Neue Zürcher Zeitung
20.02.2002

Die Störche kommen zurück

Zwei Wochen Live-Übertragungen des deutschen Fernsehens

Wenn der Frühling naht, machen sich die Störche aus Afrika auf den Weg nach Europa. In diesem Jahr werden sie dabei von deutschen Fernsehteams begleitet, die dafür sorgen wollen, daß ein Millionenpublikum mit den Geheimnissen des Storchenzuges und zugleich mit den Gefahren vertraut gemacht wird, die den vom Aussterben bedrohten Weissstörchen drohen. Vom 25. März an werden die Morgenmagazine von ARD und ZDF zwei Wochen lang in Live-Schaltungen täglich aus Afrika über den Storchenflug berichten. Schon jetzt wird im Internet unter http://www.Storchenzug.de über das Projekt informiert. Mit speziellen Seiten sollen zudem Kinder und Jugendliche spielerisch an den Naturschutz herangeführt werden.

Umweltpolitische Hintergedanken
Das Vorhaben, das auf eine Initiative des Naturschutzbundes Deutschland zurückgeht, erfreut sich ausser der Mitwirkung der beiden öffentlichrechtlichen Fernsehanstalten und mehrerer privater Organisationen der Unterstützung des deutschen Umweltministeriums, des Bonner Bundesamtes für Naturschutz und der beiden ebenfalls in der ehemaligen deutschen Bundeshauptstadt angesiedelten Sekretariate der Uno-Konventionen über wandernde Tierarten (CMS) und zur Erhaltung afrikanisch-eurasischer wandernder Wasservögel (AEWA). Beide Organisationen veranstalten im "Jahr der biologischen Vielfalt" in Bonn im September ihre Vertragsstaatenkonferenzen. Bei dieser Gelegenheit werden voraussichtlich Resolutionen verabschiedet, die die Staatenwelt zu besonderen Schutzmassnahmen für Weissstörche und andere bedrohte Vogelarten verpflichten sollen. Das Storchenflugprojekt dient, wie die Veranstalter unterstreichen, der publizistischen Vorbereitung auf die politischen Bemühungen um globalen Vogelschutz.

Die deutschen Initiatoren greifen auf Erfahrungen zurück, welche vor ihnen bereits die schweizerische Gesellschaft für den Weissstorch und beispielsweise auch Vogelschützer in Dänemark mit einem ähnlichen Aktionsprogramm gemacht haben. Schon seit 1993 hat die Beringung als Mittel zur Erforschung des Vogelfluges ausgedient. An ihre Stelle trat die Satelliten-Telemetrie, die in der Lage ist, bis auf zehn Kilometer genau die jeweiligen Standorte der mit ultraleichten Minisendern ausgestatteten Störche zu bestimmen. Seit August 2001 tragen die Störche Valinka, Sophia, Annamarie, Felix, Jonas und Prinzesschen ihre Peilsender. Der Hinweg nach Afrika verlief nach Angaben des deutschen Bundesamts für Naturschutz problemlos. Storch Jonas flog über die Westroute nach Spanien, seine Kollegen zogen hingegen über die Türkei und den Nahen Osten bis nach Afrika. Prinzesschen schaffte es sogar mehr als 10.000 Kilometer bis nach Südafrika. So wissen die Wissenschafter genau, wo die sechs ausgewählten Störche aus der Elbtalaue verblieben sind. Nur der Storch Jonas überraschte seine Überwacher. Er blieb in Spanien, wo er sich den Winter über auf Müllhalden ernährte.

Gefahrenstellen im Nahen Osten
Die wissenschaftliche Dokumentation des Zugverhaltens dient vor allem dem Erkunden von Gefahrenquellen. So werden den Störchen immer wieder elektrische Freileitungen und Strommasten zum Verhängnis. In Afrika und im Nahen Osten werden sie zum Teil noch mit Pfeil und Bogen bejagt. Es mangelt zunehmend an geeigneten Rastgebieten. Als besonders gefährlich gilt unter Naturschützern der Engpass im Jordantal und über dem Sinai. In der Gegend um Scharm-as-Sheikh häufen sich Unfälle und Vergiftungen, wenn Störche auf Müllhalden ungewohnte Nahrung aufnehmen. Ihren Fernseh-Begleitern am Boden geben sie mit ihrer Reisegeschwindigkeit von 200 bis 500 Kilometern pro Tag ganz andere Probleme auf: Über miserable Pisten und wegen der vielen peinlich langen Grenzkontrollen können sie oft nicht mithalten.


taz
04.04.2002

Frühlingsgefühle im Storchennest

Die ersten Weißstörche sind wieder in Deutschland angekommen und können sogar im Internet beobachtet werden

Der Storch, seit Jahrhunderten Bote für den Frühling, ist für dieses Jahr zurück. Im brandenburgischen Vetschau dokumentierte eine Kamera des Weißstorch-Informationszentrums dieser Tage die Ankunft eines männlichen und eines weiblichen Tieres. Jeder Flügelschlag wird aufgezeichnet. Im Internet http://www.storchennest.de sind die Live-Bilder abrufbar. Ciconia ciconia, wie der Weißstorch im Wissenschaftsjargon heißt, gehört seit jeher zu den bedrohten Tierarten und wurde 1994 "Vogel des Jahres".

"Das Paar ist jetzt komplett", sagt Winfried Böhmer, Projektleiter des Naturschutzbundes Deutschlands (NABU). Ob es sich längerfristig den Horst teilt, bleibt abzuwarten. Denn weibliche Störche sind sehr wählerisch und wechseln oft Nistplatz und Partner. In Europa brüten zwischen 120.000 und 150.000 Paare, einige hundert im nordwestlichen Afrika und im westlichen Asien. Ganz vereinzelt trifft man auch noch ein Storchenpaar an der Südspitze Afrikas an.

Bis auf wenige Individualisten ist der Storch kein Einzelkämpfer. Den herbstlichen Flug in wärmere Gefilde legt er in Schwärmen oder Trupps zurück. Erst in den heimischen Gefilden lösen sich die einzelnen Tiere aus dem Verbund und suchen, wenn möglich, ihre alten Nester auf. "Die Männchen kommen meist zuerst an. Die Weibchen folgen ein paar Tage später.", so Böhmer. Wer im Nest der Horstherr ist, entscheide das Recht des Stärkeren. "Im Vorfeld kann es zwischen den Männchen zu heftigen Kämpfen kommen."

Die Ausweichmöglichkeiten für den Verlierer sind allerdings begrenzt. Die Zahl der Gebäude, die sich zum Nisten eignen, ging in den Jahren stark zurück. Durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten und Biotopen sind viele Störche ihrer Jagdgebiete beraubt. Gefahr lauert auch in freien Lüften in Form von Strommasten. Jährlich sterben tausende der vom Aussterben bedrohten Störche in Hochspannungsleitungen.

Nachwuchs ist also durchaus wünschenswert und nicht unwahrscheinlich. "Gleich nach der Ankunft des Weibchen haben die beiden kopuliert", berichtet Böhmer. Hat alles geklappt, dann legt das Weibchen kurz nach der Paarung drei bis fünf Eier, aus denen nach ungefähr 35 Tagen der Storchennachwuchs schlüpft. Etwa sieben Wochen brauchen die Jungen, bis sie die ersten Flugversuche unternehmen. Nach zwei Monaten Training sind sie flügge und gerüstet für den langen Flug zurück in Richtung Süden.
Von ANNE HERZLIEB


news.ch
25.09.2002

Der Weissstorch Max ist wieder in Afrika

Der Weissstorch Max ist wieder in Afrika. Max war vor drei Jahren auf Initiative des Naturhistorischen Museums Freiburg als erster Storch in der Schweiz mit einem Argos-Sender versehen worden.

Am Montag näherte sich Max der Strasse von Gibraltar, wie das Museum mitteilte. Am Dienstagmorgen überflog er zum siebten Mal in seinem Leben die Meerenge. Danach umflog er das Rif-Massif und gelangte abends an einen Ort rund 50 km nordwestlich von Fes in Marokko.

Im Mai 1999 war Max im waadtländischen Avenches geschlüpft. Er verliess die Schweiz im August des gleichen Jahres und verbrachte seinen ersten Winter in Nordmarokko. Im Frühling 2002 brütete er in der Nähe von Kreuzlingen im Kanton Thurgau.

Max ist der erste Weissstorch, dessen Wanderungen fast lückenlos dokumentiert sind. Seine Zugrouten können auf den Internetseiten des Naturhistorischen Museums Freiburg (www.fr.ch/mhn) verfolgt werden.


pte
02.04.2003

Zugvögel werden zu Opfern des Irak-Kriegs

Ornithologen erwägen brennendes Öl als Ursache für spärliche Strochen-Rückkehr

Der Krieg im Irak stört massiv die Wanderrouten von Zugvögeln. In das kroatische Dorf Cigoc, eines von vier europäischen Storchendörfern (1994 bis 1999), sind bislang nur fünf europäische Storchenpaare zurückgekehrt. Gewöhnlich beläuft sich die Zahl Ende März auf hunderte Paare allein in Cigoc und mehr als 1.500 Paare in ganz Kroatien. Dorfbewohner machen den Irak-Krieg für ihre Abwesenheit verantwortlich. Gegenüber lokalen Medien erklärt Dragutin Miletic: "Die Vögel haben aufgrund militärischer Manöver die Route wahrscheinlich geändert."

Ornithologen haben bereits gewarnt, daß mehr als eine Mio. Zugvögel vom Krieg betroffen sein könnten. Sumpfgebiete im Irak gelten auf dem Flug von Südafrika nach Europa als wichtige Rastplätze. Der tschechische Ornithologe Pavel Ctyroky erklärte: "Der Krieg beeinträchtigt die herkömmliche Flugroute, da der Rauch von brennendem Öl zur Desorientierung führt." Ähnlich war die Situation auch im ersten Golfkrieg zwischen dem Iran und dem Irak 1980 bis 1988. Viele Störche mussten laut Ctyroky neue Routen finden, um nach Europa zu gelangen. Einige kamen nie an.

Die internationale Ornithologie-Organisation BirdLife http://www.birdlife.net , die die verheerenden Auswirkungen des ersten Golfkriegs dokumentierte, skizziert verschiedene Möglichkeiten, wie der Krieg im Irak die Migration stören könnte. So können etwa die Habitate entweder durch Waffen aber auch von Flüchtlingen zerstört werden. Auch die radiologische oder chemische Kontamination ist nicht auszuschließen. Hinzu kommt die Verwüstung durch Fahrzeuge des Millitärs.
"Im März-April befinden sich im Irak die meisten Vögel. Aus der Sicht der Biodiversität hätte die Kriegszeit nicht schlechter gewählt werden können", wird der Migrations-Spezialist Phil Hockey vom Percy Fitz Patrick Institute of African Ornithology in Kapstadt in Environmental News Network (ENN) http://www.enn.com zitiert.
Von Sandra Standhartinger



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