Beginn:
Es werden drei Kriege unterschieden, die von nur wenigen Monaten Frieden unterbrochen, aufeinanderfolgen: 1961, 1975, 1992
Ursachen:
1961
Befreiungskrieg gegen die portugiesische Kolonialmacht.
1975
Kurz nach der Unabhängigkeit von Portugal entsteht ein Konflikt zwischen den beiden rivalisierenden politischen Gruppierungen des Landes. Dieser weitet sich schon bald zu einer Art Stellvertreterkampf im Kalten Krieg aus. Die Sowjetunion und Kuba unterstützen die links gerichtete MPLA-Regierung, Amerika und Südafrika unterstützen die pro-westlichen Unita-Rebellen. Nachdem die MPLA die Wahlen gegwinnt und an die Regierung gelangt, folgt der Bürgerkrieg. 1992
Diese Auseinandersetzung entstand, als Unita-Chef Jonas Savimbi seine Niederlage bei den international überwachten Wahlen vom 29. und 30. September 1992 nicht akzeptieren wollte und sich mit seinen Soldaten in den Busch zurückzog. 1996
Rund 2000 Soldaten Savimbis dringen von Nordangola durch Zaire nach Cabinda vor. (Cabinda ist eine angolanische Exklave und gilt wegen ihren Ölvorkommen im Küstenbereich als eine Art "afrikanisches Kuwait".)
Seither kommt es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der angolischen Armee und der Rebellenbewegung Unita, sowie zu tötlichen Überfällen
Konfliktparteien und ihre Ziele
Die MPLA, die einen sozialistischen Staat realisiert hat
Die prowestlich orientiert Unita, die eine demokatische Staatsform anstrebt
Folgen:
Nach mehr als drei Jahrzehnten Krieg ist Angola, eines der potentiell reichsten Ländern Afrikas, praktisch am Nullpunkt angelangt: Es starben schätzungsweise 600.000 Menschen.
Millionen Menschen verloren ihr Zuhause und sind auf der Flucht.
Dörfer, Straßen und Brücken wurden zerstört.
Brachliegende Äcker und verminte Felder, Selbstversorgung unmöglich!
Es wird zwar von ausländischen Konzernen noch Öl gefördert, jedoch füllt das nicht die Staatskassen.
Es wird so gut wie nichts mehr im Land produziert, das die dringend benötigten Devisen bringen könnte.
Es kommt immer wieder zu Massakern bei denen Hunderte von Menschen getötet werden. UN-Experten sind im Nordosten auf Massengräber gestoßen.
Lösungsversuche: Im Juni 1989 wurde ein Waffenstillstand vereinbart, der aber nur zwei Monate hielt.
Im Mai 1991 wurde ein Friedensvertrag geschlossen, der allerdings nur bis kurz nach den Wahlen 1992 hielt Auch das Abkommen im November 1994 erwies sich als brüchig (mehr als 200 Übertretungen der Waffenruhe wurden bis zu den Gesprächen Mitte 1995 registriert).
Bei den Gesprächen Mitte 1995 versicherten beide Parteien, die Feindseligkeiten endgültig zu begraben. Savimbi erkannte den Vorsitzenden Jose Eduardo dos Santos der einst marxistischen Regierungspartei MPLA als rechtmäßigen Präsidenten Angolas an. 7460 UNO-Soldaten sollten nun den Frieden in Angola garantieren. Es kam ein recht brüchiges Friedensabkommen zwischen den Regierungstruppen und der Unita zustande. Es waren die Bildung einer gemeinsamen, paritätisch besetzten Regierung aus den Todfeinden MPLA und Unita, die Entwaffnung der Rebellen, sowie deren Integration in eine neue gemeinsame Armee geplant. Das Friedensabkommen wurde 1996 durch den Einmarsch Savimbis Truppen nach Cabinda stark gefährdet. Durch Auseinandersetzungen in Kongo droht in Angola der Krieg wieder auszubrechen. Eduardo dos Santos hat die Vertreter des einstigen Bürgerkrieggegners Unita aus dem gemeinsamen Kabinett und aus dem Parlament geworfen, mit der Begründung, die Rebellen würden das Friedensabkommen von 1994 sabotieren. Zusätzlich ist er im Kongo einmarschiert. Nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen der UNO um eine Friedenslösung gibt sie auf. Der Weltsicherheitsrat zieht Soldaten aus dem Land zurück. Nun droht ein neuer Waffengang zwischen der Regierung und der Rebellenbewegung Unita.
Der Standard
23.10.2001
Der anhaltende Bürgerkrieg in Angola lässt Hunderttausende von Einwohnern des südwestafrikanischen Staates weiter hungern. Wie Innenminister Fernando dos Santos am Dienstag mitteilte, ist die Lage in neun der 18 Provinzen kritisch. Dort brauchten über 650.000 Menschen dringend Soforthilfe. Dos Santos bot an, daß die Streitkräfte den Schutz beim Transport von Nahrungsmitteln, die sich derzeit in der an der Küste gelegenen Hauptstadt Luanda stapeln, ins Landesinnere übernehmen könnten.
Ausländische Hilfsorganisationen mussten ihre Mitarbeiter wegen der Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und der rechten Untergrundgruppe UNITA oder wegen der Minengefahr aus vielen Gebieten im Innern Angolas abziehen. Nach Angaben der Vereinten Nationen verhindert der Bürgerkrieg die effektive Durchführung der Hilfsprogramme.
Der Bürgerkrieg begann bereits kurz nach der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1975. Alle bisherigen Friedensabkommen scheiterten bisher, zumeist an der kompromisslosen Haltung der UNITA und ihres Führers Jonas Savimbi. Über vier Millionen Menschen, fast ein Viertel der Bevölkerung, mussten vor den Kämpfen aus ihren Heimatorten fliehen.
(APA/AP)
Salzburger Nachrichten
25.02.2002
Rotes Barett, Vollbart, bulliges Auftreten, so kannte die Welt Angolas langjährigen Rebellenchef Jonas Savimbi. Jahrzehntelang galt er als Schlüsselfigur im Ringen der damaligen Supermächte USA und Sowjetunion um die Herrschaft in Afrika.
Regierungssoldaten haben den 67 jährigen nun nach eigenen Angaben im Südosten des Landes gejagt, gestellt und getötet. Ironie des Schicksals: Savimbi starb dort, wo er im März 1966 seine Rebellen-Karriere begonnen hatte, in der an Sambia grenzenden Provinz Moxico.
"Savimbi morto em combate", Savimbi im Kampf gefallen, lautete die Nachricht, die in Angola schlagartig Hoffnungen auf ein Ende eines der längsten und mörderischsten Konflikte des Kontinents (mit 500.000 Toten, 100.000 Verstümmelten und vier Millionen Vertriebenen) weckte. Der Tod des dienstältesten Rebellenchefs der Welt könnte dem Land nach einem brutalen und erbarmungslosen Krieg voller Terror und Grausamkeit womöglich den Weg in den Frieden ebnen.
Der lange Zeit vom Westen unterstützte Savimbi hatte sich zum psychopathischen und misstrauischen Egomanen entwickelt, der nur noch eigennützig für die Macht kämpfte. Stellvertreter duldete der "Schwarze Hahn", wie ihn seine Untergebenen nannten nur, wenn sie ihm nicht durch allzu viel Einfluss schaden konnten. Sein Rebellentrupp war längst von einst 60.000 Mann auf einige tausend geschmolzen.
Strategische Ziele konnte er damit kaum verfolgen, für den brutalen Terror im Lande reichte es jedoch. Überfälle auf Dörfer und Städte säten Tod und Panik, brachten Proviant und Zwangs-Rekruten für die Reihen seiner "Kindersoldaten". Entsetzen löste ein Überfall von Savimbis UNITA auf einen Zug im August 2001 aus. Mehr als 250 Menschen starben, als der vollbesetzte Personenzug auf eine Mine fuhr.
Den Nachschub an Waffen finanzierte er durch Diamanten, die er unter unmenschlichen Bedingungen in den von ihm kontrollierten Gebieten schürfen ließ. Die Vereinten Nationen machten seine UNITA (Nationale Union zur vollständigen Befreiung Angolas) mehrfach für das Scheitern des Friedensprozesses verantwortlich.
Savimbi hatte, verbittert über seine Niederlage bei den ersten freien Wahlen 1992, die Fortsetzung des Bürgerkriegs riskiert. Sein Ziel war der Präsidentensessel, der ihm zeitlebens verwehrt blieb.
In der Hauptstadt Luanda machte die verarmte Bevölkerung des an Bodenschätzen reichen Landes jetzt ihrer Erleichterung mit Freudenkundgebungen Luft. Obwohl Beobachter vor einer Zersplitterung der UNITA und damit unkontrollierbarem Terror warnen, sehen sie erstmals nach der Unabhängigkeit des Landes von Portugal 1975 eine realistische Chance auf dauerhaften Frieden.
Sollte sich die Regierung gegenüber dem UNITA-Rest großzügig zeigen, wäre sie in der Tat gegeben. Vor allem, weil Angolas Präsident Eduardo dos Santos signalisiert hat, daß er bei den möglicherweise schon bald abgehaltenen Wahlen nicht mehr kandidieren will
Von RALF E. KRÜGER
Süddeutsche Zeitung
25.02.2002
Der Kopf der Unita ist tot. Doch bedeutet dies auch den Todesstoß für die gesamte Rebellenbewegung in Angola? "Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Krieg ohne Jonas Savimbi noch so weitergehen wird", schätzt ein westlicher Diplomat die Lage ein. Der Rebellenchef war die treibende Kraft der Bewegung und der zentrale Gegenspieler von Präsident Jose Eduardo dos Santos in Luanda. Niemand ist derzeit in Sicht, der ihn auch nur annähernd ersetzen könnte. In jedem Fall bedeutet Savimbis Ende eine erhebliche Schwächung für die Rebellen, die den verstärkten Druck der Regierungsarmee schon seit Monaten zu spüren bekamen. Die Unita hat inzwischen nicht nur Savimbi verloren, sondern offenbar auch einige andere führende Kämpfer.
Damit haben sich nach Ansicht vieler Beobachter die Chancen auf eine Lösung des fast drei Jahrzehnte andauernden Konflikts in Angola schlagartig verbessert, auch wenn man auf ein schnelles automatisches Ende der Kämpfe nicht schließen darf. Ein Sprecher der Unita versicherte schon kurz nach Savimbis Tod: "Ich kann sagen, daß die Unita ihre Mission fortsetzen wird." In einer Erklärung der Rebellen hieß es: "Jeder, der denkt, daß die Ideale der Unita mit ihrem Führer gestorben sind, der irrt sich."
Savimbis Truppen haben im vergangenen Jahr mehrfach bewiesen, daß sie selbst in Kerngebieten der Regierungsarmee immer noch militärisch zuschlagen können. Savimbi hatte seine Truppe in viele kleine Einheiten aufgeteilt, die äußerst flexibel agierten und über eine hervorragende Logistik verfügten. Mit einer Serie von spektakulären Attacken im Küstenstreifen brachten sie die Machthaber in Luanda immer wieder unter Druck. Wie viel militärisches Potenzial die Unita auch nach dem Tod ihres Führers noch zu mobilisieren vermag, ist schwer einzuschätzen. Noch ist nicht absehbar, ob die Rebellen sich durch interne Machtkämpfe um Savimbis Nachfolge selbst weiter schwächen werden oder ob die Bewegung gar vollständig zerfällt.
Eines aber scheint klar zu sein: Das Geschäft mit den Diamanten, durch das die Unita bisher ihren Kampf finanzierte, wird sich nicht von heute auf morgen unterbinden lassen. Trotz internationaler Sanktionen konnten die Rebellen bisher jährlich immer noch mehr als 200 Millionen Dollar durch den Verkauf der Steine verdienen, schätzte ein westlicher Geheimdienst im Jahr 2001.
Die Regierung in Luanda hat alle Unita-Kämpfer aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen. Doch viele Rebellen werden zögern, haben sie doch ihr ganzes Leben nur eines gelernt, den Kampf mit der Kalaschnikow. "Der Krieg ist tief eingebrannt in die Köpfe, das gilt nicht nur für die Seite der Rebellen", sagt ein Beobachter in Luanda. "Dieses Bewusstsein lässt sich nicht über Nacht ändern." Es wird also darauf ankommen, ob die Regierung in Luanda die Voraussetzungen dafür schaffen kann, einen politischen Prozess der Versöhnung in Gang zu setzen, der in freie Wahlen mündet. Vertreter der katholischen Kirche haben sich bereits als Vermittler angeboten. Die Chance auf Frieden könnte aber schnell wieder verspielt sein, wenn die Regierung, ermuntert durch ihren gelungenen Schlag gegen Savimbi, ausschließlich auf die militärische Karte setzt und den Rebellen damit die Möglichkeit nimmt, ihren Weg heraus aus dem Buschkrieg in die friedliche politische Arena zu finden.
Die Kriegsverwüstungen in Angola zählen zu den schlimmsten in ganz Afrika. Dem Konflikt fielen nach Schätzungen etwa eine Million Menschen zum Opfer. Seit 1999 verdoppelte sich die Zahl der Vertriebenen im Land von zwei auf nahezu vier Millionen Menschen. Damit ist jeder dritte Angolaner ein Flüchtling. Die Lage der Kinder ist nach einem Bericht der Vereinten Nationen "katastrophal". 30 Prozent sterben, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichen. Hunderttausende Angolaner sind von jeglicher humanitärer Hilfe abgeschnitten.
Gelingt es, die Reste der Unita für eine Friedenslösung zu gewinnen, so könnte dies auch über die Grenzen Angolas hinaus erhebliche Fortschritte bedeuten. Bisher haben die Rebellen den Süden der Demokratischen Republik Kongo als Operationsbasis und Rückzugsgebiet genutzt. Die Unita komplizierte damit auch den Konflikt in Zentralafrika, der bisher so gut wie unlösbar erscheint. Die Beziehungen zwischen Sambia und Angola dürften sich ebenfalls bessern, denn Luanda hatte das Nachbarland immer wieder verdächtigt, die Unita-Rebellen heimlich zu unterstützen. Über längere Sicht bietet ein befriedetes Angola aber vor allem die Chance, den Wirtschaftsaustausch zwischen den zentral- und südafrikanischen Staaten erheblich zu verbessern.
Von Arne Perras
Frankfurter Allgemeine Zeitung
25.02.2002
Die Nachricht von seinem Tod wurde nicht zum ersten Mal vermeldet. Es ist auch nicht zum ersten Mal, daß Kommentatoren das Ende des seit 27 Jahren tobendenden Bürgerkriegs in Angola vorhersehen. Doch eines ist nun gewiß: Jonas Savimbi, der Führer der angolanischen Rebellenbewegung Unita, ist tot. Zum Beweis wurde Reportern in Lucusse in der im Osten Angolas gelegenen Provinz Moxico der Leichnam des Rebellenführers vorgeführt.
Nach dem Bericht der angolanischen Nachrichtenagentur Angop kam Savimbi am Freitag bei Kämpfen mit Regierungstruppen ums Leben. Mit ihm seien zwei Rebellenoffiziere getötet worden, einige enge Helfer hätten jedoch fliehen können. Eine von Savimbis vier Frauen und ein Leibwächter seien während der Kämpfe verwundet worden.
Vorsichtig werden nun auch wieder Friedenshoffnungen geäußert. Savimbi sei die zentrale Figur der Unita gewesen, darum könne der Konflikt nicht weitergehen wie bisher, urteilen Diplomaten. Die amerikanische Regierung rief die Bürgerkriegsparteien zu neuen Friedensbemühungen auf. Der Unita-Führer sei ein weiteres Opfer eines Krieges geworden, der schon vor langem hätte beendet werden müssen, teilte ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums mit. Der UN-Gesandte in Angola, Mussagi Jeichande, sagte, Savimbis Tod könne der Anfang vom Ende des Bürgerkriegs sein.
Jonas Savimbi verkörperte in gewisser Weise die "Nationale Union für die vollständige Unabhängigkeit Angolas" (Unita). Er hatte die Bewegung im März 1966 im Alter von 32 Jahren gegründet und blieb bis zu seinem Tod ihr unumschränkter Herrscher. Über mögliche Nachfolger wurde nichts bekannt. Das ist die größte Gefahr für die nun aufkeimenden Friedenshoffnungen. Der Tod Savimbis kommt zu einer Zeit, in der sich die Kirchen in Angola und die Vereinten Nationen verstärkt um eine Annäherung der Bürgerkriegsparteien, der MPLA-Regierung und der Unita, bemühten. Mit Savimbi fehlt nun der zentrale Verhandlungspartner.
In den von der Unita beherrschten Gebieten befinden sich ergiebige Diamantenvorkommen, die im Vergleich zu anderen Vorkommen in Afrika relativ leicht abzubauen sind. Der Handel mit den Edelsteinen ist ein lukratives Geschäft für die Kämpfer. Viele, die seit Jahren das Leben eines Buschkriegers führen, werden nicht bereit sein, dieses Geschäft gegen eine ungewisse Zukunft als Zivilist einzutauschen. Sie verfügen über unzählige Waffen und können sich im Hochland Angolas leicht verbergen. Nach dem Tod des "schwarzen Hahns", wie Savimbis Spitzname lautete, könnte nun der Hahnenkampf unter seinen Anhängern ausbrechen.
Andererseits war es gerade Savimbi, der sich Verhandlungslösungen immer wieder verweigerte. Sein Leben war das eines kompromißlosen Streiters, der im Lauf seines Kampfes auch politisch unmöglich scheinende Allianzen einging, um sein Ziel zu erreichen. Daß diese Allianzen überhaupt zustande kamen, war eine Folge des Kalten Krieges, in dessen ideologischen Sog Angola geriet. Nach dessen Ende wurde es für Savimbi immer schwerer, seine kompromißlose Haltung zu begründen. Viele seiner ehemaligen Bewunderer wandten sich von ihm ab und beschuldigten ihn, nur noch für sein Ego zu kämpfen.
Nach der Biographie eines seiner früheren Bewunderer, der sich später gegen ihn wandte (Fred Bridgland, Jonas Savimbi: A Key to Africa), wurde Jonas Malheiro Savimbi am 3. August 1934 in Munhango geboren, einer kleinen Stadt an der Benguela-Eisenbahnlinie. Sein Vater war Stationsvorsteher. Savimbi, der an einer Missionsschule ausgebildet wurde, soll schon im Alter von sechs Jahren geschworen haben, einst die portugiesischen Kolonialherren zu bekämpfen. Mit 24 Jahren kam er zum Studium nach Portugal, wo er angolanische nationalistische Freiheitskämpfer kennenlernte und in der kommunistischen Bewegung aktiv wurde. Bald fiel er dem portugiesischen Geheimdienst auf und floh zurück nach Angola. Anfang der sechziger Jahre teilte er seine Zeit zwischen dem Unabhängigkeitskampf in Angola und einen Studium der Politikwissenschaften in Lausanne.
Schon früh traten Differenzen mit anderen Unabhängigkeitskämpfern auf, die vor allem auf ethnischen Unterschieden beruhten. Die hellerhäutigen Angolaner in der Hauptstadt Luanda sahen auf ihn, den Ovimbundu aus dem Hochland, herab. Als Angola 1975 unabhängig wurde, war der Bruch mit der MPLA, der ältesten antikolonialen Bewegung Angolas, schon vollzogen. Mit Unterstützung der Volksrepublik China gründete Savimbi im März 1966 die Unita. Gegen die MPLA konnte er sich jedoch nicht durchsetzen. Nach einem Rückschlag im Kampf um die Hauptstadt zog er sich nach Jamba in den Süden Angolas zurück, wo er seine Militärbasis aufbaute.
Sein Kampf galt nun den sowjetischen und kubanischen "Invasoren", die das kommunistische MPLA-Regime unterstützten. Aus diesem Grund war er wiederum für Amerika von Interesse. Ronald Reagan nannte ihn einen antikommunistischen Freiheitskämpfer. Die Südafrikaner wollten verhindern, daß die Kommunisten Kontrolle über die reichhaltigen Diamantenvorkommen bekamen. So erhielt der Maoist Savimbi militärische Unterstützung von den amerikanischen "Imperialisten" und dem Apartheid-Südafrika, in dem Schwarze unterdrückt wurden.
Mit dem Ende des Kalten Krieges fielen die ideologischen Fronten, auch in Angola schien der Friede näher zu sein. Die MPLA-Regierung und die Unita unterzeichneten am 1. Mai 1991 ein Friedensabkommen in Portugal, im Jahr darauf wurden Wahlen abgehalten. Savimbi unterlag - doch die Unita akzeptierte die Niederlage nicht und griff wieder zu den Waffen. Im Jahr 1994 wurde im sambischen Lusaka ein neues Friedensabkommen geschlossen, das eine Koalition von MPLA und Unita vorsah - auch dieses scheiterte.
In den vergangenen Jahren gewann die Regierung zunehmend die Oberhand. Die Unita geriet diplomatisch immer stärker in die Isolation, die angolanische Armee erzielte militärische Erfolge und nahm unter anderem Jamba ein, den einstigen Hauptsitz der Unita. Allerdings erwiesen sich alle Meldungen über einen endgültigen Sieg über die Unita als verfrüht. So zeigte etwa ein Anschlag auf einen Zug in der Nähe der Hauptstadt im August vergangenen Jahres, bei dem mehrere hundert Menschen ums Leben kamen, daß die Rebellenbewegung noch immer zu schweren Schlägen imstande war.
Der Tod Savimbis hat die MPLA-Regierung gestärkt. Nach unbestätigten Berichten aus dem Nachbarland Sambia soll Savimbi schon Anfang vergangener Woche nach zweitägigen heftigen Gefechten getötet worden sein. Die Nachricht von seinem Tod sei aber bis zum Wochenende zurückgehalten worden, um der Reise des angolanischen Präsidenten Eduardo dos Santos nach Portugal und in die Vereinigten Staaten an diesem Montag mehr Gewicht zu verleihen.
Die MPLA-Führung hat in diesem Konflikt keine weiße Weste. Nach der Darstellung von Menschenrechtsorganisationen handelt die angolanische Armee nicht weniger brutal als die Unita. Die Regierungssoldaten haben demnach bei ihrem Feldzug in Moxico, wo sie Savimbi schließlich fassen konnten, die ansässige Bevölkerung, die sie pauschal der Unterstützung des Rebellenführers verdächtigten, mit Hubschraubern fortgeschafft und in Lager gepfercht. Stattdessen siedelten sie Menschen anderer Ethnien an, ohne jedoch für Unterkunft, Nahrung oder Wasser zu sorgen.
Die Regierung von Dos Santos hat Jonas Savimbi mit Osama Bin Laden verglichen. Das entspricht dem Versuch zahlreicher autokratischer Staaten seit dem 11. September, jegliche Opposition im Land in die Rubrik "Terrorismus" einzureihen. Die Kirchen in Angola, die nun verstärkt zu Verhandlungen aufrufen, hoffen auf die moderaten Kräfte im Land. Dem Leiden der Zivilbevölkerung soll endlich ein Ende bereitet werden in Angola, dem Land, das mit seinen Bodenschätzen eines der reichsten Länder Afrikas sein könnte.
Von Marion Aberle
taz
15.03.2002
Angolas Regierung hat den Krieg gewonnen. Am Mittwoch verkündete die Regierung von Präsident Eduardo dos Santos die Einstellung aller "Offensivbewegungen" gegen die Unita-Rebellen ab Donnerstag, 0Uhr. Was wie eine Geste der Versöhnung klang, war in Wahrheit eine Siegesmeldung. Die Unita ist in den letzten Wochen entscheidend geschwächt worden. Ihr Führer Jonas Savimbi wurde nach offiziellen Angaben am 22. Februar getötet, drei Tage später auch sein designierter Nachfolger Antonio Dembo. Seitdem ist die Rebellenbewegung kopf- und konzeptlos.
Die einseitige Waffenruhe soll laut Regierung "die Herstellung von Kontakten" zwischen den Kriegsparteien im Hinblick auf einen kompletten Waffenstillstand ermöglichen. Ziel, so eine gestern vom Kabinett verabschiedete Erklärung, sei "Dialog und Zusammenarbeit" zwischen der Regierungsarmee und den Rebellen. Als Lockmittel wurde die Möglichkeit einer Amnestie für die Unita angeboten, die außerdem gemäß den Bestimmungen des Lusaka-Friedensabkommens von 1994 in die Politik eingegliedert werden soll.
Gestern begrüßten Unita-Vertreter die Ankündigung als Chance für einen neuen Friedensprozess. Die noch lebenden Führer der Bewegung hatten bereits letzte Woche Dialog auf der Grundlage des Lusaka-Friedensabkommens angeboten. So scheint nun eine politische Lösung des ältesten Bürgerkrieges in Afrika möglich, aber der Sieger diktiert die Bedingungen.
Angolas Armee, mit 100.000 Mann die größte stehende Armee Schwarzafrikas, steigt damit zum wichtigsten Machtfaktor in der Region auf. Angolas Regierung, Empfänger der größten Investitionen internationaler Ölkonzerne auf dem Kontinent und privilegierter Verbündeter der USA in der Region, weist zugleich den Weg, wie man Konflikte beendet. Die Verkündung der Waffenruhe in Angola folgt nicht zufällig direkt auf zwei wichtige Wahlen in der Nachbarschaft: die von Unregelmäßigkeiten begleitete, aber international ignorierte Wiederwahl von Angolas Freund Denis Sassou-Nguesso zum Präsidenten von Kongo-Brazzaville; und die ebenso missratene, aber international gescholtene Wiederwahl von Robert Mugabe zum Präsidenten von Simbabwe. Angolas Staatschef Dos Santos wird nun weltweiten Beifall bekommen, während sein simbabwischer Amtskollege Strafmaßnahmen fürchten muss.
Dies verändert das Machtgefüge in der Region, denn Dos Santos und Mugabe sind Rivalen. Sie unterstützen gemeinsam die Regierung der Demokratischen Republik Kongo gegen Rebellen, aber zuletzt hatte Angola den Kürzeren gezogen. Simbabwes Militär kontrolliert die einträglichsten Bergwerke und zieht die wichtigsten Fäden in der Regierung des jungen Präsidenten Joseph Kabila, während Angola Einfluss verloren hat.
In den letzten Monaten mehrten sich Anzeichen für eine Annäherung zwischen Angola und Ruanda, Hauptunterstützer der kongolesischen Rebellen und Simbabwes Erzfeind im Kongo. Hochrangige ruandische Regierungsdelegationen, darunter Führer der ruandischen Armee, besuchten Angola im vergangenen Dezember und Januar. Gut informierte Kreise in der Region berichten, Ruanda habe Angola ein Bündnis angeboten und als Geste des guten Willens Hilfe bei der Eliminierung Savimbis vorgeschlagen. Ruanda würde dabei seine 1998 gewonnenen Einblicke in die innersten Unita-Zirkel nützen. Damals hatte Angolas Armee einen ruandisch unterstützten Putschversuch in Kinshasa verhindert, woraufhin die Unita die zerstreuten ruandischen Einheiten aufnahm und nach einiger Zeit im Busch nach Ruanda zurückschickte.
Ob Ruanda nun direkt an der Ermordung Savimbis beteiligt gewesen ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Aber Presseberichten zufolge ist aus Portugal und den USA bestätigt worden, daß Angolas Armee bei der letzten Operation gegen Savimbi ausländische Hilfe erhielt. Am 13. Februar, so ein Bericht, hätten UN-Diplomaten in Europa auf Vorschlag der angolanischen Regierung Savimbi angerufen, um über Friedensverhandlungen zu reden. Die Überwachung dieses Anrufs habe der Regierung ermöglicht, den Rebellenchef zu orten. Savimbi sei am 18. Februar gefangen genommen und später hingerichtet worden.
Kongolesische Quellen melden dazu, daß Ruanda und Angola erwägen, bei einem Scheitern des derzeit in Südafrika laufenden Dialogs zwischen den Kriegsparteien des Kongo gemeinsam gegen Kabila und Simbabwe vorzugehen. Ein Scheitern des "innerkongolesischen Dialogs" wird mit Mugabes Wahlsieg wahrscheinlicher, denn Simbabwes Präsident ermutigt Kabila zur Unnachgiebigkeit. Kongos Rebellen beklagen bereits eine auf Mugabes Sieg zurückzuführende zunehmende "Arroganz" der Regierungsdelegation bei den Kongo-Gesprächen. Zugleich aber tritt Robert Mugabe die Nachfolge Jonas Savimbis als Buhmann des südlichen Afrika an. Nie war die Gelegenheit für Angolas Regierung günstiger, sich machtpolitisch durchzusetzen und zugleich den Friedensbringer zu spielen.
Von DOMINIC JOHNSON
pte
10.09.2002
Ein südafrikanisches Schiff nimmt Arche-Noah-Dimensionen an. Auf dem Wasserweg sollen 200 Elefanten, gespendet von der Republik Südafrika und Botswana, und 150 weitere Tiere einen Nationalpark in Angola bevölkern. Die Operation "Arche Noah" startet am ersten Juni 2003. "Ziel der Nationalparks ist es, den Tourismus zu fördern und wieder Arbeitsplätze im durch Kriegswirren verwüsteten Land zu schaffen", erklärte Projekt-Koordinator Wouter van Hoven von der Kissama Foundation in Angola http://www.kissama.org.
In speziellen Stahlcontainern werden die Tiere vom Tuli Game Reserve in Botswana http://www.wildlifeafrica.co.za/botsnationalparks.html und vom Madikwe Game Reserve in Südafrika http://www.southafrica-travel.net/north/a_madikwe.htm an die Küste Namibias transportiert werden. Die Reise an Bord der SAT Outeniqua beträgt drei Tage. Anschließend erfolgt der Transport in den 70 Kilometer von der Hauptstadt Luanda entfernten Nationalpark. Der Park bedeckt laut einem Bericht im Fachmagazin New Scientist http://www.newscientist.com eine Fläche von 960 qkm und bietet neben Savanne und Grasflächen auch einen dichten Busch. Die Regierung Angolas hat die ersten Besiedlungsversuche im Jahr 2000 gestartet. Derzeit befinden sich 80 Tiere im geschützten Territorium, die vor zwei Jahren noch mit dem Flugzeug transportiert worden sind. Die Überstellung von 200 Elefanten sei aber zu aufwändig und die Straßen nach Angola eine Katastrophe, sagte van Hoven.
Von Sandra Standhartinger