Der Standard
07.10.2000

Wer von Afrika zurückkommt, weiß vom Unmaß zu berichten, wie unfassbar schön der Kontinent ist; wie groß aber auch die Probleme sind, die von Menschen und Natur verursachten Katastrophen

Der Blick in den Abgrund

Mosambik, sieben Monate nach der Katastrophe. Unter Einsatz aller Kräfte und mit internationaler Hilfe wurde das von Regen und Wirbelstürmen zerstörte Land teilweise wieder aufgebaut. Doch schon im Dezember droht die nächste Sintflut. Ein Lokalaugenschein.

"Die Häuser klettern die Hänge empor, um weggespült zu werden, wenn die Wolken schwarz sind und Orkane wie mörderische Banditen wüten. So geht es nun schon seit Menschengedenken, und viele Leute liegen nachts wach und grübeln, wie das wohl enden wird. Wann wird die Stadt die Abhänge hinabstürzen und vom Meer verschlungen werden?" (Henning Mankell: Der Chronist der Winde)

Man könnte Polana Canico idyllisch finden. In den Gärten rund um die kleinen Hütten aus Schilf und Lehm wachsen Papayas und Bananen, auf den Gassen dazwischen spielen Kinder, hinter improvisierten Marktständen verkaufen junge Frauen bunte Stoffe, Nahrungsmittel und Haushaltsgeräte. Doch Polana Canico ist keine Idylle.

"Es war schon vorher schwierig", sagt der 30 jährige Straßenhändler Joaquim Couto, der uns durch die schmutzigen, engen Gassen des Viertels führt. "Und dann das da." Völlig unvermutet stehen wir am Rand einer 15 Meter tiefen und ebenso breiten Schlucht, die sich mitten durchs dicht besiedelte Vorstadtviertel der mosambikanischen Hauptstadt Maputo gräbt. Dort, wo der lehmige Boden in den Graben hinunterbricht, steht auf unserer Seite noch ein halbes Haus, ein halber Garten, ein halbierter Schilfzaun. Gegenüber: Dutzende zerstörte Häuser. Unten Abfälle und Mauerreste. Und ein Rinnsal, in dem Kinder baden und Frauen ihre Wäsche waschen. Das Rinnsal ist kein Bach, sondern das Grundwasser.

"Das ist innerhalb von fünf Tagen passiert", erklärt Joaquim Couto und nimmt sich die Kappe vom Kopf, um den Schirm zurechtzubiegen. "Durch den Regen. Viel Regen." Seither lebt er mit seiner Familie in dem halben Haus.

Vom vergangenen Dezember bis zum Februar regnete es viel in Mosambik. Wie jedes Jahr zur Regenzeit, nur etwas mehr. Und dann kam Eline. Der Zyklon Eline fegte von Madagaskar her über den Indischen Ozean und zerstörte und überflutete den Süden des Landes sowie Teile Südafrikas, Simbabwes und Swasilands. Geschätzte viereinhalb Millionen Menschen waren in Mosambik von der Katastrophe betroffen, mehr als eine halbe Million Mosambikaner ist noch immer auf fremde Hilfe angewiesen. Frauen, Kinder und ältere Menschen, deren Häuser zerstört sind, die Felder vernichtet, das Saatgut verschimmelt. Zwischen sieben- und achthundert Menschen wurden in den Tagen des Taifuns im Februar getötet. Wie viele danach an Cholera- und Malariaepidemien gestorben sind, ist ebenso wenig erfasst wie die Opfer des Zyklons Hudah, der Anfang April ein Nachspiel lieferte.

In Polana Canico wurden beispielsweise in der Woche vom 17. bis zum 23. April 78 Cholerafälle gemeldet, in der Woche darauf waren es 85. Polana Canico "A" und "B" haben gemeinsam 84.000 Einwohner und sind zwei von 21 Bairros, wie die Slumviertel im Norden Maputos heißen. Dort lebt fast die Hälfte der mehr als drei Millionen Einwohner der Hauptstadt in Häusern aus Wellblech, Plastikfolie, Schilf und Lehm. Diese waren leichte Beute für den Regen, der sich in den ersten fünf Tagen des Februar seine zwei Kilometer lange Schneise zum Meer grub. Drei- bis vierhundert solcher Behausungen wurden in den Schlammmassen begraben, 2.000 Menschen waren danach obdachlos.

Der Graben zerstörte auch jenen Teil der Prachtstraße Avenida Julius Nyerere, der durch die Slums führte. Bis zum Jänner fuhren dort noch die Gäste des noblen Hotels Polana, in dem die Nacht bis zu 900 Dollar kostet, zum Flughafen.

Canico heißt auf Portugiesisch Schilfrohr, und als das Polana noch das Prunkhotel der portugiesischen Kolonialherren war, verlief zwischen der so genannten Schilfstadt der Schwarzen und der Betonstadt der Weißen eine unsichtbare Mauer. Heute trennt der Graben von Polana Canico nur die Ärmsten von den Armen.

Mosambik zählte schon vor der Katastrophe zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. 70 Prozent der Menschen leben unter der Armutsgrenze, die Lebenserwartung liegt bei 43 Jahren, jedes siebte Kind stirbt vor dem fünften Lebensjahr, statistische Daten, man kennt das, Afrika eben. Doch auf der anderen Seite stehen Entwicklungskennzahlen, die sogar im internationalen Vergleich sensationell sind. Das Nationalprodukt verzeichnete in den letzten drei Jahren Wachstumsraten von über zehn Prozent per anno, die Analphabetenquote konnte seit der Unabhängigkeit 1975 von mehr als 98 Prozent auf unter 60 Prozent gesenkt werden.

Dabei hatten die Portugiesen das Land völlig ausgeblutet, nicht nur an materiellen Werten, sondern vor allem dadurch, daß der schwarzen Mehrheitsbevölkerung der Zugang zu Bildungseinrichtungen verwehrt wurde. Dann begann nur zwei Jahre nach der Unabhängigkeit ein 17 jähriger Bürgerkrieg, angezettelt vom Geheimdienst des damaligen Südrhodesien und kofinanziert von Apartheid-Südafrika auf der einen und der Sowjetunion auf der anderen Seite. Als Erbe bleibt neben Hunderttausenden Opfern eine Million unentschärfter Landminen. 1994 fanden die ersten freien Wahlen statt. Man kämpfte sich durch Korruption und "Strukturanpassung" von Weltbank und IWF. Erfolgreich. Dann kam die Flut.

Als der Zyklon bereits Hunderte Todesopfer gefordert hatte, kam die internationale Hilfe, spät, dafür aber nach Ansicht von Beobachtern ungewöhnlich reichhaltig. Auf einer Staatenkonferenz in Rom im Mai wurden 154,7 Millionen US Dollar für den Wiederaufbau zugesagt. Von Februar bis August spendeten 49 Länder und 30 nicht staatliche Organisationen (NGOs) Güter im Wert von mehr als 70 Millionen US Dollar: Essen, Medikamente, Saatgut, Geräte, Unterrichtsmaterial und Hygieneartikel.

Auf der anderen Seite steht laut Infrastrukturminister Roberto White ein durch die Katastrophe direkt verursachter Schaden von 273 Millionen US Dollar. Dazu kommen 247 Millionen an Produktions- und 48 Millionen US Dollar an Exportverlusten. Und eine Zahl, die keiner Naturkatastrophe bedarf, um als Damoklesschwert über allen Mosambikanern zu schweben, 62 Millionen US-Dollar muss das Land auch heuer, vor allem an die Weltbank, zahlen, um seine Auslandsschulden von 4,8 Milliarden Dollar zu tilgen. Kate Horne, die die internationale Hilfsorganisation Oxfam in Mosambik repräsentiert, findet es "verrückt, dass von der Regierung erwartet wird, Schulden zurückzuzahlen, die die Höhe der Hilfszahlungen um ein Vielfaches übersteigen".

Indes scheint sich das Vertrauensverhältnis zwischen Regierung und NGOs in den letzten Jahren stark gebessert zu haben. Auch Kerry Selvester von CARE Mosambik bestätigt die vorbildliche Kooperation mit öffentlichen Stellen. CARE betreibt ein Stadtentwicklungsprojekt in Polana Canico, in dem es ursprünglich vor allem um die Befähigung (empowerment) jugendlicher Arbeitsloser und um die Verbesserung der sanitären Situation gegangen ist. Die meisten Familien müssen ohne frisches Wasser und ohne Kanal auskommen.

Was bedeutet, daß Abfälle und Fäkalien rund ums Haus entsorgt werden müssen, eine Brutstätte für Krankheiten und Seuchen.

Doch seit Februar gibt es nur mehr ein Thema, die Flut. Denn knapp am Rande des großen Grabens leben zigtausende Menschen, die sich vor dem nächsten Dezember fürchten. Da kommt der Regen zurück. Und zerstört vielleicht neben weiteren Häusern und Hütten auch die Schule für 4.000 Kinder, die diesmal noch haarscharf davongekommen ist. An einem Eck mahnt eine mehrere Quadratmeter große ausgewaschene Stelle im Fundament zur Eile. 250.000 Dollar sind notwendig, um die Schule zu retten, 25 Millionen bräuchte man, um das ganze Viertel durch Drainage regenfest zu machen und das geplante Hilfsprojekt durchzuführen. CARE-Mitarbeiter Orlando Galane deutet auf das Geflecht aus Draht und Steinen, das neben der Schule mit privaten Spenden errichtet wurde: "Mit jedem Quadratmeter Boden, den wir so sichern können, kaufen wir Zeit."

Joaquim Couto steht in seinem halben Garten vor seinem halben Haus und blickt in den Abgrund: Wenn es wieder regnet, wird er vorher seine Familie in Sicherheit gebracht haben. Die Regierung hat ihm sogar angeboten, von hier wegzuziehen, in ein anderes Bairro. Doch Joaquim Couto will nicht. Dafür ist es in Polana Canico, sagt er, zu schön.
Von Klaus Werner


Neue Zürcher Zeitung
29.05.2002

Moçambique nahe einer Nahrungsmittelkrise

Die Regierung kann eine Hungersnot noch abwenden

Moçambique, das vor zwei Jahren von Überschwemmungen heimgesucht worden ist, steht heute am Rande einer durch eine Dürre im südlichen Afrika ausgelösten Nahrungsmittelkrise. Die Regierung könnte eine Hungersnot aber noch abwenden.

Wenn Dürre herrscht in Canseta, steht Isaura Cipriano Semo jeden Morgen um 3 Uhr auf, um den dreistündigen Fussmarsch zum Sambesi-Fluss anzutreten. Auf dem Rückweg muss sie sich mehrmals ausruhen und den 20-Liter-Behälter absetzen. Gegen 10 Uhr ist sie wieder zu Hause in ihrem kleinen Dorf in der Provinz Tete im Nordwesten Moçambiques und beginnt dann mit der Arbeit auf dem Feld. Doch in diesem Jahr ist die Ernte nur mager ausgefallen. Das Geld für Schulmaterial und Kleidung für sie und ihre vier Kinder verdient sie mit dem Verkauf von selbst gebranntem Schnaps. Sie verkauft einen halben Liter "nipa" oder "pombe" für etwa 15.000 Meticais (etwa 90 Rappen). Doch während der Dürre ist sie auf das Lebensmittelpaket des Welternährungsprogramms (WFP) angewiesen.

Ein Damm gegen die Wasserknappheit
Die monatlich 70 Kilogramm Maismehl, 6 Kilogramm Linsen und 2 Liter Speiseöl, die das Paket enthält, verdient sie als Arbeiterin beim Canseta-Damm. Insgesamt neun Dörfer haben sich zusammengetan, um, mit Unterstützung eines mosambikanischen Hilfswerks, diesen Damm zu bauen. Er soll die negativen Folgen von zukünftigen Trockenperioden verringern. Seit Juli vergangenen Jahres hat es in der Gegend nicht mehr geregnet. Normalerweise ist der Wasserspiegel hoch genug, um es der Dorfbevölkerung zu ermöglichen, aus tiefen Löchern Wasser zu schöpfen. Doch seit Januar ist auch so kaum mehr an Wasser zu kommen.

Damit sie während ausgedehnter Trockenperioden in Zukunft nicht jeden Tag die 32 Kilometer zum Fluss zurücklegen müssen, haben die Dorfbewohner aus der Gegend beschlossen, den Damm zu bauen. Über hundert Männer und Frauen arbeiten in zwei Gruppen seit fast zwei Jahren an diesem Damm. Bis Ende 2003 soll er fertiggestellt sein, 32,5 Meter lang, 4,5 Meter hoch und 2,5 Meter tief. Doch viele hätten die Arbeit wegen der Dürre aufgegeben, erzählt eine Mitarbeiterin des Hilfswerks Projecto Cobarema. Sie seien heute damit beschäftigt, nach Nahrungsmitteln zu suchen. Die Lebensmittelpakete des WFP sind gleichzeitig Lohn und ein Mittel, um den Weiterbau des Damms zu garantieren.

Weite Teile von Zentral- und Südmoçambique waren vor zwei Jahren von Fluten überschwemmt worden. 700 Personen waren dabei ums Leben gekommen, und Tausende von Menschen hatten ihr Hab und Gut verloren. Auch drei Bezirke der Provinz Tete waren betroffen. Heute steht sieben Bezirken der Provinz eine durch eine Dürre ausgelöste Nahrungsmittelkrise bevor. Im März 2001 erreichte der Pegelstand des Sambesi 7,3 Meter, heute liegt er bei 2,6 Metern. Moçambique hat aber noch die Chance, eine Krise, wie sie in Malawi, Sambia und Simbabwe seit einigen Monaten herrscht, abzuwenden. Im Norden des Landes werden laut der Regierung noch genug Grundnahrungsmittel produziert, um eine Hungersnot abzuwenden. Die Koordination der Nothilfe und die Lebensmittelverteilung sind von höchster Wichtigkeit. Moçambique wird, gemäss dem WFP, 21.000 Tonnen Lebensmittel benötigen, um etwa 400.000 Personen im Süden und im Zentrum des Landes zu ernähren.

Auswirkung auf die Schülerzahlen
Die Dürre hat mehrere Folgen. Eine davon ist eine Abnahme der Schülerzahlen. Statt in die Schule zu gehen, helfen die Kinder bei der Suche nach Nahrungsmitteln. Das WFP verteilt Lebensmittel an etwa 81.000 Schüler pro Jahr, doch längerfristig gesehen ist diese Nothilfe nicht realistisch. Die Lehrer an der Maroeira-Primarschule im Bezirk Cahora Bassa schreiben die steigenden Zahlen der anwesenden Schüler der Nothilfe zu, wissen aber, daß sie sich in Zukunft wieder selbst versorgen müssen. Denn Dürreperioden sind Teil des Alltags in Moçambique. Viele Schulen im Lande haben bereits ein eigenes Feld mit Gemüse angelegt. Die Trockenheit hat allerdings dazu geführt, daß die Schulen nicht genug Gemüse ernten konnten, um die Kinder zu verpflegen.

Anastasia Antonia ist eine von zehn Müttern und Vätern, die seit etwa einem Monat die Mahlzeiten an der Maroeira-Schule zubereiten. Zwei ihrer Kinder besuchen die Schule. Bisher hat die Witwe ihre Familie mit den Erträgen ihres eigenen kleinen Feldes ernährt. Doch dieses Jahr ist die Ernte ganz ausgefallen. Nun erhält sie am Ende des Monats für ihre Arbeit ein Lebensmittelpaket, und ihre Kinder bekommen täglich eine warme Mahlzeit an der Schule.

Auch die Mission San Jose de Cluny in Tete ist von der Dürre betroffen. Das Kinderheim wurde durch die Fluten stark beschädigt. Nun leben die 63 Kinder, zumeist Waisen, deren Eltern an den Folgen von Aids gestorben sind, in einer heruntergekommenen Notunterkunft. Die Zahl der Kinder, die in dem Heim abgegeben werden, hat seit Anfang der Dürreperiode zugenommen, und der Gemüsegarten liegt ausgedörrt und brach hinter dem Haus. Die Aids-Epidemie im Lande hat die Folgen der Dürre noch verschlimmert. Viele Kinder kämpften bereits ums Überleben, erklärt Maria Manuel Molarino, eine portugiesische Helferin in der Mission. Eine Dürre verringere ihre Überlebenschancen zusätzlich.

Afrikas Regierungen beugen kaum Naturkatastrophen vor
Armut, Aids und die Nachwirkungen von 16 Jahren Bürgerkrieg verschärfen die Folgen der Dürre in Moçambique zusätzlich. Doch leidet das südafrikanische Land nicht so stark unter den Folgen eines meteorologischen Phänomens wie andere Länder in der Region. Das liegt teils daran, daß der Norden Moçambiques noch genügend Grundnahrungsmittel produziert, um wenigstens einen Teil der Bevölkerung zu ernähren, teils aber auch an der Tatsache, daß die mosambikanische Regierung versucht, längerfristig Naturkatastrophen vorzubeugen.

Vorbildliche Rolle Moçambiques
Nach dem Ende des Bürgerkriegs 1992 war die Regierung vollkommen auf die Nothilfe für Flüchtlinge und Vertriebene ausgerichtet. Es galt, der stark gebeutelten Bevölkerung in einem Land mit kaum existierender Infrastruktur so schnell wie möglich auf die Beine zu helfen. Erst allmählich sei die Regierung bereit gewesen, diese "Nothilfe-Mentalität" zu ändern, sagt Ailsa Holloway, die Leiterin des Disaster Mitigation for Sustainable Livelihoods Programme an der Universität von Kapstadt. Die Denkweise habe sich stark institutionalisiert, nicht nur in Moçambique, sondern in der gesamten Region des südlichen Afrika, erklärt Holloway. Obwohl die gegenwärtige Dürre kein aussergewöhnliches Ereignis sei, spüre die Bevölkerung ihre Auswirkungen viel stärker als noch vor zehn Jahren. Die Aids-Epidemie sowie die hohe Arbeitslosenquote hätten die Anfälligkeit der Bewohner der Region erhöht, Entlassungen als Folge von strukturellen Reformprogrammen bedeuteten, daß mehr Menschen auf ein kleines Stück Land zum Überleben angewiesen seien, erläutert Holloway. Rund 70 Prozent der mosambikanischen Bevölkerung lebten unter der Armutsgrenze, noch 90 Prozent der 17 Millionen Einwohner lebten auf dem Land.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in der Region hat Moçambique die Ressourcen des Landes nun auf längerfristige Programme zur Eindämmung der Folgen von Naturkatastrophen ausgerichtet. In der Periode nach einer Naturkatastrophe vergessen die meisten Regierungen die gelernten Lektionen, statt vorbeugend gegen zukünftige Naturereignisse einzugreifen. Doch Moçambique hat auf allen Regierungsebenen koordinierte Strukturen geschaffen, um auf Naturkatastrophen wie Dürre, Überschwemmungen und Seuchen vorbereitet zu sein. Im Oktober 1999 hatte die Regierung einen Aktionsplan für die bevorstehende Regenzeit veröffentlicht. Sie war sich bewusst, daß die Möglichkeit grosser Überschwemmungen in den südlichen und zentralen Regionen des Landes bestand, und hatte entsprechend 2,7 Millionen Dollar Hilfsgelder von der internationalen Gemeinschaft verlangt. Erhalten hatte sie knapp die Hälfte. Erst nach der Überschwemmungskatastrophe erhielt das Land innert kürzester Frist mehr als 100 Millionen Dollar an Nothilfe.

Manipulierte Zahlen
Es ist auch internationalen Geldgebern klar, daß einige Regierungen die Zahl der Betroffenen von Naturkatastrophen übertreiben, um mehr Geld beantragen zu können. Laut einer internationalen Nichtregierungsorganisation sprechen gewisse Länder allzu schnell von verhungernden Menschen und bauschen die Zahl der durch eine Hungersnot verursachten Todesfälle auf, um sich internationale Gelder zu sichern. Die Regierungen glauben dies im Interesse der Bevölkerung zu tun, da sie wissen, wie schwierig es sein kann, die Weltgemeinschaft vom Ausmass einer Katastrophe zu überzeugen, solange keine Bilder von verhungernden oder ertrinkenden Menschen durch die Medien gehen.

Bruce Isaacson, Leiter des Frühwarnnetzwerks für Hungersnot im südlichen Afrika, erklärt, die Regierungen müssten jetzt schon für die nächste Ernte vorplanen und Saatgut und Düngemittel so bald wie möglich verteilen. Das Problem sei jedoch, daß die Transportwege bereits durch die Verteilung von Nothilfe blockiert seien. Engpässe seien absehbar, doch müssten die Regierungen sich auf die Aussaat im Oktober vorbereiten, wenn sie eine Wiederholung der gegenwärtigen Nahrungsmittelkrise im kommenden Jahr verhindern wollten.


pte
10.12.2002

Größter Naturpark Afrikas wird Realität

35.000 Quadratkilometer großes Game-Reserve in Südafrika, Mosambik und Simbabwe

Der größte Nationalpark Afrikas mit einer Fläche von 35.000 Quadratkilometern hat heute, Montag, offiziell seine Tore geöffnet. Der Great Limpopo Transfrontier Park http://www.gkgpark.com , der sich über Teile Südafrikas, Mosambiks und Simbabwes erstreckt, soll internationalen Touristen mit nur einem Visum den Zutritt erlauben, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk heute, Montag. Die Präsidenten der drei Staaten sind heute in Xai Xai, Mosambik zur Eröffnung zusammen getroffen.

Mit einer Fläche, die fast die ganzen Niederlande umfasst, verbindet der neue Park den südafrikanischen Kruger National-Park mit dem Gonarezhou Park in Simbabwe und dem Limpopo Park in Mosambik. Nach Angaben von BBC finden sich in dem riesigen Naturreservat mehr als 300 verschiedene Baumarten und eine Vielzahl von Elefanten, Nashörnern, Löwen, Giraffen und Antilopen. Den Grundstein für den riesigen Park legte Präsident Nelson Mandela. Die Organisatoren hoffen, daß der neugeschaffene Park viele Touristen aus aller Welt anziehen wird. Die Gründungsväter sprechen vom wichtigsten Eco-Tourismus-Ziel der Welt.

Mit der Eröffnung des Parks gab es nach Angaben von BBC immer wieder Schwierigkeiten. Der geplante Eröffnungszeitpunkt hätte bereits vor über einem Jahr sein sollen. Die politisch instabile Lage in Simbabwe hatte das Projekt zuletzt auf Dezember verschoben. Die Schaffung der nötigen Infrastruktur insbesondere im krisengeschüttelten Mosambik, das nach 16-jährigem blutigen Bürgerkrieg erst seit 1992 wieder aufgebaut wird, erschwerte die Durchsetzung des grenzüberschreitenden Parks. Beim Bürgerkrieg wurden auch große Teile des Wildbestandes Mosambiks schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Noch immer fehlen dem Park Investitionsmittel. So fehlt etwa eine Brücke, um den Transport über den Limpopo Fluss nach Mosambik zu gewährleisten, ohne den Park zu verlassen. Neu errichtet werden soll auch ein internationaler Flughafen, der Touristen dann direkt in den Park bringt. Der Great Limpopo Transfrontier Park soll anders als bisherige Wildparks zu keinen Umsiedlungen bereits bestehender Dörfer führen.
Von Wolfgang Weitlaner



Beiträge zu aktuellen Themen