Die Zeit
30.04.2000

Die Rückkehr des Hungers

Äthiopien führt einen irrsinnigen Krieg. Helfen müssen wir trotzdem

Erst die Sintflut in Mosambik, jetzt die Dürre am Horn von Afrika. Zwei Desaster in kurzer Abfolge, und immer wieder die gleichlautende Hiobsbotschaft:
Afrika hungert. Afrika leidet. Afrika stirbt.
Dazu die Schreckensbilder, die alle Stereotypen über den Schwarzen Erdteil zementieren: Kinder mit großen traurigen Augen und vergreisten Zügen, fliegenübersäte Gerippe, ausgezehrte Mütter, endlose Karawanen der Verzweiflung. Es ist, als seien die Toten von 1984 auferstanden, Wiedergänger der großen Hungersnot, die damals eine Million Menschen hinraffte.

Diesmal sind allein in Äthiopien acht Millionen bedroht, schätzt die UNO, und in den Dürrezonen der Nachbarstaaten Eritrea, Dschibuti, Somalia, Kenia und Sudan noch einmal so viele. Solche Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, zumal in Afrika, und Hilfsorganisationen müssen übertreiben, um die donor fatigue, die Müdigkeit der Spender, zu durchbrechen.

Bei aller Skepsis: Die Lage im Nordosten Afrikas ist dramatisch. Aber die Regierungen der reichen Länder reagierten wieder einmal so flink wie Dinosaurier, und die Repräsentanten der armen Staaten sangen das bekannte Klagelied. Diesmal stimmte es Seyoum Mesfin an, der Außenminister Äthiopiens. Er warf den Geberländern vor, so lange zu warten, bis wieder "Skelette über die Bildschirme" wandeln.

Nach dem dritten regenarmen Jahr in Folge war die kommende Dürre seit Monaten Gewissheit; im Dezember 1999 mahnten die Frühwarner der Vereinten Nationen zur Soforthilfe. Aber erst jetzt, da die Weltpresse rudelweise in Abessinien einfällt, wird aus der schleichenden Not eine akute Katastrophe.

Mesfin hat Recht. Man hätte sich viel früher auf das Desaster vorbereiten können. Doch im Lichte dessen, was sein eigenes Land unternommen hat, wirkt sein J'accuse geradezu unverfroren. Der Ankläger der Hartherzigkeit tritt nämlich seit Monaten auf der internationalen Bühne als Verteidiger eines Krieges auf, der sein Land um die Ressourcen zur Selbsthilfe bringt.

Es geht nur um ein paar staubige Grenzdörfer auf einem Landfetzen, unter dem Bodenschätze vermutet werden. Vor neun Jahren hatten die Bruderstaaten Eritrea und Äthiopien noch gemeinsam das stalinistische Mengistu-Regime niedergerungen. Heute gehen sie im nationalistischen Wahn aufeinander los, und beide Seiten räumen in hellen Momenten ein, dass sie einen crazy war führen, einen irrsinnigen Krieg. Man vermutet, daß er seit April 1998 rund 50 000 Menschen das Leben gekostet hat.

Kein Zweifel, die Dürre wäre auch ohne den Krieg über das Land gekommen, sie ist eine unvermeidliche Naturkatastrophe. Die kargen, niederschlagsarmen Halbwüsten und Trockensavannen am Horn von Afrika zählen zu den klimatisch am stärksten benachteiligten Regionen der Erde. Dort, wo der Hunger am schlimmsten wütet, im tristen Ödland des Ogaden, ist der Krieg weit entfernt. Und dennoch wirken sich die Kämpfe indirekt auf den Notstand aus. Sie binden zum Beispiel jene Transportkapazitäten, die im Krisengebiet dringend gebraucht würden. Die Lastwagen rollen an der tausend Kilometer langen Front, sie können nicht einmal die spärlichen Hirsevorräte des Landes befördern. Auch den Seehafen Assab hat Äthiopien inzwischen an den Gegner verloren, erst kürzlich ließ sich Eritreas Präsident Isaias Afewerki erweichen, Hilfsgüter für die Notleidenden passieren zu lassen.

Gar nicht zu reden von den Kampfjets und Waffen, die die äthiopische Regierung für den Bruderkrieg gegen die Eritreer erworben hat. Was hätte man mit den 600 Millionen Mark alles finanzieren können! Ein Aktionsprogramm gegen das strukturelle Nahrungsmitteldefizit. Oder Agrarprojekte zum Wohle der Kleinbauern. Oder tiefere Brunnen, neue Getreidespeicher. So besehen, fällt der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung auf die äthiopische Regierung zurück.

Ein Skandal ist aber auch, dass die EU zaudert und zögert und ihre Versprechen nicht einhält. Im vergangenen Jahr seien nur die Hälfte der zugesagten Nahrungsmittel geliefert worden, beklagt die Hilfsorganisation Oxfam. Andererseits: Die herrschenden Eliten Afrikas geißeln gerne die Versäumnisse der Weltgemeinde, um vom eigenen Versagen abzulenken.

Vor Monatsfrist bezichtigten die Mosambikaner das Ausland des allzu langsamen Beistands. Sie selber verhielten sich vergleichsweise zurückhaltend im Kampf gegen die Flutkatastrophe. Die eigene Armee blieb weitgehend unsichtbar, und die Staatsbürokraten kassierten unverschämt hohe Landegebühren für Hilfsflüge. Auch die afrikanischen Nachbarn, Südafrika und Malawi ausgenommen, taten herzlich wenig und exkulpierten sich mit dem Mangel an Mitteln. Die Hubschrauber Simbabwes waren in der Tat unabkömmlich, sie flogen gerade Kampfeinsätze im Kongo.

Das traurigste Exempel für die Unwilligkeit zur Selbsthilfe liefert Angola. Dort tobt seit Jahrzehnten ein Bürgerkrieg, der Millionen von Menschen ins Elend stürzte. Das Land ist reich an Ressourcen. Regierung und Rebellen können endlos weiterkämpfen, solange ihnen die Industrieländer Öl und Diamanten abkaufen. Für soziale und humanitäre Probleme fühlen sich die Kriegsherren nicht zuständig. "Nahrungsmittelhilfe, Flüchtlingslager, Gesundheitsfürsorge, die halten diese Aufgaben ganz selbstverständlich für die Pflicht des Auslands", berichtet Ingeborg Schäuble. Die Vorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe machte ihrem Ärger nach der ersten Angola-Reise Luft. "Man kommt sich ziemlich blöd und ausgenutzt dabei vor."

Oft werden die Helfer bei ihrer Arbeit auch noch massiv behindert. Ein Team von Rupert Neudecks Notärzten wurde von den örtlichen Behörden derart drangsaliert, daß es seine Mission in Angola abbrach.

Aber Rückzug ist keine Lösung. Die Menschen können nichts für die Not, der vorzubeugen ihre Regierungen nicht fähig oder willens sind. "Geben und nochmals geben", die Humanität gebietet, dem Appell des UN-Generalsekretärs Kofi Annan zu folgen. Auch wenn wir dabei in Kauf nehmen müssen, korrupten, verantwortungslosen oder verbrecherischen Regimen unfreiwillig zuzuarbeiten.
Von Bartholomäus Grill


pte
21.05.2002

Äthopien will Tse Tse-Fliegen bekämpfen

Gammabestrahlte männliche Insekten sollen zur Ausrottung führen

Äthopien will als erster Staat der Welt den Tse Tse-Fliegen an den Leib rücken. Die gefährlichen Insekten, die die Schlafkrankheit übertragen, sollen mit Hilfe einer Sterilisationstechnik ausgerottet werden, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist http://www.newscientist.com.

Der Plan des äthopischen Entomologen Assefa Mebrate soll noch in diesem Jahr Realität werden. In Kaliti, südlich der Hauptstadt Addis Abeba werden in einem Labor, das erst gebaut wird, Millionen von männlichen Tse Tse-Fliegen gezüchtet, die mit Gamma-Strahlen sterilisiert werden und danach von tieffliegenden Flugzeugen freigelassen werden. Da weibliche Tse Tse-Fliegen sich nur einmal in ihrem Leben fortpflanzen, vernichtet eine Generation steriler Männchen die gesamte Population. In der neu errichteten Insektenhalle sollen nach Angaben des Direktors Solomon Mekonnen, innerhalb der kommenden zwei Jahren zwei Millionen Fliegen pro Woche gezüchtet werden. Kritiker des ganzen Projekts zweifeln, daß mit dieser Methode alle Tst-Tse Fliegen ausgerottet werden können. "Die ganze Idee ist verrückt, es gibt zu viele Tse-Tse Fliegen. Wenn ein paar Insekten nicht getroffen werden, wird sich die Population innerhalb kürzester Zeit wieder einpendeln", so Hans Herren, Direktor des International Centre for Insect Physiology and Ecology.

Das äthiopische Projekt wird von der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) mitfinanziert, die dafür Sorge tragen will, daß der gesamte Kontinent frei von den Insekten wird. Das technische Know-how für die Bestrahlung wird von der internationalen Atom Energie Behörde geliefert. Alleine in Äthopien wird das Gesamtprojekt mit 200 Mio. Dollar beziffert. Tse Tse-Fliegen sind nicht nur für den Menschen gefährlich. Sie machen es unmöglich, in weiten Teilen des Kontinents Afrika Rinder zu züchten, da der Trypanosom-Parasit die Tiere tötet.

Das äthiopische Projekt zur Ausrottung der Tse Tse-Fliegen wird zunächst 25.000 Quadratkilometer Farmland im südlichen Rift-Valley betreffen. Konventionelle Fliegenfallen haben dort schon für die Dezimierung der Insekten gesorgt, in manchen Teilen konnten 95 Prozent der Tse Tse-Fliegen getötet werden, so daß Rinderzucht schon möglich geworden ist.
Von Wolfgang Weitlaner


Süddeutsche Zeitung
02.12.2002

Verzweiflung vor der großen Dürre

In mehreren Ländern Afrikas droht eine Hungersnot von gewaltigem Ausmaß, betroffen sind fast 40 Millionen Menschen

Die Afar-Region im Osten Äthiopiens ist gnadenlos. Gewiss, es gibt bizarre Gebirge, Halbwüsten und Palmenhaine, und es leben sehr eindrucksvolle Menschen dort. Aber ein Besuch bei diesen Nomaden zeigt schon nach kurzer Zeit, wie brutal das Leben ist. Selbst die Fliegen sind meist so ausgedürstet, daß sie Tiere und Menschen quälen. An jedem Schattenplatz stürzen sich Dutzende auf einen, um Flüssigkeit aus den Augen oder dem Mund zu saugen. Die meisten Afar leiden an Infektionen, Durchfall, Tuberkulose und an Malaria. Für Millionen von Menschen gibt es gerade mal zwei Krankenhäuser, beide verfügen über viel zu wenig Medikamente, kompliziertere Operationen sind sowieso nicht möglich. Selbst in Zeiten, in denen keine Dürre herrscht, stirbt jedes dritte Kind bevor es fünf Jahre alt wird.

War das Leben dieser Hirten, die ihre Kamele und Rinder mit Krummsäbeln und Kalaschnikows vor Viehdieben schützen, früher schon hart, ist es jetzt noch härter geworden. Denn bis vor ein paar Jahren zogen die Afar weiter, wenn es nicht genügend geregnet hatte, oder wenn ihre Tiere nichts mehr zu fressen fanden. Hunderte von Kilometern liefen sie und merkten oft nicht, daß sie schon in den Nachbarländern Eritrea oder Dschibuti waren. Sichtbare Grenzen gab es nicht, außerdem erstreckt sich das Gebiet der Afar über alle drei Länder am Horn von Afrika. Heute können die Nomaden der Dürre nicht mehr ausweichen. Seit dem Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien gibt es eine Grenze, durch die niemand mehr durchkommt. Sie ist militärisch abgeriegelt und mit Landminen gespickt. Wenn es in Äthiopien nicht bald genügend regnet, droht eine Hungerkatastrophe gewaltigen Ausmaßes.

In diesem Jahr gab es keine Niederschläge, weder im Frühjahr noch im Sommer. Und deshalb warnen derzeit nicht nur das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), die Deutsche Welthungerhilfe oder Karlheinz Böhms Menschen für Menschen vor einer drohenden Hungerkatastrophe, auch Äthiopiens Regierungschef Meles Zenawi hat sich mit einem verzweifelten Appell an die Weltöffentlichkeit gewandt. Die Not, so der Premierminister, könnte noch viel schlimmer werden als im Jahr 1984, als mehr als eine Million Menschen starben. In den kommenden Monaten sind nicht nur die Afar, sondern auch die Somali im Süden in Gefahr. Insgesamt, so schätzen Hilfsorganisationen, sind allein in Äthiopien 14 Millionen Menschen vom Tod bedroht. Nach Angaben der BBC gibt es schon die ersten Opfer, es sind vor allem Ältere und Kinder. Auch das Vieh geht wegen Futtermangels ein.

Auch Aids ist eine Ursache
Zählt man alle Krisenregionen zusammen, dann droht demnächst fast 40 Millionen Afrikanern der Hungertod, denn auch im Süden des Kontinents, im Zentrum und im Westen haben die Menschen viel zu wenig zu essen. Groß ist die Not auch in Malawi, Simbabwe, Sambia, Lesotho, Swasiland, Mosambik und Angola. Das schlechte Wetter ist nur ein Grund. Als die Vereinten Nationen in der vergangenen Woche ihren neuen Aids-Bericht vorstellten, benannten sie die Immunschwächekrankheit als eine der wichtigsten Ursachen für die Notlage. Denn vor allem im südlichen Afrika, wo im Durchschnitt mehr als ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung infiziert ist, sterben oft junge Männer und Frauen, die auf den Feldern arbeiten. Niemand kann die Ernte einfahren, weil oft nur noch Alte und Kinder in den Dörfern leben. In Äthiopien starben im vergangenen Jahr 160.000 Menschen an Aids.

Weitere Ursachen für die drohende Hungersnot: Die meisten Afrikaner sind so arm, daß sie sich weder Saatgut noch Dünger leisten können. Hinzu kommen Kriege, die Millionen zu Flüchtlingen gemacht haben, und Diktatoren wie Simbabwes Robert Mugabe, der lieber die Landwirtschaft zerstört, als die weißen Farmer arbeiten zu lassen. Auch andere Regierungen sind an der Katastrophe mit schuld, denn kaum ein Land hat in den vergangenen Jahren die Landwirtschaft gefördert. Im Gegenteil, viele Bauern müssen extra Steuern für ihre Produkte zahlen, es wurden aber weder Straßen noch Bewässerungsanlagen gebaut.

Deshalb verbindet die Welthungerhilfe ihren Spendenappell mit der Aufforderung, daß etwa in Äthiopien das Landnutzungsrecht der Bauern geändert werden und in eine nachhaltige Infrastruktur investiert werden müsse. Bislang machen es sich viele afrikanische Machthaber zu einfach. Wenn es zu Hungersnöten kommt, verlassen sie sich fast ausschließlich auf die Hilfe der reichen Länder.
Von Michael Bitala


Salzburger Nachrichten
04.03.2003

Weizen, Waffen, Soldaten

Im Schatten einer drohenden Hungersnot rüsten die USA derzeit Äthiopien auf und bilden Spezialkräfte für den Anti-Terror-Kampf in Somalia aus.

Mit Weizen und Waffen machen die USA Politik in Äthiopien. Während Amerika dem dürregeschwächten Land mit Lebensmitteln unter die Arme greift, stärkt es dort zugleich seine eigene Stellung am Horn von Afrika. Auf der Jagd nach Mitgliedern des Terrornetzwerks Al Kaida nehmen die USA mit Hilfe der äthiopischen Armee erneut das Nachbarland Somalia ins Visier.

"Die USA helfen uns, doch als Gegenleistung ziehen sie uns in ihren Krieg", kritisiert ein Arzt in der Hauptstadt Addis Abeba. "Mit ihrem Weizen kaufen sie sich bei uns ein." So hat Washington zugesagt, die Hälfte der erforderlichen 1,4 Millionen Tonnen Lebensmittelhilfe abzudecken. Doch die weißen Mehlsäcke mit der rotblauen Aufschrift USA stillen nicht nur den Hunger, sie erschlagen die Landwirtschaft der Region bis ins Nachbarland Somalia. Aus der dortigen Bay Region bezieht Südäthiopien normalerweise einen Teil seines Getreides. Doch statt auf dem lokalen Markt zu kaufen, liefern die USA ihre eigenen Überschüsse. Die Getreidepreise fallen, die Landwirtschaft Somalias stagniert.

Doch zwischen die US-Säcke, die täglich über den Hafen des Nachbarlands Dschibuti ins Land kommen, mischen sich andere Ladungen. Waffen und Panzer rollen auf langen Lastwagen-Kolonnen über die gut ausgebaute Straße von Dschibuti nach Addis Abeba. "Regierungschef Meles Zenawi kann sie von dem Geld kaufen, das er nach Verhandlungen mit US-Präsident Bush im Dezember mit aus Washington brachte", sagen regierungsnahe Kreise.

Für Mitte März erwarten die Hafenbehörden im Nachbarland Dschibuti eine weitere große Waffenladung mit Zielort Äthiopien. Die Waffen sollen an der gut 1000 Kilometer langen Grenze zu Somalia landen. Dort bilden amerikanische Spezialkräfte bereits äthiopische Soldaten für den Kampf gegen Terroristen aus.

Äthiopien, das seit Jahren somalische Kriegsfürsten beherbergt, die zum Sturz der machtlosen Übergangsregierung in Mogadischu blasen, unterstützt die Amerikaner bei ihrer Suche nach Terrorzellen in Somalia. Die dort operierende radikalislamische Gruppe "Al Ittihad" soll enge Verbindungen zu Osama bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida haben. Die USA benutzen das traditionelle Spannungsverhältnis zwischen Somalia und Äthiopien, insbesondere um die umstrittene Grenzregion Ogaden. In Somalia locken Seehäfen, die das Binnenland Äthiopien seit der Abspaltung Eritreas nicht mehr hat.

Die USA ziehen die Fäden für alle Aktivitäten am Horn von Afrika von ihrem Anti-Terror-Hauptquartier und größten militärischen Stützpunkt auf dem afrikanischen Kontinent in Dschibuti. "Wenn wir Beweise dafür hätten, daß hochrangige Terroristen in einem dieser Länder sind", erklärte dessen Kommandant John Sattler in Addis Abeba, "würden wir uns die Erlaubnis holen, um Länder wie Äthiopien darauf anzusetzen."

Solche Pläne erzeugen bereits gefährlichen Protest: Auf einem Transporter mit US-Weizen entdeckten dschibutische Grenzbeamte vor zwei Wochen eine Bombe.
Von ANTJE PASSENHEIM


news.ch
08.05.2003

Massive Überschwemmung in Afrika

In Ostafrika sind bei Überschwemmungen bis Donnerstag mindestens 70 Menschen ums Leben gekommen. Rund 120.000 Menschen wurden obdachlos.

Die anhaltenden saisonalen Niederschläge richteten nach Angaben von Hilfsorganisationen und Behörden in vielen Regionen Äthiopiens und Kenias Verwüstungen an.

Im Osten Äthiopiens, wo das Hochwasser eine monatelange Dürre beendete, ertranken nach Angaben der Behörden mindestens 40 Menschen. Ganze Dörfer wurden zerstört und die Menschen flüchteten in die Berge, sagte der äthiopische Energieminister Mohamed Dirir dem Radiosender BBC.

Rund 100.000 Menschen hätten aus Dörfern entlang des über die Ufer getretenen Shebelle Flusses ihre Unterkünfte verloren. Hilfsorganisationen begannen damit, sie mit Planen, Kochausrüstungen und Medikamenten zu versorgen.

In Kenia ist besonders der Westen des Landes betroffen. Rund 35 Menschen ertranken. Über 20.000 Menaschen im Grenzbezirk zu Uganda wurden obdachlos. Nach einem Dammbruch nahe der Hauptstadt Nairobi sind dort seit Montag eine Million Menschen von der regulären Wasserversorgung abgeschnitten.


BerlinOnline
04.11.2005

Am Horn von Afrika droht neuer Krieg

Äthiopien und Eritrea senden Truppen an die Grenze

Die gewaltsamen Unruhen in Äthiopien sind die heftigsten seit Monaten. Wahllos schießt die Polizei in der Hauptstadt Addis Abeba auf Demonstranten, die gegen das Ergebnis der jüngsten Wahlen protestieren. Allein diese Woche starben mindestens 36 Menschen, dutzende wurden verletzt. Gleichzeitig schicken Äthiopien und das Nachbarland Eritrea Truppen an die gemeinsame Grenze. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), Kofi Annan, zeigt sich "tief besorgt" und mahnt zur Mäßigung. Sein Sonderbeauftragter für die Region, Joseph Legwaila, fürchtet gar neuen Krieg.

Auf den ersten Blick haben die gewaltsam unterdrückten Proteste der äthiopischen Opposition und der Truppenaufmarsch nichts miteinander zu tun. Doch offenbar versucht die Regierung unter Ministerpräsident Meles Zenawi in Addis Abeba die Unzufriedenheit im eigenen Land durch die Konfrontation mit Eritrea zu dämpfen. Nach Ansicht internationaler Beobachter hat Zenawi die Wahlen im Mai manipuliert. Seitdem organisiert die Oppositionspartei Koalition für Einheit und Demokratie (CUD), deren Führung sowie etwa 1.000 Anhänger verhaftet wurden, Proteste und Streiks. Sollte die Opposition Erfolg haben und Neuwahlen erzwingen, wäre die 14-jährige Herrschaft Zenawis wohl zu Ende.

Ablenkungsmanöver
In einem Punkt aber ist die Opposition mit der Regierung einig. Sie lehnt jede Gebietsabgabe ab. So wird offenbar versucht, die Wut der politischen Gegner umzulenken - wie schon 1998. Damals haben Äthiopien und Eritrea zwei Jahre lang einen erbitterten Krieg um 400 Quadratkilometer kargen Landes geführt, weil sie sich nicht auf den Verlauf der Grenze einigen konnten. 80.000 Menschen starben.

Eritrea, das sich 1993 im beiderseitigen Einvernehmen von Äthiopien gelöst hatte, begründet den aktuellen Truppenaufmarsch seinerseits damit, daß sich Äthiopien nicht an die Festlegung der internationalen Grenz-Kommission hält. Diese hatte vor drei Jahren die kleine Siedlung Badme Eritrea zugesprochen, doch Äthiopien denkt nicht daran, dieses Gebiet zu räumen. Wenn die UNO keinen Druck auf Äthiopien ausübe, erklärte Eritreas Präsident Isaias Afewerki kürzlich in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat, werde es zu einem legalen Akt der Selbstverteidigung kommen.

Auch die Regierung Eritreas hat ein Interesse, die Opposition im eigenen Land ruhig zu halten. Um störende Stimmen zum Schweigen zu bringen hat Präsident Afewerki vor vier Jahren die Meinungsäußerung stark eingeschränkt, alle privaten Medien verboten, 15 Journalisten eingesperrt und ausländische Korrespondenten ausgewiesen. Im Sommer wurde die Hilfsorganisation USAid, die einen Großteil der Nahrungsmittelhilfe für zwei Drittel der 3,5 Millionen Einwohner verteilt hatte, aus dem Land geworfen. Angeblich, um sich aus der Abhängigkeit zu lösen. In Wirklichkeit wünscht die eritreische Regierung keine ausländischen Beobachter.

Das Absurde dabei ist, daß beide Länder, die zu den ärmsten der Welt gehören, mit hochgerüsteten Armeen um eine nahezu unbesiedelte Region ohne jeden ökonomischen Wert streiten.
Von Frank Räther



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