Süddeutsche Zeitung
07.02.2002

Die Jäger mit Pfeil und Bogen müssen den Touristen weichen

Die Regierung des afrikanischen Staats Botswana will die letzten nach traditioneller Weise lebenden Buschmänner aus ihren Stammesgebieten in der Kalahari umsiedeln

Mit Pfeil und Bogen wollen die letzten Buschmänner der Kalahari-Wüste ihre traditionellen Jagdgründe verteidigen. Doch die Regierung von Botswana ist fest entschlossen, die Ureinwohner aus ihren angestammten Gebieten umzusiedeln. Sie will noch in diesem Monat die Wassertanks abziehen, ohne die ein Überleben in den Wüstensiedlungen kaum möglich ist. Der Transport des Wassers in die entlegenen Regionen sei zu teuer, sagt die Innenministerin Margaret Nasha, die Regierung könne sich den Aufwand nicht leisten. Etwa 500 Buschmänner leben noch in der Kalahari, mitten im touristisch attraktiven Wildreservat. Sie heißen Basarwa und sind Nachfahren der San, der Ureinwohner des südlichen Afrika, die schon vor mehr als 30.000 Jahren das Land besiedelten und zu den ersten Menschen der Erde gehörten. Der Streit um die Vertreibung der Basarwa geht schon seit Jahren.

Das riesige Naturschutzgebiet im Herzen der Kalahari ist weltberühmt und soll für den Tourismus ausgiebig erschlossen werden. Deshalb wollte die Regierung die Ureinwohner schon frühzeitig umsiedeln. Außerdem, so argumentiert die Innenministerin, könne es in einem modernen Staat nicht hingenommen werden und im Vergleich mit anderen Ländern Schwarzafrikas hat das kleine Botswana durchaus erstaunliche Fortschritte erzielt, daß sich ein Teil der Bevölkerung den Errungenschaften der Zivilisation entziehe. Schließlich hätten auch die Basarwa ein Recht auf Schulausbildung oder Krankenversorgung.

Und so entstanden in den vergangenen Jahren neue Siedlungen am Rande der Kalahari, in die bereits ein Großteil der Basarwa umgezogen ist. Die meisten von ihnen sind jedoch arbeitslos und leben von Sozialhilfe. Als "Höllenloch" und "schmutziges Flüchtlingslager" beschrieb kürzlich ein südafrikanischer Journalist einen der neuen Basarwa-Orte, den er besuchte. "Lustlos sitzen die Leute herum, die meisten sind betrunken", unfähig zu jagen oder ihre traditionelle Nahrung in der Natur zu sammeln. Daß die Umsiedlungsversuche bisher fehlgeschlagen sind, bestätigt auch die deutsche Botschafterin in Botswana, Irene Hinrichsen. Der Umgang mit der Minderheit sei "ein grundlegendes Problem", für das die Regierung noch keine Lösung gefunden habe. Dabei hatte die botswanische Naturschutzbehörde der Regierung Vorschläge unterbreitet, die sich mit der traditionellen Lebensweise der Ureinwohner auseinander setzen. Sie wollte den Basarwa einen Teil des Wildreservats in der Kalahari abtreten und ihnen auch die Jagd auf wilde Tiere genehmigen, sofern sie sich an eine Quotenregelung halten. Außerdem, so die Naturschützer, könnten die Buschmänner im Ökotourismus und beim Schutz der empfindlichen Natur in der Kalahari eine wichtige Rolle spielen. In eine ähnliche Richtung zielt ein Vorschlag der Europäischen Union, der kürzlich der Innenministerin in der Hauptstadt Gaberone vorgelegt worden ist. Auch dieser Plan sieht vor, die Buschmänner in die Entwicklung des Wildreservats einzubeziehen.

Brüssel will 14 Millionen Euro für ein Programm zur Verfügung stellen, das der Minderheit der 2700 Basarwa menschenwürdige und ihrer Tradition angepasste Entwicklungsmöglichkeiten einräumt. Kritiker der Umsiedlungspläne bezweifeln, daß die Regierung Botswanas darauf eingehen wird. Zumal sich unter den alten Jagdgründen der Buschmänner in der großen Kalahari-Wüste gigantische Diamantenfelder verbergen sollen.
Von Susanne Bittorf


pte
11.03.2002

Solare Hörhilfe aus Botswana

Botswana Technology Centre erhält World Energy Globe Award

Das ehrgeizige Projekt der Konzeption eines billigen Hörgeräts, das mit Solarenergie gespeist wird, hat einen Preis beim World Energy Globe Award gewonnen. Vier Stunden Sonnenenergie reichen, um das beim Botswana Technology Centre entwickelte Hörgerät eine Woche lang zu betreiben.
"Batterien sind in Entwicklungsländern oft Mangelware. Außerdem sind sie für die meisten Menschen viel zu teuer. Darum haben wir vom Botswana Technology Centre das solare Hörgerät konzipiert", so Nick Ndaba, Managing Director vom Botswana Technology Centre BOTEC http://www.botec.bw. Fast acht Millionen Menschen in Afrika leiden unter Hörproblemen. Nicht nur ältere Menschen, sondern auch viele jüngere sind davon betroffen. "Solar Aid", so der Name des Geräts, ist eine Erfindung und Konzeption des 1979 gegründeten BOTEC. Rund 120 Mitarbeiter arbeiten an der Entwicklung von Solartechnologien für das Land im südlichen Afrika, das über 600.000 Quadratkilometer groß ist und zu drei Viertel aus Wüste besteht. "In Botswana leben nur 1,7 Mio. Menschen, aber das gesamte Land verfügt über keine Biomasse", so Ndaba. Photovoltaik sei eine große Chance um Energie effektiv und sauber zu erzeugen.

Mit der Entwicklung von "Solar Aid" ist dem BOTEC ein guter Wurf gelungen. Das Gerät, das zwischen 15 und 20 Dollar kostet, wurde gleich zu Beginn 3.000 Mal verkauft. In der Zwischenzeit wird das Gerät in 12 afrikanische Länder exportiert. In Südafrika hat das Gerät sogar den Preis "Design For Development Awards" gewonnen. Mit der Fertigung des Hörgeräts sind übrigens körperlich behinderte Menschen beschäftigt.

BOTEC ist aber auch mit der Konstruktion einer größeren Photovoltaik-Anlage 300 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Gaborone beschäftigt. Dieses Kraftwerk ist das erste seiner Art im südlichen Afrika. Der erzeugte Strom dient zur Energieversorgung eines Krankenhauses, einer Schule und zahlreicher privater Haushalte und Kleinunternehmen.
Von Wolfgang Weitlaner


taz
16.10.2002

Schmutzige Diamanten verboten

In Jwaneng erscheint der Streit um "Blutdiamanten", die Kriege finanzieren, wie Getöse aus einer anderen Welt. Keine abgerissenen Schürfer mit Spaten im Matsch wie in den Flüssen Angolas und Sierra Leones. Nein, Jwaneng in Botswana, die Perle in der Krone des Bergbaureiches De Beers, ist ganz einfach die größte Diamantenmine der Welt und, was den technologischen Fortschritt betrifft, einsame Spitze.

Am Rande der Kalahari-Wüste brüllen hier Motoren am Boden eines 250 Meter tiefen Kraters. Gigantische Staubwolken steigen auf, wenn Monsterlastwagen mit einer Ladekapazität von 240 Tonnen durch den grünlichen Mutterfels Kimberlite ruckeln, aus dem die Diamanten kommen. Sie bringen die aus dem Berg geschlagenen Felsen an die Oberfläche. Der Stein wird zerkleinert und wandert dann ins "Aquarium", das Heiligtum des Diamantenreiches, wo niemand außer dem Wartungs- und Sicherheitspersonal Zutritt hat.

Röntgenstrahlen und Lasertechnologie holen in der "Completely Automated Recovery Plant" und dem "Fully Integrated Sorting House" bis zu 99,9 Prozent des Diamantengehaltes der Kimberlite-Brocken aus dem Stein. Eine bewaffnete Eskorte begleitet den Schatz dann zum Flughafen. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, die einzigen, die ohne Sicherheitsprüfung die Stacheldrahtzäune von Jwaneng überwinden, sind die Paviane, die sich über die Essensreste des Personals hermachen.

Eine Erfolgsstory
"Wo die kleinen Steine liegen", heißt auf Tswana das Wort jwana, das Jwaneng seinen Namen gegeben hat. Die Stadt selbst liegt elf Kilometer von der Mine entfernt, ein kleiner, properer Ort mit 17.000 Einwohnern, darunter 2.200 Minenarbeiter. Es gibt Schulen, ein Krankenhaus, Schwimmbäder, ein Sportstadion, einen Tennisplatz, einen Supermarkt, ein paar kleine Hotels. Afrika eben. Oder Afrika, wie es sein könnte, würden seine Ressourcen nur überall so effektiv wie in Jwaneng genutzt.

Botswanas Diamantenförderung ist wegen des hohen Gehalts an Schmuckdiamanten vom Wert her die größte der Welt. 80 Prozent der Diamanten von Jwaneng sind Schmuckdiamanten. Über zwei Milliarden US-Dollar im Jahr bringt die Förderung aus Jwaneng und den anderen großen botswanischen Minen.

200 Kilometer weiter in Botswanas Hauptstadt Gaborone, wo der Staat so reich ist, daß er sogar seiner Steuerbehörde ein glitzerndes neues Hochhaus hinstellen kann, gehen die Diamanten an die Botswana Diamond Valuation Company, eine Filiale der Minenbesitzerin Debswana, die wiederum zu 50 Prozent dem südafrikanischen Minengiganten De Beers und zu 50 Prozent dem botswanischen Staat gehört. Die Besucher werden auf Schritt und Tritt überwacht, wenn die Diamanten hier geprüft und bewertet werden. Fotografieren ist streng verboten, selbst von der Straße aus. Von der Mine bis zum Export: Sicherheit total. Und falls das nicht reicht, sieht das botswanische Gesetz mehrjährige Gefängnisstrafen für jeden vor, der im Land mit Rohdiamanten erwischt wird, außer natürlich dem autorisierten Personal der vier Unternehmen mit Lizenzen zum Im- und Export.

Es ist also schwer, wenn nicht gar unmöglich, in diesen Kreislauf Diamanten aus Kriegsgebieten hineinzuschmuggeln, um damit "Diamantenwäsche" zu betreiben. Botswana ist sauber. Und doch spürt man einen Anflug von Sorge bei den Managern von Debswana wie auch im Bergbauministerium angesichts der weltweiten Kampagnen gegen "Blutdiamanten". Die Steine aus Kriegsgebieten, mit deren Handel Bürgerkriege finanziert werden, machen nur vier Prozent der Weltproduktion aus, aber ruinieren das Image des gesamten Produkts. Sicher, erkennt Debswana-Sprecher Jacob Sesinyi an, haben sich die Verbraucher noch nicht vom Diamanten als Schmuckstück abgewandt. "Aber wir können es uns nicht leisten, langwierig herauszufinden, ob die Leute ein schlechtes Bild vom Diamanten haben, um erst dann zu reagieren. Da ist es schon zu spät. Wir müssen vorgreifen."

Das Schlagwort von Debswana lautet: "Diamonds for Development". Gemeint ist, Botswanas Diamanten bringen Frieden und Wohlstand. Botswana, darauf weisen Analysten zu Recht hin, ist dank seiner Diamanten eine Erfolgsstory: Stabilität, Demokratie, Pro-Kopf-Einkommen von 4.000 Dollar im Jahr, über die letzten 50 Jahre die höchste Wachstumsrate des Pro-Kopf-Einkommens weltweit, gute Straßen und Telefonsysteme, fast 100 Prozent Einschulungsquote. 80 Prozent der Exporteinnahmen, die dieses Wirtschaftswunder ermöglichten, verdankt das Land den Diamanten, ebenso die Hälfte seiner Staatseinnahmen. Nur eines trübt das Bild, die HIV-Infektionsrate von 39 Prozent, die höchste der Welt.

Edward Keloneilwe Adwood, Generalsekretär der Bergbaugewerkschaft BDWU, relativiert die Erfolgsbilanz ein wenig. 40 Prozent der Bevölkerung lebe noch immer unter der Armutsgrenze, 20 Prozent seien arbeitslos, so der Gewerkschaftsboss. Das meist weibliche Personal der Schleifbetriebe müsste endlich seine gewerkschaftlich verbürgten Rechte wahrnehmen können und mehr verdienen als 100 Dollar im Monat. Eine Regierung, die mit Diamantengeld sechs Milliarden Dollar an Devisenreserven angehäuft habe, das anderthalbfache Bruttosozialprodukt des Landes, könnte mehr für ihre Bürger tun, findet Adwood.

Auch aus dem Ausland kommt Kritik. Die britische Gruppe "Survival International" führt eine Kampagne gegen die Zwangsumsiedlung der San-Buschmänner, die einzigen verbliebenen Ureinwohner des Kalahari-Reservats, und droht: "Je länger die Regierung den Buschmännern nicht erlaubt, auf ihrem Land zu leben, desto wahrscheinlicher ist es, daß auch Botswanas Diamanten Konfliktdiamanten heißen."

Wer der Umsiedlung zustimmt, für den hält die Regierung einiges bereit. In Kaudwane, südlich vom Reservat, leben San-Buschmänner mit Gesundheitsstation, Schule, Bohrlöchern für Wasser, neuem Vieh und Handwerksbetrieben. Täglich gibt es Lebensmittelverteilungen. Ihr Chef Maweela sagt, man wolle nicht mehr in das Reservat zurück, obwohl es nur fünf Kilometer entfernt liegt. Man habe auch nichts mit der Klage von San-Gruppen vor dem Obersten Gericht gegen die Umsiedlungspolitik zu tun. Jedenfalls lautet so die Übersetzung seiner Worte durch die Begleiter.

Europa verkauft Waffen
Doch nicht das Schicksal der Buschleute bereitet den Herren der Diamantenindustrie Kopfzerbrechen. Das Problem ist vielmehr, daß die häßlichen Blutdiamanten noch immer nicht aus der Welt geschafft sind. Die Industrie hat sich längst auf ein weltweites System zur Diamantenzertifizierung geeinigt. Nur werde der so genannte Kimberley-Prozess, nach dem nur noch solche Diamanten legal gehandelt werden sollen, die ein international garantiertes und überprüftes Ursprungszertifikat tragen, bis heute nicht umgesetzt, kritisiert Ministerialdirektor Moshashane. "Unsere Zertifikate können wir innerhalb von zwei Monaten ausstellen", meint er.

Das Problem, da ist sich Moshashane sicher, ist Europa. Denn in Europa landen die Rohdiamanten aus Kriegsgebieten, Europa verkauft die Waffen an Afrikas Diamanten-Warlords. Afrika wäre sauber, wenn man es machen ließe. Zumindest Botswana.
Von FRANÇOIS MISSER


ddp/wissenschaft.de
30.06.2005

Das Klima kann Dünen versetzen

Kalahari-Dünen dürften im kommenden Jahrhundert in Bewegung geraten

Das Kalahari-Becken im südlichen Afrika wird sich durch die globale Erwärmung im kommenden Jahrhundert stark verändern. Felder aus Sanddünen, die bislang von Vegetation bedeckt sind und deswegen ortsfest bleiben, könnten durch die zunehmende Trockenheit ab Mitte des Jahrhunderts in Bewegung geraten, schreiben David Thomas und seine Kollegen von der Universität Oxford in der Zeitschrift Nature.

Für die Landwirtschaft im Kalahari-Becken, das sich über Teile von Südafrika, Namibia, Botswana, Sambia und Angola erstreckt, hätte es katastrophale Folgen, wenn die Dünenfelder zu wandern begännen. Nach den Berechnungen der Forscher bestehen aber kaum Zweifel daran, daß dies passieren wird. Sie untersuchten mit drei verschiedenen Klimamodellen und unterschiedlichen Emissionsszenarien, wie sich die Dynamik der Dünenfelder in Zukunft gestaltet.

Dünen liegen fest, solange mehr als 14 Prozent der Oberfläche von Pflanzen bedeckt sind. Wenn die Vegetation durch Dürren, Brände oder menschliche Einflüsse unter diese Grenze fällt, beginnt der Wind, den Sand zu verwehen, so daß die Dünen in Bewegung geraten. Wie die Forscher schreiben, ist es in der südlichen Kalahari zurzeit nicht windig genug, damit die Dünen wandern. Die nördlichen und östlichen Dünenfelder sind durch dichten Bewuchs vor der Erosion geschützt.

Das wird sich in Zukunft aber ändern, schreiben die Forscher. Unabhängig vom Klimamodell oder vom gewählten Szenario ergaben ihre Berechnungen, daß das ohnehin schon trockene südliche Dünenfeld bis 2040 aktiviert wird, die anderen beiden bis 2070. Ursache dafür sind zunehmende Trockenheit und steigende Windgeschwindigkeiten. In der Kalahari wird es nach 2070 so windig sein wie gegen Ende der letzten Eiszeit vor 14.000 bis 16.000 Jahren. Damals wälzten sich zuletzt Sandberge durch das Kalahari-Becken.

David S. Thomas (University of Oxford): "Remobilization of southern African desert dune systems by twenty-first century global warming", Nature, Bd. 435, doi:10.1038/nature03717
Von Ute Kehse



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