Neue Zürcher Zeitung
01.02.2002
Der Sudan kann wieder mit Entwicklungshilfe der Europäischen Union rechnen. Die Wiedereingliederung in den Rahmen der Cotonou-Vereinbarung bedeutet einen weiteren Schritt bei der Überwindung der internationalen Isolation Khartums. Unterdessen haben Ölgesellschaften wegen Kämpfen ihre Förderung im Südsudan unterbrochen.
Der Vertreter der EU-Kommission in Khartum, Nielson, hat dem sudanesischen Präsidenten Bashir die Wiederaufnahme der europäischen Entwicklungshilfe-Zahlungen zugesagt. Der Sudan soll im Rahmen der Cotonou-Vereinbarung vorläufig Hilfe im Wert von 155 Millionen Euro erhalten. Khartum hatte vor Jahren die Cotonou-Vereinbarung unterzeichnet, welche Staaten in Afrika, im Pazifik und in der Karibik vorteilhafte Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zur EU einräumt. Im Gegenzug verpflichten sich die Unterzeichner, die Menschenrechte zu respektieren.
Noch kein Referendum
Kurz nach Präsident Bashirs Machtübernahme 1989 suspendierte die EU die offizielle Entwicklungshilfe für den Sudan. In der Begründung wurde auf Menschenrechtsverletzungen, Beschränkungen bei der Ausübung der Religionsfreiheit, auf die brutale Kriegsführung im Süden des Landes und die Unterbindung jeglicher demokratischer Entwicklung hingewiesen. Die Wiedergewährung von EU-Entwicklungshilfe zeigt, daß Khartum bei seinen Bemühungen um Überwindung der internationalen Isolierung weiter vorangekommen ist. Ende September hatte der UNO-Sicherheitsrat den Anfang gemacht, indem er seine vor fünf Jahren verhängten Sanktionen aufhob. Washington verlängerte zwar am 1. November sein Embargo gegen den Sudan, dennoch war eine Annäherung an Khartum deutlich zu spüren. So äusserte sich der amerikanische Präsident Bush mehrmals zufrieden darüber, daß die sudanesische Regierung sich kooperativ im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zeige, Verdächtige festgenommen und viele Informationen über islamistische Extremisten geliefert habe. In der Folge ernannte Präsident Bush einen Sondergesandten für Khartum. Dieser gab dann den Anstoss für Verhandlungen in der Schweiz über einen Waffenstillstand in den Nuba-Bergen im Zentralsudan.
Es scheint, daß die für ein relativ kleines Gebiet im Sudan vereinbarte Feuerpause nicht nur im westlichen Ausland, sondern auch in Khartum Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Bürgerkriegs unter Bewahrung der Einheit des Landes geweckt hat. Ein Zeichen dafür ist der Beschluss der sudanesischen Regierung, die Durchführung eines vereinbarten Referendums über die Selbstbestimmung des Südsudans zu verschieben. Bashirs Regime hatte 1997 sieben südlichen Rebellenfaktionen ein solches Referendum in Aussicht gestellt. Nach Angaben der Regierung soll nun erneut versucht werden, die Infrastruktur und vor allem die Sicherheitsbedingungen im Süden zu verbessern, damit die intern Vertriebenen möglichst bald in ihre Heimat zurückkehren können.
Intensivierung des Kriegs im Süden?
Während der Waffenstillstand in den Nuba- Bergen bisher eingehalten wurde, gibt das Aufflammen der Kampfhandlungen im Südsudan, insbesondere in den ölreichen Gegenden der Provinzen Upper Nile und Union, Anlass zur Besorgnis. Ein Sprecher der Sudan People's Liberation Army erklärte, die Rebellen hätten über 7000 Soldaten aus der Gegend um Bentiu vertrieben. Die dort engagierten internationalen Ölfirmen mussten die Bohrungen wegen der verminderten Sicherheit für ihre Arbeiter unterbrechen. Ein Sprecher der schwedischen Ölfirma Lundin sagte, das Konsortium, dem sie angehöre, werde die Arbeit erst wieder aufnehmen, wenn ein Waffenstillstand ausgehandelt sei.
In der sudanesischen Oppositionspresse gaben Kommentatoren der Befürchtung Ausdruck, die Feuerpause in den Nuba-Bergen werde sich nicht als Auftakt zu einem allgemeinen Waffenstillstand, sondern als Beitrag zur Intensivierung der Kämpfe im Südsudan erweisen.
Süddeutsche Zeitung
22.07.2002
Wer seinen Feind nicht besiegen kann, verbündet sich mit ihm. Sollte dies wirklich funktionieren, dann gibt es positive Nachrichten für die Menschen im Sudan. Seit 19 Jahren herrscht in Afrikas größtem Staat Krieg. Zwei Millionen Menschen haben Kämpfe und Hungersnöte dahingerafft. Das Land sieht in weiten Teilen so aus, als befinde es sich immer noch in der Steinzeit. Im Süden gibt es fast nirgends Straßen oder gemauerte Häuser, kaum Fahrzeuge, Strom, Kanalisation, Schulen oder Krankenhäuser. Dafür gibt es Millionen Flüchtlinge, tausende Kindersoldaten und vor allem menschenleere, verwüstete Lehmhüttendörfer. Und das alles angeblich nur, weil der muslimische Norden, indem überwiegend Araber leben, die Afrikaner im Süden, die entweder Naturgötter anbeten oder nach christlichem Glauben leben, gewaltsam bekehren möchte.
Doch jetzt gibt es Anzeichen für einen baldigen Frieden. Nach fünf Wochen Verhandlungen im kenianischen Machakos einigten sich Vertreter der Regierung und der Rebellen der südsudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA) auf ein Rahmenabkommen, das schon im nächsten Monat den Entwurf für einen Friedensplan ermöglichen soll. Demnach werden im Sudan Staat und Religion getrennt, außerdem soll der Süden das Recht auf Selbstbestimmung erhalten. Nach sechs Jahren sollen die Südsudanesen in einem international überwachten Referendum darüber abstimmen dürfen, ob sie einen unabhängigen Staat haben möchten. Soweit die Theorie.
Sollte das Abkommen wirklich umgesetzt werden, wäre dies der erste Friedensschluss zwischen zwei Kriegsparteien in Afrika, die sich zwar nicht besiegen können, aber noch genügend Ressourcen für den Kampf haben. Alle anderen Friedensabkommen, zum Beispiel zwischen Eritrea und Äthiopien oder in Angola oder Mosambik, kamen nur zustande, weil entweder eine Seite vernichtend geschlagen worden war oder beiden Seiten die Mittel fehlten, um den Krieg fortzuführen. Im Sudan finanziert der Norden seinen Krieg mit Erdöleinnahmen, der Süden wird von den USA unterstützt. Vor allem für die Clinton-Regierung galt es, den "Schurkenstaat" und "Förderer des internationalen Terrorismus" zu bekämpfen.
Seit dem Antritt von George W. Bush aber hat sich das Verhältnis zwischen den USA und Khartum verbessert, was nicht daran liegt, daß Bush großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit einem islamisch- fundamentalistischen Regime legt. Der Druck der USA, der jetzt zum Rahmenabkommen geführt hat, liegt vielmehr darin begründet, daß seit einiger Zeit immer mehr Erdöl im umkämpften Süden des Landes erschlossen wird. Schon jetzt fördert der Sudan täglich 200.000 Barrel, in Kürze soll diese Menge verdoppelt werden. Ein Friedensvertrag nach dem Motto "ein Sudan, zwei Systeme" könnte auch den Amerikanern Zugang zu diesen Quellen verschaffen. Bisher sind US-Unternehmen Beziehungen mit dem Regime in Khartum verboten. Chinesische, schwedische, französische und kanadische Erdölfirmen aber machen schon jetzt gute Geschäfte. Das größte Hindernis für einen Frieden wird deshalb der Streit sein, wie die Öleinnahmen, die bisher ausschließlich der Regierung zugute kommen, auch auf einen weitgehend autonomen Süden verteilt werden.
Von Michael Bitala
taz
29.07.2002
Gäbe es so etwas wie das Ende der Welt, es läge wahrscheinlich in unmittelbarer Nähe des kleinen Ortes Helban. Erreichbar ist die Ansiedlung in den Nuba-Bergen im Zentralsudan nur mit einem halbstündigen Flug per Hubschrauber von Kadugli aus, der "Hauptstadt" der Provinz Südkordofan. Aber selbst von dort sind es noch sechs beschwerliche Autostunden über eine ungeteerte Piste bis zur nächsten Asphaltstraße, die nach Khartoum und damit zum Rest der Welt führt. Strom gibt es in der von Hügeln durchzogenen Savannenlandschaft keinen, dafür aber Krankheiten aller Art. In der Trockenzeit verteilt der Wind die verheerenden Meningitiserreger, und in der neunmonatigen Regenzeit, in der die Hälfte des Landes unter Wasser steht, brüten die Malariamücken.
Es war der seit 15 Jahren in den Nuba-Bergen herrschende Bürgerkrieg, der diesem vergessenen Ort am meisten zu schaffen machte; unmittelbar am Rande des Dorfes verläuft die Frontlinie zwischen der arabischen Welt und Schwarzafrika, also dem von der arabisch-islamischen Regierung in Khartoum kontrollierten Gebiet und jenem Teil des Landes, in dem die Rebellenbewegung SPLA für einen selbstbestimmten afrikanischen Südsudan kämpft. Zumindest von der Kriegsplage sind die Einwohner Helbans jetzt vorübergehend verschont. Seit über einem halben Jahr schweigen die Waffen, nachdem sich die Bürgerkriegsparteien im Januar in der Schweiz unter Vermittlung der USA auf einen allerdings nur auf die Nuba-Berge begrenzten Waffenstillstand geeinigt haben.
Im restlichen Südsudan wird unterdessen ohne Unterbrechung weiter gekämpft. Es ist ein vergessener Krieg, obwohl es sich um den am längsten andauernden militärischen Konflikt Afrikas seit dem Zweiten Weltkrieg handelt und einen der mörderischsten dazu. Mehr als zwei Millionen Menschen sind dem Waffengang an einem der entlegensten Winkel der Welt zum Opfer gefallen, vier Millionen Menschen wurden Flüchtlinge im eigenen Land. Wie viele darunter in den Nuba-Bergen getötet und vertrieben wurden, darüber hat niemand genau Statistik geführt. Heute sollen 1,2 Millionen Menschen dort leben.
Anders als im weiterhin umkämpften Südsudan spielen in Helban heute die Kinder auf den primitiven Bunkeranlagen, die von der sudanesischen Armee geräumt worden sind. "Nun können wir auch wieder die Mangos auf dieser Seite ernten", sagt der 63-jährige Schuldirektor Kuku Moyar und deutet auf die Hügel am Dorfrand, von denen aus die SPLA operierte. Es gibt zwar noch ein Problem mit den Minen, die die sudanesische Armee zur Verteidigung ihrer Stellungen gelegt hatte. Aber die Dorfbewohner haben offenbar ein paar sichere Pfade ausfindig gemacht.
Wie der Schuldirektor scheinen alle Dorfbewohner heilfroh zu sein, daß der Krieg erst einmal vorbei ist. Die Armee ist weg, stattdessen patrouillieren jetzt Einheiten der sudanesischen Polizei, bewaffnet mit langen Stöcken, zwischen den nach Futter suchenden Ziegen auf den staubigen Dorfstraßen. Die Spuren des Krieges sind noch überall sichtbar. Etwa in der ehemaligen Mittelschule, in der vor sieben Jahren eine Mörsergranate einen Teil des Dachs zerfetzt hatte.
Waffenruhe mit Modellcharakter
In der Grundschule zeigen sich auch die Probleme, mit denen Moyar in der Nachkriegszeit zu kämpfen hat. Krieg und Schulpflicht passen nicht zusammen. Eine ganze Generation hat, wenn überhaupt, dann nur sporadisch die Schulbank gedrückt. Fast die Hälfte aller Grundschulkinder besuchen jetzt als Abc-Schützen die erste Klasse, auch wenn sie vom Alter her viel höher eingestuft werden müssten. Klassenzimmer sind Mangelware, dafür gibt es rund um das Schulhaus viele Bäume. So sitzen fast 80 Erstklässler im Schatten eines vor langer Zeit gepflanzten Laubbaums vor der an den Stamm gelehnten Tafel und teilen sich gerade einmal ein halbes Dutzend Schulbücher, während der Lehrer verzweifelt versucht, ihre Konzentration auf die Tafel zu lenken.
Gegen UN-Beobachter hatte sich die Regierung in Khartoum gewehrt. Geeinigt hatte man sich dagegen auf eine bunte Truppe aus sechs ausländischen Militärs und 20 Zivilisten aus Norwegen, den USA, Großbritannien, der Schweiz, Schweden, Frankreich, Holland und Dänemark, die unter dem Namen Joint Military Commission (JMC) den Waffenstillstand in den Nuba-Bergen überwachen soll, auf einem Territorium, das etwa der Fläche Österreichs entspricht. Stolz ist man im JMC-Hauptquartier in Kadugli auf die gute Zusammenarbeit mit beiden Seiten und darüber, daß bisher kein ernsthafter Bruch des Waffenstillstandes zu vermelden ist. Am 4. Juni ist die Mission des JMC in allseitigem Einvernehmen um weitere sechs Monate verlängert worden.
Zweiter Mann in der JMC-Hierarchie ist der etwas steif wirkende britische Colonel Symonds. Er hatte vor seiner Rente zwei Angebote: im US-Hauptquartier in Tampa in Florida als US-Alliierter mitzuhelfen, Kriegspläne gegen Saddam Hussein zu schmieden, oder ins tiefe Afrika zu reisen, um einen Waffenstillstand zu überwachen. Symonds scheint mit seiner Wahl zufrieden. "Bevor wir hier waren, haben sich die Menschen abends nicht mehr auf die Straße getraut. Jetzt können sie ihr Leben wieder aufbauen", fasst er den Erfolg seiner Mission zusammen. Für ihn ist dieser Waffenstillstand, wie er sagt, "ein Test, eine Art Modell, das vielleicht einmal für den ganzen Südsudan anwendbar ist."
Vor allem die Regierung in Khartoum kann gut mit den jetzt befriedeten Nuba-Bergen leben. Trotz des nicht vorhandenen Verkehrs auf der Pistenstraße vor dem JMC-Hauptquartier melden die Autosirenen die Ankunft des Konvois mit dem Gouverneur der Provinz Südkordofan an. Die Botschaft des auf seinen Status bedachten, aus Khartoum entsandten Bürokraten ist klar. Vorauseilend spricht "Seine Exzellenz", Yussuf Madzub, statt vom Waffenstillstand schon jetzt gerne vom Frieden. In einer Frage ist für ihn aber kein Irrtum möglich. Die Nuba-Berge, so sagt er, seien eindeutig Teil des arabischen Nordens.
Diskriminierung durch Khartoum
Ein Standpunkt, gegen den man sich auf Seiten der SPLA heftig wehrt. Hinter den Mangobäumen und den Bergen liegen das Dorf Kauda und das lokale Hauptquartier der SPLA. Auch hier war vor zwei Jahren eine Schule zerstört worden. 14 Kinder waren umgekommen, als ein sudanesischer Antonow-Bomber seine Fracht über Kauda abwarf.
Entspannt lehnt der SPLA-Kommandeur der vierten Front, Ismail Khamis Jallub, an einen Baum und erklärt seine Sicht der Dinge. Der Kommandeur, geborener Nuba, der einst an der Militärakademie in Khartoum studiert und in den ersten Bürgerkriegsjahren auf Seiten der sudanesischen Armee gekämpft hat, bezeichnet sich selbst als liberaler Muslim. "Wir haben gekämpft, weil die Nuba, ob Muslime, Christen oder Animisten, von Khartoum marginalisiert und diskriminiert wurden", sagt er.
Jahrelang hatten die Vertreter der Nuba versucht, in Khartoum angemessen vertreten zu werden. Im Südsudan kämpfte die SPLA bereits vier Jahre militärisch gegen den Norden, da gab ein Teil der Nuba-Führung den politischen Kampf um Repräsentation auf und schloss sich militärisch der SPLA an, um sich vom Norden abzuspalten. "Von Frieden", sagt Kommandeur Ismail, "kann heute noch keine Rede sein." Dem jetzigen Waffenstillstand habe die SPLA nur aus humanitären Gründen zugestimmt. Keines der politischen Probleme sei gelöst. Nun hoffe die SPLA, daß der Waffenstillstand eine Atmosphäre des Vertrauens schaffe, in der dann die politischen Probleme gelöst werden könnten. "Wenn das nicht geschieht, werden wir wieder zu den Waffen greifen."
Selbst in der von der Regierung in Khartoum kontrollierten Teil der Nuba-Berge ist die ein oder andere vorsichtige Kritik an der Regierung im Norden zu vernehmen. Afaf Aba Ismail kommt aus den Nuba-Bergen und hat in Khartoum Englisch studiert. Nun ist sie zurückgekommen und organisiert in einer lokalen Frauenorganisation Theaterstücke, mit denen sich beide Seiten wieder näher kommen sollen. Aber auch sie gibt zu, daß die Nuba-Berge nicht ausreichend in Khartoum repräsentiert sind, und findet es schlecht ist, daß ein außenstehender Gouverneur von Khartoum geschickt wird. "Wir wollen unsere Geschicke selbst in die Hand nehmen", sagt sie und weist darauf hin, daß die Regierung den Waffenstillstand bisher nicht genutzt habe, die vollkommen vernachlässigte Region zu entwickeln. Bis heute würden immer noch Schulen von den Militärs als Kasernen missbraucht. Außerdem befürchtet sie, werde die Regierung den Waffenstillstand dazu nutzen, die Nuba-Berge weiter zu arabisieren.
Der Chef der Waffenstillstandsbeobachter, der norwegische Brigadegeneral Wilhelmsen, hofft jetzt, daß Hilfsorganisationen ihn unterstützen, die Infrastruktur aufzubauen, damit die Bewohner der Nuba-Berge neben dem Schweigen der Waffen, wenn schon nicht politische, so wenigstens andere positive Folgen des Waffenstillstands kennen lernen. Dringend nötig sei etwa der Bau von Straßen. Bei jedem von der JMC koordinierten Hilfsgüterflug gehen 85 Prozent der aufgewendeten Mittel an die Fluggesellschaft, hat er ausgerechnet.
Der Himmel über den Nuba-Bergen ist mit dem Waffenstillstand jedenfalls etwas komplexer geworden. Fortan kreuzen dort zwei Arten von Flugzeugen. Jene, die, wie im Waffenstillstand vereinbart, humanitäre Hilfe in die Berge transportieren, und jene, die weiter in den Süden fliegen, um ihre tödliche Bombenfracht auch weiterhin auf SPLA-Gebiete außerhalb der Nuba-Berge abzuwerfen. Beide kommen aus dem Norden.
Von KARIM EL-GAWHARY
pte
18..11..2002
Joe Zawinul spielt am Montag, den 18. November im Wiener Etablissement Ronacher http://www.musicalvienna.at ein Benefiz-Konzert zugunsten der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen http://www.aerzte-ohne-grenzen.at. Der Reinerlös des Konzertes wird für die Hilfs-Arbeit im Südsudan verwendet.
Joe Zawinul gilt als einer der wichtigsten lebenden Keyboarder und Komponisten des Modern Jazz. Der gebürtige Wiener begann seine Karriere unter anderem mit Hans Koller, Fatty George und Friedrich Gulda im Wien der Nachkriegszeit. Er verließ 1959 Österreich, studierte kurz an der Music School in Berklee, wurde Pianist beim Cannonball Adderley-Quintett, wo er unter anderem mit Kompositionen wie "Mercy, Mercy, Mercy" Weltruhm erlangte. "Als Musiker und Mitkonzeptionist wirkte Zawinul 1969/70 in der Umschwungphase zum Electric Jazz an fünf wichtigen LP-Einspielungen von Miles Davis mit", erklärt der Jazzkritiker Martin Kunzler. 1970 gründete Zawinul gemeinsam mit Wayne Shorter die Gruppe "Weather Report". Bis 1985 tourte er mit der Band durch alle Erdteile, gewann zahlreiche internationale Auszeichnungen und feierte triumphale Erfolge. Seit den späten 80er Jahren arbeitet der Musiker mit seinem Ensemble "Zawinul Syndicate" und mit wechselnden internationalen Ensembles. Bei der zuletzt erschienenen Produktion "Faces & Places" http://www.esc-records.de wird der Keyboarder und Komponist vom Kameruner Bassisten Richard Bona und Etienne Mbappe, dem Schlagzeuger Paco Sery von der Elfenbeinküste, den Nordindern Amit Chatterjee, Gitarre und Gesang, sowie Zakir Hussain an den Tablas, der belgisch-afrikanischen Sängerin Sabine Kabongo, dem peruanischen Perkussionisten Alex Acuna, dem venezuelanischen Perkussionisten Rudy Regalado, dem Puerto-Rikanischen Perkussionisten Manolo Badrena, der portugiesischen Sängerin Maria Joao und den Amerikanern Dean Brown an der Gitarre, Victor Bailey am Bass und Bobby Malach am Tenorsaxophon begleitet.
Der Reinerlös des Konzertes im Wiener Ronacher kommt den notleidenden Menschen im Sudan zu Gute. Dort herrscht seit 1955 Bürgerkrieg. Trotz eines Waffenstillstandes Anfang der 70er Jahre geht der Krieg, dessen Wurzeln in den wirtschaftlichen, religiösen und sozialen Unterschieden zwischen dem Norden und dem Süden des Landes liegen, weiter. Dies hat für die Bevölkerung verheerende Folgen und stellt die humanitären Organisationen bei ihrem Versuch, den Menschen zu Hilfe zu kommen, vor eine große Herausforderung.
Spendenmöglichkeiten gibt es via SMS unter der Rufnummer 0043 664 660 10 000 auch via Internet kann gespendet werden. Nach dem Auftritt des berühmten Musikers, gibt es auf der Homepage http://www.hilfe-ohne-grenzen.at und http://www.msf.at die Möglichkeit das Konzert inklusive Bild- und Soundfiles zu erleben.
Von Wolfgang Weitlaner