtet die amerikanische Zeitschrift " Agricultural Research ".
http://www.ars.usda.gov/main/main.htm



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