Überfall auf deutsche Expedition im Nord-Niger

Eine deutsche Sahara-Off-Road-Tour wurde von schwerbewaffneten "Wüstenpiraten" ausgeraubt.


Wien/Republik Niger (pts, 25. Mar 2001 23:26)
Am Sonntag Morgen ereignete sich zum wiederholten Male ein Überfall auf Expeditionsreisende. Eine vom Rosenheimer "Wüstenfuchs" Sadok Kechicheb geführte Sahara-Off-Road-Tour wurde im Air-Gebirge unter dramatischen Umständen von schwerbewaffneten Banditen ausgeraubt. Nach jüngsten Meldungen sind alle anfangs vermissten Personen aber wohlauf.
Der Nord-Niger mit der Ténéré-Wüste und dem Air-Gebirge soll, so heißt es, die "schönste Wüste der Welt sein". Unendliche Weiten und Dünenmeere, Salzkarawanen und weit abgelegene Oasen kennzeichnen diesen wunderbaren Teil der Sahara. Doch der verarmte Vielvölkerstaat, dessen landschaftliche Schönheiten immer mehr Abenteuer-Touristen anziehen, birgt auch zunehmende Gefahren.
Wie zu Zeiten der "Freibeuter der Meere" gibt es in abgelegenen Winkeln der Wüste marodierende Räuberbanden, die geradezu Jagd auf vorbeiziehende Einzelfahrzeuge bis hin zu ganzen Konvois machen. Der jüngste Vorfall passierte diesen Sonntag, wie Klaus Därr ebenfalls Sahara-Experte und Vielreiser, aus erster Hand mitteilte.
Das Rosenheimer Reiseunternehmen SARO-Expedition, spezialisiert auf Off-Road-Touren durch die Sahara, war mit einer deutschen Reisegruppe in zwei Mercedes Geländewagen und einem Land Rover zur wildromantischen Timia Oase im Air-Gebirge unterwegs.
Plötzlich wurde das erste Fahrzeug im Konvoi ohne Vorwarnung beschossen, worauf Expeditionsleiter Sadok Kechicheb sofort per Funk die Weisung zur Flucht gab. Dies jedoch gelang nur seinem eigenen schnellen Geländewagen. Die beiden anderen Fahrzeuge samt den Insassen wurden festgehalten.
Kechicheb fuhr querfeldein auf kürzestem Weg in die Provinzhauptstadt Agadez, wo er sofort Meldung bei den Behörden machte und per Satellitentelefon seiner in Rosenheim geblieben Frau Elfi Bericht erstattete. Sie verständigte die für den Niger zuständige Deutsche Botschaft in Abidjan, Elfenbeinküste, und das Auswärtige Amt in Bonn, die noch am gleichen Tag ein Krisenteam zusammenstellten.
Auch Klaus Därr, der eben erst aus Kairo ins heimatliche Bayern zurückgekehrt war, half indem er seine guten Kontakte nach Agadez telefonisch ankurbelte. "Ich kenne Sadok sehr gut und weiß wie qualifiziert und verantwortungsvoll er agiert", so Därr. "Bei einer gemeinsamen Expedition im Dezember 99 von Tunesien nach Libyen wurden wir bereits einmal ausgeraubt und von den Banditen mitten in der Wüste zurückgelassen." Und Därr ist nicht nur um seinen Freund besorgt, denn auch seine Tochter Astrid ist zur Zeit gemeinsam mit Freunden im Air-Gebirge unterwegs, weniger als hundert Kilometer vom Tatort entfernt.
Doch gegen 16 Uhr geht ein Anruf der Nigerischen Agentur "Pèlerin du désert" bei den Därrs ein: Trotz schlechter Verbindung und Verständigungsschwierigkeiten wird klar - die vermissten Personen wurden unverletzt in Agadez gesichtet. Es wurde "nur" ein neuer Mercedes 290 GD geraubt, der Land Rover und das Fahrzeug des einheimischen Führers blieben erhalten. Eine Nachricht, die hoffen läßt - wenngleich zur Zeit noch keiner der Betroffenen persönlich erreichbar war.
Überfälle dieser Art werden im Nord-Niger immer öfter berichtet und Reisende sind gut beraten, entlegene Landstriche zu meiden. Wer jedoch unausweichlich in eine solche Situation hineingerät, sollte jedenfalls auf Gegenwehr verzichten, um sein Leben zu schützen. Normalerweise lassen die Banditen einem soviel, dass man aus eigener Kraft weiter kommt.
Quelle:pte010325008


Raubüberfall in der mauretanischen Sahara


Am 18. November 1999, 10h vormittags, wurde die von Klaus Därr organisierte und geleitete Expedition von sechs Geländefahrzeugen in N- Mauretanien bei N 21°20,49`, W 10°42,57', also 100km nordöstlich von Ouadane, überfallen und weitgehend ausgeraubt.

Die Expedition:
Vom Ende Oktober bis Anfang Dezember führte Klaus Därr eine Expedition mit 11 Personen und 6 Geländefahrzeugen durch die Sahara, die folgenden Verlauf nahm:
Tunesien: Ankunft mit dem Schiff in Tunis, weiter zur Grenze nach Libyen.
Libyen: Ras Ajdir, Zuara, Nalut, Darj, Hamada al Hamra, Pipelinepiste, Al Awaynat, Ghat.
Algerien: Tin Alkoum, Djanet, Erg d' Admer, Serouenout, Garet el Djenoun, In Salah, Aoulef, Adrar, Erg Chech, Bordj Fly Ste. Marie (verlassenes Fort), Chenachen (Posten der algerischen Gendarmerie), .
Mauretanien: Chegga (dort Cheggatt genannt, mauretanisches Militär), Bir Amrane, Ort des Überfalls, Guelb er Richat, Ouadane, Chinguetti, Atar, Akjoujt, Nouakchott, Nouamghar, Nouadhibou.
W-Sahara: Guerguarat, Dakhla, Boujdour, Laayoune.
Marokko: Guelmim, Agadir, Rabat, Ceuta (Verschiffung nach Europa).

Der Ablauf des Raubüberfalls:
Der Konvoi, bestehend aus vier Geländefahrzeugen und zwei MAN L 2000, also geländegängigen Wohnmobilen bzw. Versorgungsfahrzeugen, erreichte am Donnerstag, den 18. November 1999, um 10h vormittags eine Stelle stärkerer Vegetation ohne Brunnen entlang der "Piste", die jedoch nur aus vereinzelten weit verstreuten Spuren besteht. (Es war der Tag nach einer Nacht mit extrem starkem Einfall von Sternschnuppen). Die Deckung der Vegetation nutzend, blieb der Konvoi stehen, um den Teilnehmern eine kurze "Pinkelpause" zu ermöglichen.
Wenige Minuten nach dem Anhalten des Konvois nähert sich unvermittelt ein weißer Toyota Land Cruiser Pickup, Diesel. Es steigen fünf uniformierte Männer ab bzw. aus, drei davon mit Kalaschnikov- Maschinenpistolen bewaffnet. Solche Situationen sind dem erfahrenen Saharareisenden bekannt, wenn sie von einer Patrouille der Gendarmerie oder des Militärs kontrolliert werden, sie müssen nicht sofort als bedrohlich betrachtet werden. Die Männer eignen sich ruppig die Autoschlüssel der Fahrzeuge an und fahren alle Fahrzeuge an eine Stelle, wo auch die Expeditionsteilnehmer versammelt werden.
Die Männer bezeichnen sich selbst als "Banditen", sagen "Haben sie keine Angst, wir wollen das Geld und ein, zwei oder drei Autos". Politische Motive werden nicht vorgeschoben, sie behaupten nicht, "Rebellen oder Revolutionäre" zu sein, wie man das in anderen Regionen der Sahara kennt. Das Auftreten der Banditen ist zielgerichtet, routiniert, es gibt einen Chef. Die Banditen fordern die Expeditionsteilnehmer auf, sich in wenige Fahrzeuge zu quetschen. Sie verbringen Fahrzeuge wie Menschen in eine nahegelegene Senke abseits der Fahrspuren, um außerhalb der Sichtweite der kaum erkennbaren Piste zu sein. Kurz nach dem Anhalten gelingt es, unauffällig die Koordinaten des Tatortes von einem GPS-Navigationsgerät abzulesen und zu notieren. Alle Expeditions- teilnehmer werden in einer Gruppe versammelt und aus sicherer Entfernung mit einem Maschinengewehr in Schach gehalten. Der Banditenchef tritt zu der Gruppe und fordert das Geld. Es folgt die Drohung: "Bei wem wir nach der Herausgabe des Geldes noch einen Franc finden, der wird erschossen". Gleichzeitig wird erklärt: "Wenn ihr telefoniert, werdet ihr alle sofort erschossen", ein erstes Indiz dafür, dass die Banditen wissen, was Satellitentelefon ist und dass das für sie eine Gefahr darstellen kann. Wir verfügen über zwei Funkgeräte mit geringer Reichweite und zwei INMARSAT- Satellitentelefone zum weltweiten Telefonieren. Während ein Bandit die Gruppe weiterhin mit einer Waffe bedroht, beginnen die übrigen Banditen die Fahrzeuge zu durchsuchen und Ausrüstungen von den MAN-Fahrzeugen in die Geländewagen (zwei Mercedes G, zwei Mitsubishi-Geländewagen) zu befördern. Es bleibt sehr lange unklar, wie viele Fahrzeuge sie rauben werden.
Es werden Funkgeräte, Ferngläser, Satellitentelefone, Navigationsgeräte, Aktentaschen, Laptops, Kameras aus den Fahrerhäusern geworfen und umgeladen. Aktentaschen werden nach Geld gefilzt und z.T. freigegeben. Auch Werkzeug, Kochgeschirr, Lebensmittel, Bekleidung, ein Ärzte-Notfallkoffer werden geraubt. Armbanduhren werden nicht geraubt, Geldgürtel nicht erkannt. Einige der Banditen filzen die Fahrzeuge und finden vereinzelt verstecktes Geld, was die Spannung spürbar erhöht.
Vor der Expedition waren die Teilnehmer aufgefordert worden, Geld und Papiere auf zumindest drei Depots zu verteilen. Unserer Aufforderung, uns die Dokumente zu überlassen, wird stattgegeben, aus einem Fahrzeug nach dem anderen können die Papiere entnommen werden. Das ist jedoch sehr gefährlich, weil die Papiere zumeist zusammen mit Geld versteckt sind. Angesichts der Todesdrohung beim Auffinden von verborgenem Geld gelingt es nicht alle Pässe und KFZ- Papiere zu retten.
Während die einen Banditen filzen, beginnt ein anderer den Treibstoff routiniert aus den Haupttanks in Treibstoffkanister umzufüllen, dann aus den Kanistern ihr eigenes Fahrzeug und die vier Geländefahrzeuge der Expeditionsteilnehmer aufzutanken. Damit wird klar, dass sie alle vier Geländewagen rauben möchten, die MANs aber mangels Fahrer und wegen deren Auffälligkeit und schlechten Verwertbarkeit in der Sahara zurücklassen werden. Versuche des Reiseleiters Sadok Kechicheb und des Veranstalters Klaus Därr, mit Tricks die unverdächtig verpackten Satellitentelefone wieder zurückzuerlangen, scheitern leider. Die Aufforderung an die Banditen, uns warme Jacken, etwas Kleidung und notwendige Medikamente zu belassen, wird respektiert. Auch die Aufforderung von Klaus Därr, ausreichend Treibstoff zu belassen, damit man die nächste Oase Ouadane noch erreichen könne, wird respektiert, man unterlässt weiteres Abzapfen und weist darauf hin, dass in einem MAN noch Treibstoff in einem Gefahrgutbehälter vorhanden sei. Es folgt aber die Frage: "Wie weit ist es bis Ouadane?", ein erstes Indiz dafür, dass die Banditen aus dem unbewohnten NO kamen und nicht aus Ouadane. Wir antworten: "200km", obwohl wir dank GPS wissen, dass es nur noch 100km Luftlinie sind. Das Wort "nur" wird hier verwendet, weil die Entfernung zur letzten ständigen menschlichen Ansiedlung "Adrar" in Algerien, von der wir kamen, ca. 2.400km beträgt.
Wir werden gefragt, wie weit unsere Geländefahrzeuge mit einer Tankfüllung fahren können. Aus einem 200l-Faß auf der Ladefläche des Tatfahrzeugs wird Wasser abgelassen, wohl um Gewicht zu sparen und schnell voranzukommen. Daraus könnten wir schließen, dass es bis zu deren nächstgelegenem Depot oder einem unbewohnten Brunnen nicht sehr weit ist.
Nach zwei Stunden haben die Banditen ihre Beute in den vier zu raubenden Geländefahrzeugen verstaut, der Chef lässt bei einem MAN die Luft aus einem Hinterreifen ab, um unsere Abfahrt zu verzögern. Die Intervention von Sadok, nicht noch aus weiteren Reifen Luft abzulassen, wird zögernd respektiert, das Ventil des abgelassenen Reifens ausgehändigt. Es wird uns gesagt: "Ihr wisst ja, wie ihr ohne GPS nach Ouadane kommt, weil es Markierungen gibt". Die Banditen verlassen mit ihrem und unseren vier Fahrzeugen den Tatort auf den Spuren, in welchen sie gekommen sind. Die Steinmännchen als Markierungen für unsere Weiterfahrt sind allerdings sehr spärlich, oft außer Sichtweite und im steinigen, mit Büschen durchsetzten Gelände oft nur schwer auszumachen. Wegen der unangenehmen Mischung aus groben Steinen und weichem Sand sind die vereinzelten Fahrspuren sehr weit verteilt und führen häufig außerhalb des Sichtbereiches der Markierungen. Die Banditen glaubten, uns aller GPS- Navigationsgeräte entledigt zu haben, hatten aber ein fest eingebautes Zweitgerät in einem MAN Übersehen. Damit gelang es, nach siebenstündiger Fahrt durch die beschriebene extrem unangenehme Mischung aus großen Steinen und weichem Sand Ouadane zu erreichen. Fazit: Man wollte uns berauben, aber nicht töten oder verletzen. Es hätte weit schlimmer kommen können.

Die Banditen:
Fünf Männer mit schwarzem Chech um den Kopf, in grün- schwarz- braunen Tarnuniformen (Camouflage) und zivilem Schuhwerk. Die Tarnfarbe der Uniformen ist anders als die der mauretanischen Armee, sie ist insgesamt dunkler, also dunkler braun, z.T. schwarz, grün. Der Chef trug moderne Leder- mokassins, wie solche der bekannten Marke Timberland. Alter ungefÄhr 30-40 Jahre, der Chef vielleicht bis ca. 45, braune, helle Hautfarbe, z.T. Bärte, also Saharabewohner, keine Schwarzafrikaner. Einer wird "Abderrahmane" gerufen. Dem Gesichtsausdruck nach auch keine typischen Mauren oder Saharaoui, obgleich natürlich auch in Mauretanien und der W- Sahara unter den Saharaouis nicht nur typische "Mauren" zu finden sind.

Bewaffnung:
Drei Kalaschnikov, eine davon "Fallschirmspringerversion" mit umklappbarer Schulterstütze, eine zweite mit einem blauen Schulterband.

Die Täter benutzen einen weißen oder fast weißen Toyota Land Cruiser Pickup Diesel ohne Kennzeichen bzw. mit einer auf die Stoßstange gepinselten Fantasienummer. Bemerkenswert ist, dass es sich um ein Diesel-Fahrzeug handelt, denn Gendarmerie, Schmuggler, Banditen, Revolutionäre und Rebellen in anderen Teilen der Sahara benutzen zumeist möglichst starke, schnelle Benzin-Fahrzeuge. Die Täter sprachen untereinander Arabisch, mit uns flüssig, aber nicht perfekt Französisch. Sie konnten fachgerecht mit Waffen umgehen, konnten alle Auto fahren, hatten eine Vorstellung davon, was Satellitentelefone und GPS-Navigationsgeräte sind und welche Gefahr diese Geräte für sie darstellen. Sie nahmen alle Tätigkeiten sehr zügig, routiniert vor und hatten offensichtlich Erfahrung. Wir halten es für durchaus möglich, das es die gleichen Täter waren, welche im Vorjahr bei Tichit in S- Mauretanien die Rallye Paris-Dakar ausraubten. Die Neigung bei den Ortsbehörden in Mauretanien und der W- Sahara ist groß, die Banditen den Tuareg oder der Polisario zuzuordnen, was ich jedoch nicht tun möchte, weil es uns an eindeutigen Indizien für diese Volkszugehörigkeit fehlt. Es könnten auch marodierende Soldaten aus Cheggat in Mauretanien oder aus N- Mali oder Banditen anderer Volksgruppen der westlichen Zentralsahara sein. Für Geld benutzen sie zeitweise das ungewöhnliche Wort "Draham" (= Dirham in Marokko?). Ich gehe aber davon aus, dass die Banditen ihr Lager im riesigen, praktisch unbesiedelten N- Mali haben, um von dort aus Streifzüge bis weit hinein nach Mali, Mauretanien und SW- Algerien zu unternehmen.

Die Flucht nach Ouadane:
Zwei Stunden nach Beginn des Überfalls, also um 12h mittags, fuhren die Täter mit fünf Fahrzeugen in Richtung N ab. Ich übergab die Regie dem teilnehmenden Arzt "Eike" in der Annahme, dass bei Wegfall des äußeren Druckes einer von uns einen Nervenzusammenbruch erleiden könnte. Bis zur Abfahrt der Banditen waren alle Expeditionsteilnehmer sehr angespannt, aber gefasst und ruhig. Wir erwarteten auch, dass zumindest ein Fahrzeug zurückkommen würde, um zu kontrollieren, ob wir nicht doch noch telefonieren könnten.
Nach einer viertel Stunde hörten wir ein Motorengeräusch, sahen aber kein Fahrzeug. Daraus schlossen wir, dass die Banditen in Entfernung von uns die Fahrtrichtung von N z.B. nach SO verändert hatten. Als sie nicht wieder auftauchten, pumpten wir das Hinterrad des einen MAN wieder auf, schufen provisorische Sitzplätze in den verbliebenen Fahrzeugen, verstauten die umherliegende Ausrüstung, mit welcher die Banditen nichts anfangen konnten, und fuhren los.
Das beschriebene schwierige Gelände ließ nur mäßige Geschwindigkeit zu, und wir gerieten in das Dünengebiet im Krater "Guelb er Richat", was zu häufigem Einsanden führte. Bei einem MAN ging der Treibstoff im Haupttank aus, es musste aus dem innen beförderten Gefahrgutbehälter nachgetankt werden. Dazu fehlten aber die geraubte elektrische Treibstoff- pumpe, das geraubte Werkzeug und die bisher verwendeten Schläuche. Mit Improvisationskunst gelang es, langsam mittels eines kleinen Wasserschlauches Treibstoff umzufüllen. Bei beginnender Abenddämmerung, die hier Mitte Dezember schon vor 18h eintritt, fanden wir einen Aufstieg aus dem Krater zurück auf das Plateau, wo wir streng nach Navigation über extrem felsiges Gelände in Richtung Ouadane fuhren. Die scharfkantigen Felsen und der Versuch, zügig zu fahren, führten zu einem Reifenschaden an einem der MAN. Der Reifen musste gewechselt werden, was bei Reifen dieser Dimension ein zeitraubendes Unterfangen ist. Wir mussten aber Ouadane erreichen, weil viele Expeditionsteilnehmer kein Zelt, keinen Schlafsack und keine Liegematte mehr hatten. Manche standen gänzlich ohne Gepäck, Papiere und Fahrzeug da. Deshalb fuhren wir jetzt langsamer im Scheinwerferlicht streng nach Navigation in Richtung Ouadane und erreichten die Oase um ca. 19h. Es erfolgte sofortige Meldung bei der örtlichen Gendarmerie, die auch sofort Funkverbindung mit der vorgesetzten Dienststelle in Atar aufnahm. In der gegenüberliegenden "Auberge" fanden wir Unterkunft in einfachen Räumen mit Matratzen und Decken. Die Aufnahme war außerordentlich freundlich, wir wurden mit Tee und Erfrischungsgetränken bewirtet und konnten ein Abendessen einnehmen. Der Gendarmerie und der Bevölkerung war tiefe Betroffenheit über den Raubüberfall anzumerken.

Die Weiterfahrt nach Nouakchott und Rückreise nach Deutschland:
Am Morgen nach unserer Ankunft in Ouadane war bereits um 6h der Kommandant der Gendarmerie aus dem 200km entfernten Atar mit mehreren Fahrzeugen eingetroffen. Er verfügte über Funk und stand mit dem Generalstab in Nouakchott in Verbindung. Es wurde ein ausführliches Protokoll aufgenommen, angeblich auch sofort mit einem Suchflugzeug die Suche nach den Spuren der Banditen auf den Weg geschickt. Wir hatten die Koordinaten des Tatortes angegeben. Gegen Mittag trafen einige Militär- LKWs mit Soldaten ein, welche die Suche aufnehmen sollten. Am frühen Nachmittag verließen wir in unseren MAN und in den Fahrzeugen der Gendarmerie Ouadane und trafen in der Abenddämmerung in Atar ein. Dort wurden wir auf Kosten des Gouverneurs im Hotel untergebracht. Von dort konnten wir in Deutschland per Telefon den Überfall und den Umstand melden, dass wir nicht verletzt sind. Am nächsten Tag ging die Fahrt in Begleitung eines Gendarmeriefahrzeuges weiter nach Nouakchott, wo wir in einem Hotel internationalen Standards auf Kosten der Presidence untergebracht wurden. Die Deutsche Botschaft in Nouakchott kümmerte sich mit Hochdruck um unser Problem, indem sie uns Verluste bescheinigte Flugtickets besorgte, Kontakt mit den Behörden Mauretaniens hielt und für die zwei Fahrzeuge sowie vier Personen die Ausnahmegenehmigung zur Ausreise nach Norden in die W- Sahara beschaffte. Die Deutsche Botschaft setzte dabei all Ihre Kräfte und Verbindungen in Bewegung. Die mauretanischen Behörden hatten auch von Anfang an alles in Bewegung gesetzt, was in ihrer Macht stand, es ist aber nicht zu übersehen, dass deren technische Möglichkeiten sehr begrenzt sind. Leider findet eine wirksame grenzüberschreitende Verfolgung der Banditen mangels ausreichend intakter Fahrzeuge, ausreichend Treibstoff, Funk- und Navigationsgeräten nicht statt. So werden die Banditen wohl binnen eines Tages die Grenze nach N- Mali erreicht haben und damit vor sofortiger Verfolgung sicher gewesen sein.

Die Verluste:
Es entstand ein materieller Verlust in Höhe von ca. 350.000 DM, von welchem nur ein kleiner Teil versicherbar und versichert war. Es wurden geraubt: 1 x Geländewagen MERCEDES 300 G TD neu, grün 1 x Geländewagen MERCEDES 290 GD, gebraucht, rot (auf der Homepage zu sehen). 1 x Gelände- wagen MITSUBISHI Pajero, neu, weiß 1 x Geländewagen MITSUBISHI L200, gebraucht, rot 6 x GARMIN Navigationsgeräte, verschiedene Modelle 2 x NERA Satellitentelefone, 2 x Laptop, 6 x Fotoapparat, 2 x Funk- gerät, 1 x Fernglas viele Dokumente, Geld, Kleidung, Werkzeug, Proviant, Dieselöl, Zelte, Schlafsäcke, Liegematten, Hemden mit der Aufschrift "DEUTSCHMANN".

Rekonstruktion der Vorgeschichte:
Ein Überfall dieser Art öffnet der Spekulation über Art, Motivation und Herkunft der Täter Tür und Tor, schärft aber auch die Sinne und das Erinnerungsvermögen. Nach der Tat begannen wir die Anzeichen zu erkennen, die uns vorher hätten auffallen können, an deren Ergebnis wir aber nichts hätten ändern können. In den letzten zwei Tagen vor dem Überfall sah ich mehrfach eine einzelne ganz frische Spur eines Geländewagens im Sand. Sie bog einmal unmotiviert scharf ab, zweimal drehte sie mitten im Nichts unmotiviert um. Einmal sah ich ein weißes Fahrzeug am Horizont sich von einem Brunnen entfernen. Einmal sah eine Expeditionsteilnehmerin in der Entfernung ein weißes Fahrzeug, das in die gleiche Richtung fuhr wie wir, sich aber nicht, wie in der Sahara üblich, näherte. Einmal sah ein Expeditionsteilnehmer einen Lichtblitz in der Mittagssonne, der die Reflexion des Sonnenlichtes in einer Fensterscheibe des Fahrzeugs sein konnte, dessen Besatzung uns verfolgte, beobachtete und letztlich überfiel. Ich bin heute der Überzeugung, dass wir seit zumindest zwei Tagen vor dem Überfall verfolgt und beobachtet wurden. Das heißt erstens, dass die Banditen aus dem äußersten N Mauretaniens oder Malis kamen, und führt zweitens zu der Vermutung, dass wir von Saharaoui- Nomaden in W- Algerien, N- Mali oder N- Mauretanien, von Soldaten des Militärpostens von Cheggatt/Mauretanien oder des Postens von Chenachen/Algerien an die Banditen verraten wurden. Ich kann mir das bei allen genannten Personenkreisen nicht vorstellen, habe aber keine andere Erklärung dafür, dass wir aufgefunden werden konnten.

Mein Verdacht:
Wir wissen, dass die Gendarmerie in Mauretanien mit offenem, unverschlüsseltem, nicht per Richtfunk gesendetem Funk arbeitet. Das konnten wir in Ouadane selbst beobachten und so ist auch die Information über den Überfall sehr schnell in Frankreich in die Presse gelangt. Ich vermute, dass die Banditen ihre Basis in N- Mali haben, z.B. in Terhazza oder nördlich davon. Sie könnten dort einen Funkspruch der mauretanischen Gendarmerie abgehört haben, der von Chegga (Cheggatt) an Nouakchott oder Zouerat gerichtet war und in dem unser Konvoi von sechs Fahrzeugen gemeldet wurde. Sie brauchten dann nur nach Westen fahren, bis sie unsere frischen Spuren entdecken und diesen folgen. Unsere oben beschrieben Beobachtungen zeigen, dass wir die ersten Anzeichen für ein uns begleitendes Fahrzeug schon 500 km vor dem Tatort in etwa in Höhe des nördlichen Wendekreises gesehen hatten. Sie könnten uns zunächst verfolgt, dann beobachtet und schließlich überfallen haben. Der Tatort könnte dadurch bestimmt worden sein, dass deren Treibstoff knapp wurde und wir uns auch der Oase Ouadane näherten (sie betankten beim Überfall ihr Fahrzeug mit drei Kanistern, also ca. 60l unseren Diesels). Uns schon weit vorher auszurauben hätte unseren Tod bedeuten können, weil wir dann evtl. Ouadane nicht hätten erreichen können. Uns zu töten oder zu Tode kommen zu lassen war offensichtlich nicht beabsichtigt.

Eine Spekulation:
Ab Ouadane wurden wir, wie bereits beschrieben, durch die Gendarmerie beschützt, begleitet, betreut im besten Sinne des Wortes. Dabei wurde aber auch klar, wie problematisch deren Treibstoffversorgung, Kommunikation und Orientierung ist. Es ist denkbar, dass der extrem abgelegene, noch nicht sehr lange mit Soldaten besetzte Stützpunkt Cheggatt im äußersten Norden des Landes lange Zeit und/oder wiederholt ohne Versorgung geblieben ist und sich ein Eigenleben entwickelt hat. Von dort könnten die Banditen informiert worden sein, ihnen aber auferlegt worden sein die Tat in sehr großer Entfernung von Cheggatt, also in der Nähe von Ouadane zu verüben. Das Tatfahrzeug war jedoch kein Militärfahrzeug. Es wäre auch denkbar, dass Cheggatt gar kein Stützpunkt der mauretanischen Armee ist, sondern von Banditen besetzt ist, die sich auch einige Militärfahrzeuge angeeignet haben und eines davon auf Weiß umgespritzt haben.

Schlussfolgerungen:
1) Ich würde heute den Großraum um N- Mali im Umkreis von ca. 700km um Terhazza nicht mehr besuchen. Dazu zählt in Mauretanien der Raum nordöstlich von Ouadane, in Mali nördlich von Timbouktou und in Algerien die Tanezrouft- Piste.
2) Wer viel reist, läuft in dieser Zeit Gefahr, im Reiseland Probleme zu haben und nicht in der Heimat. Er könnte in den Tropen Durchfall bekommen und nicht daheim BSE. Er könnte in der Sahara überfallen werden und nicht in Reichenhall einem Amokläufer zum Opfer fallen. Er könnte im Verkehrschaos von Lagos einen Autounfall haben und nicht einem Bombenanschlag am Haupteingang des Oktoberfestes in München zum Opfer fallen.
3) Wer wie wir einen Großraum der Erde besucht, in dem seit vielen Jahren kein Tourist oder fast keiner war, wird dort nicht erwartet, aber evtl. verraten und dann überfallen. Darf das jedoch heißen, dass man einen Raum in der Ausdehnung von 1.000km auf 1.000km nicht besuchen soll, weil dort mangels Opfer und Übermittler von Nachrichten seit Jahren keine Straftat dieser Art mehr bekannt geworden ist?
4) Zum praktischen Teil: Verstecken Sie Ihr Geld an drei bis vier Depots am Körper und im Fahrzeug. Füllen Sie ein Depot mit großen Scheinen mit wenig Wert, z.B. Libysche Dinare oder Italienische Lira, um damit zu blenden. Bewahren Sie keine Dokumente am gleichen Ort auf, wo auch Geld versteckt ist. Kopieren Sie Ihre Reisedokumente und verstecken Sie einen Satz Kopien im Fahrzeug, den zweiten Satz beim Reisepartner z.B. im Brustbeutel oder Geldgürtel.
5) Werfen Sie ein evtl. vorhandenes Satellitentelefon und GPS- Gerät beim Überfall bei günstiger Gelegenheit beim Fenster hinaus um es zu verstecken, z.B. mit Sand zu bedecken.
6) Nehmen Sie keine Waffe mit, aber protestieren Sie mündlich gegen einen Überfall. Dramatisieren Sie keine aussichtslose Situation, denn wer die Kalaschnikov hat, verfügt über die besseren Argumente und sollte nicht nervös gemacht werden.

Am 14.03. 2000 erhielt ich ein Fax. von der Deutschen Botschaft in Algier, dass mein roter Mercedes 290 GD bei Reggane in SW Algerien von der Gendarmerie sichergestellt sei. Der Fahrer gab an, er wisse dass es sich um eines der geraubten Fahrzeuge handle, er habe es aber in Mali gekauft um es illegal nach Algerien zu verbringen und dort zu verkaufen. Diese Version erscheint mit unglaubwürdig, denn den Mercedes G gibt es in Algerien praktisch nicht. Ich vermute vielmehr, dass einer der Banditen und Räuber das Fahrzeug von deren Quartier in N- Mali, vermutlich in der Region von Terhazza, illegal durch Algerien in den Niger verbringen wollte um es dort zu verkaufen. Vermutlich war es ihm in Mauretanien und Mali zu heiß. Das Fahrzeug hatte beim Aufgriff Kennzeichen aus Illizi/O- Algerien, was darauf schließen lassen könnte, dass es nach Libyen verschoben werden sollte. Ich hatte im Januar ca. 80 Plakate an alle Gendarmeriestationen in Sahara und Sahel von Mauretanien, Mali, Algerien, W- Sahara, N- Senegal und Niger geschickt. Auf diesen Plakaten waren die Fahrzeuge abgebildet, der Sachverhalt in Französisch dargestellt und der Hinweis angebracht sich bei der Gendarmerie oder der Deutschen Botschaft zu melden wenn eines der Fahrzeuge gesehen wird.
Copyright 2000: Klaus Därr.
Die ausführlichste Version befindet sich im Internet unter:
http://www.klaus.daerr.de/Raubueberfall.htm.
Weitere Auskünfte von Klaus Därr http://www.klaus.daerr.de
oder Sadok Kechicheb
http://www.saro-expedition.de.


Raubüberfall auf der Tanezrouft- Piste in Mali


Am 3. Januar 2000 wurde eine Gruppe von deutschen und Schweizer Touristen in Mali auf der Tanezrouft- Piste südlich von Aguelhok ausgeraubt. Lesen Sie den Bericht des Opfers Martin Born.

Unsere Reiseroute:
Mit der Fähre von Genua nach Tunis - Hammamet - Sousse - Sfax - Gabes, Tozeur - Nefta - El Oued - Touggourt - Berriane - Ghardaia - El Golea, In Salah (ursprünglich war geplant In Salah - Tamanrasset - Tin-Zawatine, Kidal - Anefis, was aber wegen der Konvoi-Pflicht In Salah - Tamanrasset, und der damit verbundenen langen Wartezeit in In Salah kurzfristig geändert wurde!) - Reggane - Tanezrouft - Bordj-Mokthar - Tessalit, Anefis - Gao - Tombouctou - Bandiagara - Mopti - Djenne - San - Bobo- Dioulasso - Ouagadougou - Dapaong - Kara - Lome. Die Route in Nord-Ost, Mali von Tessalit bis Gao wurde in den letzten 8 bis 10 Jahren (wegen der Rebellion) nur von wenigen Touristen befahren, sie galt zuletzt jedoch wieder als sicher.

Teilnehmer:
5 Deutsche (Helga, Uschi, Zora, Helmut und Joachim) und 2 Schweizer (Albert und Martin) Touristen mit 2 Mercedes 240 Diesel T-Modelle, ein Mercedes 240 Diesel Limousine, 1 Peugeot 505 Benzin-Turbo Limousine und 1 Nissan Terrano Benziner.

Ablauf des Raubüberfalls:
Auf der Piste Tessalit - Gao (im Nord-Osten von Mali) wurde unsere Reisegruppe von 4 bewaffneten Banditen mit einem Toyota Land Cruiser überfallen und ausgeraubt. Ort und Zeit: etwa 25 km südlich von Aguelhok, GPS-Position N 19°14,86/ O 0°52.05, ca. 17.00 Uhr. Dieser Ort befindet sich etwa 3 km südlich einer ausgeschilderten Abzweigung Richtung Kidal. Die Räuber haben uns auf der Piste angehalten, schossen ca. 10-12 mal wild in der Gegend herum (es war lebensgefährlich, ich wurde dabei durch herumfliegende Steinsplitter an Bein und Bauch verletzt!!) und schrieen auf französisch Geld her oder Tod!!
Dann fragten sie uns was wir hier machen, warum wir hier durchfahren, dies sei verboten für Touristen, ob wir nicht wüssten dass hier Krieg herrsche ? Danach trieben sie uns alle an einem Ort zusammen, wo sie uns gut überwachen konnten. Anschließend musste jeder von uns einzeln zu den Banditen und sämtliches Geld hergeben (Alle Portemonnaies aus den Autos holen und alles was man auf sich trägt abgeben), anschließend wurde man noch persönlich durchsucht (Erstaunlicherweise haben sie ohne dass wir danach fragten die Pässe und Ausweise aussortiert und zurückgegeben!).
Zu diesem Zeitpunkt dachten wir eigentlich sie würden sich mit dem Geld zufrieden geben und anschließend wieder abziehen. Dies war jedoch ein Irrtum, denn nun begannen die Räuber selber die Autos zu durchsuchen und luden alles was sie gebrauchen konnten in den Geländewagen meines Schweizer Kollegen, danach betankten sie diesen mit unserem Reservebenzin. Jetzt wurde uns klar, dass sie auch mindestens ein Auto mitnehmen würden. Als der Nissan voll beladen war und es immer noch Sachen zu verstauen galt, verlangten die Banditen den Schlüssel des Peugeot und testeten ob dieser läuft. Warum gerade der Peugeot und nicht ein Mercedes ? Vermutlich weil ein Benziner schneller ist.
Als nach unendlich langen 2 bis 3 Stunden - inzwischen war es schon längst dunkel - alles durchwühlt und aussortiert war, befahlen sie uns die übriggebliebenen Sachen in die restlichen Autos zu laden - die zwei Autos gefüllt mit allen gestohlenen Sachen haben sie uns wir erwartet weggenommen !! - einzusteigen und sofort zu verschwinden. Als wir uns auf den Weg machten, kam der 4. Bandit mit dem Toyota Land Cruiser aus seinem Versteck hervor - er hatte sich während des Überfalls vermutlich als Rückendeckung oder als Horchposten versteckt (wobei auf dieser Strecke praktisch kein Verkehr herrscht, ebenso ist weit und breit kein Polizei- oder Militärposten zu finden) - und zusammen mit unseren 2 Autos fuhren sie dann wie gestört (mir war jetzt schon klar, dass die mit ihrem Fahrstil mit dem Peugeot- PKW nicht weit kommen würden) hinter uns her und hetzten unsere Fahrzeuge über eine teilweise schlechte Steinpiste und durch Oueds vor sich hin, wir aber ließen uns nicht beeindrucken und fuhren sehr langsam (zwischen 20 und 40 km/h) um nicht einen Schaden an unseren übriggebliebenen Autos zu riskieren.
Die Räuber wurden so ziemlich nervös und immer wieder fuhren sie hupend und lichthupend neben uns her und deuteten wir sollen schneller fahren. Nach ca. 30 km (inzwischen war es fast Mitternacht) kamen wir zu einer längeren Oued - Durchquerung mit tiefen Spuren und viel Weichsand vor welchem wir stehen blieben und uns entschlossen aus Sicherheitsgründen (Einsanden oder kaputtfahren unserer Autos) nicht mehr weiter zu fahren, die Banditen waren inzwischen etwas zurück- geblieben und fuhren auch einige hundert Meter links der Hauptpiste, wir dachten dass sie jetzt zu ihrem Versteck fahren würden, dies war jedoch nicht der Fall und einige Minuten später kamen die Banditen wieder angebraust und befahlen uns, wir sollten sofort weiterfahren, nach einigen heftigen Diskussionen verleidete es den Banditen anscheinend und sie fuhren mit den drei Autos ziemlich rasant und ohne Rücksicht auf Verluste durch den Oued in südlicher Richtung auf der Hauptpiste davon.
Einige Zeit später sahen wir auf der anderen Seite des Oued Lichter in unsere Richtung kommen, wir befürchteten dass die Räuber zurückkommen würden, doch die Lichter verschwanden wieder. Das gleiche wiederholte sich 3 bis 4 mal im Abstand von etwa einer halben Stunde, wir überlegten und dass da drüben vielleicht ein Dorf sei. In dieser Nacht hat jedenfalls keiner von uns ein Auge zugetan. Am nächsten Morgen fuhren wir dann durch den Oued und als es auf der anderen Seite wieder hoch ging sahen wir eine lange Ölspur den Berg hinauf und wie befürchtet (oder zum Glück) stand auf der anderen Seite des Hügels der Peugeot am Pistenrand, die Fenster waren teilweise offen, der Zündschlüssel steckte, als wir dann unter den Motor schauten bemerkten wir ein grosses Loch in der Ölwanne, ansonsten war der Wagen intakt! Die Banditen fuhren also nur etwas mehr als 30 km weit mit dem 505, dann war er schon kaputt! Der Motor sprang problemlos an, es musste also nur das Leck geflickt und wieder Öl eingefüllt werden, dann lief das Auto wieder!

Frage:
Warum haben die Räuber so schnell bemerkt, dass der Peugeot kaputt war, haben sie etwa auf die Anzeigen im Armaturenbrett geschaut ? Jedenfalls haben sie sofort angehalten, wollten sie etwa das Auto am nächsten Tag abschleppen oder reparierten ? Warum haben sie's nicht gleich in der Nacht abgeschleppt, die hatten ja genügend Seile von uns geklaut ? Auf jeden Fall war uns klar warum die Lichter in der Nacht immer wieder kamen und gingen (das vermutete Dorf war weit und breit nicht zu sehen!), Die Räuber mussten alle Ware aus dem Peugeot in die anderen Fahrzeuge umladen, resp. in unserem Nissan, den sie inzwischen möglicherweise in einem nahen Versteck entladen hatten! Ihr Toyota hatte vermutlich kein Licht mehr, denn dieser war meistens ohne Licht hinter uns her gefahren! Wir entschlossen uns den Peugeot vorerst abzu- schleppen um möglichst schnell von diesem Ort weg zu kommen, später flickten wir das Loch in der Ölwanne dann mit Zweikomponenten-Kitt und füllten Öl ein und das Auto lief wieder. Wir fuhren weiter Richtung Gao und hofften vielleicht einige Spuren der Banditen auszumachen, befragten auch die spärlich anzutreffenden Leute, die jedoch wussten nichts oder wollten nichts wissen! Diese Leute halten zusammen, es profitieren sicherlich einige von dem Diebesgut, inkl. Polizei und Militär!

Weiterreise:
Vom Ort des Überfalls bis nach Gao waren es noch ca.400 km zu fahren, unterwegs trafen wir jedoch nirgends Polizei oder Militär, so dass wir am 6. Januar in Gao ankamen und sofort Meldung bei der Polizei machten. Der Polizeikommissar bedauerte den Vorfall, er erstellte den Polizeirapport, schrieb den Tathergang gewissenhaft auf, erstellte eine Liste der gestohlenen Sachen und wollte eine genaue Beschreibung der Täterschaft. Uns gegenüber versicherte er den Vorfall sofort der Regierung von Mali zu melden und alles zu unternehmen dass so was nicht wieder passiert, anderntags würde man sofort einen bewaffneten Militär- konvoi ins betroffene Gebiet schicken! Während den nächsten Tagen fuhren wir dann auf dem kürzesten Weg weiter um schnellstmöglich nach Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso zu gelangen. In Ouagadougou meldeten wir den Vorfall sofort der deutschen Botschaft, sowie dem Schweizer Konsulat. Das Schweizer Konsulat von Burkina Faso meldete den Überfall sofort weiter an das Schweizer Konsulat in Bamako (Hauptstadt Mali). Mitte Januar flogen wir zwei Schweizer nach Hause, die fünf Deutschen fuhren noch weiter bis nach Lome (Togo) und flogen dann von dort nach Hause.

Was wurde geraubt:
Geraubt wurde unter anderem: Fast alles Bargeld, Fotoapparate mit Zubehör, Satelliten- Navigationsgeräte (GPS), Kartenmaterial, Autoersatzteile, Ersatzräder, Werkzeug, Wagenheber, Schlafsäcke, Windjacken, Reisetaschen mit Kleidern, Kocher, Essgeschirr, Lebensmittel, Getränke, Medikamente, Sonnenbrillen, Armbanduhren, Kühlschränke, Taschenlampen, Seile, Ersatzkanister mit Benzin, Wasser usw. Die Täter: Bei den Banditen handelte es sich möglicherweise um Tuareg- Rebellen, oder sie haben sich als solche gekleidet, sie trugen graue oder braune lange Kleider, darüber hellbraune kurze Jacken (keine farbigen Uniformen), die Hautfarbe war eher hellhäutig, also keine Schwarzen, alle trugen Kopftücher (Chech), jeder hatte ein Gewehr. Mit uns sprachen sie recht gut französisch, untereinander wahrscheinlich arabisch. Politische Hintergründe dieses Überfalls sind nicht ausgeschlossen. Ihr Fahrzeug war ein weißer Toyota Land Cruiser Pickup mit wahrscheinlich roten Filets, dass sie von uns keine Kanister mit Diesel mitnahmen lässt darauf schließen dass es sich um einen Benziner handelt.

Wie wurden die Räuber auf uns aufmerksam ?
Beim Zoll in Tessalit wurden unsere Fahrzeuge ganz genau kontrolliert, man wusste somit genau bescheid was wir mitführen würden, ein Zöllner war ständig damit beschäftigt Meldungen übers Funkgerät durchzugeben, evtl. in die nächste Ortschaft oder nach Gao, die Meldungen waren von uns nicht zu verstehen, es könnte aber durchaus sein dass man von uns sprach, dass unsere Durchfahrt angekündigt wurde. Diesen Funkverkehr könnten die Banditen abgehört haben (da wahrscheinlich keine verschlüsselten Meldungen!). Oder die Räuber haben Spitzel mit Funkgeräten in Tessalit oder Aguelhok, welche das Durchfahren von Touristen ankündigen. Da wir uns darüber hinaus zwecks Reparatur zweier Autos anschließend noch zweieinhalb Tage in Tessalit aufhalten mussten, hatten die Räuber genügend Zeit sich einen geeigneten Ort für den Überfall auszusuchen, es gibt ja praktisch nur eine befahrbare Piste durch dieses Gebiet, sie brauchten somit nur auf uns zu warten. Dass sie es gezielt auf uns abgesehen hatten wurde mir erst zu Hause richtig klar. Am Morgen des 3. Januars begegneten uns zwischen Aguelhok und Tessalit Schweizer mit 2 Geländewagen - also in der Gegenrichtung. d.h. aus der Richtung aus der die Banditen kamen! Da mir diese 2 Autos anhand der Nummernschilder bekannt vorgekommen waren, erkundigte ich mich - wieder zurück in der Schweiz - am 18. Januar in Ins nach diesen beiden und wurde schnell fündig, denn einen von ihnen kannte ich vom Atlas Travel Shop in Ins. Ich befragte ihn wie es denn ihnen auf dieser Strecke ergangen sei ? Ihnen war jedoch unterwegs nichts Verdächtiges aufgefallen, sie wären auch sehr schnell unterwegs gewesen um möglichst rasch von Timbouctou nach Tessalit zu kommen. Wie es einer weiteren Reisegruppe aus Köln mit 5 Fahrzeugen - diese hatten wir in El Golea getroffen und sie hatten ebenfalls im Sinn die Tanezrouft hinunterzufahren - ergangen ist konnten wir noch nicht ausfindig machen, sie kamen auf jeden Fall nach uns nach Mali! Gemäß einem Telefongespräch mit Klaus Därr vom 22. Januar, sollen diese jedoch heil durchgekommen sein, denn Klaus Därr habe mit einer Frau aus Duisburg gesprochen, die wahrscheinlich dieser Reisegruppe angehörte und die inzwischen ebenfalls wieder in Deutschland war.

Fazit:
Wie man es von ähnlichen Überfällen in dieser Region schon gehört hat, wollten die Räuber uns ausrauben, nicht aber verletzen oder gar töten, eine Gegenwehr wäre sicher zwecklos und lebensgefährlich gewesen, diese Leute sind schwer einzuschätzen, mit Waffen können sie jedenfalls gut umgehen. Die Banditen lassen einem normalerweise soviel, dass man aus eigener Kraft weiter kommt, d.h. Pässe, Kleider, Wasser, Lebensmittel und zumindest ein Fahrzeug. Das Gebiet Nord-Mali ist entgegen anderslautender Aussagen nach wie vor nicht sicher, man sollte es nach Möglichkeit vermeiden diese Gegend zu bereisen, d.h. möglichst großräumig umfahren. Auf der Tanezrouft- Piste zwischen Reggane und Bordj Mokthar (Algerien) gibt es inzwischen bei km 205 (von Reggane) und beim Bidon V jeweils ein grösseres Militärlager, und es scheint, dass die Algerier eine bessere Kontrolle (Patrouillen mit mehreren neueren Toyota Land Cruisern) über dieses praktisch menschenleere Gebiet haben als die Kollegen in Mali. Falls man trotzdem von Tessalit nach Gao fahren möchte, sollte man diese Strecke möglichst rasch zurücklegen, übernachten nur im Schutz von Dörfern und nicht nachts fahren. Eventuell einheimische Führer mitnehmen oder Polizei resp. Militärbegleitung anfordern (dürfte wahrscheinlich nicht machbar sein).
Copyright 2000: Klaus Därr.
Die ausführlichste Version befindet sich im Internet unter:
http://www.klaus.daerr.de/Raubueberfall.htm.
Weitere Auskünfte von Klaus Därr http://www.klaus.daerr.de
oder Sadok Kechicheb http://www.saro-expedition.de


Raubmord in N- Mali


Der Bericht:
Der Raubmord an drei holländischen Touristen Ende Februar 2000.
Three Dutch desert travellers were killed in the north of Mali, probably by cigarette smugglers, in the week of February 25 th.,last. The three men, A. Uittenboogaard (44), F. Smit (41) and H. Sint (37) were very experienced Sahara travellers, with extensive local know-how, relevant equipment, well versed in navigation and fluent in Arabic. Smit was a diplomat and arabist, having worked in the region for many years. Because it was at first thought that a kidnapping had taken place, assistance from a special search and negociation team from the Dutch Police was offered and accepted by Malinese authorities. A unit of the Malinese army, with three Dutch police specialists, found the bodies of the men, shot at short distance through the chest. Their vehicles and equipment have not yet been found. Four men have been arrested on suspicion of murder. The Dutch Ministry for Foreign Affairs sees no reason for giving a negative travel advice for the region.

Copyright 2000: Klaus Därr.
Die ausführlichste Version befindet sich im Internet unter:
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Weitere Auskünfte von Klaus Därr http://www.klaus.daerr.de
oder Sadok Kechichebhttp://www.saro-expedition.de


Tod im Sandmeer

Bewaffnete Überfälle auf Sahara Touristen häufen sich. Die Behörden sind machtlos oder korrupt.


Allein im Norden Malis, südlicher Nachbar Algeriens, wurden von 1996 bis 1999 nach einer Aufstellung des dortigen Präsidialamtes 66 Fahrzeuge geraubt. Dabei kamen drei der Überfallenen ums Leben, einer wurde schwer verletzt.

Im Januar dieses Jahres wurden auf der berühmten Nord-Süd-Piste von Reggane in Algerien nach Gao in Mali, quer durchs unbewohnte Tanezrouft ("Land des Durstes"), fünf Deutsche und zwei Schweizer überfallen. Im Februar wurden auf derselben Strecke drei niederländische Touristen bestohlen und ermordet. Von insgesamt 20 Überfällen mit sieben Toten und etlichen Schwerverletzten von Januar bis Juni weiß das französische Au§enministerium.

In den übrigen Sahara Ländern führt niemand eine Liste. Sicherer ist es dort indes nicht. In Mauretanien hatte Anfang vorigen Jahres eine 20 köpfige Gangstertruppe sogar 54 Teilnehmer und Begleiter der Rallye Paris-Dakar gestoppt und ausgeraubt. Auch aus dem Süden Algeriens und dem angrenzenden Niger kommen Wüstenreisende immer wieder mit Berichten von Überfällen heim.

Die Übergriffe treffen nicht nur die Reisenden, sondern auch die Volkswirtschaften der Sahara Staaten. Der Wüstentourismus war in den achtziger Jahren zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden, bis er Anfang der neunziger Jahre wegbrach. Erst störten die Nachwirkungen des Golfkrieges, dann begannen Islamisten in Algerien das große Morden. Seitdem warten Tausende unbeschäftigter Führer an Felsgravuren oder antiken Geisterstädten vergebens auf Kundschaft, stehen Hunderte von Campingplätzen und Herbergen in den Oasen leer.

Seit Anfang dieses Jahres keimte erstmals wieder Hoffnung. Die Zahl der Algerien-Besucher stieg in den ersten drei Monaten um 65 Prozent auf 17.000. Durchlässigere Grenzen lockten wieder vermehrt Expeditionen in das größte Sandmeer der Erde. Doch gelingt es nicht, die brutalen Überfälle zu stoppen, wird der Positivtrend schnell wieder kippen.

Über die Urheber dieser zuvor unbekannten Wüstenräuberei gibt es seltsam widersprüchliche Meldungen. "Maurische Schmugglergruppen", die mit "Marlboro und Gauloises Zigaretten" zollfrei Handel treiben, hält der deutsche Botschafter in Mali, Karl Prinz, für die Täter. Sie nutzten die erbeuteten Autos "zur Verstärkung der eigenen Fahrzeugflotte".

Wie die dortige Regierung sieht der deutsche Emissär in Malis Hauptstadt Bamako die Heimat der Räuber "in Mauretanien, wo sie offenbar unbehelligt gelassen werden". Die dortigen Behörden klagen freilich, Mali sei der Räuberhort. So tönt es aus jedem der betroffenen Länder, der Nachbar lasse die Gangster gewähren.

Dabei sind die Überfälle tatsächlich wohl weniger Gelegenheitstaten marodierender Schmuggler als das Werk einer straff organisierten, im gesamten Raum operierenden Bande, mit Rückhalt und Informanten bei Polizei, Armee und Verwaltung.

Das Eintauschen der Devisen, der Absatz von Hightech-Geräten, die Vermarktung teilweise über 100.000 DM teurer Geländewagen, nichts davon ist in jenen Ländern ohne "offizielle" Hilfe möglich. Auch die Auswahl der Opfer braucht Tipp-Geber bei Polizei- und Zollstationen.

Die entlegene Route der Därr-Expeditionsmitglieder etwa war, so erzählten es ihnen die Grenzkontrolleure beim Übergang von Algerien nach Mauretanien, seit drei Jahren von niemandem befahren worden. Bewohnte Siedlungen gibt es auf viele hundert Kilometer nicht. Trotzdem wussten die Räuber offenbar ganz genau, wann und wo sie Beute machen konnten, wie viele Fahrer sie für den Abtransport brauchen.

Und schwierig ist es ja auch nicht, in den öden Grenzregionen willfährige Helfer im öffentlichen Dienst zu finden. Die Beamten und Soldaten dort verdienen extrem wenig, manchmal lange Zeit gar nichts. In Mali vergaß der Staat mitunter ein Jahr und länger, seinen Dienern Geld zu schicken.

Schon für kleine Summen lassen sich amtliche Stempel bewegen, die Autopapiere oder Einfuhrzertifikate für Funkgeräte oder Laptops legalisieren. So wird ein in Mauretanien geklauter Allrad-Mercedes womöglich in Mali umgestempelt und dann in Algerien verkauft. Oder auch weiter nach Süden transportiert, zur kaufkräftigeren Kundschaft in Nigeria oder an der Elfenbeinküste. Den Außenposten in Mali oder Mauretanien mangelt es an praktisch allem, was nötig wäre, Profi-Gangstern nachzustellen. Oft haben die Grenzschützer nicht mal Sprit für ihre Autos.

Daß führende Politiker und Mitarbeiter der Sicherheitsdienste in Algerien über die "internationale Kette von Autoräubern" recht genau im Bilde sind, erfuhr Därr vor Ort von einem Parlamentsabgeordneten. Reden wolle darüber aber niemand: "Zu riskant." Niemand wisse, welche politischen Gruppen den Gangstern Deckung geben und wie hoch die Ränge der bestochenen Funktionäre reichen.

Selbst der Name des Bandenchefs sei im privaten Gespräch vielen in der Region geläufig. Der Mann sei im algerischen Ghardaia geboren, residiere in Mali und befehlige Niederlassungen in vier Ländern.

Seine Leute stammen zum größten Teil aus dem menschlichen Erblastenfonds gescheiterter afrikanischer Politikversuche, in die Arbeitslosigkeit entlassene Kämpfer der Tuareg-Einheiten, mit denen der libysche Revolutionsführer Gaddafi einst den Tschad bekriegte, oder Sahrawi-Rebellen, die seit Jahren in algerischen Flüchtlingscamps hocken und von einem eigenen Staat Westsahara zwischen Marokko und Mauretanien träumen.

Auf die Einbindung der Behörden ins räuberische Auto-Geschäft deuten auch die Umstände hin, unter denen Därr jetzt seinen Mercedes zurückbekam. Der erste Hinweis stammte vom algerischen Außenamt. Die Gendarmerie in Reggane, im Südwesten Algeriens, habe sein Fahrzeug sichergestellt. Der Besitzer sei geständig. Er habe den in Mauretanien geraubten Wagen "in Mali gekauft, um ihn dann illegal nach Algerien einzuführen". Die Fahrgestellnummer ließ keinen Zweifel: Es war Därrs Gefährt.

Kaum hatte der den Brief bekommen, war der Wagen schon wieder verschwunden. In Reggane wusste plötzlich niemand mehr etwas von einem roten Mercedes. Während Därr unbeirrt die Regionalbehörden weiter mit seinen Fahndungsaktivitäten nervte, kam Mitte Juli ein neues Schreiben vom Außenministerium in Algier. Der Zoll in Illisi, fast am anderen, dem östlichen Ende Algeriens und gute 2000 Kilometer vom Ort des Überfalls entfernt, habe sein Auto gefunden.

Tatsächlich, Mitte August konnte Därr in Illisi den Mercedes zur Heimfahrt starten. "80 Kilometer nördlich der Stadt, verlassen in der Wüste", sagte der Zolldirektor, habe man das Gefährt gefunden. Der Schlüssel steckte, die Batterie funktionierte, Sprit war drin, alle Räder dran, eine unsinnige Geschichte. Wer sollte ein fahrbereites Auto mitten in der Wüste verlassen?

"Streng vertraulich" gab ein ranghoher Funktionär schließlich zu, ein zwielichtiger, aber mächtiger Bürger der Stadt habe das Fahrzeug besessen. Nach einer Besprechung mit Gendarmerie, Präfektur und Zoll habe man gemeinsam beschlossen, Därr das Fahrzeug zuzuführen.

Der Sahara-Freak gibt sich damit nicht zufrieden. Er hat seine Fahndung nach den übrigen Autos und den Räubern längst aufs Internet (www.klaus.daerr.de) ausgedehnt und offenbar auch erste Erfolge. Der zweite in Mauretanien geraubte Mercedes, so trug man Därr zu, werde im Senegal von einem hohen Regierungsbeamten gefahren.
Von HANS-JÜRGEN SCHLAMP



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