KILIMANJARO

Der Name kommt aus dem Kisuaheli "Kilima Njaro" schimmernder Berg.
Die Massai nennen ihn "Oldoinyo Oibor", den weißen Berg.

Der Kilimanjaro, höchster Berg Afrikas und einer der mächtigsten Vulkane der Erde, erhebt sich 300 km südlich des Äquators aus der Ebene Nord-Ost Tansanias und bedeckt ein Gebiet von 100 Kilometern Länge und 65 Kilometern Breite. Seine Entstehung hängt mit der Bildung des Rift Valley vor 1,500.000 Jahren zusammen. Der aus drei Einzelvulkanen bestehende Bergkomplex ist Teil einer Ost-West Kette von rund 20 Vulkanen, die am südlichen Ende des ostafrikanischen Grabens beginnt. Zu diesem alten Vulkangürtel gehört auch der wegen seiner reichen Tierwelt bekannte Ngorongoro Krater.
Den Hauptgipfel des Kilimanjaro bildet der jüngste, inaktiv seit etwa 350.000 Jahren, der drei Kilimanjarovulkane, der Kibo mit den zwei Spitzen "Uhuru Peak" 5.895 m und "Gillman´s Point" 5.715 m. Obwohl er, wie die anderen beiden Gipfel auch, als erloschen gilt, strömen noch immer Rauch und Schwefelgase aus. Sein Krater besteht aus einem äußeren und einem inneren Ring, ist mehr als einen Kilometer breit und in seinem Inneren sind die Spuren vulkanischer Aktivität noch fast unverändert erhalten geblieben.
Rund 14 Kilometer westlich des Kibo liegt das flache und stark erodierte Gipfelplateau des Shira 3.840 m, dem ältesten der drei Vulkangipfel, erloschen vor etwa 500.000 Jahren.
Durch einen sieben Kilometer langen Bergsattel mit dem Hauptgipfel verbunden, erhebt sich im Osten der dritte Gipfel des Kilimanjaro-Massivs, der Mawenzi, welcher ebenfalls zwei Spitzen aufweist, den "Hans Meyer Peak" 5.149 m und den "Purtscheller Peak" 5.120 m. Erosion zerstörte den ursprünglichen Krater und bildete einen gewaltigen hufeisenförmigen Grat. Durch die enorme Höhe und Masse des Kilimanjaro herrscht im Bereich des Berggipfels ein eigenes Klima. Winde vom indischen Ozean laden an den Hängen des Berges ihre Feuchtigkeit als Regen oder Schnee ab. Dadurch bildet der Berg eine fruchtbare Insel inmitten der Savanne und der Gipfel ist durchgehend von Schnee bedeckt.
Es gibt zwei Regenzeiten, eine größere zwischen März und Juli und eine kleinere zwischen Oktober und Dezember. Die Niederschläge variieren je nach Höhe. Während die Niederschlagsmenge in der Zone des Bergregenwaldes 3000 mm erreicht, sinkt sie im wüstenähnlichen Gipfelbereich auf unter 100 mm. Herrscht in der Savanne eine mittlere Temperatur von 30° C, so beträgt das Mittel am Gipfel des Kibo nur rund 0° C.
Entsprechend der großen Höhenunterschiede, der Kilimanjaro gilt als der höchste freistehende Berg der Welt, unterscheidet man mehrere Vegetationszonen.
Von 800 m bis 1800 m vulkanisch fruchtbare Böden mit Wildsträuchern und Waldflächen, heute allerdings größtenteils als Acker- und Weideland genützt.
Ab 1800 m bis 2800 m erstreckt sich der Bergregenwald, seit 1921 ein Wildreservat, die Zone darüber bis zu den Gipfeln wurde 1973 zum Nationalpark erklärt. In der Zone des Bergregenwaldes erreichen die Niederschläge über 2000 mm. Hier gedeihen Feigenbäume und auf den trockeneren Westhängen trifft man auf den Baumwacholder (Juniperus procera), der bis zu 40 m hoch wird. Bei der Mandara Hütte findet sich die Steineibe (Podocarpus milanjanus), ein Nadelbaum mit langen, blattähnlichen Nadeln. Mit scharlachroten Blüten zeigt sich das endemische Kilimanjaro-Springkraut (Impatiens kilimanjarica).
Über der Waldgrenze, 2800 m bis 4000 m liegt die Steppenheide-Vegetation, die auch als afro-alpine Stufe bezeichnet wird. Unter den strauchförmigen Gewächsen fällt am Weg zur Horomba Hütte Protea kilimanjarica auf, die ganze Vulkanhänge bedeckt. Um die Hütte wachsen die Thomson-Anemone (Anemone thomsonii), die Fackel-Lilie (Kniphofia thomsonii) mit orangegelben Blüten und die Kenia-Distel (Carduus keniensis). Am eindrucksvollsten sind jedoch die bis zu 3m hohen Lobelien und die Riesen-Senecien.
Die nächste Zone, 4000 m bis 5000 m, ist die Hochlagenwüste, in der zwischen Tag und Nacht extreme Temperaturschwankungen auftreten. Hier kommen ca. 55 höhere Pflanzen vor. Die Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina) ist eine der wenigen Arten, die auch im Alpenraum wächst. Zwischen dem Lavagestein gedeihen Strohblumen (Helichrysum-Arten). Als höchstgelegene Blütenpflanze gilt Helichrysum newii, die bis über 5670 m wächst.
Über 5000 m ist der Sauerstoffgehalt so gering und die Kälte so intensiv, daß nur noch Flechten und die Helichrysum newii als wiederstandsfähigste Strohblumenart gedeihen.

Die Tierwelt beschränkt sich hauptsächlich auf den Waldgürtel, in dem es geringe Vorkommen von Elefanten, Giraffen, Löwen und Leoparden gibt. Ferner Hyänen, Waldschweine, Antilopen, Affen und verschiedene Nagetiere. Durch die Dichte des Waldes besteht allerdings kaum die Möglichkeit eines der Tiere zu sehen. Vögel lassen sich schon eher beobachten, vor allem Bussarde, Adler, Lämmergeier und Nashornvögel haben da ihren Lebensraum.

Die Schneehaube auf der Spitze des Kilimanjaro droht zu schmelzen
Laut Klimaforscher Lonnie Thompson vom Byrd Polar Forschungszentrum der Staatlichen Universität Ohio hat der Kilimanjaro seit 1912, dem Beginn der Aufzeichnungen, rund 82 Prozent seiner Schnee- und Eisfelder verloren. Das Wahrzeichen Afrikas werde in weniger als 15 Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sein. Außer dem Kilimanjaro, der seit Jahrtausenden mit seiner Schneehaube über Tansania ragt, drohe den berühmtesten Gipfeln der Welt von Peru bis Tibet der Verlust ihrer Gletscher. Die Alpen werden nach Berechnung der Wissenschafter bis zum Jahr 2025 etwa 90 Prozent der Gletscher verloren haben, die sie ein Jahrhundert zuvor bedeckten. Das Schmelzen begann schon vor 100 Jahren. Ursprünglich natürliche Veränderungen lösten den Prozess aus, bevor der dramatische Anstieg von Kohlenstoffdioxid und anderer Treibhausgase einsetzte. Davor hatten sich Gletscher im Rhythmus von einigen Zehntausenden von Jahren zurück- und wieder neugebildet.

Der Weg zum Gipfel

Die Erstbesteigung erfolgte am 6.10.1889 durch den deutschen Geograph Hans Meyer und den österreichischen Bergsteiger Ludwig von Purtscheller

Mittlerweile muß jede Besteigung durch ein Tourismus - Unternehmen organisiert und von offiziellen Führern geleitet werden.
Die beste Jahreszeit dafür ist von Dezember bis März.
Man unterscheidet acht Aufstiegsrouten, wobei die Marangu Route die einfachste und am besten ausgestattete ist, sie wird daher auch am häufigsten begangen.
Es gibt am höchsten Berg des schwarzen Kontinents keine technischen Schwierigkeiten zu bewältigen. Gute Kondition, hochalpine Wandererfahrung und vor allem Höhentauglichkeit sind allerdings Voraussetzung. Für gut akklimatisierte Bergsteiger ist der Aufstieg ohne Probleme zu schaffen.
Alpine Standardausrüstung ohne Seil und Haken ist ausreichend. Skistöcke sind für den Aufstieg sehr hilfreich.
Der Eingang in den National Park liegt auf 1800 m. Auf dem Weg zum Gipfel gibt es drei Stützpunkte, die Mandara-Hütte 2700 m, die Horombo-Hütte 3720 m und die Kibo-Hütte auf 4703 m (ein Steinbau aus dem Jahr 1932). Auf- und Abstieg sind in 5 Tagen zu bewältigen.

Übersicht der Marangu-Route (Ostroute)

Ort Meereshöhe Etappe Höhendiff. Wegstrecke Gehzeit
Marangu
1.800m
Start
Mandara Hütte
2.700m
1.Tag
+900m
12 km
4.00h
Horombo Hütte
3.720m
2.Tag
+1020m
16 km
6.00h
Kibo Hütte
4.703m
3.Tag
+983m
11 km
6.00h
Uhuru Peak
5.895m
4.Tag
+1192m
5 km
6.30h
Horombo Hütte
3.720m
4.Tag
-2175m
16 km
6.00h
Marangu
1.800m
5.Tag
-1920m
28 km
6.30h

Kaum ein anderer Berg bieten diese vielfältige und abwechslungsreiche Szenerie. Man durchwandert die verschiedensten Klimazonen. Der Kilimanjaro ist jedoch aufgrund seiner Höhe nicht zu unterschätzen. Viele müssen aufgrund schlechter Akklimatisation höhenkrank aufgeben.
Marangu liegt am Fuß des Kilimanjaros in einer subtropisch- tropischen Landschaft, die vielen Shambas (Suaheli: bäuerliche Anwesen) sind weit über die Hänge verstreut und verstecken sich unter üppigen Bananenpflanzungen. Der mächtige Kegel des Kibo mit seinen nach Süden herunterreichenden Eisfeldern zeigt sich majestästich zwischen den Baumwipfeln und scheint wegen der trockenen, klare Luft zum Greifen nahe.
Die erste Tagesetappe führt zunächst an Bananenplantagen vorbei, zum am Regenwaldrand gelegenen Eingang des Nationalparks. Der Regenwald erstreckt sich in einer Breite zwischen 7 und 30 km rund um dem Kilimanjaro. Lianen umwuchert und mit Farnen und 0rchideen besetzte Baumriesen erheben sich über niedrigerem total verfilztem Busch- und Strauchwerk. Umgestürzte Baumstämme sind von Moos umwachsen, und der Pflanzenwuchs ist beiderseits des Weges so dicht, daß man kaum einen Schritt abweichen kann. Nachmittags erreicht man die Mandara-Hütte.
Am nächsten Morgen geht es durch den letzten Teil des Regenwaldes. Schlagartig endet der Bewuchs und man steht vor einer mit Heidekraut bewachsenen weitläufigen Landschaft. Nach sechs Stunden Marsch wird die Horombo-Hütte erreicht.
Bei der dritten Etappe gelangt man nach kurzer Gehzeit zur letzten Wasserstelle. Jetzt gilt es alle Kanister mit dem wichtigen Naß zu füllen. Die Heidekrautregion löst sich langsam auf und nach etwa zwei Stunden ist man am Kibosattel. Hier gibt es keine Niederschläge. Zusammen mit dem Frostklima bewirkt dies ein Erscheinungsbild wie in der zentralasiatischen Wüste Gobi.
Die UV-Strahlung ist zur Mittagszeit am Äquator extrem stark und die Sauerstoffarmut zeigt ihre Wirkung. Der Kibosattel wird gequert und hinter Basaltbrocken taucht endlich die Kibo-Hütte auf, wo man sich auf den Gipfelaufstieg vorbereitet. Es ist hier oben mit Temperaturen um -10° C zu rechnen.
Vor dem Aufbuch sollte man soviel als möglich trinken. Um den Sonnenaufgang am Kraterrand mitzuerleben, muß man um ca. 1h früh losmarschieren. Der Aufstieg über die Geröllhänge ist sehr anstrengend. Das Erreichen des Kraterrandes Gillman´s Point gilt offiziell schon als Gipfelbesteigung. Auf den höchsten Punkt, den Uhru Peak, muß man sich jedoch noch über den dem eisigen Wind ausgesetzten Gipfelgrad weiterkämpfen. Die phantastische Fernsicht entschädigt dann für alle Strapazen. Am Gipfel steht ein kleines Kreuz, an welchem die sturmzerfetzten Wimpel vieler Nationen flattern.



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