Flüge nach Simbabwe und Hotelkapazitäten in und um Harare fast völlig ausgebucht
Die Sonnenfinsternis am 21. Juni 2001 über Afrika wirft bereits heute ihre Schatten voraus. Da einige der im Verlaufstreifen liegenden Länder wir Angola und Mozambique wegen Bürgerkriegen und Infrastrukturproblemen als Reiseziele ausfallen, konzentriert sich das Interesse der Sonnenfinsternis Enthusiasten aus aller Welt fast ausschließlich auf Sambia und Simbabwe. Obwohl Simbabwe mit einer ausgezeichneten Infrastruktur aufwarten kann, ist damit zu rechnen, dass der zu erwartende Ansturm im nächsten Jahr höchste Anforderungen an die Tourismusindustrie stellen wird. Dies haben auch diverse Reiseveranstalter erkannt und sich vor Ort Kapazitäten in großem Stil gesichert. So hat eine australische Delegation bereits vor Monaten kurzerhand die komplette Flotte des größten Reisebusunternehmen Greyhound gemietet. Auch die Hotels in Simbabwe haben mittlerweile entdeckt, dass das bevorstehende Naturereignis eine große Anzahl an Touristen ins Land bringen wird und bieten Sonnenfinsternis Specials an. Unglücklicherweise bezieht sich das Special meist nur auf den Preis, der für die Tage vor und nach der Sonnenfinsternis verdoppelt wird. So verlangt ein namhaftes Hotel in Harare beispielsweise für die "dunklen Tage" einen Sonnenfinsternis-Zuschlag von US$ 70 pro Nacht. Abschrecken tut dies die Sonnenfinsternis Enthusiasten scheinbar nicht. Das in Bulawajo operierende Reiseunternehmen Clapper Lark Adventure berichtet von einer deutschen Reisegruppe, welche vom Victoria Falls Hotel auf ein anderes Hotel ausweichen musste, weil innerhalb von drei Tagen 70 Zimmer vor ihrer Nase weggebucht wurden. Es sind aber nicht die professionellen Sonnenfinsternis- jäger und Astronomen, die sich im Juni 2001 auf den Weg nach Afrika machen werden. Der Medienrummel um die Sonnenfinsternis 1999 über Europa hat ein riesiges Interesse unter der Bevölkerung ausgelöst. Viele, die aufgrund des schlechten Wetters enttäuscht wurden, hoffen auf eine zweite Chance und sind dafür auch bereit bis nach Afrika zu reisen. Für das TUI Reisecenter, Zweibrücken (Inhaber Arno Lehnen), der mit der Internet-Seite Astronomie.de eine 11-tägige Reise nach Simbabwe organisiert ist dies nicht verwunderlich: "Simbabwe ist eines der schönsten Reiseländer in Afrika und bietet neben zahlreichen Tierparks auch die Möglichkeit, die weltberühmten Victoria-Fälle zu besuchen. Was liegt also näher, eine Rundreise in Simbabwe mit dem Naturschauspiel einer Sonnenfinsternis zu verbinden? Und das bei 99 %igen Chance auf gutes Wetter und optimale Beobachtungsbedingungen.
Links zum Thema:
http://www.astronomie.de
http://www.lonelyplanet.com
Neue Zürcher Zeitung
23.03.2001
Hässliches Ringen um eine dritte Amtszeit Chilubas Das Ringen um eine Änderung der sambischen Verfassung, die Präsident Chiluba die Kandidatur für eine dritte Amtszeit ermöglichen soll, nimmt immer hässlichere Züge an. Während Chiluba selber schweigt, findet ein Kesseltreiben gegen jene Kader der Regierungspartei statt, die sich gegen eine Verfassungsänderung aussprechen. win. Nairobi, 22. März Der sambische Tourismus-Minister Hannington mag wohl geahnt haben, was auf ihn zukommen würde. Seine Entlassung aus dem Kabinett erfolgte am Mittwoch, eine Woche nachdem er es gewagt hatte, öffentlich für die geltenden Verfassungen der Republik und der Regierungspartei Movement for Multiparty Democracy (MMD) einzutreten. Die gleiche Strafe für das gleiche Vergehen hatte im November bereits seinen damaligen Vorgänger ereilt - und drei weitere Minister im neuen Jahr. Seit dem vergangenen Sommer wird in Sambia ein wahres Kesseltreiben gegen alle MMD-Kader inszeniert, die sich gegen den Versuch stemmen, das Grundgesetz des Staats und die Parteistatuten aus wahltaktischen Gründen abzuändern. Denn beide Texte schreiben vor, dass Präsident Chiluba nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit im kommenden Herbst seinen Hut nehmen muss. Und das passt jener Clique, die im MMD den Weg an die Fleischtöpfe fand, in keiner Weise. Vielsagendes Schweigen Chiluba selber, der bei der Ausarbeitung der beiden Verfassungen eine Hauptrolle gespielt hatte, hält sich bedeckt. Im vergangenen Jahr hatte er zuvor geäusserte Absichten, im Herbst 2001 ehrenvoll in Pension zu gehen, in mehrdeutigen Worten, zuerst fast unmerklich, relativiert. Das sambische Volk, meinte er nun, müsse entscheiden, ob es dem Präsidenten eine dritte Amtszeit gewähren wolle. Gleichzeitig mit dieser Inszenierung als gütiger Landesvater straffte Chiluba aber die Zügel in seiner Bewegung. EineDebatte über seine Nachfolge oder gar Anmeldungen von Kandidaturen wurden per Dekretvon höchster Stelle verboten. Der Umweltminister Mwila, ein Mitglied der MMD-Spitze, das nicht nur an Einfluss ausserordentlich reich war, setzte sich im Juli über die Anweisungen des Chefs hinweg, gab sich als Präsidentschaftskandidat zu erkennen und wurde prompt mit dem Bannstrahl belegt. Er hat mittlerweile eine eigene Partei gegründet und gehört zu den schärfsten Kritikern des Präsidenten. Am Samstag soll das Exekutivkomitee des MMD formell über die Frage der Verfassungsänderungen befinden und gleichzeitig den Parteitag vorbereiten, welcher einen entsprechenden Beschluss als oberstes Gremium der Bewegung absegnen müsste. 7 der 9 Parteiableger auf Provinzebene haben sich bereits für die dritte Amtszeit ausgesprochen, doch weil am Parteitag geheim abgestimmt wird, ist das Resultat noch keineausgemachte Sache. Deshalb fordern Scharfmacher in der Partei, dass bis dahin die Reihen der Bewegung gesäubert werden. Chilubas nobles Schweigen verwandelt sich in dieser Situation mindestens in passive Komplizenschaft; die meisten Beobachter sind allerdings der Meinung, dassder Präsident diese Bemühungen aus den Kulissen heraus orchestriert. Die Falle der Macht Chiluba war Anfang der neunziger Jahre mit einer bunten Koalition von Gewerkschaften, Kirchen, Bürgerrechtsaktivisten und Berufsverbänden ausgezogen, das Machtmonopol des Gründerpräsidenten Kaunda und dessen United National Independence Party (Unip) zu brechen und den stetigen wirtschaftlichen Niedergang des einst reichen Landes aufzuhalten. Der Sieg des MMD und Chilubas über die Unip und Kaunda bei den Wahlen vom Oktober 1991 gehörte zu den spektakulärsten Erfolgen der Demokratisierungsbewegung, welche Afrika nach dem Zusammenbruch der bipolaren Weltordnung erfasst hatten. Doch 1996 liess Chiluba bereits die Verfassung ändern, um Kaunda von einer Kandidatur auszuschliessen. Und seither scheint er in jener Falle gefangen zu sein, die im englischsprachigen Afrika das «Big Man»-Syndrom genannt wird. Dessen Leitmotiv ist, dass es ohne den Chef, eben den Big Man, auf gar keinen Fall gut gehen kann. Das MMD hat sich in diesen zehn Jahren unter Chilubas Führung von der bunten, zugegebenermassen instabilen Koalition, deren einziger gemeinsamer Nenner die Abwahl des verkrusteten,korrupten Unip-Establishments war, zu einer Partei gewandelt, deren herausragende Qualitätennun ebenfalls Klientelismus, Korruption, Nepotismus und rigide Hierarchie sind. Die grössteStärke der Partei ist die Schwäche ihrer Konkurrentinnen. So ist beispielsweise der Präsident derUnip, Nkhoma, seit Januar in seinem Amt suspendiert, nachdem er die rare Demütigung hatteerfahren müssen, von Aktivisten der eigenen Parteijugend verprügelt zu werden. Gefahr kann demherrschenden MMD-Establishment angesichts eines fast sicheren Siegs bei den Wahlen vom Herbst nur aus den eigenen Reihen erwachsen. Kirchenarbeit als Ausweg? Sollte das Kesseltreiben gegen jene, die sich für die Pensionierung des Präsidenten aussprechen, weitergehen, stehen noch eine Reihe anderer prominenter MMD-Kader und Kabinettsmitglieder auf der Abschussliste. Auch der Vizepräsident der Republik, Tembo, zog in Erwartung seiner Entlassung schon mal von der offiziellen Residenz inseine private Farm um. Teile der Bürgergesellschaft, welche früher zu den natürlichen Verbündeten des MMD gehört hatten, drohten bereits, Versuche zur Änderung des Republiksverfassung gerichtlich anzufechten. Chiluba hat sich mit seinem Schweigen noch eine Türe zu einem ehrenvollen Abgang offen gelassen - obwohl staatsmännische Weitsicht kein prägendes Merkmal seiner Präsidentschaft war. Glaubt man nigerianischen Presseberichten, läge die Lösung der Krise vielleicht in einem Kirchenbesuch. Chiluba war im November überraschend nach Lagos gereist, wo er unter andereman einer Messe des charismatischen, ausserordentlich populären Pastors Balogun Joshua teilnahm. Er soll dabei, völlig aufgewühlt, der Kongregation versprochen haben, sich nach Ablaufseiner zweiten Amtszeit aus der Politik zurückzuziehen, um Joshuas Synagogue Church of all Nations zu dienen.
taz
24.12.2001
Ginge es nach objektiven Kriterien, müsste Sambias Regierungspartei MMD (Bewegung für Mehrparteiendemokratie) die Präsidentschaftswahlen am 27. Dezember klar verlieren. Nie war Sambias Wirtschaftslage so schlecht wie heute. 80 Prozent der zehn Millionen Einwohner leben unter der Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Tag. 42 Prozent der Kinder sind unterernährt. Die Regierung, abhängig vom Wohlwollen fremder Geldgeber, gibt mehr für den Schuldendienst aus als für Bildung und Gesundheit zusammen. Dieses Jahr sank die Maisernte um 30 Prozent, und ein Fünftel der Bevölkerung ist auf Nahrungsmittelspenden angewiesen.
Aber Sambias Politik ist komplexer als das. Vor zehn Jahren galt Frederic Chiluba als demokratischer Hoffnungsträger Afrikas. Seine aus den Gewerkschaften hervorgegangene MMD fegte 1991 triumphal die Einparteiendiktatur des seit der Unabhängigkeit 1964 regierenden Kenneth Kaunda hinweg. So sind sämtliche wichtigen politischen Kräfte des Landes, mit Ausnahme von Kaundas noch immer diskreditierter einstiger Staatspartei UNIP (Vereinigte Nationale Unabhängigkeitspartei), mit der MMD verbandelt und daher mit Chilubas Misswirtschaft.
Symptomatisch dafür ist, daß die wichtigsten Kandidaten bei diesen Wahlen Chilubas drei bisherige Vizepräsidenten sind. Levy Mwanawasa (1991-94) tritt für die MMD an, Godfrey Miyanda (1994-97) für die religiöse "Heritage Party" und Christon Tembo (1997-2001) für das "Forum für Demokratie und Entwicklung" (FDD), größte Sammlung von MMD-Dissidenten.
Der MMD-Kandidat hatte paradoxerweise mit Chilubas Regierung weniger zu tun als sein Hauptgegner Tembo. Mwanawasa erlitt 1992 bei einem Autounfall Gehirnschäden und verschwand in der politischen Versenkung, während Tembo als Vizepräsident erst im Mai 2001 zurücktrat, aus Protest gegen Chilubas damalige Pläne, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren.
Ein Mann des Wandels ist der 57 jährige zuckerkranke Tembo nicht, und seine lange Mitregierungszeit wirft einen Schatten auf die Versuche der FDD, Chiluba mit Simbabwes Robert Mugabe gleichzusetzen und die FDD mit einer sauberen, dynamischen Opposition. Dabei wäre das einfach. Politische Attentate und Diebstahl von Staatsgeldern charakterisieren Chilubas letzte Jahre, und der Präsident hielt bei der Auftaktveranstaltung zum MMD-Wahkampf eine ausländerfeindliche Hetzrede.
Doch auch Mwanawasa ist ein denkbar ungeeigneter Kandidat. Der 53 jährige bibeltreue Christ und Rechtsanwalt gilt als integer, aber ideenlos, und Kritiker sehen seinen Wiederaufstieg aus dem Ruhestand als Beweis dafür, daß sich alle fähigen Politiker von Chiluba abgewandt haben. Seit seinem Autounfall stottert er, aber seine Wahlkampfmanager schützen ihn nicht gegen üblen Spott. Von der Opposition beharrlich cabbage (Kohlkopf) genannt, konterte Mwanawasa letzte Woche im Fernsehen verzweifelt, er sei in Wirklichkeit ein Stück Steak.
So ist der Ausgang der sambischen Wahl so offen wie selten in Afrika. Die Wähler werden sich am Donnerstag vor allem fragen, ob sich das Wählen überhaupt lohnt. Die Regierung hat es ihnen denkbar schwer gemacht, indem sie den Wahltag mitten in die Regenzeit setzte, in der die meisten Straßen unpassierbar sind. Von den 4,5 Millionen Sambiern im wahlberechtigten Alter sind ohnehin nur 2,515.000 als Wähler registriert, und die Opposition behauptet, MMD-Aktivisten kauften den Bürgern in großem Stil Wahlkarten ab, um damit Flüchtlinge aus Angola und Kongo zu beglücken.
Von DOMINIC JOHNSON
taz
03.01.2002
Der Kandidat der Regierungspartei, Mwanawasa, wird als neuer Präsident vereidigt. Seine Amtseinführung wird von heftigen Protesten der Opposition begleitet. Doch die eigentliche Macht in dem südafrikanischen Land behält Vorgänger Chiluba.
Ärgerliche Demonstranten haben der Regierung in Sambia zur Amtseinführung des neu gewählten Präsidenten Levy Mwanawasa ein klares Zeichen gesetzt: Sie wollen einen politischen Wechsel. Aufgebrachte Bürger und die Opposition werfen der Regierungspartei "Bewegung für Mehrparteiendemokratie" (MMD) erhebliche Wahlmanipulation vor.
Nach den Präsidentschaftswahlen am vergangenen Donnerstag hatte sich MMD-Kandidat Levy Mwanawasa ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinem politischen Gegner Anderson Mazoka (Vereinigte Partei für nationale Entwicklung) geliefert. Aber am Ende lag der 53jährige Anwalt Mwanawasa mit 28 Prozent der Stimmen gegenüber 27 Prozent für Mazoka an der Spitze. Der Oberste Richter erklärte Mwanawasa zum Sieger und nahm ihm gemäß der Verfassung den Amtseid ab.
Vor dem Gerichtsgebäude in Lusaka gab es Tumulte während der Einführungszeremonie. Die Polizei feuerte Tränengas in die Menge der Demonstranten, die gegen den Ablauf der Wahlen protestierten.
Sieben der elf angetretenen Oppositionsparteien hatten zuvor die Annullierung des Ergebnisses und Neuwahlen gefordert. Aber nachdem das Oberste Gericht gestern einräumte, Wahlbetrug sei nicht auszuschließen, zugleich jedoch erklärte, daß eine Wahlanfechtung laut Verfassung erst nach einer Frist von zwei Wochen möglich sei, boykottierten die Oppositionsparteien die Amtseinführung.
Anfang des Jahres zwangen Massenproteste Präsident Frederick Chiluba zur Rücknahme seiner Absicht, sich per Verfassungsänderung eine dritte Kandidatur zu verschaffen.
Mit der eigenmächtigen Bestimmung Mwanawasas zum Kandidaten wählte er eine schwache Persönlichkeit, die er hinter den Kulissen als MMD-Vorsitzender manipulieren kann. Das führte zu enormen Kontroversen und Spaltungen in der MMD. Daraus resultiert, dass zu den dritten Präsidentschaftswahlen Sambias seit der Unabhängigkeit 1964 gleich elf Parteien antraten. "Mwanawasa hat die Stimmen nicht für seine Person, sondern für seine Partei erhalten. Er hat nichts zu bieten und wird im Parlament einen schweren Stand haben", sagt Fred Mwembe, Chefredakteur der einzigen unabhängigen Zeitung Sambias, The Post. "Gegenkandidat Mazoka kam zur rechten Zeit und trägt nicht die politische Last der Vergangenheit. Er hat mit seiner drei Jahre alten Partei einen frischen Wind und mehr Gerechtigkeit für die Menschen angekündigt." Nach ersten Ergebnissen war Mazoka Wahlsieger, doch verzögerte sich die Auszählung und Mwanawasa erzielte einen Vorsprung. "Das deutet auf Wahlbetrug hin", meint Ross Herbert vom Institut für internationale Angelegenheiten im südlichen Afrika, "aber auch wenn das Gericht dahingehend urteilt, es würde nichts ändern". Bereits 1996 sei Chilubas Wahl angezweifelt und auch ein Gerichtsurteil ignoriert worden.
Von MARTINA SCHWIKOWSKI
taz
03.01.2002
Tränengas, Gewalt, Boykottankündigungen und unerledigte Gerichtsverfahren sind keine verheißungsvollen Bedingungen für die Amtseinführung eines neuen Präsidenten. Wäre der offizielle Sieger, Levy Mwanawasa, klug, er hätte sich nicht als gewähltes Staatsoberhaupt Sambias vereidigen lassen. Seine umstrittene Wahl, die von sämtlichen Gegenkandidaten gerichtlich angefochten wurde, ist ein schlechtes Omen für einen Staat, der vor gut zehn Jahren als demokratisches Musterland im südlichen Afrika galt.
1991 war die friedliche Abwahl des langjährigen sozialistischen Diktators Kenneth Kaunda in Sambia ein Fanal für Afrikas Demokratisierung. Es war der erste friedliche Machtwechsel im südlichen Afrika und mit Ausnahme von Malawi ist es bis heute der letzte geblieben. Doch die Vorreiterrolle Sambias war bald vergessen. Die zunehmend selbstherrliche Herrschaft des 1991 gewählten und 1996 wiedergewählten Präsidenten Frederick Chiluba ist nun in einen chaotischen Wahlprozess gemündet, in dem der offizielle Sieger aus dem Regierungslager ohne Parlamentsmehrheit und ohne Anerkennung seitens der restlichen politischen Klasse seines Landes dasteht.
Das geht nicht nur Sambia etwas an, sondern bedroht die Stabilität der gesamten Region. Sambia beherbergt hunderttausende Flüchtlinge aus Kongo und Angola, sein Staatsgebiet dient zuweilen bewaffneten Gruppen aus diesen beiden Ländern als Rückzugsgebiet. Die relative Ruhe Sambias hat bisher dazu beigetragen, die zentralafrikanischen Kriege einzudämmen und ihr Ausbreiten auf das südliche Afrika zu verhindern.
Ein instabiles Sambia wird nun eher Konfliktherd sein als eine Oase des Friedens. Weit entfernt erscheinen heute die 90er-Jahre, als der Name der sambischen Hauptstadt Lusaka für die Friedensabkommen stand, die 1994 den Krieg in Angola und 1999 den im Kongo beenden sollten. Genauso wie diese Abkommen bisher folgenlos blieben, ist jetzt der Versuch der Demokratie gescheitert. Aber den restlichen Staaten der Region scheint das egal zu sein. Während internationale Wahlbeobachter schwere Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen bemängelten, sah das südliche Afrika tatenlos zu.
So zeigt sich: Die Wahrung demokratischer Standards gehört nicht zu den Prioritäten dieser Region, die zugleich engster Partner der EU und Deutschlands in Afrika ist. Das wird Folgen haben: Hat die Regierungspartei in Sambia mit Mühen ihren Machterhalt geschafft, dürfte dies nun der Zanu-PF in Simbabwe bei den Präsidentschaftswahlen im März nicht schwer fallen. Die Autokratie ist im südlichen Afrika auf dem Vormarsch, und keiner hält sie auf.
Von DOMINIC JOHNSON
Süddeutsche Zeitung
18.07.2002
Über Levy Mwanawasa wurden bis vor kurzem gerne Witze gemacht. Weil der Mann stottert, weil er sich oft verspricht und weil er in einer Fernsehdiskussion einmal gesagt hat, er sei kein "Kohlkopf", wie die Leute sagen, sondern ein "Stück Steak". Dieser Mann, der seit einem schweren Autounfall einen Sprachfehler hat, ist seit Januar Präsident Sambias. Und in den vergangenen Wochen ist einigen Menschen das Lachen vergangen. Zwar kam Mwanawasa offensichtlich durch Wahlbetrug an die Macht, aber schon nach wenigen Monaten unternimmt er das Gegenteil dessen, was viele von ihm erwartet hatten. Er galt zwar als Marionette von Frederick Chiluba, dem früheren Präsidenten, der nur deshalb seinen Parteifreund Mwanawasa ins höchste Amt ließ, weil er nach zehn Jahren nicht mehr selbst kandidieren durfte. Doch jetzt bringt Mwanawasa seinen Ziehvater vor Gericht.
Am Dienstag hob das Parlament die Immunität des ehemaligen Staatschefs auf. Mwanawasa hatte Chiluba vorgeworfen, er habe bei einem fiktiven Waffengeschäft 20,5 Millionen Dollar aus der Staatskasse verschwinden lassen. Bei der Privatisierung der staatlichen Roan Antelope Mining Corporation seien 47 Millionen Dollar unterschlagen worden. Chiluba soll in seiner Amtszeit mit Hilfe des Geheimdienstes ein privates Konto in London unterhalten haben. Mit dem dort deponierten Geld habe er auch den damaligen Chef des Obersten Gerichts bestochen, der inzwischen von seinem Amt zurücktreten musste. Auch für seinen Schneider habe Chiluba mehr als eine Million US-Dollar dort abgezweigt. Eine weitere Million sei an den sambischen Botschafter in den USA geflossen, der inzwischen von der staatlichen Antikorruptionskommission verhaftet wurde. Nach der Aufhebung der Immunität Chilubas wird mit der baldigen Verhaftung und Anklage gerechnet.
Mwanawasas Vorgehen ist der bislang entschlossenste Kampf gegen die Korruption in Sambia seit der Unabhängigkeit im Jahre 1961. Zwar bestreitet Chiluba die Vorwürfe energisch und sieht sich als Opfer einer "politischen Hexenjagd", aber schon das einstimmige Votum der Parlamentarier lässt vermuten, daß Mwanawasa über stichhaltige Beweise verfügt. Vor der Presse sagte Chiluba: "Das Land degeneriert zur intoleranten Gesellschaft, in der Brüder Brüder fressen."
Sollte Chiluba wirklich vor Gericht gestellt und verurteilt werden, hätte dies eine positive Signalwirkung für ganz Afrika. Denn in den meisten Staaten grassiert die Korruption. Doch es könnte auch den gegenteiligen Effekt haben: Bislang waren viele Staatschefs auch aus Angst vor der anschließenden Strafverfolgung nicht bereit, auf ihre Ämter zu verzichten. Chilubas Schicksal könnte ihre Haltung noch verstärken. Für Mwanawasa aber hat sich die Aktion gegen seinen Vorgänger schon gelohnt. Die Internationale Gemeinschaft hat ihm bei einem verstärkten Kampf gegen die Korruption ein Hilfspaket von 1,3 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt.
Von Michael Bitala
taz
16.10.2002
Sambias Regierung macht Kritiker an der Hungersnot im eigenen Land mundtot. Die letzte Maisernte deckte nur die Hälfte des Bedarfs, die Vorräte der ausländischen Hilfsorganisationen für die notleidende Bevölkerung gehen zu Ende, aber als Parlamentarier Vitalis Mooya jetzt behauptete, drei ältere Frauen seien in seinem Wahlkreis Moomba, 240 Kilometer südlich der Hauptstadt Lusaka, verhungert, hetzte Präsident Levy Mwanawasa die Polizei auf den Oppositionspolitiker. Sie drohte, ihn wegen "Alarmierung der Öffentlichkeit" anzuklagen.
Die Regierung hat bisher immer wieder die Hungerkrise in Sambia verneint, obwohl nach UN-Schätzungen etwa 2,9 Millionen Menschen akut von Hungersnot bedroht sind. Gleichzeitig lehnte die Regierung die Lieferung von genmodifiziertem Mais, von Präsident Mwanawasa als Gift bezeichnet, durch das UN-Welternährungsprogramm WFP ab, als einziges Land im südlichen Afrika.
Das WFP hat nun nicht modifizierten Mais aus Südafrika aufgekauft, um die Notlage für weitere zwei Wochen zu lindern. Südafrikas Regierung erklärte sich bereit, 100.000 Tonnen Mais an die vom Hunger betroffenen Länder Sambia, Simbabwe, Mosambik, Malawi, Lesotho und Swaziland zu liefern und genveränderten Mais aus dem Ausland in landeseigenen Mühlen mahlen zu lassen.
Im Dezember beginnt in Sambia die übliche Hungersaison bis zur Ernte im Frühjahr. Dieses Jahr hat sich die Situation verschlimmert durch den Verfall zweier Ernten, astrononomische Preise sowie Misswirtschaft. "Wir brauchen Hilfe, denn wir können uns nicht auf das Wenige verlassen, das wir haben", sagte Landwirtschaftsminister Mundia Sikatana. Einbrüche verzweiftelter Menschen in die Lager des WFP, in denen noch tonnenweise Genmais auf die Erlaubnis zur Verteilung warten, werden häufiger.
Der Präsident, der stets erklärt, kein Sambier werde unter seiner Obhut hungern, beschuldigt seine Gegner, mit der Hungerkrise Politik zu betreiben. Dabei zeigen die drastischen Schritte gegen Vitalis Mooya lediglich die Unterdrückung freier Meinungsäußerung. "Mwanawasas Handlung zeigt diktatorische Tendenzen", kritisiert Ngande Mwanajiti von der Gruppe "Inter-Afrika Netzwerk für Menschenrechte". Eine Dachorganisation von Frauengruppen rief die Regierung auf, schnellstens Nahrung zu besorgen, anstatt den im Auftrag der Wähler arbeitenden Parlamentariern zu drohen.
Von MARTINA SCHWIKOWSKI
taz
25.02.2003
Nur wenige Minuten außerhalb der sambischen Hauptstadt besitzt Anderson Mazoka ein prachtvolles Anwesen, umgeben von einem privaten Wildpark. Hier besinnt sich der ehemalige Geschäftsführer des südafrikanischen Bergbaukonzerns Anglo American und Führer der größten Oppositionspartei des Landes auf seinen nächsten Schritt, nachdem er gerade aus der Provinz Keembe mit einer Niederlage zurückkehrte. Dort hat seine Partei UPND (Vereinte Partei zur nationalen Entwicklung) Nachwahlen verloren.
"Der Präsident kauft Stimmen mit Nahrung für die Armen, und die Leute werden eingeschüchtert", ist Mazokas Erklärung für die Niederlage. Mazoka sieht sich als regulärer Sieger der sambischen Präsidentschaftswahl vom Dezember 2001, die offiziell der Regierungskandidat Levy Mwanawasa gewann, und kämpft bis heute vor Gericht für eine Neuauszählung der Stimmen. Sambia, das 1991 mit freien Mehrparteienwahlen Vorreiter der afrikanischen Demokratisierung wurde, ist durch die Vorgänge von 2001 politisch beschädigt.
"Die Wahlen könnten annulliert werden, wenn die Justiz nicht blind wäre", findet der 56-jährige Oppositionsführer Mazoka. Stattdessen hat das Gericht jetzt Mazoka wegen "Missachtung der Justiz" vorgeladen. Er hatte während der Nachwahlkampagne in Keembe den Präsidenten als Dieb bezeichnet. Das ficht Mazoka nicht an. "Ich fühle mich betrogen", meint er, "aber es stimmt mich nicht depressiv."
Doch mit einem geschickten Schachzug versuchte Präsident Mwanawasa vor kurzem, die immer stärker werdende Opposition in seinem Land zu spalten. Unter dem Vorwand, eine "Regierung der nationalen Einheit" voranzutreiben, bot er einigen Oppositionspolitikern Kabinettsposten an, ohne Beratung mit den jeweiligen Parteipräsidenten. Die Wogen schlugen hoch. Eine Partei zog gegen die Ernennung der Oppositionsminister vor Gericht und bekam Recht. Mwanawasa reagierte in bewährter Manier: Er verteilte einige der Ämter trotzdem wie geplant.
Die Posten gingen an diejenigen, die trotz drohendem Rausschmiss aus der eigenen Partei nicht widerstehen konnten. Einer von ihnen ist Dipak Patel, Mitglied einer Abspaltung der regierenden MDD (Bewegung für Mehrparteiendemokratie) namens FDD (Forum für Demokratie und Entwicklung). Unter Mwanawasas Vorgänger als Präsident, Frederick Chiluba (1991-2001), arbeitete Patel als Handelsminister. Jetzt wird er auf dem gleichen Posten für Mwanawasa weitermachen.
"Dadurch werde ich stärker an Entscheidungsprozessen teilnehmen", glaubt Patel und sagt: "Wir brauchen eine neue Verfassung, die dem Präsidenten weniger Macht einräumt." Die Wirtschaft könne nicht ständig mit geborgtem Geld - Sambia hat 6,5 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden - aufgebaut werden; der Sozial- und Gesundheitssektor sei vernachlässigt und ein neues Wahlgesetz müsse mehr Gleichheit im Wahlkampf für alle Parteien garantieren.
Mazoka, dessen Partei 48 der 158 Sitze im Parlament hat, sieht den "Kauf" der Opposition durch den Präsidenten gelassen. "Der Präsident kann nicht viele Posten abgeben, ohne seine Partei zu schwächen." Der Oppositionelle setzt darauf, daß der Unmut in der Bevölkerung über die Herrschaft der MMD wächst. 80 Prozent der zehn Millionen Sambier müssen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag ihr Leben organisieren, Armut und Arbeitslosigkeit wachsen, seit der dominierende Bergbaukonzern Anglo American Sambia verlassen hat und die Produktion in den maroden Minen des Kupfergürtels sinkt. Zudem verstärkt die Hungerkrise besonders im Süden des Landes und die wachsende Zahl von HIV-Aidskranken die desolate Situation.
"Wir haben alles unter Kontrolle", lautet die stereotype Antwort des Präsidenten auf diese Probleme. "Der Präsident hat keine Strategie zur Lösung der Probleme des Landes", sagt hingegen Vainola Makan vom "Panos Institut" in Lusaka. "Wie so häufig in Afrika: Die Elite wächst und führt eher zur Desintegration anstatt zur Neubildung einer soliden Gesellschaft." Mwanawasa fürchte um seinen Job, erklärt sie die jüngsten Aktionen des Präsidenten. "Wenn er zugeben könnte, daß er falsch gehandelt hat, könnte er den Moment für Verhandlungen mit seinen Gegnern nutzen - wie einst De Klerk und Mandela in Südafrika. Aber stattdessen kauft er die Opposition und bleibt illegal an der Macht."
Von MARTINA SCHWIKOWSKI