Die Insel der Waldgeister

Madagaskar ist ein riesiges Laboratorium der Natur. Seit die Insel vom afrikanischen Kontinent vor 165 Millionen Jahren getrennt wurde, brachte sie eine erstaunliche Artenvielfalt hervor. Die verschiedenen Lemurenarten, eine Besonderheit Madagaskars, werden von den Einheimischen als Waldgeister gleichzeitig verehrt und gefürchtet. Doch mit der Vernichtung der Regenwälder sind viele dieser Halbaffen vom Aussterben bedroht.

Lemuren und Chamäleons: Eine Tier-Welt für sich

Madagaskar, die viertgrößte Insel der Erde, liegt im Indischen Ozean etwa 300 Kilometer vor der Ostküste Afrikas. Weltweit ist Madagaskar das Land mit der höchsten Rate an endemischen Tieren und Pflanzen daß heißt, sie kommen nur hier vor. Die ursprüngliche Vegetation ist vielfältig und reicht vom tropischen Regenwald und Bergnebelwald über Trockenwälder bis zu Halbwüsten und Dornbuschsteppen.

Eine Besonderheit Madagaskars sind die Lemuren. Diese Halbaffen wurden fast überall auf der Erde im Lauf der Erdgeschichte von höher entwickelten Arten verdrängt. Auf Madagaskar jedoch konnten sie in den letzten 165 Millionen Jahren ohne Konkurrenz alle nur erdenklichen ökologischen Nischen besetzen. Heute bevölkern noch 30 Lemurenarten die Insel. Von den 260 Reptilienarten Madagaskars sind 95 Prozent endemisch, darunter allein 60 verschiedene Chamäleons.

Mehr Menschen, mehr Rinder, weniger Wald.

Ursprünglich war Madagaskar von 53 Millionen Hektar Wald bedeckt. Heute sind davon kaum noch zehn Prozent übrig. Von manchen Trockenwäldern sind sogar nur noch drei Prozent geblieben.
Die Gründe: Die Bevölkerung wächst. Gegenwärtig gibt es auf Madagaskar etwa zehn Millionen Zebu-Rinder, für die immer mehr Wälder in Weideland umgewandelt werden. Und auch für Ackerflächen wird Wald gerodet.

Der WWF ist seit 1963 auf Madagaskar aktiv und hat seitdem über 60 Projekte durchgeführt. Schwerpunkte sind die Unterstützung lokaler Umweltgruppen und politischer Entscheidungsträger beim Schutz und bei der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen. 1999 wurde mit Hilfe des WWF der Nationalpark Andringitra gegründet.


taz
31.12.2001

Wonderboy gegen Exdiktator

Zwei Wochen nach den Wahlen in Madagaskar gibt es jetzt ein Ergebnis: Der langjährige Präsident Ratsiraka muss als Zweitplazierter in die Stichwahl.

Admiral Didier Ratsiraka hat ein Problem. Die Wähler Madagaskars wollen ihm nicht unbedingt ein fünftes Mandat als Staatschef geben. Nach den amtlichen Endergebnissen des ersten Wahlgangs der Präsidentschaftswahlen vom 16. Dezember, die jetzt vorliegen, bekam der Amtsinhaber und langjährige Diktator lediglich 40,56 Prozent der Stimmen, gegenüber 46,56 Prozent für seinen wichtigsten Herausforderer, Marc Ravalomanana, Geschäftsmann und Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo.

So ist nun eine Stichwahl nötig. Der Admiral, der mit Ausnahme der Zeit von 1993-1996 den an Mineralien, Meerestieren und Vanille reichen und an volkswirtschaftlichen Erfolgszahlen bitterarmen Staat seit 1975 unter seiner Fuchtel hatte, könnte verlieren. Der 67 jährige Literat, ehemalige marxistische Hardliner und heute selbst ernannter Ökologe, steht nach seiner Zeit als nordkoreanisch unterstützter Militärdiktator 1975-1993 für eine ungeliebte Ära, die trotz der damals eingeführten Mehrparteiendemokratie nicht vergessen ist.

Sein Herausforderer Ravalomanana, der ungeachtet seiner 52 Jahre aussieht wie ein Vierzigjähriger, präsentiert sich demgegenüber als "Wonderboy" des geschäftlichen Erfolges. Vor seiner Wahl zum Bürgermeister der Hauptstadt 1999 war Ravalomanana als Direktor des größten Agrarunternehmens von Madagaskar, Tiko, bekannt, das vor allem Trockenmilch produziert. Er gilt als Selfmademan und ist damit populär, trotz seiner Zugehörigkeit zur ethnischen Minderheit der Merina aus dem madegassischen Hochland, die während der französischen Kolonialzeit vor 1960 politisch favorisiert war und seit der Unabhängigkeit vom Rest des Landes entsprechend verachtet wird. Er gehört einer Adelskaste an und wird vom madegassischen Kirchenrat unterstützt.

In einem Land, das traditionell die Werte der Diskretion und Zurückhaltung pflegt und darin eher Asien als Afrika ähnelt, kam Ravolamananas amerikanisch geführter Wahlkampf überraschend gut an. Er stellte sich mit Frau und Kindern vor die Kameras, als hieße er Kennedy. Der Staatschef erkannte die Gefahr früh und reagierte, wie es ein Staatschef mit autoritärer Vergangenheit eben tut: Er entzog den Flugzeugen seines Gegners die Flugerlaubnis unter dem Vorwand, sie seien in Südafrika registriert. Als Nebeneffekt saßen große Teile der Insel ohne Trockenmilch da, zum Ärger sämtlicher Ärzte und zum Nachteil der vielen unterernährten Kinder Madagaskars. Das Finanzamt entdeckte Steuerschulden bei Tiko, und jemand zündete sogar den Firmensitz an.

Der Wonderboy machte dem Dinosaurer offensichtlich Angst, zu Recht, wie das Wahlergebnis zeigt. Die Opposition behauptet sogar, eigentlich habe Ravalomanana 55,63 Prozent und damit den Sieg im ersten Durchgang erzielt. Die Anhänger des Präsidenten hatten gleich nach der Wahl den Wind der Niederlage gespürt und klagten schon vor Abschluss der Auszählung über angebliche Fälschungen seitens der Opposition. Nun werfen beide Lager einander Fälschung vor, und das Verfassungsgericht muss entscheiden. Ein objektives Urteil ist schwer, da die Regierung keine internationalen Beobachter zum ersten Wahlgang zuließ. So wird die Entscheidung noch Wochen dauern. Erst danach wird ein Termin für die Stichwahl feststehen.
Von FRANÇOIS MISSER


Süddeutsche Zeitung
18.04.2002

Volksfest gerät zum Bürgerkrieg

Madagaskar ist nach einem zunächst friedlichen Machtwechsel in zwei Lager gespalten

Es hätte eine Erfolgsgeschichte werden können, ein Musterbeispiel für viele andere afrikanische Staaten, die von autoritären und korrupten Herrschern geplagt werden. Auf Madagaskar stand im Dezember der Staatschef zur Wahl. Auf der einen Seite trat der frühere Militärdiktator und amtierende Präsident Didier Ratsiraka an, auf der anderen der erfolgreiche Geschäftsmann und populäre Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, Marc Ravalomanana. Und zunächst sah es so aus, als ob sich Ratsiraka so gegen seinen gefährlichen Gegner durchsetzt, wie es vor ihm schon viele afrikanische Herrscher gemacht hatten. Er erkannte den klaren Sieg des Konkurrenten nicht an. Daraufhin rief die Opposition zum Generalstreik auf und setzte damit etwas in Gang, was man in Afrika bis dahin nicht gesehen hat. Hunderttausende Menschen protestierten gegen den offensichtlichen Wahlbetrug, sie gingen über Wochen hinweg täglich auf die Straßen und legten die Wirtschaft der ganzen Insel lahm.

Es war eine friedliche Revolution, eine, die durch die singenden und tanzenden Menschenmassen eher an ein permanentes Volksfest erinnerte als an einen Aufstand. Durch so viel Unterstützung ermutigt, ernannte Ravalomanana am 22. Februar eine neue Regierung und ließ sich zum Präsidenten vereidigen, ungeachtet der Tatsache, daß der bisherige Staatschef auch auf seinem Posten beharrte. So gibt es jetzt zwei Staatschefs, zwei Regierungen und zwei Hauptstädte, weil Ratsiraka in seine Heimatstadt Toamasina geflohen ist und diese als neues Zentrum der Insel ausgerufen hat.

Seitdem ist Madagaskar, eines der ärmsten Länder der Welt, faktisch gespalten. Auf der einen Seite hat Ravalomanana die Ministerien der Hauptstadt mit seinen Leuten besetzen und auch große Teile des Militärs hinter sich vereinigen können. Auf der anderen Seite regiert der alte Präsident von seiner Küstenstadt aus und hat alle Verbindungswege nach Antananarivo durch weiterhin loyale Soldaten sperren und wichtige Brücken sprengen lassen. Er möchte die Hauptstadt aushungern, und dort werden inzwischen auch schon die Lebensmittel knapp. Ratsiraka konnte auch eine Reihe von Provinzgouverneuren auf seine Seite bringen. Und daß es der alte Mann mit seinem Machtanspruch ernst meint, zeigte sich spätestens, als am 26. März in Fianarantsoa Soldaten auf Tausende Demonstranten schossen, als diese einen neuen Gouverneur forderten, einen, der den neuen Präsidenten Ravalomanana unterstützt.

Seitdem steht das Land auf der Kippe. Was am Anfang wie ein von Volksfesten begleiteter Machtwechsel aussah, droht nun zum Bürgerkrieg auszuarten. Fast täglich gibt es Berichte, wonach wieder Menschen bei Schlachten zwischen den beiden Lagern erschossen oder schwer verletzt wurden. Mehr als 40 Inselbewohner sind schon ums Leben gekommen. Ravalomanana, der sich als klarer Gewinner der Wahl betrachtet und eine Stichwahl, wie von Ratsiraka gefordert, ablehnt, hat mehrmals damit gedroht, gewaltsam gegen seinen Kontrahenten vorzugehen. Um aber das Schlimmste zu verhindern, wurden die beiden störrischen Präsidenten nun nach Senegal eingeladen. Dort möchte Staatschef Abdoulaye Wade die beiden zu einer Einigung bewegen. Ravalomanana hat aber schon angekündigt, daß er mit Ratsiraka über alles diskutieren werde, nur nicht über politische Positionen. Dieses Thema habe das Volk schon durch die Wahl geklärt. Nun gab das Oberste Gericht des Landes aber der Klage Ratsirakas statt, der die Stimmen neu auszählen lassen wollte.
Von Michael Bitala


taz
07.05.2002

MADAGASKARS NEUER PRÄSIDENT KÄMPFT UM SEINE ANERKENNUNG

Spielwiese Indischer Ozean

Eigentlich ist es ganz einfach. Auf Madagaskar gab es Streit um das Ergebnis der Präsidentschaftswahl. Unter internationaler Vermittlung einigten sich die Kontrahenten auf eine neue Auszählung der Stimmen. Diese gab einem der beiden über 51 Prozent. Der hat also gewonnen und der andere verloren. Wenn der Verlierer, der bisherige Präsident, jetzt in zwei Dritteln des Landes die Unabhängigkeit ausruft und die Inselhauptstadt ökonomisch stranguliert, ist das ein Akt der Rebellion, der international scharf verurteilt werden müsste.

Aber was tut die internationale Gemeinschaft? Die Organisation für Afrikanische Einheit erklärt den Wahlsieg des neuen Präsidenten Ravalomanana zum Betriebsunfall und bestellt den Sieger zu Verhandlungen. Länder wie Deutschland und Frankreich schicken zur Amtseinführung des neuen Präsidenten zweitrangige Vertreter und reden von "konditionaler", bedingter, Anerkennung. Es ist ein Skandal. Guerillaführer, die in Afrika Bürgerkriege gewinnen, werden besser behandelt.

Eine wohlwollende Erklärung dafür wäre, daß Madagaskar in der Weltpolitik so unwichtig ist, daß irgendwelche drittklassigen Außenpolitiker machen können, was sie wollen. So könnte die alte Kumpanei zwischen Admiral Didier Ratsiraka, dem madegassischen Wahlverlierer, und Teilen des französischen Militärs sowie einigen Strategen im Umfeld von Staatschef Chirac ein Grund sein, warum Frankreich und die frankophonen Staaten Afrikas alles tun, um Ratsirakas Abschied von der Macht hinauszuzögern. Aber ganz unwichtig ist Madagaskar nicht, und daher greift diese Erklärung, die an sich schon problematisch genug wäre, zu kurz.

Madagaskar und seine Umgebung beherrschen die Schifffahrtswege vom Indischen Ozean um das Kap der Guten Hoffnung in den Atlantik. Es ist ein traditionelles Aktionsgebiet Frankreichs, die französischen Überseegebiete Mayotte und Réunion liegen unweit der jetzt rebellierenden Küstenprovinzen Madagaskars. Daß auf dem Inselstaat ein als ausgewiesen proamerikanisch geltender Präsident die Macht übernehmen könnte, ist für die Traditionalisten im französischen Militärapparat undenkbar, gerade wenn der Indische Ozean geopolitisch immer wichtiger wird. Es rumort in Frankreichs Hinterhof, während weiter östlich US-Amerikaner und Briten die Seebasis Diego Garcia nutzen und weiter nördlich Deutschland soeben das Kommando im Seekrieg gegen den Terror um das Horn von Afrika übernommen hat. Machtkämpfe im Indischen Ozean sind in der Weltpolitik nicht mehr gleichgültig. Gerade deshalb muss die Welt dafür eintreten, daß auf Madagaskar die Demokratie siegt.
Von DOMINIC JOHNSON


Neue Zürcher Zeitung
11.06.2002

Keine Einigung im madagassischen Konflikt

Neue Offensive der Regierungstruppen

Das Treffen zwischen dem gewählten madagassischen Präsidenten Ravalomanana und dessen Vorgänger Ratsiraka in der senegalesischen Hauptstadt Dakar ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Beide lehnten einen Kompromissvorschlag ab, den ihnen eine Vermittlergruppe von fünf afrikanischen Präsidenten unterbreitet hatte. Dieser Plan sah eine aus beiden Lagern gebildete Übergangsregierung vor, die bis zur Abhaltung neuer Parlamentswahlen im Amt bleiben sollte. Für den demokratisch gewählten Ravalomanana war ein solches Vorhaben inakzeptabel. Ratsiraka lehnte den Kompromiss angeblich ab, weil er unbedingt ein Referendum über eine neue Verfassung wünschte. Seit den Präsidentenwahlen vom letzten Dezember weigert sich der frühere Präsident, seine Niederlage einzugestehen.

Trauerspiel in der OAU
Das Vermittlerteam unter Leitung des senegalesischen Präsidenten Wade will den Kompromissvorschlag nun der Organisation für die Einheit Afrikas (OAU) unterbreiten. Die OAU ist in dem Konflikt jedoch nicht ganz unparteiisch, denn sie anerkennt weiterhin nur Ratsiraka als madagassischen Staatschef. Offenbar tun sich die OAU-Mitglieder schwer, einen langjährigen Regierungschef fallenzulassen, selbst wenn dieser die demokratischen Spielregeln ignoriert und sein Land zudem völlig heruntergewirtschaftet hat. Seinen Anspruch auf die Präsidentschaft versucht Ratsiraka seit Monaten mit einer Wirtschaftsblockade der Hauptstadt Antananarivo zu unterstreichen. Diese Machtdemonstration hat das ohnehin schon bitterarme Land an den Rand des Abgrunds getrieben.

Während es Ratsiraka in Dakar verpasst hat, einen ehrenhaften Abgang von der politischen Bühne einzuleiten, hat Ravalomanana an Statur und internationaler Anerkennung gewonnen. So wurde er in Senegal laut Zeitungsberichten mit all dem Pomp empfangen, der einem Staatschef gebührt. Er fährt nun damit fort, die Strassensperren der Anhänger Ratsirakas gewaltsam zu räumen und seine Herrschaft schrittweise auf die ganze Insel auszudehnen.

Vorstösse im Süden
Bereits am Sonntag begannen die Regierungstruppen laut der Agentur AFP mit einer neuen Offensive im Süden der Insel. Zuvor hatte sich Ravalomanana darauf beschränkt, Gebiete im zentralen Hochland und im Südosten des Landes zu kontrollieren. In letzter Zeit sind durch militärische Erfolge jedoch auch Hafenstädte im Westen und Nordosten hinzugekommen. Ziel des neuen Vorstosses ist der Hafen von Toliara rund 600 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Antananarivo. Am Montagabend waren die Anhänger Ravalomananas allerdings noch fast 300 Kilometer vom Ziel ihrer Offensive entfernt, wie aus Armeekreisen verlautete.


tagesblick.de
25.01.2009

Welternährung

Beginnt die zweite Ausplünderung Afrikas? Daewoo in Madagaskar.

Der staatliche koreanische Autokonzern Daewoo hat rund 3, 2 Millionen Hektar Land auf Madagaskar gepachtet um Weizen an- zubauen. Das ist rund die Hälfte des dortigen nutzbaren Farmlands. Damit will Korea für sich selbst Nahrungssicherheit herstellen. Dagegen regt sich Kritik, denn Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Dort leben 70 Prozent unterhalb der Armutsgrenze. Was wird aus ihnen?

Der Daewoo-Manager, Hong Jong-Wan, sagte der Financial Times, dass das ge- pachtete Land "völlig unberührt und un- bebaut" war. Doch der Chef der Inter- nationalen Welternährungsorganisation, FAO, David Hallam, hat ethische Bedenken gegen den Aufkauf wertvoller Ackerflächen im Ausland und den Anbau von Grundnahr- ungsmittel durch staatliche Multis. Diese, in Madagaskar angebauten Grundnahrungs- mittel kämen ausschließlich den Koreanern zu Gute, während in Madagaskar selbst die Menschen auf Hilfslieferungen aus dem Ausland angewiesen wären.

Der Grund für die Daewoo-Manager, nach Ma- dagaskar zu gehen ist der, dass Land in Südkorea knapp und damit teuer ist. In Madagaskar dagegen kann Land für 12 Dollar pro Hektar gepachtet werden. Das ist nur ein minimaler Teil dessen, was Nutzland in Südkorea kostet.

David Hallam weiter: "Sollte es nochmals eine weltweite Nahrungsmittel-Krise geben, und sie haben den Fall, in einem armen Land Nahrungsmittel für fremde Investoren pro- duziert und weggeschafft werden, dann ist das sowohl ethisch wie auch politisch frag- würdig."

Neben den Koreanern aber gibt es auch einige europäische Konzerne, die in den letzten zwei Jahren Land in Afrika gepachtet haben um Getreide für Biodiesel anzubauen. So zum Beispiel der britische Konzern Sun Biofuels, die Getreide in Äthiopien, Mozambik und Tansania anbauen.

Auch fallen Afrikas fruchtbare Ebenen zu- nehmend den ölreichen Golf-Staaten ins Auge, die meist ja nur von Wüsten umgeben sind. Marie Bos, Analystin am Gulf Research Center in Dubai weiß, dass die Regierungen der Golfstaaten dabei sind, große Summen in Afrika zu investieren.

Für die afrikanischen Regierungen sind die Gründe für diese Art von Pachtverträgen eindeutig: Während internationale Organi- sationen in den letzten Jahrzehnten Millionen von Hilfsgelder in den Aufbau von Bildungs- und Gesundheitswesens in Afrika gesteckt haben, wurde der Landwirtschaftfssektor vernachlässigt.
Der afrikanischen Landwirtschaft fehlen Geld für Dünger, für einfachste Geräte, Benzin, Straßen und Transportmittel.

Auch wenn Daewoo die auf Madagaskar an- gebauten Nahrungsmittel nach Korea trans- portieren wird, wird der Konzern auch Häfen, Straßen, Brunnen und Bewässerungs- anlagen bauen. Und zur Aufrechterhaltung dieser Systeme braucht Daewoo tausende von madegassischen Arbeiter. Das zumin- dest hofft die madegassische Regierung.

Von Isabella Pfaff



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