Die Welt
15.06.1996
Harare - Die Atempause für Simbabwes Spitzmaulnashörner ist vorbei. Seit die Regierung das Rettungspro gramm für die vom Aussterben bedrohte Art nach drei erfolgreichen Jahren 1995 zu den Akten legte, geraten diese erneut in die Schußlinie der Wilderer. Den Jägern geht es dabei hauptsächlich um das Horn. Unter Chinesen ist diese "Waffe" der Nashörner eine heißbegehrte Ware. In pulverisierter Form wird sie als Medizin gegen Fieber, aber auch als Potenzmittel eingesetzt. Der Markt boomt.Das Kilo Pulver verkauft sich im Groß handel für umgerechnet rund 15 000 Mark, kaum weniger als ein Kilo Gold. Die Folge: Keine andere Säuge tierart in Afrika ist in ihrem Bestand so stark gefährdet wie das Spitzmaulnashorn, auch Schwarzes Nashorn genannt. 1970 lebten noch rund 70 000 Tiere auf dem Kontinent, heute sind es lediglich noch 4000.
Handelsverbote fördern die Wilderei, weil Tiere für die Bevölkerung keinen Nutzen mehr haben. Immer wenn sich - wie gerade in Nairobi - die Delegationen der 148 Cites-Vertragsstaaten (Convention on international trade in endangered species of wild fauna and flora) treffen, stimmen deutsche Tugendwächter ihre Klagelieder an. Man müsse, so tönt es fast unisono aus den Medien, die Tierwelt vor finsteren Japanern, Norwegern und Afrikanern beschützen. Gila Altmann, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, warnt vor einem "Damm bruch, wenn wir es nicht schaffen, den Elfenbeinhandel ganz zu unterbinden". Joschka Fischer will seine moralisierende Außenpolitik nach Asien ausweiten und beim bevorstehenden Japanbesuch darauf hinweisen, dass Walfang "nicht akzeptabel" sei. Wie steht es um die beiden Tierarten, um die so heftig gestritten wird? Die Zahl der Zwergwale - also die Art, die Norwegen und Japan wieder vermarkten will - wird zwischen 600.000 und 1,2 Millionen Tiere geschätzt. Zirka 540.000 Afrikanische Elfanten streifen durch Savannen und Wälder. Beide Arten sind nicht vom Aussterben bedroht. Doch Europas Politiker spielen sich als Ökologische Oberlehrer auf und wollen Afrikanern, Norwegern und Japanern den Handel mit Elfenbein und Walfleisch verbieten.Wie aber geht die EU mit der Natur um? In Frankreich werden gerade die letztenfrei lebenden Bären eingefangen, weil die Regierung vor der Bauernlobby kuscht (obwohl die Landwirte für jedes von Bären geholte Schaf hoch entschädigt werden). EU-Länder sind in hohem Maße mitverantwortlich für die größte Naturplünderung der Gegenwart: die katastrophale Überfischung der Meere. Ausgerechnet europäische Cites-Delegierte wollen afrikanischen Bauern vorschreiben, Wildtiere ganz arg lieb zu haben. Ein afrikanischer Bauer erhält aber, im Gegensatz zu europäischen, keine Kompensation, wenn ihm Elefanten das Hirsefeld zertrampeln. Die falsch verstandene Tierliebe der Europäer ließe sich als naive Sentimentalität abtun, wenn sie dem Naturschutz dienen würde. Doch sie tut es nicht. Cites-Handelsverbote fachen die Wilderei an, anstatt legalen Handel in vernünftige Bahnen zu lenken. Nashörner stehen beispielsweise von Beginn an auf der Cites-Liste. Und gerade deshalb sind sie bis an den Rand der Ausrottung gewildert worden. Nur in Südafrika stiegen die Bestände an. Der Grund: Wildtierfarmer beschützen die Tiere auf ihrem privatem Land. Sie investieren in Nashörner, weil sie hoffen, dass es in Zukunft wieder legalen Handel mit der in Asien als Medizin begehrten Hornsubstanz geben wird. Auch Elefanten wurden und werden hauptsächlich in den Ländern gewildert, wo es keine legale Jagd auf sie gibt, sie also ökonomisch völlig wertlos geworden sind. Bevor 1989 das internationale Handelsverbot für Elfenbein in Kraft trat, finanzierten manche Länder im südlichen Afrika den Naturschutz durch Elfenbeinhandel. Sie schossen ihre Elefanten - in ökologisch vertretbarem Umfang - legal, verkauften die Stoßzähne und hatten kaum Probleme mit Wilderei. So wurden Elefanten in Simbabwe, Botswana und anderen Elfenbeinexportländern immer zahlreicher, weil man sie als wirtschaftliche Ressource beschützte. Namibia betreibt bereits seit 1967 Artenschutz mit kapitalistischen Mitteln. Damals erhielten die privaten Landeigner Besitzrechte an den Wild tieren auf ihren Farmen. Zuvor hatten sie das Wild als unliebsame Konkurrenz der Rinder dezimiert, wo sie nur konnten - bis die Privatisierung eine völlige Umkehr einläutete. Mehr und mehr Landwirte legten Jagdfarmen an. Der Erfolg: Zwischen 1972 und 1992 stieg der Wildbestand auf privatem Farmland um 70 Prozent. Im gleichen Zeitraum nahm die Artenvielfalt der größeren Wildsäugetiere um 40 Prozent zu. Über 90 Prozent des Großwildes in Namibia lebt heute auf privatem Land. Handelsverbote mögen als Notbremse ihre Berechtigung haben, wenn eine Art unmittelbar vor der Ausrottung steht. Als zukunftsfähiges Instrument im Artenschutz sind sie untauglich. Sie überziehen die Entwicklungsländer mit ökoimperialistischen Handelsschranken, die den Menschen jegliche Möglichkeit nehmen, die Natur sinnvoll zu nutzen. "Cites schadet einem nachhaltigen Natur schutz", sagt Rowan Martin, einer der angesehensten Naturschutzpraktiker Afrikas. "Artenvielfalt kann nur erhalten werden, wenn die Menschen ihren Lebensunterhalt damit verdienen können." Der Umweltökonom Terry L. Anderson fordert deshalb: "Naturschützer sollten die Nutzung der Natur nicht verhindern, sondern fördern." Wildtiere sind ein Milliardengeschäft, ob als Jagdtrophäe, Tourismusattraktion, Pelz- oder Fleisch ressource. Anstatt diese Ressource der Wilderei, dem Schwarzmarkt und dem Schmuggel zu überlassen, sollten Naturschützer besser über Marktwirtschaft nachdenken. Ein kontrollierter Markt mit Elfenbein, Krokodilleder oder Tropenholz ist weder grundsätzlich unmoralisch noch grundsätzlich unökologisch. Auch beim WWF (World Wide Fund for Nature) wird heftig darüber nachgedacht. Volker Homes, Artenschutzexperte im WWF Deutschland wendet sich zwar gegen eine verfrühte Freigabe eines kontrollierten Elfenbeinhandels, sagt aber: "Wenn die Nutzung von Elefanten nachhaltig ist und effizient kontrolliert wird, kann sie langfristig funktionieren." Von Michael Miersch
Michael Miersch ist freier Autor in München mit den Spezialgebieten Tiere und Natur.
Zuletzt erschien von ihm (im Team mit anderen Autoren) das Buch "Life Counts. Eine globale Bilanz des Lebens" (Berlin Verlag)
Die Welt
07.06.1997
Harare - Das graue Ungeheuer kam in der Dunkelheit. Das dumpfe Geräusch seiner Schritte näherte sich rasch. In Panik ergriffen die zwei Männer die Flucht. Doch der massige Dickhäuter war schneller. Mit kräftigen Rüssel schlägen warf er die beiden zu Boden und zerquetschte sie unter seinen Füßen. Willi und Forbi, zwei Hotelange stellte aus dem Ferienort Kariba, wurden Opfer eines Elefanten. Das ist in Simbabwe keine Seltenheit. In den vergangenen Monaten sind immer wieder Menschen von Elefanten getötet worden. Der Grund: Die Population ist über das verträgliche Maß angewachsen. "Sie ist nicht mehr akzeptabel", sagt Willas Makombe, Direktor vom National Parks Department des Umweltministeriums in Harare. Elefanten zerstören die Wälder und nehmen dadurch in Bäumen lebenden Tieren die Lebensräume. Und sie gefährden die Sicherheit der Menschen. Immer wieder verirren sich Elefanten bis in die Städte nahe den Nationalparks. Allein im Hwange Nationalpark leben rund 28.000 Elefanten. Doch die Natur könne dort nur die Hälfte verkraften. Makombe: "Es muß dringend etwas geschehen." Daß es in Simbabwe zu viele Elefanten gibt, bestreitet kaum jemand. Uneinigkeit herrscht jedoch, wie die Bestände verringert werden sollen. Von Verhütungsmitteln und Sterilisation über das Einfangen und Abtransportieren in "elefantenarme" Regionen bis hin zum gezielten Abschießen wird alles diskutiert. "Mit der Pille für den Elefanten hat man aber gerade erst im südafrikanischen Krüger-Nationalpark schlechte Er fahrungen gemacht", sagt Makombe. Die Simbabwer scheinen daher eine andere Lösung zu favorisieren: das sogenannte "Culling", das Abschießen ganzer Elefantenherden vom Hubschrauber aus und die anschließende Zerlegung der Tiere in Stoßzähne, Füße und Hautteile; ein Vorgang, den es in den letzten Jahren immer wieder gegeben hat, um die Wälder zu schützen - und aus den Elefantenprodukten wichtiges Kapital zu schlagen. Das Problem: Laut Beschluß der Artenschutzkonferenz von Lausanne im Jahr 1989 ist der internationale Handel mit Elefantenprodukten wie etwa Elfenbein strikt verboten. Nur auf dem lokalen Markt darf damit gehandelt werden. Mit sorgenvoller Miene zeigt Makombe seine brachliegende Schatzkammer, das Elfenbeinlager im National Parks Department. Wie Goldbarren in Fort Knox wird das "weiße Gold" der grauen Dickhäuter dort verwahrt und bewacht. Streng kontrollieren bewaffnete Polizisten die Reisepässe der Besucher. Die Angst, Spione könnten die Diebstahlmöglichkeiten auskundschaften, ist offenkundig. Jeder Stoßzahn hat eine Registriernummer, die über Herkunft, Größe, Gewicht und Abschußdatum Auskunft gibt, Daten, die später in den Zahn eingraviert werden. "ZW 80596" war ein besonders kräftiger Bursche. 120 Kilogramm Elfenbein schleppte er mit sich herum. Wenn das Handelsverbot aufgehoben würde, könnten allein diese beiden Zähne 120.000 US-Dollar einbringen, Geld, das ein armes Land wie Simbabwe dringend benötigt. "Wir müssen das Culling ohnehin betreiben, um die Naturverträglichkeit herzustellen", sagt Makombe. Doch Culling ist teuer. Hubschrauber, Waffen, große Fahr zeuge und sehr viel Personal werden dafür benötigt. So zahlt der Steuerzahler am Ende dafür, daß die unver käuflichen Stoßzähne gelagert werden. Ein Elefant sei aber auch eine natürliche Ressource, die man nutzen müsse, meint Makombe, aber "natürlich nur in einem sehr streng kontrollierten Umfang". "Für die Position der Simbabwer muß man Verständnis haben", sagt Hans-Helmut Röhring, Vorsitzender des in Hamburg ansässigen Vereins "Rettet die Elefanten Afrikas". In Simbabwe, Botsuana und Südafrika gebe es durchaus Gebiete, in denen die Population zu hoch sei. Doch in den anderen 29 "Elefantenländern" Afrikas sei dies nicht der Fall. In Teilen Ugandas, Kenias oder Tansanias habe sich der Bestand noch nicht von den Raubzügen der Wilderer in den achtziger Jahren erholt. Das, so Röhring, werde Jahrzehnte dauern. Sollte der internationale Elfenbeinhandel aus einzelnen Regionen wieder erlaubt werden, würde das auch die Wilderei in den Ländern wiederaufleben lassen, in denen sich die Bestände längst noch nicht stabilisiert haben, befürchtet Röhring. Er plädiert für stärkere Hilfe des Westens beim Management der Elefantenpopulationen im südlichen Afrika. Für ihn sind die Elefanten noch lange nicht gerettet. Eine schützenswerte Art sind sie auf jeden Fall. "Elefanten sind kraftvoll und intelligent, sensibel und zärtlich, und sie repräsentieren die Großartigkeit der Natur."
Von Patrick Schmelzer
Neue Zürcher Zeitung
27.12.2001
Wenn Vögel auf die Reise in ihre Überwinterungsgebiete gehen, machen sie es nicht anders als wir Menschen, wenn wir zu einer anstrengenden Wanderung aufbrechen. Um die Strapazen meistern zu können, brauchen sie ausreichende Mengen an "Reiseproviant", den sie sich vor dem Aufbruch als Fettpolster regelrecht anfressen müssen. Viele Vogelarten verdoppeln ihr Körpergewicht durch die Anlage grosser Fettdepots. Doch wie der Wanderer, der nur das Nötigste in seinen Rucksack packt, um möglichst wenig Zusatzgewicht zu tragen, dürfen Vögel sich nicht zu viel zusätzliches Gewicht aufladen. Denn mit jedem zusätzlichen Gramm Fett müssen Zugvögel auch mehr Kraft aufwenden, um Flüge von mehreren hundert Kilometern ohne Zwischenstopp zu meistern.
Vogelzug im Windkanal
Bisher waren Vogelzugforscher davon ausgegangen, daß zwischen der erforderlichen "Transportleistung" und dem Gewicht der Fettreserven ein linearer Zusammenhang besteht. Einem Team von schwedischen und niederländischen Wissenschaftern gelang es jetzt, anhand von Flugexperimenten im Windkanal nachzuweisen, daß grosse Fettpolster günstiger transportiert werden können. Die Forscher untersuchten beim Knutt, einem etwa drosselgrossen Vogel aus der Familie der Schnepfen, der jeden Herbst von seinen Brutgebieten in den Tundren Europas und Sibiriensnach Südeuropa und Nordafrika zieht, inwieweit die aufzubringende Flugenergie vom Körpergewicht beeinflusst wird. Hierzu liessen sie unterschiedlich schwere Vögel einzeln bis zu 10 Stunden lang im Windkanal fliegen und ermittelten anhand des Sauerstoffverbrauchs den Energieverbrauch. Zu ihrer Überraschung stellte sich dabei heraus, daß die Flugmuskeln von schwereren Vögeln offenbar effektiver arbeiten. Grosse Fettpolster sind offenbar nicht so "teuer", wie bisher angenommen wurde. Es lässt sich daher jetzt besser erklären, warum Vögel wie der Knutt es schaffen, Nonstopflüge von mehreren tausend Kilometern durchzuführen.
Für Vögel, deren Zugweg über die offene See oder Wüsten führt, kann ein unvorhergesehener Zwischenstopp schnell einen tödlichen Ausgang nehmen. Sie sind daher gezwungen, rechtzeitig ihre Fettreserven aufzufüllen, um für alle Fälle gewappnet zu sein. So versammeln sich jeden Herbst in Nordägypten grosse Schwärme des Sprossers, eines im östlichen Europa vorkommenden engen Verwandten der Nachtigall, um vor der Sahara-Überquerung noch reichlich zu fressen. Forscher der Universität und des Naturkundemuseums in Stockholm sind der Frage nachgegangen, wie Sprosser aus Schweden wissen können, wann die letzte Möglichkeit zur Nahrungsaufnahme vor der Wüste gegeben ist. Dabei fanden sie heraus, daß offensichtlich das sich von Nord nach Süd verändernde Magnetfeld der Erde zur Standortbestimmung benutzt wird. Denn in Experimenten, bei denen Sprosser einem künstlichen Magnetfeld ausgesetzt waren, welches die Situation in Nordägypten simulierte, stellte sich eine deutlich grössere Gewichtszunahme ein. Mit diesem "körpereigenen GPS" können nach Ansicht der Wissenschafter auch Vögel, die das erste Mal von Schweden nach Afrika ziehen, sicher ihr Ziel erreichen.
Brutpflege mit Reiseproviant?
Fettreserven dienen nach Ansicht vieler Ornithologen jedoch nicht nur als Treibstoff für den Vogelzug, sondern werden bei zahlreichen Vogelarten auch für die den Stoffwechsel belastende Produktion von Eiern verwendet. Vor allem für Vögel, die in arktischen Regionen Grönlands und Kanadas brüten, wurde diese Strategie bislang angenommen. Dort ist der Sommer nämlich so kurz, daß das Brutgeschäft schnell vonstatten gehen muss. Deshalb ging man davon aus, daß die Vögel wohlgenährt und mit zusätzlichen Energiespeichern beladen aus den Überwinterungsgebieten zurückkehren. Daß diese Annahme nicht immer zutrifft, zeigt eine Untersuchung dänischer und niederländischer Wissenschafter. So scheinen dem Knutt und mit ihm verwandten Schnepfenarten wie dem Alpenstrandläufer oder dem Kiebitzregenpfeifer die vor Ort vorhandene Nahrung auszureichen, um im kurzen arktischen Sommer erfolgreich Nachwuchs aufzuziehen. Um dies herauszufinden, bedienten sich die Forscher eines technisch ausgeklügelten Analyseverfahrens.
Sie untersuchten die Federn der Altvögel und Jungvögel sowie die Eier in Bezug auf den Gehalt der Kohlenstoffisotope 13 C und 12 C, mit deren Hilfe sich Aussagen darüber treffen lassen, welche Nahrung die Weibchen vor und während der Brutperiode zu sich genommen haben. Das 13 C/ 12 C-Verhältnis erlaubt Rückschlüsse auf die Herkunft von Nahrungsquellen, weil in marinen Ökosystemen durch das aus kleinsten Algen bestehende Phytoplankton mehr 13 C in organische Kohlenstoffverbindungen eingebaut wird, als dies beispielsweise durch an Land lebende Pflanzen der Fall ist. Der höhere Gehalt dieses schwereren Kohlenstoffisotops gelangt durch die Nahrungskette auch in andere Organismen und ist selbst im Gefieder nachzuweisen. Da sich Schnepfenvögel im Winterquartier vor allem von wirbellosen Meeresbewohnern, im Sommer jedoch von landlebenden oder im Süsswasser vorkommendenWirbellosen ernähren, konnten die Wissenschafter anhand der ermittelten Kohlenstoffisotopeherausfinden, daß sich die Watvögel im Brutgebiet ausschliesslich von landlebenden bzw. im Süsswasser lebenden Insekten und Krebstieren ernähren. Im Unterschied zu grossen Vogelarten wie Gänsen sind arktische Watvögel nicht auf "Reiseproviant" aus den Winterquartieren angewiesen.
Pelikane im Trainingslager
Um Energie zu sparen, passen viele Vögel nicht nur ihr Körpergewicht optimal an, sondern versuchen auch während des Zuges möglichst kräfteschonend zu fliegen. So ist für viele Vogelkundler die typische V-förmige Zugformation von Gänsen oder Kranichen eine solche Anpassung, da das Fliegen im Windschatten Kräfte spart. Andere Forscher sehen jedoch vor allem verhaltensbiologische Vorteile in der Anordnung, da sich die Zugvögel so nicht nur gegenseitig im Auge behalten, sondern auch durch Rufe miteinander verständigen können. Um eine Antwort in diesem seit langer Zeit anhaltenden Ornithologenstreit zu erhalten, haben französische Wissenschafter acht Rosapelikane so trainiert, daß sie hinter einem Motorboot und einem Ultraleichtflugzeug einzeln und in V-förmiger Formation herfliegen. Alle wurden mit einem kleinen Recorder ausgestattet, der ihren Herzschlag aufzeichnete. Mit Hilfe einer Kamera wurde der Flügelschlag genau analysiert, um so Aussagen über die im Flug erforderliche Arbeitsleistung zu erhalten. Wie nicht anders zu erwarten, mussten Pelikane häufiger mit den Flügeln schlagen, wenn sie alleine über das Wasserflogen. Vögel, die im Windschatten ihren vorausfliegenden Artgenossen folgten, hatten hingegen eine geringere Herzschlagfrequenz und kamen mit weniger Flügelschlägen aus. Die Forscher machten jedoch noch eine weitere interessante Entdeckung. Offenbar ermöglicht es die V-Formation den Rosapelikanen, öfter vom aktiven Schlagflug in eine kurze Gleitflugphase zu wechseln. Ihren Berechnungen nach sparen die Pelikane dadurch bis zu 15 Prozent an Energie ein, die sie und andere Zugvögel, die in derselben Zugformation fliegen, beispielsweise für lange Nonstopflüge nutzen könnten.
Von Daniel Dreesmann
taz
08.03.2002
Wer dieses Jahr ein seltenes afrikanisches Tier sucht, sollte nach Uganda fahren. Ugandas staatliche Tierschutzbehörde UWA (Uganda Wildlife Authority) hat den früher verbotenen Lebendtierexport wieder zugelassen und für dieses Jahr eine Exportmenge von 245.237 Tieren festgelegt, fein säuberlich nach Tierarten aufgeschlüsselt.
Diese Quoten sind nach Presseberichten so hoch und vielseitig, daß halb Afrika seine Tiere legal über Uganda verkaufen kann. Wie die staatliche Zeitung New Vision jetzt herausfand, erlaubt die UWA unter anderem den Export von 900 Exemplaren einer Gleithörnchenart, die in Uganda nicht vorkommt, 360 Riesenginsterkatzen, die es nur noch im Kongo gibt, 1.350 kongolesischen Springmäusen, 900 Grauköpfchen, eine auf Madagaskar gefundene Papageienart, und 900 Erdbeerköpfchen, eine verwandte Art aus dem südlichen Afrika. Dazu kommen südafrikanische Schlangen, tansanische Chamäleone und andere.
"Die Tiere werden nach Uganda geschmuggelt, als ugandisch deklariert, kriegen Quoten und werden exportiert", sagte ein Naturschützer New Vision. "Mit dieser Art des unkontrollierten Handels kann man ganze Tierarten auslöschen." Zwar ist es möglich, Einzeltiere nach Uganda zu bringen und sie dann zwecks Export zu züchten, aber das ist teuer. Es wird befürchtet, daß die UWA nicht in der Lage ist, zu überprüfen, ob Tiere, für die eine Exportgenehmigung beantragt wird, wirklich in Uganda aufgezogen wurden. Die UWA-Sprecherin Lilian Ajarova wird mit der Aussage zitiert: "Wir haben nicht die Kapazitäten, das zu überwachen. Wir verlassen uns auf die Integrität der Händler."
Der Handel mit lebenden wilden Tieren ist weltweit nur mit Zertifikaten der internationalen Tierschutzbehörde Cites erlaubt. Aber die Cites-Vertretung in Uganda weiß laut New Vision nicht, wie viele Zertifikate dieser Art sie letztes Jahr erteilt hat.
Der Grund für die liberale Exportpolitik der UWA ist Geldmangel. Die 1996 gegründete Behörde, deren Führung 1998 wegen Unfähigkeit komplett ausgewechselt werden musste und heute von der Weltbank überwacht wird, erzielt 70 Prozent ihrer Einnahmen aus den Gebühren der Touristen, die in Ugandas Nationalparks Gorillas angucken. Aber seit der Ermordung mehrerer weißer Touristen durch ruandische Hutu-Milizionäre im Bwindi-Nationalpark 1999 ist der Tourismus in der Krise, und die Behörde sucht neue Einnahmen.
Als Transitland für Tierschmuggel ist Uganda beliebt. Neben Elfenbein, Schildkröten und anderen Produkten der Wilderei beschlagnahmte die UWA im Sommer 2001 einmal fünf Tonnen Nilpferdzähne. In der benachbarten Demokratischen Republik Kongo wildern ugandische Soldaten im Zusammenhang mit dem dort tobenden Krieg. Im August 2000 wurde ein ugandischer Oberst in der Nähe des von Uganda kontrollierten Garamba-Nationalparks im Nordosten des Kongo mit 800 Kilogramm Elfenbein in seinem Auto entdeckt. Ein anderes Mal nahmen Ugandas Soldaten kongolesischen Rebellen drei Tonnen Elfenbein ab und flogen sie nach Uganda. Angaben einer ugandischen Untersuchungskommission zufolge, die vergangenes Jahr illegale Geschäfte im Kongo untersuchte, wurden im Garamba-Park bereits zwischen 1995 und 1999 30 Prozent der Elefanten getötet. "In anderen Parks", so der Bericht der Kommission, "gibt es ähnliche Probleme."
Von DOMINIC JOHNSON
Neue Zürcher Zeitung
13.03.2002
Die genauen Flugwege, die Vögel über größere Distanzen zurücklegen, waren bis jetzt unbekannt, denn man konnte nur die Verbindungsstrecken zwischen dem Startort und dem Ort der Zweitbeobachtung aufzeichnen. Die Abweichungen von dieser Geraden, seien es aktivdurchflogene Umwege oder passive Verdriftungen zum Beispiel durch den Wind, könnten aber Hinweise auf Orientierungsmechanismen geben und auf Faktoren hinweisen, die den Vögeln unterwegs die Orientierung erleichtern oder erschweren. Das Globale Positionierungssystem (GPS) mit seinen 28 Satelliten ermöglicht es einem Signalempfänger, seine Position auf der Erde genau zu bestimmen. Bei den bisherigen Geräten reichte entweder die Kapazität, genügend Positionspunkte zur Rekonstruktion der Flugroute von Vögeln aufzuzeichnen, nicht aus, oder aber die Geräte mit entsprechender Leistung waren zu schwer und brauchten zu viel Strom.
Am Institut für Elektronik der ETH gelang es nun in Zusammenarbeit mit der Abteilung Neuroanatomie und Verhalten am Anatomischen Institut der Universität Zürich, ein GPS-System zu entwickeln, das bis zu 100.000 Punkte aufzeichnet und auf einem Chip von 30 mal 30 Millimetern Platz hat. Der von der Firma µ-blox vertriebene Chip dient inzwischen nicht nur dazu, die Wege von Lastwagen zur Erhebung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe zu verfolgen. 1999 wurde er erstmals auch einer Brieftaube auf den Rücken gepackt, um ihre Flugroute im Detail zu verfolgen.
Eine sechsköpfige Forschergruppe mit Mitgliedern von zwei französischen Forschungsinstituten und der Universität Zürich hat jetzt das System an Albatrossen (Diomedea exulans) ausprobiert, die auf dem Crozet-Archipel südöstlich von Afrika brüten und dabei längere Exkursionen zur Nahrungsbeschaffung über dem Meer unternehmen. Die vielen aufgezeichneten Positionspunkte machten eine genaue Rekonstruktion der Beuteflüge während der Brutzeit und der Nahrungsbeschaffung zur Aufzucht der Jungen möglich. So sieht man beispielsweise, wie ein Albatros während der Brutzeit auf einer in der Luftlinie über 500 Kilometer langen Flugstrecke rund 60 Prozent des gesamten Zeitaufwandes zum Fressen auf dem Wasser sitzt.
Im Detail zeigten die "Flugspuren" Zickzackmuster und Geschwindigkeitsschwankungen je nach Windrichtung. Während der Brutzeit sind die Flüge geradliniger als während der Jungenaufzucht, wenn die Vögel nahe bei der Kolonie Nahrung suchen, das Flugmuster über dem Schelf ist anders als über offenem Meer. Die Positionsdaten zeigen auch, wie auf dem Wasser sitzende Vögel durch Wind und Meeresströmungen abdriften und wie sie an Stellen, wo Nahrung aus der Tiefe emporquillt, spiralige Schleifen von wenigen Kilometern Durchmesser drehen.
pte
24.08.2002
Löwinnen in der Serengeti finden Löwenmänner mit dunklen Mähnen beeindruckender als mit blonden. Das fanden Zoologen um Peyton West von der University of Minnesota http://www1.umn.edu/systemwide/indexsys.shtml bei der Beobachtung von Löwinnen bei der Konfrontation mit echt aussehenden "Dummy-Löwen" heraus. Die weiblichen Großkatzen reagierten auf Löwen mit dunkler Mähne, da sie auf ihre männlichen Rivalen bedrohlicher wirkten.
"Löwen mit einem höheren Testosteron-Spiegel bekommen eine dunklere Mähne", erklärte West im Zuge der fünfjährigen Beobachtungen der Großkatzen im ostafrikanischen Nationalpark. Diese Löwen wiederum sind auch aggressiver und daher besser in der Verteidigung des Partners und der Jungtiere. Eignet sich die dunkle Mähne der Löwen zwar, um Löwendamen zu beeindrucken, hat diese aber auch ihren Preis. Infrarotaufnahmen der Serengeti-Löwen zeigten, daß Löwenmänner eine höhere Körpertemperatur als Löwinnen hatten. "Löwen mit einer dunklen Mähne müssen quasi ihr Verhalten und ihre Physiologie verstärkt daran anpassen, den Körper zu kühlen", betonte West.
Zwischen der Haarlänge und dem Testosteron-Spiegel besteht kein Zusammenhang, so die Zoologin. Die Länge des Mähne schien im Versuch mit den Löwen-Puppen keine wesentliche Rolle zu spielen. Einzig auf Löwenmänner machte langes Haar einen besonders großen Eindruck. Löwen näherten sich lang- und dunkelhaarigen "Dummys" deutlich langsamer und vorsichtiger als den kurzhaarigen vermeintlichen Eindringlingen. Die Löwendamen ließen sich in neun von zehn Fällen von dunkelhaarigen "Dummys" beeindrucken.
Von Sandra Standhartinger
Süddeutsche Zeitung
04.11.2002
Es war ein Gemetzel, wie man es in Kenia schon lange nicht mehr erlebt hatte. Am 29. März dieses Jahres entdeckten Wildhüter im Tsavo-Nationalpark zehn tote Elefanten. Die Tiere waren mit Kalaschnikows und deutschen G-3-Schnellfeuergewehren erschossen worden, anschließend hatte man ihnen mit Äxten die Stoßzähne aus dem Schädel gehackt. Es war ein Schock für die Wildhüter des Kenya Wildlife Service (KWS), der kenianischen Tierschutzbehörde. Kamen die Wilderer zurück, die zwischen 1973 und 1989 den Bestand der Tiere in Kenia fast ausgerottet hatten? Und warum schlugen sie auf einmal wieder zu?
Kurz darauf fand man noch mehr tote Elefanten. In einer Mitteilung des KWS hieß es, die Wilderer würden wieder aktiv, um Vorräte zu haben, falls Ende des Jahres der Handel mit Elfenbein teilweise freigegeben werde. Denn fünf südafrikanische Staaten, Botswana, Namibia, Simbabwe, Südafrika und Sambia, haben bei der Artenschutzkonferenz, die am Sonntag in Chile begonnen hat, Anträge eingereicht, das 1989 erlassene weltweite Handelsverbot für Elfenbein zu lockern. Sie möchten zunächst 87 Tonnen Stoßzähne verkaufen, die von natürlich gestorbenen Tieren stammen, und danach jährlich eine weitere Menge, die noch festgelegt werden soll. Das Elefanten-Thema wird die Artenschutz-Konferenz beherrschen, und schon jetzt ist klar, daß sich Befürworter und Gegner des Elfenbeinhandels erbittert streiten werden.
Denn wenn es um Elefanten und Elfenbein geht, prallen zwei verschiedene Weltanschauungen aufeinander. Auf der einen Seite stehen Kenianer und Tierschützer aus Amerika und Europa. Kein einziges Kilo Elfenbein dürfe auf dem Weltmarkt angeboten werden, fordern sie. Denn niemand könne legales Elfenbein von illegalem unterscheiden. Die Wilderer hätten bei einer teilweisen Freigabe des Handels leichtes Spiel, da fast alle afrikanischen Länder über viel zu wenig Geld, Personal und Schutzeinrichtungen verfügten und meistens nicht einmal bekannt sei, wie viele Elefanten es überhaupt gebe. Um diese Position zu untermauern, legen die Kenianer Zahlen vor. Schon einmal, im Jahr 1999, durften Botswana, Namibia und Simbabwe mit einer Sondergenehmigung 60 Tonnen Elfenbein nach Asien verkaufen. Das hatte zur Konsequenz, daß danach die Zahl der gewilderten Elefanten stark zunahm, so die KWS. Allein zwischen Januar 2000 und Juni 2002 seien mindestens 1000 afrikanische Elefanten getötet und weltweit mehr als 2500 Stoßzähne beschlagnahmt worden und das, obwohl der Handel mit dem "weißen Gold" in den neunziger Jahren fast völlig eingedämmt worden war. 1989 kostete ein Kilo Elfenbein noch 100 US Dollar, danach sank der Preis auf unter drei Dollar. Heute wird das Kilo wieder für 20 Dollar auf dem Schwarzmarkt gehandelt, weil Aussicht besteht, daß der Markt wieder geöffnet wird.
Auf der anderen Seite stehen die Regierungen im südlichen Afrika. Sie argumentieren, daß die Elefanten gar nicht vom Aussterben bedroht seien. Im Gegenteil. Der Schutz der Tiere habe in den vergangenen Jahren zu einer starken Vermehrung geführt, in vielen Gegenden seien sie zu einer Landplage geworden. Sie fräßen nicht nur die Felder der Bauern leer, sie verwüsteten auch ganze Landstriche, trampelten Dörfer nieder und manchmal auch Menschen. Die Einheimischen empfänden die geschützten Tiere als "monströse Pest". Zudem werde der Verkauf des Elfenbeins natürlich gestorbener Tiere den Elefanten helfen, da mit den Einkünften Schutzprogramme finanziert werden könnten.
Bislang ist nicht klar, wie sich die Delegierten der Artenschutz Konferenz entscheiden werden, nur eines steht fest: Die beiden Seiten werden sich in der Öffentlichkeit mit unsachlichen Argumenten bekriegen. Seit Tagen verschicken Tierschützer Presseerklärungen, in denen den südafrikanischen Staaten "skrupellose Profitgier" und "gewissenloser Tiermord" vorgeworfen werden. Diese wiederum bezeichnen vor allem die Europäer als "Öko-Kolonialisten". Ganz Afrika, so ihre Vermutung, solle zum Tiergehege für Touristen der Ersten Welt werden. Wie es den Menschen in diesem Gebiet gehe, interessiere die im Luxus lebenden Tierliebhaber nicht. Außerdem erheben die südafrikanischen Länder den Vorwurf der Scheinheiligkeit. Die Hauptabnehmer für das afrikanische Elfenbein seien Japan, China und Vietnam. Dort würden die Stoßzähne nicht nur zu Essstäbchen und Billardkugeln verarbeitet, sondern auch zu kunstvollen Schnitzereien und die seien vor allem bei europäischen Touristen sehr beliebt.
Von Michael Bitala
Salzburger Nachrichten
04.11.2002
Eine US-Umweltgruppe hat versucht, Südafrikas Elfenbeinbestände aufzukaufen und dem Handel durch Zerstörung zu entziehen. Ursprünglich sei die Verbrennung zum UN-Weltgipfel über nachhaltige Entwicklung Ende August in Johannesburg geplant gewesen, berichtet eine südafrikanische Zeitung. Der Handel sei an den Preisvorstellungen der Südafrikaner gescheitert, die für die angebotenen 30 Tonnen Elfenbein fünf Millionen Dollar (5,1 Millionen Euro) haben wollen. Die US-Gruppe Humane Society of the United States habe aber nur 250.000 Dollar geboten, schreibt das Blatt.
Insgesamt hat Südafrika in Skukuza (Krüger-Nationalpark) noch 37 Tonnen Elfenbein gelagert. Es stammt von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind oder erlegt werden mussten. Südafrika versucht zurzeit, eine Lockerung des Handelsverbots zu erreichen, um aus dem Verkauf seine Elefantenschutz-Programme zu finanzieren. Tierschützer sind dagegen, da auch der illegale Handel mit Elfenbein dadurch belebt würde. Nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) ist der Handel mit Elfenbein aus Asien seit 1975 und aus Afrika seit 1990 verboten. Als größter Interessent für Südafrikas Elfenbein gilt Japan. Neben Südafrika wollen auch Simbabwe, Botswana, Namibia und Sambia auf der am Wochenende in Chile begonnen CITES-Konferenz den Bann lockern.
Süddeutsche Zeitung
04.11.2002
Wenn es einen Menschen gibt, der als "Elefanten-Retter" bezeichnet werden kann, dann ist das Richard Leakey. Er war es, der Ende der achtziger Jahre die weltweite Kampagne gegen den Elfenbeinhandel startete. Sein größter Coup gelang ihm am 18. Juli 1989, als der kenianische Präsident Daniel arap Moi im Nationalpark von Nairobi einen riesigen Berg von Stoßzähnen in Brand setzte und Fernsehsender aus der ganzen Welt das Spektakel übertrugen. Moi war dazu bereit, nachdem Leaky ihn monatelang überredet hatte. Denn mit dem Elfenbein gingen dem kenianischen Staat sechs Millionen US-Dollar verloren, die ein indischer Händler für die Stoßzähne schon geboten hatte. Ein paar Monate später wurde auf der Artenschutzkonferenz ein totales Import- und Exportverbot für afrikanisches Elfenbein erlassen, die Elefanten wurden unter Schutz gestellt.
Das war zu diesem Zeitpunkt auch dringend nötig. 1973 gab es in Kenia noch 167.000 Elefanten, 16 Jahre später, als Leakey Chef der kenianischen Tierschutzbehörde, Kenya Wildlife Service (KWS), wurde, waren es nur noch 16.000. Durch die Arbeit des weißen Kenianers ist ihre Zahl wieder auf 30.000 angestiegen. Dabei hatte sich Richard Leakey bis zu seiner überraschenden Berufung durch Präsident Moi für vieles interessiert, nur nicht für Elefanten. Der Sohn des Anthropologenpaars Louis und Mary Leakey verdiente sich sein Geld als Fremdenführer, bis er sich, wie seine Eltern, auf die Suche nach den Spuren menschlicher Vorfahren machte und einen der ältesten Menschenschädel entdeckte.
Als Leakey 1989 die kenianische Tierschutzbehörde übernahm, war sie in einem verrotteten Zustand. Die meisten Tierhüter waren korrupt, die Kassen waren leer, und in den Parks tummelten sich Hunderte von Wilderern, die oft mit den KWS-Angestellten zusammenarbeiteten. Keine Bank wollte noch Kredite geben, die Geländewagen waren kaputt und die Beamten hatten zerrissene Kleider und Schuhe. Leakey nahm private Kredite auf, rüstete die Angestellten mit Uniformen, funktionierenden Autos und mit Waffen aus und machte aus dem KWS in kurzer Zeit eine schlagkräftige Truppe. Die Wilderei ging daraufhin so stark zurück, daß die kenianischen Parks bald zum Vorbild für andere afrikanische Tierreservate wurden. Trotzdem wurde Leakey nach fünf Jahren von Präsident Moi entlassen, weil er mit dessen absolutistischem Führungszirkel aneinander geraten war und mit lokalen Fürsten, die um ihre Einnahmen aus dem illegalen Elfenbeinhandel fürchteten.
Zwar engagierte sich der heute 58 Jährige danach in der Opposition und wurde 1999 sogar für zwei Jahre in die Regierung von Moi aufgenommen, doch in all dieser Zeit galt sein Interesse weiterhin den Elefanten. Er ist nicht mehr ganz so radikal wie früher, vor ein paar Tagen hat er sogar gesagt, daß er den kontrollierten Abschuss von Elefanten befürworte, wenn es in einem Gebiet zu viele Tiere gebe und keine andere Lösung möglich sei. Gegen den Handel mit Stoßzähnen kämpft er nach wie vor. Doch er sieht auch das Problem, vor dem alle Länder stehen, in denen es Elefanten gibt. Der Schutz der Tiere ist sehr aufwändig und teuer und übersteigt oft die Möglichkeiten der zumeist armen Staaten. Wenn also die internationale Gemeinschaft wolle, daß die Elefanten weiterleben, so Leakey, dann müsse sie auch deren Schutz finanzieren.
mib.
Die Welt
05.11.2002
Phil Matthews war auf einem Patrouillenflug im Niassa-Nationalpark in Mosambik, als er die Herde der toten Elefanten entdeckte. Ihre Köpfe waren zerhackt, so daß die Wilderer, die sie getötet hatten, die Stoßzähne bis auf den letzten Zentimeter herausbrechen konnten. Allein im letzten Monat fand der Hubschrauberpilot innerhalb von vier Tagen 20 tote Elefanten, und als er die verstümmelten Tiere sah, wusste er, was passiert war: "Hier legt sich jemand ein Elfenbeinlager an. Jetzt, wo der Handel bald wieder erlaubt sein könnte."
Fünf Länder im südlichen Afrika arbeiten seit geraumer Zeit energisch daran, den Bann, der auf dem Handel mit Elfenbein liegt, zu lockern. An diesem Wochenende trafen sich auf der internationalen Artenschutzkonferenz in Chile Vertreter der 130 Vertragsstaaten, um zu entscheiden, ob die fünf Länder eine Erlaubnis für den Verkauf ihres gelagerten Elfenbeins bekommen und ob ein dauerhafter Handel mit dem weißen Gold zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder erlaubt wird. Bislang ist noch unklar, wie sich die Artenschutzkonferenz, die bis zum 15. November dauert, entscheiden wird.
Naturschutzexperten, die das Verbot unterstützen, verweisen auf zunehmende Wilderei in letzter Zeit, als Warnung davor, was erst kommen mag, wenn der Handel erlaubt ist. Allein in Kenia haben Wilderer nach Angaben von Wildschutzbehörden in diesem Jahr 70 Elefanten getötet, im Jahr davor waren es 54. Ein Jäger hatte sogar eine Panzerabwehrgranate benutzt.
"Elefanten sind weit entfernt davon, in Sicherheit zu sein", sagt Paula Kahumu, eine hohe Beamtin der Naturschutzbehörde in Kenia. "Die jüngsten Fälle von Wilderei, sind eine Mahnung an die ungezügelte Wilderei der 1970er- und 1980er- Jahre, bei der Afrikas Elefantenpopulation von 1,3 Millionen halbiert wurde." Heute leben in Afrika rund 520.000 Elefanten.
Elfenbein war weit gehend aus der Mode gekommen, nachdem 1990 die 150 Vertragsstaaten, die dem Washingtoner Artenschutzabkommen angehören, den Handel mit Elfenbeinprodukten verboten hatten. Seit damals sind die Elefantenherden in einigen afrikanischen Ländern stark angewachsen. Botswana kann sich einer Elefantenpopulation von 120.000 Tieren rühmen, gegenüber 51.000 im Jahre 1987. In Südafrika gibt es heute rund 13.000 Elefanten. Das sind 5000 mehr als vor 15 Jahren.
In manchen Ländern sind deshalb kontrollierte Abschüsse nötig, um die Herden überschaubar zu halten. Einige afrikanische Staaten erlauben außerdem Großwildjägern die Teilnahme an der Jagd, allerdings müssen sie dafür bis zu 15.000 Dollar zahlen.
Südafrika, Botswana, Namibia, Simbabwe und Sambia wollen nun, daß der Elfenbeinbann teilweise aufgehoben wird, dann könnten sie rund 90 Tonnen gelagertes Elfenbein an Kunden in Japan verkaufen. Gewinn: neun Millionen Dollar pro Jahr. Es handelt sich dabei um Elfenbein von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind oder durch kontrollierten Abschuss, doch die Forderungen gehen noch weiter zur Erlaubnis für den ständigen Handel mit Elfenbein.
Südafrikanische Behörden behaupten, sie hätten die Wilderei im berühmten Krüger-Nationalpark ausgerottet. 30 Tonnen Elfenbein haben sich bei ihnen angesammelt und 152 Tonnen Elefantenhäute. Der Erlös würde genutzt, um mehr Land zu kaufen und Elefanten dorthin umzusiedeln, sagt Moshibudi Rampedi, Direktorin von Südafrikas Abteilung für Tourismus und Umweltschutz. "Wir haben unsere Elefanten im Griff", sagt sie. "Wenn die anderen das nicht können, warum sollen wir dafür bestraft werden?"
1989 kostete ein Kilo Elfenbein noch 100 Dollar, danach sank der Preis auf unter drei Dollar. Heute ist der Schwarzmarktpreis bereits auf 20 Dollar angestiegen. Und darin, sagt Esmond Martin, der für mehrere Naturschutzgruppen arbeitet, liegt das Problem: "Welche Wahl hat jemand in Sierra Leone, Liberia oder Somalia, wenn es um einen Arbeitsplatz geht? Wenn also die Elfenbeinpreise steigen, werden die Leute eben ins Elfenbeingeschäft wechseln." Das illegale Töten hat aber noch andere Konsequenzen: "Wilderei fördert massiv die Korruption in der Regierung. Denn um ihr Elfenbein loszuwerden, müssen die Wilderer Zoll- und Regierungsbeamte bestechen."
Seit Tausenden von Jahren wird der weiße Glanz des Elfenbeins geschätzt. In Form von Figürchen, als Verzierung auf Möbeln, als Schwertgriff oder Schmuck. Heute übt vor allem die Nachfrage in Asien Druck auf die weltweite Elefantenpopulation aus. Chinesische Behörden beschlagnahmten kürzlich drei Tonnen Elfenbein, das, wie amtliche Belege beweisen, über Kenia versandt wurde. Einen Monat zuvor waren sechs Tonnen Elfenbein aus Sambia in Singapur beschlagnahmt worden.
Auch eine Studie, die Anfang dieses Monats vom britischen Netzwerk Traffic, das den illegalen Handel mit geschützten Arten beobachtet, herausgegeben wurde, belegt, daß die wachsende Wirtschaftsmacht chinesischer Konsumenten die weltweite Nachfrage ankurbelt. Zudem, so die Studie, sei die unzureichende Strafverfolgung in China, Thailand und einigen afrikanischen Ländern, wie beispielsweise dem Sudan, dafür verantwortlich, daß der illegale Handel mit Elfenbein so stark Fuß fassen konnte. Umwelt- und Naturschützer fordern nun, daß der ungeregelte Elfenbeinhandel in diesen Staaten erst unter Kontrolle gebracht werden müsse, bevor der Handel wieder aufgenommen werden dürfe, denn wenn das Elfenbein erst einmal auf dem Markt ist, haben die Käufer keine Möglichkeit mehr, zwischen legalem und illegalem Elfenbein zu unterscheiden.
Vor allem im Sudan ist der Elfenbeinmarkt weit gehend unkontrolliert. Auf dem Omdurman-Markt nahe der sudanischen Hauptstadt Karthum bot ein Elfenbeinhändler einem Kunden 60 Stoßzähne zum Verkauf, für 75 Dollar das Stück. Die meisten Stoßzähne kommen aus den Unruheherden der Region.
Einige landen in den Händen von Majdi Hassan Osman, dessen Familie seit einem Vierteljahrhundert Elfenbeinschnitzereien anfertigt. Kleine Tierfiguren kosten zehn Dollar, Armreifen 20, und Gehstöcke gibt es für 200 Dollar. Kürzlich bestellte ein chinesischer Restaurantbesitzer 150 Essstäbchen aus Elfenbein. Osman war begeistert. Auf die Frage, ob er wisse, daß Elefanten für die Schnitzereien abgeschlachtet würden, schüttelt er den Kopf und sagt: "Das meiste Elfenbein kommt von Elefanten, die miteinander gekämpft haben und dabei gestorben sind."
Von Davan Maharaj
© Los Angeles Times, Übersetzung: Sandra Garbers
Man machte es sich zu leicht, den Ländern, die auf der Cites-Konferenz für nachhaltige Nutzung der Elefantenbestände und den überwachten Handel mit Elfenbein eintreten, zu unterstellen, sie schielten lediglich auf Export-Dollar. Für ihre Haltung gibt es plausible Gründe, auch im Sinne der Elefantenpopulationen.
1. Ist es grundsätzlich verboten, mit Elefanten Geld zu verdienen, so wird ihr Lebensraum immer kleiner. Die ostafrikanischen Länder zählen zur Weltspitze im Bevölkerungswachstum. Um Einkommen zu schaffen, werden die Elefanten zu Gunsten von Rinderfarmen oder Ackerland verdrängt.
2. Steigen die Elefantenzahlen in manchen Ländern ähnlich dramatisch wie während der vergangenen Jahrzehnte an, geraten Felder, Plantagen und Weiden immer stärker durch umherstreifende Herden in Mitleidenschaft. Der Hinweis auf frühere, viel größere Bestände greift nicht, weil sich die Bevölkerung in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt hat.
3. Daß die Erlaubnis der nachhaltigen Nutzung von Elefanten den unkontrollierten Abschuss befördern würde, bezweifeln viele Experten. Es ist in ihren Augen auch kein Zufall, daß die großen Gemetzel seitens der Wilderer in Kenia stattfanden, der Einzige unter den Staaten mit großem Elefantenvorkommen, in dem ein unbedingtes Tötungsverbot besteht.
4. Keineswegs unumstritten ist denn auch die Erwartung, daß der Elfenbeinpreis in die Höhe schnellt, wenn erst der kontrollierte Handel in dem Maß erlaubt ist, wie er die Bestände nicht gefährdet. Nach der Lesart würden die höheren Preise zu noch stärkerer Wilderei führen. Viele Experten erwarten jedoch das Gegenteil. Die Nachfrage, die fast ausschließlich noch in Ostasien besteht, trifft heute auf ein sehr enges Angebot, was die Elfenbeinpreise eher hochhält.
Auch der Worldwide Fund for Nature (WWF), in Deutschland federführend beim internationalen Artenschutz, hätte "grundsätzlich nichts gegen nachhaltige Nutzung" von Afrikas Elefanten einzuwenden, wie WWF-Artenschutzexperte Roland Melisch sagt. Allerdings müssten vor der Wiederzulassung des Elfenbeinhandels die Kontrollmechanismen verbessert werden.
Von Ulli Kulke
Der Spiegel
11.11.2002
Ein kleines Tier soll helfen, wilde Elefanten in Afrika davon abzuhalten, Pflanzungen zu verwüsten, die Afrikanische Biene. Der Zoologe Fritz Vollrath von der University of Oxford hatte bei Gesprächen mit Massai in Kenia gehört, daß die Insekten, die deutlich aggressiver sind als die europäischen Unterarten, in Einzelfällen die Dickhäuter erfolgreich in die Flucht geschlagen hätten.
In einem Feldversuch konnte Vollrath diese Legende jetzt bestätigen: Solche Felder, an denen er und seine Mitarbeiter volle Bienenstöcke angebracht hatten, blieben von den Elefanten vollkommen verschont. Selbst leere Stöcke hatten einen, wenn auch geringeren, Schutzeffekt.
"Die Elefantenhaut ist am Bauch, hinter den Ohren und unter dem Rüssel erstaunlich dünn", erklärt Vollrath. Wenn einige Tiere erst einmal gestochen worden seien und die Herde in Panik geflohen sei, erinnere sich offenbar die ganze Herde noch jahrelang an den unangenehmen Vorfall und meide alles, was wie Bienen summt, nach Bienen riecht oder aussieht.
taz
14.11.2002
Der Handel mit Elfenbein wird wieder gelockert: Botswana, Namibia und Südafrika dürfen ab 2004 insgesamt 60 Tonnen Elfenbein aus ihren Lagerbeständen verkaufen. Das hat eine Fachgruppe der Weltartenschutzkonferenz im chilenischen Santiago am Dienstagabend beschlossen. Weil es nur eine Formsache ist, daß am Freitag das Konferenz-Plenum die Entscheidung bestätigt, sprachen Umweltorganisationen bereits gestern von einem "schwarzen Tag für die Elefanten".
Sie fürchten, daß illegales Elfenbein wieder leichter abgesetzt werden kann und die Wilderei zunimmt. "Dem Elfenbein sieht man doch nicht an, woher es kommt", sagte Thilo Maack von Greenpeace. Allein die Aussicht auf eine Lockerung des Handelsverbotes habe die Schmuggelei schon vor der Konferenz wieder aufleben lassen.
Als die Elefantenbestände in den 80er-Jahren drastisch zurückgegangen waren, hatte sich die internationale Artenschutzkonferenz 1989 auf ein Handelsverbot geeinigt. 1997 wurde allerdings schon einmal der Verkauf von bestimmten Lagerbeständen freigegeben. Seitdem sei der Elfenbeinschmuggel kontinuierlich angestiegen, berichtet die Organisation Pro Wildlife. "Staubsauger des Elfenbeins der Welt ist der asiatische Markt", erläutert Roland Melisch vom WWF das Interesse der illegalen Jäger. Dort würden astronomische Preise erzielt.
Zumindest im südlichen Afrika hat sich die Elefantenpopulation dennoch wieder erholt. Gab es beispielsweise in Botswana 1990 nur 55.000 Elefanten, waren es im Jahr 2000 wieder 120.000. Die Herden müssten in Grenzen gehalten werden, argumentierten jetzt Botswana, Namibia und Südafrika, aber auch Simbabwe und Sambia.
Im Gegensatz zu den drei erstgenannten Ländern versagte die Konferenz den letzten beiden aber die Verkaufserlaubnis. Den "Mugabe-Effekt" nennt das Melisch. Dem korrupten Regime werde nicht zugetraut, den Elfenbeinschmuggel zu kontrollieren. Genau diese Bedingung knüpften die Delegierten aber an die Lockerung des Handels. Doch auch die anderen Länder seien von einem effektiven System weit entfernt, meint Daniela Freyer von Pro Wildlife. Die Auflage sei "ein Feigenblatt". Das vorgesehene Kontrollsystem gibt es schon einige Jahre unter dem Namen "Mike" (Monitoring of Illegal Killing of Elephants). Mit ihm sollen Wilderer vor Ort aufgespürt werden. Freyer beklagt: "Mike hat bis heute noch nicht einmal grundsätzliche Daten geliefert." Es könne den Stand der Wilderei nicht aufzeigen.
Über Kontrollen hinaus haben sich die afrikanischen Staaten verpflichtet, ihre Erlöse aus dem Weißen Gold in den Schutz von Elefanten zu investieren. Es geht durchaus um Geld: Simbabwe etwa, dem 1997 der Verkauf von 20 Tonnen Elfenbein erlaubt worden war, hatte damit auf dem japanischen Markt 1,73 Millionen Euro eingenommen. Zwei Drittel davon sollen in die Nationalparks geflossen sein. Ist der Handel also gut für die Dickhäuter und die Region? Thilo Maack wehrt ab: "Noch nie haben Elefanten oder die lokale Bevölkerung profitiert."
Während die Delegierten in Chile streiten, haben sich die Wilderer schon einmal auf den Weg gemacht: Gestern wurde bekannt, daß Banden im südafrikanischen Krüger-Nationalpark mal wieder mehrere Elefanten und Nashörner erlegt haben.
Von HANNA GERSMANN
pte
28.01.2003
Zebras, Esel und Wildpferde sind nach Angaben der World Conservation Union (IUCN) http://www.iucn.org weltweit vom Aussterben bedroht. Naturschützer haben nach Angaben von BBC-Online http://news.bbc.co.uk berichtet, daß mindestens sieben Pferdearten in der freien Wildbahn massiv bedroht sind. Das Przewalski Pferd, eines der letzten Wildpferdearten, gilt bereits als ausgestorben.
"Die meisten bedrohten Pferdearten leben in Wüsten oder Savannen. Diese sind nicht artenreich, aber es leben viele endemische Tiere und Pflanzenarten in diesen Öko-Nischen", so die Wissenschafterin Patricia Moehlman, Vorsitzende der IUCN. Die meisten der Tiere teilen sich das Ökosystem mit den Menschen. Beide leiden unter denselben Umweltbedingungen. Da einige der wildlebenden Pferdearten auch mit domestizierten paaren können, hat sich das Verschwinden einiger Spezies in der freien Wildbahn noch verstärkt. So wurde das inzwischen ausgestorbene Przewalski-Pferd mit lokalen Pferdearten gekreuzt. Wissenschafter sprechen aber davon, daß sich einige der bestimmten Chromosomen der Wildpferde nicht mehr auf die gekreuzten Nachfahren weitervererben. So verliert das Przewalski-Pferd einmal im Jahr die gesamte Mähne. Die Vorfahren dieser Spezies sind übrigens bis auf 20.000 Jahre nachweisbar. In Höhlen- und Felszeichnungen in Frankreich, Italien und Spanien sind diese Pferde verewigt. Nach 1945 ist die Zahl der Pferde rasant zurückgegangen. Gründe dafür waren militärische Aktivitäten, Jagd und Verminderung der freien Landflächen durch Ackerbau und Weidewirtschaft. Die letzte Gruppe wildlebender Przewalski-Pferde wurde 1969 in der Wüste Gobi in der Mongolei gesichtet. In den 90-er Jahren wurden dort nachgezüchtete Przewalski-Pferde ausgesetzt. http://www.treemail.nl/takh
Ein ähnliches Schicksal hat auch das Berg-Zebra erlitten. Nach Schätzungen von Experten ist der Wildbestand der Tiere, die in Südafrika, Namibia und Angola leben, inzwischen um 50 Prozent gesunken. Aber auch andere Zebra-Arten gelten als gefährdet. Nach Angaben von Biologen nützen zwar die groß angelegten Wild- und Naturparks, eine Kreuzung verschiedener Arten wird allerdings befürchtet. Ökologen warnen aber vor einer Verkleinerung des Genpools durch Kreuzung. Außerdem ist der Bestand der Tiere durch Trockenheit und der geringen Anzahl freilebender Spezies gefährdet.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
12.06.2003
Wenn die Weltbevölkerung im gleichen Maß ansteigt, werden in den kommenden 50 Jahren weitere 15 Prozent der Tiere zu bedrohten Arten. Betroffen davon sind nicht nur Lebewesen in Entwicklungsländern, sondern überall auf der Welt, berichtet der Anthropologe Jeffrey McKee von der Ohio State University http://www.osu.edu in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins "Biological Conservation".
"Wenn andere Spezies nach den gleichen Mustern wie Säuger und Vögel dezimiert werden, ist es mit der Zukunft der Biodiversität schlecht bestellt", so McKee, der die Korrelation zwischen Bevölkerungswachstum und Artensterben herstellt. Der Wissenschafter hat die Bevölkerungszahlen von 230 Staaten genauer untersucht, um demografische Daten wie Wachstum und Bevölkerungsdichte zu ermitteln. "Wir wissen, daß es eine Reihe von natürlichen Komponenten gibt, die eine Gefährdung gewisser Lebewesen unterstreichen", erklärt der Forscher, der auch als Professor für Ökologie tätig ist. Die natürlichen Faktoren wurden menschlichen Faktoren gegenübergestellt. Nach Angaben des Wissenschafters lassen sich danach 88 Prozent der gefährdeten Spezies ablesen. Das bedeutet, daß die Forscher genau vorhersagen können, welche Arten speziell gefährdet sind, wenn die Bevölkerung weiter um den Faktor x wächst. "Selbst die restlichen 12 Prozent lassen sich anhand der individuellen Ökologie eines Landes, etwa der Zahl endemischer Pflanzen und Tiere, genau bestimmen", so McKee. Dabei bemerkt der Forscher, daß die Schätzung der Zahlen nur insofern ungenau sei, als verschiedene Arten bisher noch nicht beschrieben sind.
McKee sagt voraus, daß in den USA in den kommenden 50 Jahren zehn weitere Arten als gefährdet eingestuft werden müssen. "Das klingt nach wenig, aber es dauert hunderttausende Jahre bis eine Spezies sich überhaupt entwickelt", so der Experte. Es sei eine Katastrophe, wenn innerhalb von 50 Jahren plötzlich zehn weitere Arten an den Rand der Ausrottung gebracht werden. In der Studie wurden nur Säugetiere und Vögel berücksichtigt.
In seiner Arbeit hat der Forscher auch besonderes Augenmerk auf die Republik Kongo gelegt. Dieses Land habe eine der schlimmsten Zukunftsaussichten: Bis 2050 werden dort weitere 26 Spezies als gefährdet einzustufen sein. In dem zentralafrikanischen Land, das für seine reiche Artenvielfalt an Säugern bekannt ist, würde die Zahl der gefährdeten Tierarten damit um fast 40 Prozent steigen.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
18.06.2003
Wildparks im Süden Afrikas sollen schon bald privatisiert werden. Grund für diesen Schritt sind große Sorgen der Politiker im südlichen Afrika mit anderen drängenden Problemen wie Armut, Aids und Schulbildung. Für die Betreuung der zahlreichen Nationalparks fehlt es an Geld und Know-how. Ein privates Unternehmen soll die Nationalparks in Sambia, Malawi, Uganda, Kenia und Mosambik retten. Die Idee zu dem Schritt stammt vom holländischen Milliardär Paul van Vlissingen, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk.
Beteiligt an dem multinationalen Unternehmen sollen auch das US-State Department, die Weltbank, eine Reihe von Umweltorganisationen, NGOs, Privatleute und auch der Ex-Präsident Nelson Mandela selbst sein. Die Konzeptidee soll 1998 nach einen Treffen mit Mandela entstanden sein. Vlissingen, selbst Eigentümer einer Großhandelskette, ist seit vielen Jahren als Umweltschützer bekannt, argumentiert damit, daß viele der Nationalparks ohne Kontrolle, Aufsicht und Management existieren. Dadurch entfällt auch die Kontrolle gegen Wilderer. "Viele der Park-Ranger verdienen viel zu wenig und sorgen daher nicht für die nötige Kontrolle", erklärte der Milliardär. Um Umweltschutz wieder aktiv zu betreiben und die Parks in Schuss zu halten, wird eine Dachgesellschaft, die African Parks Management and Finance Company, gegründet. In dieses Unternehmen sollen sowohl private als auch öffentliche Ressourcen fließen. "Die Staaten können Experten, Forscher und sogar Tiere aus anderen Nationalparks oder Ländereien bringen", so Vlissingen. Er selbst sorge für das Management und den geregelten Ablauf des Unternehmens. Im Marakele-National-Park im Norden von Johannesburg funktioniere das System nach Angaben des Milliardärs bereits optimal. Viele seltene, vom Aussterben bedrohte Arten, leben in der Zwischenzeit in dem Park. Vlissingen ist bereits mit zwei weiteren Parks in Sambia in Verhandlungen getreten.
Die Idee des Milliardärs stößt in Sambia jedoch nicht auf großartigen Beifall, die Opposition in Lusaka erklärte den Deal für null und nichtig. Der Politiker fürchtet, daß die Einwohner des Barotselandes ihres eigenen Territoriums beraubt werden. Es dürfe nicht sein, daß ein privates Unternehmen absolute Rechte über ein besiedeltes Land bekomme, argumentiert Livingstone-MP Sakwiba Sikota, Parlamentarier der Oppositionspartei bei einer dazu einberufenen Pressekonferenz. Das Land müsse im Besitz der indigenen Bevölkerung bleiben, die dort wohnt. Im malawischen Majete-Game-Reserve, einem staatlich geführten Nationalpark, hat Vlissingens African Park Management die Kontrolle für 25 Jahre übernommen. Der Park litt besonders unter Wilderern, die dort viele Säuger an den Rand des Aussterbens gebracht hatten.
Derzeit ist Vlissingen in Verhandlung mit den Regierungen von Kenia, Uganda und Mosambik um auch dort Parks zu übernehmen. Der Milliardär gesteht, daß seine Ideen radikal sind und für Kontroversen sorgen. Er verspricht aber, daß ein großer Teil der Wertschöpfung in den afrikanischen Ländern bleibe, obwohl das Unternehmen nach kommerziellen Gesichtspunkten geführt werde. "Wenn wir nicht radikal beginnen, die Großlandschaften Afrikas zu schützen, wird im kommenden Jahrhundert der Großteil der afrikanischen Fauna verschwunden sein", meint der Milliardär.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
24.05.2004
Forscher der japanischen Pharmazieuniversität von Kyoto http://www.pharm.kyoto-u.ac.jp/ haben das Rätsel um den farbigen "Schweiß" von Nilpferden gelöst. Schon in der Antike war das Phänomen bekannt, das den Tieren den Mythos einbrachte, sie schwitzten Blut. Nun hat sich herausgestellt, daß es sich bei den Sekreten weder um Blut noch um Schweiß handelt, sondern um eine Mischung aus Pigmenten, die als Sonnenschutz, Antibiotikum und zur Regulierung der Körpertemperatur dienen.
Für die Untersuchung haben die Forscher Abstriche der Substanz von den Köpfen und Rücken der zwei Nilpferde Satsuki und Jiro im Zoo von Tokio genommen. In weiterer Folge wurde die Substanz auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht und so wurden die beiden Pigmente identifiziert. Diese Verbindungen geben Nilpferden ihre rötliche Erscheinung, sind die japanischen Forscher überzeugt. Sie glauben, daß die zwei Substanzen als Stoffwechselprodukt von Aminosäuren, die Proteine produzieren, anfallen.
Durch die Isolation der Chemikalien haben die Forscher die These überprüft, daß der "Schweiß" eine Funktion als Sonnenschutz und Antibiotikum übernimmt. Dazu wurde getestet, wie viel vom Spektrum der Sonne von den Pigmenten absorbiert wird. Die Forscher fanden heraus, dass die Pigmente die Nilpferde von ultravioletter Strahlung abschirmen. Das rote Pigment dient außerdem als Antibiotikum und verhindert das Wachstum der Krankheitserreger Pseudomonas aeruginosa und Klebsiella pneumoniae, also sind die Nilpferde auch vor Bakterien geschützt. Zusätzlich reguliert die Substanz die Körpertemperatur.
Diese dreifache Funktion der Pigmente ist sehr nützlich für die Tiere, die in Zentralafrika und im Niltal leben. Sie verbringen sehr viel Zeit in der Sonne und zahlreiche Kämpfe untereinander machen sie anfällig für Wundinfektionen. Die Nilpferde produzieren mehr von den Pigmenten wenn sie am trockenen Land sind. Weiters können sie den blutroten Schimmer einige Stunden speichern, bevor sie ihren Glanz verlieren.
Von Marietta Gross