Süddeutsche Zeitung
15.03.2002
Mit der Selbsteinschätzung ist das so eine Sache, vor allem bei afrikanischen Staatschefs. Der Präsident des westafrikanischen Landes Togo, Gnassingbe Eyadema, sieht sich mal als "Engel des Friedens", mal als "Naturgewalt". So lässt er sich zumindest seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit verherrlichen. In Wirklichkeit aber handelt es sich bei diesem Mann, der 1967 durch einen Militärputsch an die Macht kam, um einen machtbesessenen Autokraten, der Oppositionelle verfolgen, foltern und auch umbringen lässt.
Einen internationalen Aufschrei gab es zuletzt 1998, als Eyadema während der nachweislich gefälschten Wahl mehr als 100 politische Gegner erschießen und ihre Leichen ins Meer werfen ließ. Die Europäische Union und die USA haben wegen der brutalen Herrschaft Eyademas schon 1994 die Entwicklungshilfe eingestellt.
Togo ist seit fast vier Jahrzehnten ein Staat, in dem es zur Verhaftung und zur Folterung ausreicht, wenn sich jemand mit Demokratie- oder Menschenrechtsforderungen verdächtig macht. Und die Aussicht auf einen friedlichen, demokratischen Wandel ist nicht in Sicht. Eyadema lässt sich von Militär und Geheimdienst beschützen, und deren Mitglieder stehen nahezu geschlossen hinter ihm, da die meisten derselben Volksgruppe angehören wie der Präsident. Wie weit es übrigens mit Demokratie und Menschenrechten in Afrika insgesamt her ist, zeigt sich daran, daß der Diktator seit Juli 2001 der Vorsitzende der Afrikanischen Union ist.
Von Michael Bitala
pte
29.05.2002
"Familie hilft Familie" will Familien aus Österreich mit togolesischen Familien verbinden, um einen gegenseitigen Austausch geistiger und materieller Güter zu ermöglichen. Dieser hautnahe Kontakt wird zuerst mittels Briefkontakt und finanzieller Hilfe erfolgen. Der Ausbau eines interkulturellen Hauses der Begegnung in Togo ist geplant. Die Föderation für Weltfrieden lädt nun zur Präsentation dieses humanitären Projektes:
am Donnerstag, den 6. Juni 2002, 19:00 Uhr
in der Peace Embassy - Föderation für Weltfrieden
Seidengasse 28, im Hof, 2. Türe rechts; 1070 Wien
mit Komlan Jean Kponvi Dzaka
Gründer der westafrikanischen NGO "ALODO - Helfende Hände"
Programmpunkte:
- Werdegang des Projektes
- Diashow und Erlebnisbericht einer Afrikareise
- Präsentation eines Fotokataloges togolesischer Familien
- Westafrikanisches Buffet
Die Diashow und die Foto-Ausstellung werden unterstützt von der Galerie Atelier T (der Kunstraum in den Ringstrassen Galerien). http://www.genesis.at.
Kponvi Dzaka, ein gebürtiger Togolese, lebt in Österreich und bildet eine imaginäre Brücke, die auch einen persönlichen Kontakt ermöglicht und sicherstellt, um von der reichen geistigen Kultur Afrikas lernen und auch historische Verfehlungen aufarbeiten zu können. http://www.weltfriede.at/weitinfo.htm.
Aussender: Galerie Atelier T
Ansprechpartner: Hubert Thurnhofer
email: hubert.thurnhofer@chello.at
Tel. 01/319 5833
taz
02.01.2003
Der seit 1967 regierende Staatschef des westafrikanischen Togo, Gnassingbe Eyadema, hat sich den Machterhalt auf Lebenszeit gesichert. Das Parlament änderte am Montag die Verfassung und hob die Begrenzung der Anzahl möglicher Amtszeiten eines Staatschefs ersatzlos auf. Dies widerspricht bisherigen Bekundungen Eyademas, beim nächsten Wahltermin 2003 keine Wiederwahl anzustreben und damit einen Machtwechsel möglich zu machen.
Die geltende Verfassung von 1992 gewährte dem Staatschef bisher maximal zwei Amtszeiten von je fünf Jahren. Wahlen 1993 und 1998 hatte Eyadema gewonnen, allerdings auf unfaire Weise. Bei der Wahl von 1998 wurde die Auszählung abgebrochen und Eyadema zum Wahlsieger erklärt, nachdem Oppositionsführer Gilchrist Olympio vorne lag. Internationale Strafmaßnahmen wegen des Wahlbetrugs wehrte Eyadema mit der Zusage ab, nicht noch einmal zu kandidieren und faire Parlamentswahlen zuzulassen.
Die Parlamentswahl wurde mehrfach verschoben und als sie im Oktober dieses Jahres unter umstrittenen Umständen stattfand, boykottierte der Großteil der Opposition. Und nun ist auch die Verfassung im Sinne von Eyademas Machterhalt geändert worden. Neben der Aufhebung der Begrenzung der Amtszeiten wird die Präsidentschaftswahl auf einen Wahlgang verkürzt, sodaß die relative Mehrheit zum Sieg genügt; bisher war eine Stichwahl vorgesehen. Außerdem wird der Präsident des Verfassungsgerichts, der die Gültigkeit einer Wahl verkündet, in Zukunft vom Staatschef ernannt und nicht mehr von den anderen Richtern gewählt.
Es bleibt nun nur noch die Möglichkeit, daß Eyadema von einer weiteren Kandidatur trotzdem absieht, als Geste des freiwilligen Verzichts, für die er entsprechend belohnt werden will, zum Beispiel mit einer Amnestie für Menschenrechtsverletzungen während seiner inzwischen 35-jährigen Herrschaft.
Reibungslose Machtwechsel hängen in Afrika oft davon ab, daß ein bisheriger Diktator sich nicht mehr zur Wahl stellt. Dies zeigte sich erst letzte Woche bei den Wahlen in Kenia, wo Präsident Daniel arap Moi nicht mehr antrat und Oppositionsführer Mwai Kibaki problemlos gewann. Kenias führende Tageszeitung Nation nannte jetzt Eyadema "eine Schande für Afrika".
Von DOMINIC JOHNSON