Le Monde
15.12.2000
In den Regionen südlich der Sahara, wo sich Aids rasch ausbreitet, besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Verbreitung von HIV und der Art, wie die Menschen ihren Lebensunterhalt sichern. Am stärksten betroffen sind die Gebiete mit den meisten Bodenschätzen, wie vor allem Gold, Diamanten, Kobalt, Chrom, Eisen und Uran.
Anders als häufig behauptet, ist Aids nicht in den ärmsten, sondern gerade in den reichsten Ländern am meisten verbreitet, genauer gesagt, in den weniger armen, die dank ihrer Rohstoffvorkommen erste Anzeichen eines wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts verzeichnen. Bei den neun afrikanischen Ländern, deren Infektionsgrad 15 Prozent übersteigt, handelt es sich zugleich um die Länder mit den größten Rohstoffvorkommen, nämlich Botswana, Swasiland, Simbabwe, Lesotho, Südafrika, Sambia, Namibia, Demokratische Republik Kongo und Malawi. Südafrika, wo nahezu ein Fünftel der Bevölkerung HIV-positiv ist und das damit an fünfter Stelle in Afrika liegt, nimmt im Human Development Report des UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen) den 103. Rang ein. In Swasiland, das an 113. Stelle liegt, sind 25,25 Prozent der Bevölkerung an Aids erkrankt. Botswana (122. Rang) mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 7.690 Dollar ist nicht nur im afrikanischen Vergleich, sondern weltweit das am schlimmsten von der Epidemie heimgesuchte Land: Der Anteil der HIV-Infizierten liegt hier bei 35,8 Prozent der Bevölkerung. Hinsichtlich des allgemeinen Entwicklungsstandes liegt Botswana jedoch vor 36 anderen afrikanischen Staaten.
In Afrika wandern viele Männer in die Bergbaugebiete und die dort entstandenen Industriezentren ab. Sie wohnen dann fern von ihren Familien in primitiven Unterkünften für Alleinstehende. Die in der Gegend lebenden Frauen, die ihre sexuellen Dienste anbieten, tragen in außerordentlich hohem Maß zur Übertragung von Geschlechtskrankheiten und Aids bei. Viele von ihnen prostituieren sich, weil sie machtlos und der ländlichen Armut ausgeliefert sind. Diese ohnehin schon höchst gefährliche Situation führt rasch zur weiteren Ausbreitung, wenn die Männer zu gelegentlichen Besuchen nach Hause kommen.
Eine 1997 in der Provinz Kwazulu Natal (Südafrika) durchgeführte Untersuchung hat gezeigt, daß die Zahl der HIV-infizierten Personen alarmierend gestiegen ist, bis zu 26 Prozent bei schwangeren Frauen. Die Partner der betroffenen Frauen sind meist ausgewandert, um sich im Bergbau ihren Lebensunterhalt zu sichern. Frauen, deren Ehemänner vor Ort geblieben sind oder die mit einem festen Partner zusammenleben, waren seltener infiziert. In Carletonville, dem Zentrum des Goldabbaus, arbeiten 88 000 Bergleute, 60 Prozent stammen aus verschiedenen Landesteilen bzw. Nachbarstaaten (Mosambik, Malawi und Lesotho). Hier leben etwa 500 Prostituierte, ein Drittel davon HIV-positiv. Von den Bergarbeitern sind 22 Prozent infiziert.
Während Aids früher in den Städten stärker konzentriert war, hat der Kreislauf von Arbeitskräftemobilität, Ansteckung der Arbeiter, Übertragung auf die Lebenspartnerinnen, Mutter-Kind Übertragung zur verstärkten Ausbreitung der Infektion auf dem Land geführt. So erklärt sich die überraschende Verbreitung der Epidemie in ländlichen Gebieten und in immer entlegenere Regionen, aber auch der Ausbruch von Mikroepidemien, d. h. räumlich begrenzten Infektionsherden in unmittelbarer Nähe von Gegenden, die praktisch keine Krankheitsfälle aufweisen, auch dies eine Besonderheit von Aids. Solche Mikroepidemien treten im Umkreis der südafrikanischen Bergbauzentren auf, aber auch von Ballungsräumen wie San Pedro Sula in Honduras, wo sich maquilas (kleinere Zulieferbetriebe) ansiedelten, oder in Bevölkerungszentren, die in vielen Ländern entlang der großen Handelsrouten entstanden.
Von PILAR ESTEBANEZ
pte
05.03.2001
Pretoria. Heute, Montag beginnt vor dem Höchstgericht in Pretoria der Prozess 39 internationaler Pharmakonzerne gegen die Regierung Südafrikas.
AIDS-Aktivisten argumentieren, daß die Pharmaindustrie zu verhindern versuche, daß Entwicklungsländer billige generische Medikamente bezögen.
Die Pharmaindustrie ihrerseits betont, daß es nur um ein südafrikanisches Gesetz gehe, das ihre Patentrechte verletzen könnte, berichtet die Washington Post. http://www.washingtonpost.com
Derzeit sind zehn Prozent der 45 Mio. Südafrikaner betroffen. 1997 wurde ein Gesetz verabschiedet, das einen eingeschränkten Import von generischen Versionen patentierter Medikamente oder die Lizensierung ihrer inländischen Produktion erlaubte. Zu einer Anwendung dieses Gesetzes ist es nie gekommen.
Die Pharmaindustrie klagte 1998. Sie argumentierte, dieses Gesetz sei zu umfassend und ziele zu sehr auf Hersteller ab. Laut Mirryena Deeb von der Pharmaceutical Manufacturers Association of South Africa bekämpfe man nur Willkür und Unsicherheit. "Das hat nichts mit der Zugänglichkeit von AIDS-Medikamenten zu tun". Südafrika habe bestehende Angebote verschiedener Unternehmen für stark verbilligte Medikamente abgelehnt. Die Regierung erklärt, daß auch diese Kosten zu einem Bankrott des Gesundheitswesens führten.
"Dieser Prozess ist eines der wichtigsten Ereignisse für Afrika, Asien und Lateinamerika", erklärte Zackie Achmat, der Vorsitzende der Treatment Action Campaign. http://www.hri.ca/partners/alp/tac.
Mehr als 25 Mio. der 36 Mio. HIV-Infizierten leben in Staaten südlich der Sahara. Im Vorjahr starben 2,4 Mio. Menschen in dieser Region an AIDS. Aufgrund des Medikamentenmangels endet die im Westen chronisch verlaufende Krankheit hier noch immer tödlich. http://www.msf.org Medecins Sans Frontieres
Nähere Informationen zum Prozess finden sich im Internet unter
http://www.cptech.org/ip/health/sa/pharmasuit.html
Business Day Online
http://www.bday.co.za/bday/content/direct/1,3523,803931-6078-0,00.html
Aussender: pressetext.austria Redakteur: Michaela Monschein
Liste der 39 Pharmafirmen:
Folgende Pharmafirmen klagen gegen die Republik Südafrika und blockieren so das Gesetz für billigere AIDS-Medikamente:
The Pharmaceutical Manufacturers Association of South Africa
Alcon Laboratories (S.A.) (Proprietary) Limited
Bayer (Proprietary) Limited
Bristol-Myers Squibb (Proprietary) Limited
Byk Madaus (Proprietary) Limited
Eli Lilly (South Africa) (Proprietary) Limited
Glaxo Wellcome (South Africa) (Proprietary) Limited
Hoechst Marion Roussel Limited
Ingelheim Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
Janssen-Cilag Pharmaceutica (Proprietary) Limited
Knoll Pharmaceuticals South Africa (Proprietary) Limited
Lundbeck South Africa (Proprietary) Limited
Merck (Proprietary) Limited
MSD (Proprietary) Limited
Novartis South Africa (Proprietary) Limited
Novo Nordisk (Proprietary) Limited
Pharmacia & Upjohn (Proprietary) Limited
Rhone-Poulenc Rorer South Africa (Proprietary) Limited
Roche Products (Proprietary) Limited
Schering (Proprietary) Limited
Schering-Plough (Proprietary) Limited
S.A. Scientific Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
SmithKline Beecham Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
Universal Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
Wyeth (Proprietary) Limited
Xixia Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
Zeneca South Africa (Proprietary) Limited
Bayer AG
Boehringer-Ingelheim International GmbH
Boehringer-Ingelheim KG
Bristol-Myers Squibb Company
Byk Gulden Lomberg Chemische Fabrik GmbH
Dr. Karl Thomae GmbH
Eli Lilly and Company
F. Hoffman-La Roche AG
Merck KGaA
Merck & Co., Inc.
Rhone-Poulenc Rorer S.A.
SmithKline Beecham
Ärzte ohne Grenzen startet die erste internationale Internet-Kampagne in der 30jährigen Geschichte der Organisation. Hintergrund ist der große AIDS-Prozeß in Südafrika. 39 Pharmafirmen haben die Regierung geklagt, weil sie die Preise reduzieren und den Menschen billigere AIDS-Medikamente zur Verfügung stellen wollte. Südafrika hat die höchste AIDS-Rate der Welt, doch die meisten Patienten können sich die Medikamente nicht leisten. Seit Beginn des Prozesses sind allein 400.000 Menschen in Südafrika an AIDS gestorben. Geht der Prozess für die Pharmaindustrie positiv aus, so ist dies ein großer Rückfall im weltweiten Kampf gegen AIDS und ein Präzedenzfall in der Geschichte. Der Prozess ist bis 18. April vertagt. Bis dahin hofft Ärzte ohne Grenzen auf eine möglichst große Zahl von Unterstützern.
Nelson Mandela unterzeichnete 1997 ein Gesetz, um den Zugang zu Medikamenten zu verbessern. Unmittelbar darauf leitete die pharmazeutische Industrie rechtliche Schritte ein, um dieses Gesetz zu blockieren. In den drei Jahren, in denen das Gesetz bei Gericht anhängig ist, sind schätzungsweise mehr als 400.000 Menschen in Südafrika an der Immunschwäche HIV/AIDS gestorben. Die meisten konnten sich eine angemessene medizinische Behandlung nicht leisten.
"Was in Südafrika passiert, erschüttert Menschen in der ganzen Welt. Denn es verdeutlicht, wie weit die Industrie geht, um ihre Profite und Patente zu schützen, ohne Rücksicht auf Menschenleben. Von Pretoria bis New York, von Kopenhagen bis Manila haben Demonstrationen stattgefunden, die Südafrika in seiner Forderung nach lebensrettenden Medikamenten unterstützen. Nun können sich ihnen Menschen in aller Welt anschließen, indem sie diese Petition bis zum 15. April unterzeichnen", erklärt Ellen t´Hoen, Koordinatorin der internationalen Kampagne von Ärzte ohne Grenzen.
Der internationale Druck auf die 39 Firmen, das Gerichtsverfahren einzustellen, wächst ständig. Dazu tragen auch Stellungnahmen hochrangiger Politiker bei, die Südafrika ihre Unterstützung zusagen. So verabschiedete das EU-Parlament in Straßburg am 15. März eine Dringlichkeitsentschließung, in der die 39 Pharmafirmen aufgerufen werden, die Klage einzustellen.
Die Petition von Ärzte ohne Grenzen ruft die 39 Firmen dazu auf, ihre Klage fallen zu lassen. Darüber hinaus werden die Regierungen der Industrienationen aufgefordert, Südafrika in seinem Vorhaben zu unterstützen, den Zugang zu Medikamenten zu verbessern.
http://www.aerzte-ohne-grenzen.at
Danke für Ihre Unterstützung! Durch Ihre Unterschrift konnte ein Meilenstein im Kampf gegen AIDS und andere Krankheiten erzielt werden!
Mehr als eine Viertelmillion Menschen hat weltweit die Petition für billigere Medikamente unterzeichnet - über 5000 davon auch aus Österreich.
Unterstützung aus aller Welt In Österreich konnten über das Internet in 10 Tagen mehr als 5000 Unterschriften von engagierten Mitbürgern gesammelt werden.
Prominente Unterzeichner aus aller Welt, wie Whoopi Goldberg, Carlos Santana und REM, aber auch zum Beispiel über 4.000 Bewohner eines Slums in Nairobi riefen die Firmen dazu auf, die Klage fallen zu lassen.
Ergebnis: Rückzug der Pharmafirmen.
Aufgrund der massiven Proteste haben die 39 Pharmaunternehmen die seit drei Jahren anhängige Klage gegen die südafrikanische Regierung bedingungslos zurückgezogen. Damit kann das 1997 von der südafrikanischen Regierung verabschiedete Gesetz in Kraft treten, das den Import kostengünstiger Arzneimittel und den Gebrauch von erschwinglichen Generika (Nachahmerpräparaten) erlaubt.
Le Monde
14.01.2000
In Afrika sind 22 Millionen Menschen HIV-positiv, das entspricht 65 Prozent der weltweit vom Aidsvirus Befallenen.
Südafrika, das am stärksten betroffene Land, hat dem Kampf gegen diese Seuche oberste Priorität eingeräumt.
Die Forschungslabors der Pharmafirmen leisten dabei keine Unterstützung. Ihnen sind ihre Patente wichtiger, auch wenn dies bedeutet, dass den Kranken in den ärmsten Ländern der Zugang zu Medikamenten verwehrt bleibt. Patente bedeuten private Kontrolle über den Zugang zum Wissen, und sie erstrecken sich mittlerweile auch auf die genetische Substanz von Pflanzen und Säugetieren. Wäre es nicht an der Zeit, das Genom und die Biodiversität des Planeten zum Welterbe zu erklären?
Jahr für Jahr fallen 150 000 Menschen der Schlafkrankheit zum Opfer, vor allem in Afrika. Gegen diese wieder stark in Ausbreitung begriffene, durch die Tsetsefliege übertragene Krankheit gibt es ein Medikament, das 1985 von der amerikanischen Firma Merell Dow entwickelte Eflornithin (Ornidyl). Nachdem das Produkt zuerst zu horrenden Preisen verkauft wurde und somit für die am stärksten betroffenen Bevölkerungsschichten unerschwinglich blieb, wurde die Produktion später eingestellt. Der Konzern Hoechst Marion Roussel, dem das Medikament zugefallen war, als er Merell Dow aufgekauft hatte, willigte schließlich ein, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Vermarktungsrechte zu übertragen. Doch dieser fehlt es an Geld, um das Medikament zu produzieren. Nach mehrjährigen Verhand lungen hoffen Ärzte ohne Grenzen und andere Nichtregierungsorganisationen, dass es nun Anfang dieses Jahres wenigstens in beschränktem Umfang wieder zur Verfügung gestellt werden kann. Die längerfristige Weiter führung des Produkts hängt allerdings davon ab, ob sich ein großzügiger Mäzen findet, der die Finanzierung sichert. Microsoft-Chef Bill Gates soll sich dazu bereit erklärt haben.
Bei dem Medikament gegen bakterielle Gehirnhautentzündungen, die insbesondere in den Ländern des Südens stark verbreitet sind, ist eine solch günstige Wendung nicht in Sicht. Chloramphenicol besaß aus ärztlicher Sicht den doppelten Vorzug, leicht anwendbar und billig zu sein. 1995 stellte das Unternehmen Roussel Uclaf, das 1997 mit der Hoechst-Gruppe zu Hoechst Marion Roussel fusionierte, die Produktion ein. Die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA) sorgte zunächst dafür, dass ein Labor auf Malta das Arzneimittel weiterführte, mittlerweile ist die Herstellung jedoch mangels Finanzierung nicht mehr gewährleistet.
Ebenfalls unrentabel ist das Molekül gegen Leish maniose, eine in Afrika weit verbreitete parasitäre Krankheit, die gravierende Hautläsionen verursacht und oft zum Tod führt. Dieses Medikament liegt in den Labors bereit, doch die Herstellung lässt auf sich warten, weil die Rentabilität nicht gesichert ist.
Die Liste von entdeckten, aber nicht verwerteten Substanzen und wirksamen, aber wieder aufgegebenen Medikamenten ist lang. Dr. Bernard Pecoul, Koordinator des Medikamentenprojektes von Ärzte ohne Grenzen, weist darauf hin, dass von den zwischen 1975 und 1997 auf den Markt gebrachten 1.223 Substanzen nur 13 speziell auf Tropenkrankheiten ausgerichtet waren, fünf davon entfielen zudem auf den Veterinärbereich.
Während zahlreiche schon ausgerottet geglaubte Krankheiten wie Paludismus (Malaria), Schlafkrankheit und Tuberkulose wieder verstärkt und heftiger denn je auftreten, sind die alten Medikamente oft nicht mehr wirksam, da immer mehr Bazillen mehrfachresistent sind. Neue Mittel sind dagegen oft unbezahlbar. So werden beispielsweise keinerlei ernsthafte Anstrengungen unternommen, um eine Ersatzimpfung für das altbewährte BCG (Bacille-Calmette-Guerin) zu entwickeln, obwohl sich Jahr für Jahr acht Millionen Menschen mit Tuberkulose infizieren. Rund 400.000 unter ihnen sind, laut Schätzungen von MSF, zahlungsfähige Patienten, oder sollte man besser von Kunden sprechen? Eine Zahl, die deutlich unter der Rentabilitätsschwelle für Investitionen liegt.
Weltweit stirbt unterdessen alle zehn Sekunden ein Mensch an Tuberkulose. Ein großer Markt, konkret drei Viertel der Erdbevölkerung, reicht noch nicht aus, damit ein Arzneimittel in Umlauf kommt. Es muss auch Geld einbringen. Viel Geld. Und so schnell wie möglich.
Wie Gro Harlem Brundtland, Generaldirektorin der WHO und von Beruf Ärztin, feststellt, wird "für über eine Milliarde Menschen das 21. Jahrhundert beginnen, ohne daß sie von der Revolution im Gesundheitswesen profitiert haben". Tatsächlich kommen vier Fünftel der weltweit für Gesundheit ausgegebenen Gelder nur einem Fünftel der Weltbevölkerung zugute. Während zwischen 1993 und 1999 der Verkauf von Medikamenten in Nordamerika und in geringerem Maß auch in Europa sprunghaft anstieg, ging er, mit Ausnahme von Japan, in den Ländern Afrikas und Asiens zurück.
In Bezug auf Aids ist die Situation noch deprimierender: 92 Prozent der Weltbevölkerung müssen sich mit 8 Prozent der Gesamtausgaben begnügen. "Wenn die reichen Länder nichts unternehmen, könnte dieses humanitäre Ungleichgewicht bedrohlich werden", warnt Professor Francois Bricaire, Leiter der Abteilung für Parasitologie und Tropenkrankheiten am Pariser Krankenhaus Pitie-Salpetriere. "Die Menschen wissen, daß es Medikamente zur Heilung oder Linderung ihrer Krankheit gibt, die sie sich aber nicht leisten können". So bleibt beispielsweise den Aids-Kranken in den Ländern des Südens der Zugang zur Tritherapie praktisch verschlossen, während sich im Westen dank dieser Kombination aus drei antiretroviralen Medikamententypen die Zahl der Todesfälle um 60 Prozent senken ließ. "In unserer Abteilung tauchen Patienten aus Afrika auf, die sich jeden Pfennig zusammengespart haben, um zur Behandlung hierher zu kommen", führt Bricaire weiter aus. "Wir helfen ihnen wieder auf die Beine, wissen aber gleichzeitig, daß die meisten nicht genügend Geld besitzen, um nach der Rückkehr in ihr Land die Behandlung fortzusetzen. Ganz zu schweigen von den illegal Einreisenden. Wer brächte es fertig, sie einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Wir versuchen also unser Bestes. Doch solche punktuellen Maßnahmen bleiben zwangsläufig unbefriedigend." Nach Angaben der Weltbank wird "die Zahl der Menschen, die in Afrika an Aids sterben, bald die Zwanzig-Millionen Grenze überschreiten. Sie liegt damit höher als die Zahl der Opfer der Pestepidemien, die zwischen 1347 und 1351 in Europa wüteten." Mit dem kleinen Unterschied, dass man damals der Tragödie hilflos ausgeliefert war.
Heute wäre die Wissenschaft in der Lage, die Epidemie unter Kontrolle zu bringen. Oft wird versucht, diese Tatsache mit dem Hinweis zu verschleiern, es gebe nicht genügend zuverlässige Gesundheitseinrichtungen in den betroffenen Ländern. Gewisse Langzeittherapien wie die Tritherapie gegen Aids seien dadurch nicht durch führbar oder riskant, wird behauptet. Diese Probleme sind nicht zu bestreiten. Infolge von Kriegen und der Vertreibung der Bevölkerung ist in gewissen Ländern das Gesundheitssystem zusammengebrochen. In anderen Ländern hat dagegen die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank empfohlene Politik, mit ihren Auflagen zur drastischen Verringerung der öffentlichen Ausgaben, praktisch zum gleichen Ergebnis geführt. Welch bittere Ironie, dass diejenigen, die zur Zerschlagung der Pflegeeinrichtungen beigetragen haben, nun Dringlichkeitsprogramme mit dem Argument ablehnen, diese Systeme wiesen Mängel auf. Zum einen ließen sich solche Gesundheitsnetze wieder aufbauen. Zum anderen gibt es schon heute geeignete Einrichtungen und qualifiziertes Personal (Einheimische wie Missions-Ärzte und -Pfleger), um sowohl die klassischen Infektionskrankheiten zu behandeln als auch langfristige Aids-Therapien in die Wege leiten zu können, voraus gesetzt, dass erstklassige Medikamente zu erschwinglichen Preisen erhältlich sind.
Die Pharmaindustrie scheint kaum bereit, neue Wege zu beschreiten. Bernard Lemoine, Generaldirektor des französischen Dachverbandes der Pharmazeutischen Industrie (SNIP), hält mit seinem Ärger über die Kampagne verschiedener Vereinigungen kaum zurück. Er verweist auf das Entgegenkommen der Labors, die vorübergehend Preisnachlässe gewähren, nicht verwendete Substanzen spenden und Stiftungen unterstützen, um dann gnadenlos zu dem Schluss zu kommen: "Ich sehe nicht ein, warum man von der Pharmaindustrie besondere Anstrengungen verlangt. Niemand verlangt von Renault, Autos an Menschen zu verschenken, die bisher kein Fahrzeug besitzen."
Doch bei Medikamenten handelt es sich eben nicht um beliebige Waren. Die Pharmaunternehmen bestimmen nicht nur den Preis der Arzneimittel und wählen ihre Märkte einzig nach den zu erwartenden Kursgewinnen an der Börse aus, sondern bekämpfen auch jede Initiative, die von anderen ausgeht. In Thailand gab es bis Mitte 1998 nur ein einziges Medikament zur Bekämpfung der oft in Zusammenhang mit Aids auftretenden tödlichen Kryptokokkenmeningitis: das vom amerikanischen Labor Pfizer vor Ort unter dem Markennamen Triflucan hergestellte Fluconazol. Dieses wirksame Mittel kostete pro Packung mit 50 Tabletten 12.000 Baht (rund 500 Mark), ein für die meisten Kranken unerschwinglicher Preis. Zu Beginn einer Behandlung entstehen Kosten von 15.000 Baht pro Monat, das entspricht dem Eineinhalbfachen des Gehalts einer Führungskraft. Schließlich gelang es zwei thailändischen Unternehmen, ein gleichwertiges Produkt zum Preis von 4.000 bis 4.500 Baht pro Packung auf den Markt zu bringen. Das Medikament wurde also wesentlich billiger, auch wenn es für die Mehrheit der Betroffenen immer noch unbezahlbar war. Sechs Monate später wurde der Verkauf eingestellt. Auf Drängen von Pfizer hatte die US-Regierung den thailändischen Behörden gedroht, wichtige Exportgüter wie Holz, Juwelen und Mikroprozessoren mit Strafzöllen zu belegen, sollte auf die Herstellung von Fluconazol nicht verzichtet werden.
Südafrika wäre es beinahe genauso ergangen. 1997 verabschiedete die Regierung Gesundheitsgesetze, die es den örtlichen Labors gestatten, unter Umgehung der Großkonzerne, denen die Patente gehören, Aids-Therapeutika herzustellen oder zu importieren. Daraufhin reichten die großen amerikanischen Pharmaunternehmen, die zum Teil Tochterfirmen am Kap haben, Klage ein und drängten ihre Regierung, ähnliche Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen wie gegenüber Thailand. Der amerikanische Vize präsident Al Gore, der die Kommission für bilaterale Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Süd afrika leitet, nahm sich der Sache höchstpersönlich an. Bei dieser Kraftprobe setzten Vereinigungen zur Bekämpfung von Aids (Act-Up New York, AIDS) und das Consumer Project on Technology von James Love und Ralph Nader die amerikanische Führung von Anfang an unter Druck. Al Gore konnte keinen öffentlichen Auftritt im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen bestreiten, ohne auf das Thema angesprochen zu werden. Diese Kampagne, verbunden mit der Hartnäckigkeit der südafrikanischen Regierung, bewog im September 1999 die Regierung Clinton/Gore, von jeder weiteren Klage oder Vergeltungsmaßnahme abzusehen. In der Folge zogen auch die Labors ihre Klagen zurück.
Südafrika wird zweifellos noch einige Zeit brauchen, bevor es sein erstes Generikum wird erzeugen können, dennoch ist ein erster Sieg errungen. Die Tragweite dieses Erfolges lässt sich besser ermessen, wenn man sich die Änderungen der Spielregeln des Welthandels vor Augen führt, die seit Gründung der Welthandelsorganisation (WTO) beschlossen wurden. Bis1994 konnte de facto jede Nation selbst ihre Gesundheitspolitik bestimmen und Generika herstellen, ohne abwarten zu müssen, bis die Patente allgemein zugänglich würden. Auf dieser Grundlage konnten beispielsweise Indien, Ägypten und Argentinien ihre Importe substituieren und eine lokale Pharmaindustrie aufbauen. Seit 1994 sind die Mitgliedstaaten der WTO verpflichtet, sich dem "Abkommen über die handelsbezogenen Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum" (Trips) zu unterwerfen. Damit ist es grundsätzlich nicht mehr möglich, Medikamente ohne Einwilligung eines Erfinders, der ein zwanzigjähriges Nutzungsrecht Über sein Patent hat, und ohne Bezahlung entsprechender Abgaben zu produzieren oder in einem anderen Land zu kaufen. Unter dem Druck von Ländern wie Spanien und Kanada wurden im Rahmen des Trips jedoch Ausnahmeklauseln festgelegt. Jede Regierung ist berechtigt, sich im Falle eines Gesundheitsnotstands oder der Beeinträchtigung des freien Wettbewerbs, wenn der Erfinder den Verkauf der Lizenz ablehnt oder einen überhöhten Preis verlangt mit Zwangslizenzen (compulsory licences) oder Parallelimporten zu behelfen. Erstere erlauben die Herstellung eines Produktes ohne Einwilligung des Erfinders, Zweitere die Einfuhr eines Medikaments aus einem anderen Land, in dem es billiger verkauft wird. Südafrika, wo nach Schätzungen der WHO jeder sechste Erwachsene HIV-positiv ist, befindet sich ganz offensichtlich in einem Gesundheitsnotstand. Das war den großen Pharmakonzernen durchaus bewusst. Doch die südafrikanischen Gesetze würden, wie Jeffrey Trewhitt, Sprecher des amerikanischen Pharmaindustrieverbandes (PhRMA), unverblümt feststellt, "einen wirklich schlimmen Präzedenzfall schaffen, der weltweit den legitimen Schutz von Patenten untergraben könnte. Der Schaden, der durch die jüngste Entwicklung angerichtet werden kann, wird vermutlich auch auf viele andere Entwicklungsländer übergreifen."
Im Übrigen lastet auf allen Entwicklungsländern ein ungeheurer Druck. Indien müsste im Rahmen der WTO auf Preiskontrollen und die Herstellung von Generika verzichten, obwohl sich nur ein Drittel der Bevölkerung Medikamente überhaupt leisten kann. Die Folgen sind klar: Kleinbetriebe werden schließen müssen, und der Anteil der behandelten Personen wird noch weiter zurückgehen. "Die eingeleiteten Reformen und die laufende Liberalisierung eröffnen den pharmazeutischen Labors neue Perspektiven", schreibt dazu aus Sicht der Unternehmer die französische Zeitschrift Pharmaceutiques. Zweifellos ist es noch zu früh, genaue Schlussfolgerungen aus dem Abkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum zu ziehen. Wohl bekannt ist dagegen, wie sehr den lateinamerikanischen Ländern die seit 1988 durchgesetzten Deregulierungsmaßnahmen geschadet haben. Innerhalb von vier Jahren sind laut WHO in Mexiko die Arzneimittelpreise um 44, in Brasilien um 24 und in Argentinien um 16,6 Prozent gestiegen. Dennoch hoffen die Lobbys der pharmazeutischen Industrie, mit Hilfe der WHO jegliche Ausnahmebestimmung im Patentrecht abzuschaffen und gleichzeitig einen ver besserten, sprich kostenlosen und uneingeschränkten Zugriff auf Pflanzen durchzusetzen. Denn dem Wissen über deren genetische Zusammensetzung kommt in der Entwicklung zukünftiger Arzneimittel entscheidende Bedeutung zu.
Es geht der Pharmaindustrie mit anderen Worten darum, frei über die Rohstoffe verfügen, gleichzeitig aber immer undurchlässigere Schranken um die aus diesen Pflanzen gewonnenen Erkenntnisse aufrichten und den Ursprungsländern dieses Wissen vorenthalten zu können. Überdies wird der durch Patente geschützte Bereich immer weiter ausgedehnt, was ein beträchtliches Hindernis für die Gestaltungsfreiheit bedeutet, wie Professor Axel Kahn, ehemaliger Vorsitzender der französischen Ethikkommission, erklärt. "Bis vor einigen Jahren gab es eine klare Unterscheidung zwischen Entdeckungen, die als Allgemeingut gelten, und Erfindungen, die patentiert werden können. Zu letzteren zählen Produkte und Verfahren". Durch die Vorverlagerung des Schutzes wird der Bereich des Allgemeinwissens eingeschränkt. Gegenwärtig findet sich in privaten Datenbanken mit begrenztem, kostenpflichtigem Zugang fünf bis zehn Mal mehr Wissen über Genome als in frei zugänglichen, staatlichen Labors. Folge: "Die Anwendung der Patente oder der exorbitante Preis für Lizenzen begrenzt den Zugang zur medizinischen Versorgung, vermindert deren Qualität und verteuert sie unverhältnismäßig", schreibt eine Gruppe amerikanischer Ärzte und Forscher in einem offenen Brief. Der Trend geht in Richtung Monopolisierung des Lebendigen, während gleichzeitig eine Handvoll Unternehmen die genetische Vielfalt unter ihre Verfügung bringen. Die Gefahr ist groß, daß sich die reichen Länder offiziell zu einer Art "G 8" der Arzneimittel oder, anders gesagt, zu einer technologischen und finanziellen Führungsmacht aufschwingen, die von der Forschung bis zur Lancierung oder Nichtlancierung eines Produktes alles entscheidet. Damit würde sich das Ungleichgewicht noch deutlicher zugunsten der Industriestaaten verschieben, die über die Kaufkraft verfügen, sich neueste, äußerst kostspielige und durch die geistigen Eigentumsrechte geschützte Therapien zu leisten. Die anderen Länder kämen erst nach Ablauf der Nutzungsrechte eines Patents in deren Genuss, zwanzig Jahre und mehrere hunderttausend Tote später.
Gegen diese Gefahr mobilisieren Nichtregierungsorganisationen, Betroffeneninitiativen, Ärzte und Forscher. Ihre Strategien unterscheiden sich, aber alle sind sich einig, dass zumindest die Ausnahmen, die im Abkommen über die handelsbezogenen Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum gegenwärtig vorgesehen sind, in den Verhandlungen der Millenniumsrunde beibehalten werden müssen. Diese Mindestgrundlage könnte den zeitlichen Spielraum schaffen, um nach dem Vorbild der Ausnahmeregelungen im kulturellen Bereich auch eine gesundheitspolitische Ausnahme durchzusetzen, wie es Ärzte ohne Grenzen vorschlägt. Das Patentrecht darf nicht über die menschlichen Grundbedürfnisse gestellt werden. Es wäre nicht abwegig, das menschliche Genom und die Biodiversität zum Bestandteil des gemein samen Erbes der Menschheit zu erklären. Wenn Kulturdenkmäler wie der Tempel von Angkor oder das Stadt zentrum von Venedig zum Welterbe gehören, warum dann nicht auch die menschlichen Gene? Desgleichen muss der Plünderung der Dritten Welt Einhalt geboten werden.
Es wäre geboten, eine Gebühr auf die Nutzung von Pflanzen aus diesen Regionen zu erheben und allen Ländern den Zugang zu Therapien zu gewährleisten, die auf Grundlage dieser Pflanzen entwickelt werden. Aber wie können unterdessen die Epidemien bekämpft werden, die ganze Völker in den armen Ländern heimsuchen? Um die Arzneimittel erschwinglich zu machen, könnte ein rascher Preisnachlass erwirkt werden, ohne dass damit die wirtschaftliche Gesundheit der Pharmakonzerne gefährdet würde. Für Werbung und Absatzförderung geben beispielsweise in Frankreich ansässige Unternehmen 11,3 Prozent des Umsatzes aus, fast ebensoviel wie für Forschung (14 Prozent). Zudem "gibt es im Pharmasektor ernste Probleme, weil im Gegensatz zum übrigen Gesundheitswesen dort keine Konkurrenz herrscht", wie German Velasquez, Sarah Benett und Jonathan Quick feststellen, die im Auftrag der WHO eine ausführliche Studie über Gesundheitssysteme erstellt haben. Man sieht es an den Preisen, zwei Drittel des Weltmarktes befinden sich in der Hand von rund zwanzig Großkonzernen. Der Konzentrationsprozess beschleunigt sich, jüngste Beispiele sind die Fusion zwischen Hoechst Marion Roussel und Rhone-Poulenc oder die gegenwärtige Annäherung zwischen der schweizerischen Novartis und dem amerikanischen Riesen Monsanto. Von den fünfundzwanzig weltweit meistverkauften Medikamenten stammen zwanzig aus den Vereinigten Staaten. Es gibt fast so etwas wie einen globalen Einheitspreis, der sich an den in den USA gängigen Preisen orientiert, die zu den weltweit höchsten zählen. Darum schlagen Dr. Pecoul und andere vor, eine Steuer auf Gewinne von Pharmaunternehmen zu erheben und die Gelder einem Fonds zur Erforschung von Tropenkrank heiten und zur Herstellung dringend benötigter Arzneimittel zukommen zu lassen. Daß die Verantwortung für diese Situation ganz überwiegend bei den Pharmakonzernen liegt, soll keine Entschuldigung für die internationalen Organisationen und Regierungen sein.
Zwar hat Frankreich in einem Anfall von Aktivismus am UN-Programm über HIV und Aids (UNAIDS) teilgenommen und war tonangebend bei der Gründung des Internationalen Fonds zur Unterstützung von Therapien (FSTI), in den die armen Länder große Hoffnungen gesetzt haben. Diese Programme sind jedoch an einem toten Punkt angelangt. Die Franzosen haben das Handtuch geworfen, die Europäer sind untätig geblieben, und die USA verweigern den meisten großen gemeinsamen Aktionen ihre Mitarbeit.
Seitens der Weltgesundheitsorganisation hat man sich endlich dazu durchgerungen, jene Länder zu unterstützen, die auf Zwangslizenzen zurückgreifen. Dennoch bleibt die WHO weit hinter den Erfordernissen zurück, funktioniert nach wie vor undurchsichtig und hängt überholten Vorstellungen von den eigenen Aufgaben nach. Das beeinträchtigt ihre Fähigkeit, innovativ vorzugehen und neue Ziele in der welt weiten Gesundheitspolitik festzulegen. Natürlich spielt auch der Mangel an Finanzmitteln eine entscheidende Rolle. Dennoch wären beispielsweise Dringlichkeitskampagnen vorstellbar, in deren Rahmen Ärzten und dem Pflegepersonal armer Länder Medikamente zum Selbstkostenpreis und sogar darunter zur Verfügung gestellt würden. Der Differenzbetrag könnte durch die Pharmaunternehmen, die Regierungen der betroffenen Länder und die Industriestaaten übernommen werden. Ein ähnliches Modell wurde in den fünfziger und sechziger Jahren praktiziert, um gegen die, seit 1977 weltweit ausgerotteten, Pocken vorzugehen.
Nach Ansicht des Ökonomen und Nobelpreisträgers Amartya Sen liegt "das wahre Übel nicht in der zögernden Finanzierung, sondern in der Verwendung staatlicher Gelder zu Zwecken, deren gesellschaftlicher Nutzen keineswegs erwiesen ist, wie etwa die enormen Militärausgaben in zahlreichen armen Ländern. Bezeichnend für die verrückte Welt, in der wir leben, ist die Tatsache, dass ein Arzt, ein Lehrer oder eine Krankenschwester eher Opfer der Sparpolitik werden als ein General oder ein Luftwaffenkommandant." Und er fügt hinzu: "Untätigkeit und Apathie könnten sich in Form von Krankheit und Tod rächen."
Von MARTINE BULARD (dt. Birgit Althaler)
Die Welt
12.05.1999
Kapstadt - Mit dem Wort Kondom tut sich Nelson Mandela sehr schwer; dem bald 81 Jahre alten Staatsober haupt behagt das Thema Aids einfach nicht. Tagelang war eine Rede Mandelas angekündigt worden. "Geben Sie dem Präsidenten zehn Minuten, und geben Sie unserem Land eine Zukunft", lautete die Aufforderung an die Bevölkerung Südafrikas.
Am Kap herrscht wenig gute Hoffnung: Nirgendwo sonst breitet sich die Seuche schneller aus als im südlichen Afrika. Mehr als drei Millionen der 38 Millionen Südafrikaner sind bereits HIV- positiv und täglich kommen mindestens 1500 Neuinfektionen hinzu. Aber nicht Mandela, sondern sein Stell vertreter Thabo Mbeki erschien vor den Mikrofonen.
Umgeben von Aids-Vollwaisen warnte Mbeki, es bestünde die Gefahr, "daß die Hälfte unserer Jugendlichen nicht das Erwachsenenalter erreichen werden". An junge Menschen appellierte Mbeki: "Seid so lange wie möglich enthaltsam. Aber wenn Ihr euch für Sex entscheidet, dann benutzt ein Kondom." Verheiratete Menschen ermahnte er: "Seien sie Ihren Ehepartnern treu. Aber wenn Sie untreu sind, dann benutzen Sie ein Kondom."
Damit hatte Mbeki die Probleme bei der Aids-Bekämpfung direkt angesprochen. Jugendliche in Südafrika nehmen Aids-Warnungen nicht ernst. Jungen, die Kondome benutzen, werden verspottet. So einer esse wohl auch ein Bonbon im Einwickelpapier. Die meisten Jugendlichen haben noch nicht begriffen, daß ungeschützter Sex zunehmend einer Verkürzung der Lebenserwartung um bis zu 30 Jahre gleichkommt. Viele Männer machen nach wie vor von ihrem traditionellen Recht der Polygamie Gebrauch.
Albert, ein Gärtner in Kapstadt, erzählt stolz: "Mit meiner Frau habe ich sechs Kinder, drei Jungs und drei Mädchen. Mit einer anderen Frau habe ich zwei Töchter, und mit noch einer anderen drei Söhne. Das ist wie bei einem Auto. Man muß einen, besser zwei Ersatzreifen dabei haben."
So denken Millionen. Seit mehr als zehn Jahren wissen die Verantwortlichen in Südafrika, daß sich eine Katastrophe anbahnt. Die weiße Regierung tat so gut wie nichts, um die Bevölkerung zu warnen. Zwei weiße Flugstewards hatten das Virus im Dezember 1982 von New York nach Johannesburg gebracht. Unter den fünf Millionen Weißen des Landes sind bis heute fast nur Homosexuelle infiziert.
Inzwischen ist Aids in Südafrika eine Seuche der schwarze Männer, Frauen und Kinder. In manchen Krankenhäusern im dichtbevökerten Zululand sind 80 Prozent der Patienten mit Aids infiziert. Maßnahmen zur Aids-Aufklärung erreichen die betroffenen Menschen kaum. Sie lesen keine Zeitung. Vereinzelte Plakatkampagnen zeigen kaum Wirkung. Auch die schwarze Regierung hat sich bislang schwer getan, die Aids-Bedrohung effektiv zu bekämpfen.
Die eingeleitete Aids-Kampagne war eine Serie von Pleiten. Rund sieben Millionen Mark wurden investiert, um mit einem Theaterstück durchs Land zu tingeln und die Menschen unterhaltsam und subtil auf die Aids-Gefahren aufmerksam zu machen. Das Stück wurde schnell abgesetzt. Gerade junge Zuschauer lachten, wenn von Kondomen die Rede war.
Dann pries die Gesundheitsministerin die "Wunderdroge" Virodene P058 an, die drei Forscher der Universität von Pretoria entwickelt haben wollten. Das Medikament war nur an zwölf Patienten getestet worden und stieß international sofort auf Ablehnung. Aber das erprobte Mittel AZT lehnt die Ministerin beharrlich ab, sogar für schwangere, infizierte Mütter, weil es zu teuer sei. Statt dessen soll Aids nun meldepflichtig werden.
Linda Becker vom Aids Zentrum im Kapstädter Groote-Schuur-Krankenhaus erklärt, bislang seien drei Millionen Menschen mit Aids infiziert. Die Situation werde sich dann dramatisch zuspitzen, wenn die Krankheit bei allen ausbreche. Wenn nicht bald ein bezahlbares Heilmittel entdeckt werde, würden Millionen Menschen sterben. So folgen vor allem ältere infizierte Männer dem Aberglauben, die Lebenskraft einer blutjungen Jungfrau könne das Virus vernichten. So kommt es häufig zu Vergewaltigungen. Daß hinterher auch das Mädchen angesteckt ist und manch mal auch ihr ungeborenes Kind, stört die Alten offensichtlich nicht.
In Südafrikas Nachbarland Simbabwe ist mindestens jeder vierte Bürger HIV-positiv; ähnlich ist es in Malawi, Swaziland und Botswana. Pro Woche, gab der simbabwische Präsident Robert Mugabe bekannt, sterben 1200 Menschen an den Folgen von Aids. Seine Regierung hat daher bereits im Februar beschlossen, das Rentenalter auf 40 Jahre abzusenken, weil das in zwischen die Lebenserwartung in Simbabwe sei.
Von Thomas Knemeyer
News Reise
Die Gefahr sich in Südafrika mit Malaria zu infizieren nimmt immer mehr zu. Am größten ist die Gefahr einer Infektion im Nordosten und Osten des Landes. Den Grund für den Anstieg sieht das südafrikanischen Gesundheitsministerium im "zunehmende und über das ganze Land ausgedehnte Tourismusboom".
Besucher, die aus malariagefährdeten Gebieten wie Ostafrika, Sambia, Botswana und Simbabwe zur Fortsetzung ihrer Safari nach Südafrika kämen, schleppten als Zwischenwirte die Malaria ein.
Bis dahin malariafreie Anophelesmücken steckten nach einem Stich an infizierten Touristen automatisch ihr nächstes Opfer an. So käme es zu Malariainfektionen auch dort, wo die Krankheit bisher unbekannt war. Die Reiseexperten empfehlen allen Besuchern, zur Vorsorge vor der Abreise eine Tropenklinik oder ein Gesundheitsamt aufzusuchen.
News Reise
Experten warnen vor der Gefahr sich in Ostasien und Afrika mit Tollwut zu infizieren. Allein in Indien sterben 25.000 Menschen pro Jahr an Tollwut. Aber auch in anderen Staaten Ostasiens und Afrikas ist das Risiko einer Tollwut-Erkrankung sehr hoch. Gefahr besteht insbesondere für Individual-Touristen, die in diese Länder reisen.
"Reisende sollten beachten, daß im Gegensatz zur europäischen Wildtollwut der Krankheitserreger in tropischen Gebieten vor allem von Hunden übertragen wird. Auch der Biss eines Affen kann ansteckend sein", so Thomas Löscher, Leiter der tropenmedizinischen Abteilung an der Universitätsklinik von München. Der Rat des Tropenmediziners lautet daher, Tierkontakte unbedingt zu vermeiden.
Reisende, die sich ohne vorbeugende Schutzimpfung in Tollwutgebieten aufhalten, sollten sich nach einem Tierbiss möglichst schnell in einem Krankenhaus nachträglich impfen lassen. Die Inkubationszeit der Erkrankung beträgt im Normalfall mehrere Wochen, in Einzelfällen kann sie auch über ein Jahr dauern. "Im ersten Krankheitsstadium kommt es zu Fieber und anderen Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen. Die Schmerzempfindlichkeit an der Bissstelle ist gesteigert", so Löscher.
Erst im zweiten Stadium treten die typischen Krannkheitsbilder der "rasenden Wut", Unruhezustände, Krämpfe und wechselnde Gemütszustände auf. Im dritten Stadium kommt es zu Lähmungen der Hirnnerven sowie der Muskulatur, die dann ausnahmslos zum Koma und schließlich zum Tode führen. In der Zwischenzeit gebe es jedoch auch Risiken einer Tollwutinfektion in den USA und Australien. Ein abgewandeltes Tollwutvirus wird dort von Fledermäusen übertragen.
Die Zeit
06.12.2001
Da wurde jüngst also wieder der Welt-Aids-Tag gefeiert. Gefeiert? Durchaus, nach jahrelangen erfolglosen Kampagnen war diesmal Optimismus zu spüren. Nicht daß die Seuche besiegt wäre. Im Gegenteil, mehr Menschen denn je tragen das Virus in sich. Doch offensichtlich ist das Bewusstsein für das Ausmaß der Katastrophe gewachsen. Nie wurden im Kampf gegen Aids so viele Schlachten geschlagen wie in den vergangenen Monaten. Nach der Kapitulation der Pharmakonzerne beim Patente-Prozess in Südafrika und der Gründung des Welt-Aids-Fonds im Sommer betrachten die Aktivisten vor allem den jüngsten WTO-Gipfel in Qatar als Durchbruch.
Bei dem Treffen der Welthandelsorganisation Mitte November konnten die ärmeren Ländern sich erstmals seit langem durchsetzen. Sie haben zehn Jahre mehr Zeit bekommen, um das so genannte Trips-Abkommen (Trade-related Aspects of Intellectual Property) umzusetzen, das den Umgang mit geistigem Eigentum regelt. Das heißt, sie dürfen Arzneipatente nun noch bis zum Jahr 2016 ignorieren, wenn sie die nationale Gesundheit bedroht sehen. Sie müssen dann nicht die teuren Medikamente des Nordens kaufen, sondern können auf kostengünstige Imitate ausweichen.
Lange haben die Delegierten in Qatar gestritten, ob "Probleme" als Auslöser genügen oder ob erst eine "Krise", also eine Epidemie, diagnostiziert werden muss. Die Unterhändler entschieden sich für die weichere Formulierung. Ohne die Antrax-Anschläge in den USA lässt sich das nicht erklären. Während die Amerikaner sich in Südafrika noch zum Fürsprecher geistigen Eigentums machten, dachten sie nach den ersten Milzbrandopfern selbst darüber nach, ein Arzneipatent auszuhebeln.
Unklar ist allerdings, wie in einigen Monaten das Urteil über das Vertragswerk ausfallen wird. Die Vereinbarung bedarf jetzt erst einmal der Auslegung. Weit gereiste Unterhändler ringen um Kommuniqués, die es nur in Kurzform in die Nachrichten schaffen. Später erst kann ein Heer von Experten und Juristen die Details herausarbeiten. Doch dann sind die Eilmeldungen geschrieben, und die Fernsehteams haben ihre Kameras längst eingepackt. Im Fall von Qatar beginnt gerade die Exegese.
Die Pharmamanager sind erleichtert. In ihren Albträumen sahen sie das Trips-Abkommen schon wanken. Nur ein Schutz der Patente, so argumentieren die Konzerne, garantiere den Gewinn, um künftige Forschung zu finanzieren. Ohne Patente sei daher auch Forschung nicht zu haben. Das Abkommen, das 1994 nach umständlichen Verhandlungen entstand, sichert den Unternehmen erstmals ein grenzüberschreitendes Recht am geistigen Eigentum. Für die Konzerne hätte es also schlimmer kommen können.
Die Hilfsorganisationen triumphieren, allen voran Oxfam und Ärzte ohne Grenzen. Selten ist es ihnen gelungen, für ein Anliegen so viel Aufmerksamkeit zu gewinnen, gar die Berichterstattung einer WTO-Tagung zu dominieren. Doch in den Triumph mischen sich bei den Aktivisten leise Zweifel. Keiner weiß besser als sie, daß die entscheidende Arbeit noch bevorsteht, daß vertagt wurde: die Einfuhr der so genannten Generika. Erst bis spätestens Ende 2002 soll entschieden werden, ob im Notfall neben der Herstellung auch der Import solcher Nachahmerarzneien statthaft ist.
Was klingt wie der frohen Botschaft lästige Fußnote, ist in Wirklichkeit ihre große Fußangel. So hilfreich die zehnjährige Gnadenfrist beim Patentrecht für Indien, Brasilien und andere Länder mit eigenen Generika-Unternehmen ist, den Ärmsten der Armen nützt sie nichts. Afrika besitzt keine heimische Pharmaindustrie, der Kontinent kann also selbst gar keine Billigkopien herstellen. Was immer man von dem ganzen Patentstreit halten mag, wenn die Importe nicht erlaubt werden, war die Debatte für den Schwarzen Kontinent vergebens.
Ob es Nachlässigkeit war, daß dieses wichtige Detail ungeklärt blieb? Unkenntnis? Böse Absicht? Vermutlich haben alle drei Faktoren zusammengewirkt. Das Hauptproblem blieb jedenfalls ungeklärt.
Generell werden bei Handelsrunden Fragen des geistigen Eigentums in ihrer Bedeutung unterschätzt, obwohl das Thema nicht nur für die Arzneifirmen, sondern auch für die Software-Industrie und andere Zukunftsbranchen von größter Bedeutung ist. Bei internationalen Verhandlungen stehen traditionelle Branchen wie Textil, Stahl und vor allem Landwirtschaft im Vordergrund. Kritiker meinen, beim diesjährigen WTO-Gipfel sei dies nicht anders gewesen, auch wenn es die Öffentlichkeit nicht wahrgenommen hat. War Qatar also ein besonders gelungenes Täuschungsmanöver?
Tatsächlich sind die Bauern wieder einmal überraschend gut davongekommen, die auf der Nordhalbkugel, versteht sich. Seit Jahren werden die Landwirte in Amerika, Europa und Japan mit enormen Subventionen verwöhnt. So schlagen die reichen Industrienationen die armen Agrarstaaten auf ihrem ureigenen Feld. Seit Jahren ist klar, daß damit Schluss sein muss, wenn die Entwicklungsländer eine Chance haben sollen. Auch diesmal stand das Thema ganz oben auf der WTO-Agenda. Und wieder ist nichts geschehen. Die Meute stürzte sich auf die Pharmapatente.
Die Menschen auf der Südhalbkugel trifft das doppelt. Statt mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen, sind sie weiter auf Almosen angewiesen, zum Beispiel in der Gesundheitsversorgung. Dort fehlt es nicht nur an teuren Aids-Arzneien, sondern schon an banalen Dingen. Der halbe Sieg auf dem Feld der Pharmapatente wird kurzfristig wenig nutzen und langfristig sogar eher schaden, bei der Bekämpfung der Tropenleiden zum Beispiel. Schon bisher investierte die Industrie lieber in Wohlstandsleiden statt in Armeleutekrankheiten. Der Anreiz dazu ist jetzt noch gewachsen.
Man dürfte es den Pharmaunternehmen noch nicht einmal vorwerfen. Genauso gut könnte man Wasserkonzerne wie E.on oder Vivendi für fehlende Brunnen in der Sahara zur Verantwortung ziehen. Wer Gutes für Afrika will, muss die Wohltäter bezahlen, ob es sich nun um Ingenieure oder Forscher handelt. Dann fließt auch in der Wüste Wasser.
Dieser Erkenntnis folgend, wurde im Sommer der Welt-Fonds gegründet, mit dessen Hilfe Aids, Tuberkulose und Malaria bekämpft werden sollen. Noch ist wenig davon zu sehen, obwohl genug Geld vorhanden ist. Neben den führenden Industrienationen beteiligen sich auch viele andere, ärmere Länder. Selbst Softwarekönig Bill Gates, dessen Vermögen größer ist als der Staatshaushalt vieler Entwicklungsländer, spendete reichlich. So kamen immerhin rund eineinhalb Milliarden Dollar zusammen. Trotzdem warten die Kranken am Kap weiter auf Hilfe. Bei der Stiftung wurde lange heftig gestritten, ums Programm und darum, ob der Fonds in Brüssel oder Genf residieren soll.
Von Jutta Hoffritz
focus
08.12.2001
Immer mehr Menschen sterben in den afrikanischen Staaten Gabun und Kongo an einer mysteriösen Viruserkrankung, vermutlich Ebola. Mindestens 38 erlagen bis zum Samstag dem hämorrhagischen Fieber. Mindestens 55 weitere Menschen sind infiziert.
Ein Epidemiologenteam der WHO besuchte am Samstag die kongolesische Ortschaft Ilebo. Von dort müssten die Mediziner noch einen rund 80 Kilometer langen Weg zu Fuß und per Boot zurücklegen, um die betroffenen Dörfer zu erreichen, hieß es. Dort war vor zwei Wochen der erste Krankheitsfall bekannt geworden. In derselben Provinz waren 1995 bei einem Ebola-Ausbruch in der Stadt Kikwit 265 Menschen gestorben.
Auch im westafrikanischen Gabun, wo in den letzten Tagen mindestens zehn Menschen dem bislang ungeklärten Virus erlagen, versuchten Experten die Krankheit zu klären. Die Mediziner entnahmen bereits mehrere Blutproben von Infizierten, wie ein Sprecher des WHO-Untersuchungsteams dort erklärte. Mit den Ergebnissen wird in den nächsten Tagen gerechnet. In der betroffenen Region um die Ortschaft Mekambo im Nordosten des Landes waren bei einem Ebola-Ausbruch vor fünf Jahren 66 Menschen ums Leben gekommen.
Der hochinfektiöse Virus war erstmals 1976 nahe des Ebola-Flusses in Kongo aufgetaucht. Die Krankheit, für die es trotz intensiver Forschung bislang keine Heilmittel gibt, führt in 50 bis 80 Prozent der Fälle zum Tod. Zu den Symptomen des Ebola-Fiebers gehören neben hoher Temperatur auch Magen-Darm-Leiden, Geschwüre an Gaumen und Zahnfleisch, Hautausschlag, Bewusstseinstrübungen, Zittern und starke innere Blutungen.
Im vergangenen Jahr starben bei einer Ebola-Epidemie in Uganda mindestens 170 Menschen.
Verbreitung
Infektionen von Menschen traten in der Republik Kongo (ehemals Zaire), im Sudan, in Gabun und an der Elfenbeinküste auf.
Infektionsweg
Übertragen wird die Infektion hauptsächlich durch direkten, engen Kontakt von Mensch zu Mensch, wahrscheinlich über bluthaltige Körpersekrete.
Inkubationszeit
Sechs bis zwölf Tage, manchmal bis zu 21 Tagen; bei Infektionen, die durch unsaubere medizinische Geräte übertragen werden, ein bis zwei Tage kürzer.
Symptome
Die Erkrankung beginnt mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung, Halsentzündung, manchmal kommt auch ein nicht juckender Ausschlag hinzu. Ab fünften bis siebten Krankheitstag treten bei den meisten Erkrankten Schleimhautblutungen (wie zum Beispiel Blutungen aus Darm und Genitalbereich) auf, dazu reduziert sich oft die Harnmenge bis hin zum Harnversagen. Hirnhautentzündung kann hinzukommen. 50 bis 80 Prozent der Erkrankten sterben.
Prophylaxe
Vermeiden von engem Kontakt mit erkrankten Personen, strikte Isolierung der Patienten.
Quelle: Robert Koch-Institut
Süddeutsche Zeitung
15.01.2002
Würmer hatten sich in die Lebern unzähliger Ägypter gebohrt und sie mit Bilharziose infiziert. Anfang der 60er Jahre sollte eine landesweite Therapiekampagne endlich Heilung bringen: Im Zeitraum 1964 bis 1969 erhielten über 300.000 Kranke jedes Jahr insgesamt drei Millionen Injektionen mit Wurm-Mitteln. Viele wurden geheilt.
Dennoch entpuppte sich die Kampagne als Katastrophe. Weil die Nadeln der Spritzen ohne Sterilisation dutzende Male wieder verwendet worden waren, wurde jeder zehnte erwachsene Ägypter mit Hepatitis-C-Viren infiziert. "Das ist bis heute die größte, durch Medizin verschuldete Übertragung von Infektionserregern", sagt Ernest Drucker vom Montefiori Medical Center in New York. Und es ist nicht das einzige Desaster, das auf das Konto unsauberer Injektionsnadeln geht, wie Drucker zusammen mit Phillip Alcabes von der City University New York und Preston Marx von der Rockefeller University im Medizinjournal Lancet berichtet (Bd. 358, S.1989, 2001).
Die Spur verliert sich in Zaire
In Deutschland sind dreckige Infektionsnadeln fast ausschließlich für Drogensüchtige eine Ansteckungsgefahr. Doch außerhalb der Industriestaaten ist es selbst in Kliniken und Praxen durchaus üblich, Spritzen ohne ausreichende Sterilisation immer wieder zu verwenden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, daß sich jedes Jahr durch kontaminierte Injektionsnadeln 60.000 bis 160.000 Menschen mit HIV infizieren. Weitere 8 bis 16 Millionen Menschen kommen auf diese Weise in Kontakt mit dem Hepatitis-C-Virus, und 2,3 bis 4,7 Millionen erkranken an Hepatitis B.
Drucker und seine Kollegen haben die massenhafte Verwendung gebrauchter Spritzen allerdings noch in einem weiteren Verdacht. Möglicherweise haben sie dem Aids-Virus HIV überhaupt die Chance verschafft, sich an den Menschen anzupassen. Die Theorie ist nicht die einzige, die erklärt, wie das Virus entstanden sein könnte, aber sie ist durchaus plausibel. Geburtsort und -datum des HI-Virus sind unbekannt. Die Spuren verlieren sich in Zaire, wo es bei einem Menschen nachgewiesen wurde, der 1959 starb. Die meisten Forscher vermuten heute, daß sich HIV in den 50er Jahren in Afrika aus dem Affenvirus SIV entwickelt hat.
Unbeantwortet ist aber die Frage, warum diese Affenviren nicht früher auf den Menschen übergesprungen sind. Afrikaner haben sich über Tausende von Jahren bei der Jagd der Affen vermutlich immer wieder mit SIV infiziert. HIV ist aber erst im 20. Jahrhundert entstanden. Die Unterschiede zwischen SIV und HIV sind so groß, daß Drucker es für extrem unwahrscheinlich hält, daß die Affenviren durch Ansteckung einzelner Menschen die Wandlung zu HIV geschafft haben könnten. Verblüffend ist deshalb, daß Mitte des letzten Jahrhunderts gleichzeitig mehr als ein halbes Dutzend unterschiedlicher HIV- Stämme entstanden sind. "Das Auftauchen mehrerer voll angepasster HIV-Stämme in kurzer Zeit legt ein besonderes biologisches Ereignis nahe", sagt Drucker.
Sparsamkeit als Sprungbrett
Der Masseneinsatz unsterilisierter und reihenweise wiederbenutzter Injektionsnadeln könnte dieses Ereignis gewesen sein. Ins Bild passt, daß sich zwischen 1950 und 1960 die Produktion an Injektionsspritzen weltweit verhundertfachte. Die Folge war ein Preissturz, der Kunststoffspritzen auch für afrikanische Entwicklungsländer erschwinglich machte. Gleichzeitig begann die Massenproduktion von Penicillin. Das erste Antibiotikum, das Heilung vieler Krankheiten versprach, musste anfangs gespritzt werden. Mit dem Siegeszug des Medikaments wurden Injektionen weltweit zur Normalität, auch in den Entwicklungsländern. In Afrika bedeutete das meist, weil Spritzen knapp waren, wurden sie wiederverwendet, solange es ging.
Diese Sparsamkeit könnte das Virus als Sprungbrett genutzt haben. Durch unsterilisierte Spritzen könnten Affenviren, die sich in einem Menschen nur teilweise angepasst hatten, auf den nächsten übertragen worden sein und ihre Anpassung dort fortgesetzt haben. "Unsere Forschung zeigt, daß eine serielle Passage teilweise angepasster Viren von Mensch zu Mensch SIV genügend Zeit und Gelegenheit geben kann, um zu HIV zu mutieren", sagt Drucker. Die Gruppe hat nun damit begonnen, in bestimmten HIV-Regionen Afrikas gebrauchte Spritzen und Blutproben zu sammeln und sie auf Virus-Spuren zu untersuchen. Anhand dieser Daten wollen die Forscher dann simulieren, wie sich die Übertragung von Erregern durch unsaubere Spritzen auf die Evolution auswirkt. Drucker: "Es wäre eine grausame Ironie, wenn die Einführung injizierbarer Antibiotika in Afrika den Beginn der weltweiten HIV-Epidemie markieren würde."
Von Klaus Koch
pte
13.02.2002
Einem britisch-amerikanischen Wissenschaftsteam ist es gelungen das Malaria-Genom zu entschlüsseln. Demnach besteht das parasitäre Plasmodium Falciparum-Genom aus 25 Mio. DNA-Einheiten mit 5.600 Genen. Das teilte die New York Times http://www.nytimes.com in ihrer Dienstag-Ausgabe mit. Mit Hilfe des genauen Wissens über das Malaria-Genom hoffen die Forscher auf ein baldiges effektives Medikament gegen die heimtückische Krankheit.
Nach sechs Jahren Forschungsarbeit, die mehr als 20 Mio. Dollar verschlungen hat, konnten die Forscher Malcolm Gardner vom Institute for Genomic Research in Rockville, Maryland und Neil Hall, Bart Barrell vom Sanger Zentrum in Cambridge, England, den Parasiten dekodieren. Der Parasit ist eine einzellige Protozoe, deren Genom aber ähnlich dem von Bakterien ist, so die Wissenschafter. "Die Komplexität ist aufgrund der verschiedenen Erscheinungsformen des Einzellers während seines ganzen Lebens notwendig", so Gardner. Plasmodium falciparum ändert während seiner "Laufbahn" mehrere Male seine Form, sein Aussehen und seinen Auftritt. "Das hat es bisher auch so schwer gemacht, effektiv gegen den Malaria-Erreger vorzugehen", so der Forscher.
Der Forscher Daniel Goldberg von der Washington University in St. Louis studiert seit einiger Zeit die Enzyme, die der Parasit zur Zerlegung vom menschlichen Hämoglobin verwendet. Damit soll das trickreiche Auftreten des Einzellers genau nachvollzogen werden. Im kommenden Sommer sollen dann die 14 Chromosomen des gefährlichen Erregers fertig entschlüsselt sein. Bisher gelang es den beiden Forschungsanstalten erst vier Chromosomen zu entziffern.
Daß die Zeit drängt ist den Wissenschaftern klar, denn obwohl Europa und die USA noch malariafrei sind, häufen sich in den tropischen Gebieten Afrikas und Asiens die Malaria-Todesfälle. Der Grund dafür liegt in der Wirkungslosigkeit der bisher verwendeten Medikamente.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
25.02.2002
Im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts ist es europäischen und afrikanischen Forscherteams gelungen, eine neue Diagnosemethode für durch das Ebolavirus verursachte Infektionen zu entwickeln und erfolgreich unter Epidemiebedingungen auszutesten. Die Diagnosemethode beruht auf dem Nachweis des viralen Genoms im Blut des Kranken.
Der Test ist laut einer Aussendung der EU http://europa.eu.int ebenso empfindlich wie die Standardmethode, erlaubt aber einen wesentlich schnelleren Nachweis der Infektion bei den Patienten. Nachdem die Testbewertung abgeschlossen ist, soll der Test in Serie produziert werden. Der Schnelltest ermöglicht die Bekämpfung der Epidemie zum Zeitpunkt des Ausbruchs und die Bereitstellung einer geeigneten Therapie für die Patienten, sobald diese zur Verfügung stehen wird.
Die internationale Zusammenarbeit wurde 1998 in die Wege geleitet und umfasst das Centre de Recherche Mérieux-Pasteur in Lyon (CRMPL, Association Fondation Mérieux et Institut Pasteur), die Laboratorien des Centre International de Recherche Médicales de Franceville in Gabun (CIRMF), das Institut für Virologie von Marburg in Deutschland und jenes von Rotterdam in den Niederlanden sowie das Institut Pasteur von Dakar/Senegal. Das Projekt wurde von der Europäischen Kommission mit einem Betrag in Höhe von 500.000 Euro mitfinanziert.
Das Ebolafieber ist sehr ansteckend und hat eine äußerst pathogene Wirkung für Primaten und insbesondere den Menschen. Die Sterblichkeit kann je nach Art des Virus 88 Prozent erreichen. Derzeit gibt es keine Therapie für diese Krankheit. Die Übertragung erfolgt am häufigsten durch Kontakt mit der Haut und den Ausscheidungen des Kranken. In Afrika ist die Erkennung von hämorrhagischem Fieber wie Ebola oder Lassa (eine Mio. Fälle jährlich) durch mangelnde Spezifität der Symptome bei Krankheitsbeginn schwierig. Die Symptome sind unter anderem Fieber und Kopfschmerzen, die nach sieben bis acht Tagen Inkubationszeit auftreten. Später kommt es zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Gelenkschmerzen sowie zu so genannten konjunktivalen Einblutungen. Zwischen dem sechsten und 16. Tag kann ein hypovolämischer Schock zum Tode führen. Ein hypovolämischer Schock ist per Definition ein akutes Kreislaufversagen nach Verlust von Blut, Plasma bzw. Wasser und Elektrolyten.
Von Sandra Standhartinger
Der Standard
08.03.2002
"Wir haben ein ganz neues Bild der Entstehung und Bekämpfung der Flussblindheit gewonnen", sagt Achim Hoerauf, Tropenmediziner an der Uni Hamburg, zum STANDARD: "Das gibt uns langfristig die Perspektive, das Leiden auszurotten."
Flussblindheit kommt mit einem, von Fliegen übertragenen, parasitischen Wurm, der im menschlichen Körper einen halben Meter groß wird und 15 Jahre lang leben kann.
Gefährlich sind seine winzigen Larven, die zu Millionen in die Haut wandern und ins Auge, das mit Entzündungen reagiert, die zu Erblindung führen können. Glaubte man bisher, daß das Immunsystem auf die Larven selbst reagiert, hat Hoerauf mit seiner Gruppe gezeigt, daß die Reaktion von Bakterien ausgelöst wird, die mit den Würmern vergesellschaftet sind, in ihnen leben. Ohne sie können die Würmer sich nicht reproduzieren.
Die Bakterien können mit einem gängigen Antibiotikum (Doxycyclin) bekämpft werden, aber das muss vier bis sechs Wochen lang verabreicht werden, "man kann damit keine Massentherapie an den hundert Millionen Bedrohten in Afrika durchführen." Solange nicht ein rascher wirkendes Antibiotikum gefunden ist, muss man sich mit einem alten Medikament behelfen, das die Larven tötet, aber nicht den erwachsenen Wurm. Gegen ihn hilft nichts, er produziert auch immer wieder Larven.
Aber eine halbjährliche Gabe des Medikaments könnte die Larven immer wieder dezimieren und die Krankheit regional so weit zurückdrängen, daß das Antibiotikum sie schließlich zum Verschwinden bringen könnte.
pte
22.03.2002
Nach Angaben zweier britischer Hilfsorganisationen kostet die mangelnde Hygiene rund 6.000 Kindern täglich das Leben. Außerdem sei rund die Hälfte aller Krankenhauspatienten weltweit aufgrund von Erkrankungen, die auf schlechte Trinkwasserqualität zurückzuführen sind, in Behandlung. Am heutigen Weltwassertag rufen internationale Umweltorganisationen in Erinnerung, daß die schlechten sanitären Verhältnisse noch immer zu den schlimmsten globalen Gesundheitsrisiken gehören.
Die beiden britischen Organisationen WaterAid http://www.wateraid.org.uk und Tearfund http://www.tearfund.org warnen davor, daß sich die Lage in den Großstädten der Dritten Welt noch verschlimmern würde. Die Hauptstadt von Bangladesch, Dhaka, zählte in den frühen 70er Jahren rund 250.000 Einwohner, heute leben dort zehn Mio. Menschen. Täglich kommen 160.000 Menschen dazu, die vom Land in die Stadt ziehen. "Dhaka ist eine einzige Senkgrube, eine Jauchengrube. Die meisten Menschen haben keine sanitäre Einrichtungen", sagt ein hoher Vetreter der Stadtregierung. Die Situation verschärfe sich täglich. Die Generalsekretärin der WHO http://www.who.int, Gro Harlem Bruntland, erklärte dazu, daß saubere Wasserversorgung und adäquate sanitäre Einrichtungen zu menschlichen Grundrechten zählen würden.
Die globale Situation sehe, so WaterAid, schlimm aus: in den vergangenen zehn Jahren haben Durchfallerkrankungen mehr Kindern das Leben gekostet als Menschen bei bewaffneten Konflikte seit dem Zweiten Weltkrieg gestorben sind. In Afrika sind 1998 308.000 Menschen bei bewaffneten Konflikten ums Leben gekommen. Aber Durchfallerkrankungen forderten in diesem Jahr sechs Mal so viele Opfer. Besonders schlimm sei daran die Vielzahl von Erkrankungen, die durch schlechtes Trinkwasser und Unhygiene entstehen: Cholera, Typhus, Ruhr, Trachom und Bilharziose zählen zu den gefährlichsten Krankheiten.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
17.04.2002
Obwohl die weltweiten Polio-Erkrankungen wieder abnehmen, ist die Ausrottung der Krankheit in weite Ferne gerückt, berichtet BBC-online unter Berufung auf WHO-Daten. 537 Polio-Fälle wurden im vergangenen Jahr weltweit gemeldet, dennoch bleibt die Krankheit in Ländern wie Indien, Pakistan, Nigeria, Afghanistan, Niger, Somalia, Ägypten, Angola, Äthopien und Sudan weiterhin endemisch.
1988 wurde das weltweite Impfprogramm der UNO-Organisation WHO http://www.who.int ins Leben gerufen. Damals gab es noch 350.000 Kinder in 125 Ländern, die jährlich neu erkrankten. Dennoch warnt Gro Harlem Brundtland, WHO-Direktorin, vor einer verfrühten Hoffnung. "Das vergangene Jahr hat uns nochmals daran erinnert, daß wir in einer Welt leben, wo Sicherheit und Zugang zu Impfungen den Kindern nicht garantiert werden kann", so die WHO-Direktorin. Sie dränge darauf mit der Aktion "Ausrottung der Polio" fortzufahren. Gerade jetzt gebe es die Chance. Mit der globalen "Polio Eradiction Initiative" http://www.polioeradication.org, die von der WHO, den Rotary International, den US Centers for Desease Control and Prevention und der Unicef ins Leben gerufen wurde, soll die heimtückische Erkrankung bekämpft werden. 2001 wurden nur noch zehn Länder als Polio-Gebiete eingestuft.
2000 erkrankten 2.979 Kinder an Polio, im Jahr darauf waren es nur noch 537 Fälle. Das entspricht einer Verminderung von 99,8 Prozent seit 1988. Der Grund zum Jubel fehlt aber trotzdem: Die "Polio Eradiction Initiative" hat bei einer Konferenz, die kürzlich über die Bühne ging festgestellt, daß Nordindien, das Grenzgebiet Afghanistan-Pakistan und die afrikanischen Staaten Niger-Nigeria noch immer zu den Hochburgen der Polio-Erkrankungen zählen. Politische Unruhen und Kriege gefährden das globale Netzwerk immer wieder. Daher müsse nun wieder mit dem Schluckimpf-Programm fortgefahren werden. Eine Sprecherin der Initiative berichtete, daß sogar Kinder in den entferntesten Orten der Erde erfolgreich geimpft werden konnten.
Polio ist eine höchst infektiöse Erkrankung, die durch ein Virus übertragen wird und in erster Linie Kinder unter fünf Jahren betrifft. Eine Infektion kann innerhalb von Stunden zu schwersten Lähmungen führen. Das Virus wird über den Mund in den Körper aufgenommen und vermehrt sich in den Därmen. Die ersten Symptome sind Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und Nackenversteifungen. Jede 200. Erkrankung führt zu bleibenden Lähmungen, fünf bis zehn Prozent der Infizierten sterben an Lähmungen der Atemorgane. Heilung gibt es keine, aber eine Schluckimpfung kann lebenslang vor einer Erkrankung schützen.
Weitere Informationen:
http://news.bbc.co.uk/hi/english/health/newsid_1932000/1932334.stm
Von Wolfgang Weitlaner
news.ch
17.04.2002
Wie die Lebensmittel- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) erklärte, sei die Nahrungsmittelproduktion vor allem in Simbabwe, Malawi und Sambia dramatisch gesunken.
Der Grund dafür sind Dürre oder Überflutungen sowie krisenbedingte Unterbrechungen in der Landwirtschaft, hiess es in einem in der kenianischen Hauptstadt Nairobi veröffentlichten Bericht der FAO.
Nach dem Bericht zur Situation der Lebensmittelvorräte und Erntebedingungen im Afrika unterhalb der Sahara stehen insgesamt 19 Staaten vor einem "aussergewöhnlichen Nahrungsmittelnotstand". Dazu zählen auch Lesotho, Mosambik, Namibia und Angola, wo die Bevölkerung als Folge des jahrelangen Bürgerkriegs Hunger leide.
"Im südlichen Afrika droht vielen Staaten eine Nahrungsmittelkrise, weil dort die Maisernte im vergangenen Jahr dramatisch gesunken ist", warnt die FAO. Auch für dieses Jahr sei keine günstige Ernte zu erwarten.
In Malawi beispielsweise sei die Maisernte im Jahr 2001 bedingt durch heftige Regenfälle und Überschwemmungen um über 33 Prozent gefallen. Die Preise seien dort seitdem um über 300 Prozent gestiegen.
pte
17.05.2002
Afro-Kariben erleiden nach Angaben von BBC doppelt so häufig Schlaganfälle wie Weiße. Die British Stroke Association http://www.stroke.org.uk warnt die Afrikaner und Kariben vor den Folgen der gefährlichen Krankheit, denn diese Bevölkerungsgruppe stirbt auch häufiger an den Folgen von Schlaganfällen und die Krankheit tritt bei jüngeren Menschen auf.
"Bluthochdruck und Diabetes sind zwei der Hauptursachen für Schlaganfälle, diese beiden Symptome treten bei den Afro-Kariben besonders häufig auf", so Charles Woolf, Mediziner am Kings College in London. Daneben leide diese Bevölkerungsgruppe oft an Fettleibigkeit und an Sichelzellenanämie, einer Erkrankung, die nur bei Schwarzen bekannt ist. Woolf geht davon aus, daß die Ursachen für diese Leiden in der Genetik liegen. "Dennoch ist es gefährlich die gesamte Symptomatik nur auf die Genetik zu beschränken", meint der Forscher. Vielmehr wirken auch der persönliche Lebensstil und die Umwelt mit.
Am Kings College wird eine Studie zur Erforschung der genetischen Faktoren für Herzerkrankungen an Farbigen erstellt. "Ein Schlaganfall eines Afrikaners sieht anders aus wie der eines Kaukasen", so Lalit Kalra, Mediziner und Forschungsleiter. Einer von drei Afrikanern und vier von zehn Afrikanerinnen, die in Großbritannien leben, leiden unter Bluthochdruck. Auch das Risiko an Diabetes zu erkranken, liegt bei dieser Bevölkerungsgruppe um 50 Prozent höher: Jeder zehnte Afro-Karibe im mittleren Alter leidet unter Diabetes, jede fünfte Afrikanerin leidet darunter.
Insgesamt ist das Schlaganfall-Risiko auch in England und Wales Todesursche Nummer eins. Jährlich erleiden 100.000 Menschen einen Schlaganfall, 10.000 davon sind unter 55 Jahre und 1.000 sind unter 30 Jahre alt.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
17.05.2002
Die Weltgesundheitsorganisation WHO http://www.who.org wird sich in Zukunft vermehrt mit traditionellen Heilmethoden beschäftigen. Das erklärte die UNO Organisation in einer Aussendung. Einer der Gründe liege darin, daß in einem Großteil der Länder der Welt in erster Linie auf traditionelle Methoden zurückgegriffen wird. Mit der Schaffung von einheitlichen Rahmenbedingungen wird die WHO auf diese Thematik reagieren, um die Methoden zu verbessern, zu sichern und einen einheitlichen Standard zu gewährleisten.
"80 Prozent der Bevölkerung Afrikas werden nach traditionellen Heilmethoden behandelt", so Ebrahim Samba, WHO-Regional-Direktor für Afrika. Daher sei es dringend notwendig, die Sicherheit, Effizienz, Qualität und Standardisierung der traditionellen Methoden zu gewährleisten. Das diene der Bewahrung des kulturellen Erbes und der Sicherung des traditionellen Wissens, so Samba. "Dieses Wissen muss institutionalisiert werden und in die lokalen Gesundheitssysteme einfließen", meint der WHO-Spezialist. Auch in den Ländern der industrialisierten Staaten wird der Trend zu komplementären Methoden zu greifen immer größer. 77 Prozent der Franzosen haben zumindest einmal komplementär-medizinische Behandlungen erhalten. In Deutschland wenden 77 Prozent der Schmerzkliniken Akupunktur an und in Großbritannien geben die Menschen 2,3 Mrd. Dollar jährlich für alternative Heilmethoden aus.
Die größten Probleme ergeben sich aus der falschen Anwendung von traditionellen Therapien, die chinesische Pflanze Ma Huang wird in China zur Beseitigung von Atemproblemen verschrieben, in den USA wurde die Pflanze als Diät-Hilfe verkauft. In der Langzeitanwendung führte dies zum Tod von mehr als einem Dutzend Menschen. Solche Beispiele sind zahlreich. "Traditionelle oder Komplementär-Medizin ist ein Opfer von unkritischen Enthusiasten und uninformierten Skeptikern", so Yashuhiro Suzuki, WHO-Executive Director for Health Technology and Pharmazeuticals. "Mit der neuen Strategie sollen die wirklichen Potenziale für die Gesundheit genauer erforscht und die Risiken von ungeprüften oder falsch angewendeten Heilmitteln eingeschränkt werden", so Suzuki.
In China, Nord- und Südkorea und Vietnam ist die traditionelle Medizin in der westlichen Schulmedizin integriert. In anderen Ländern der Dritten Welt, in denen der Zugang zur Schulmedizin nicht möglich ist, überwiegen noch weiterhin traditionelle Heilmethoden das tägliche Bild. Hier gelte es die Fähigkeiten und Möglichkeiten des traditionellen Wissens wissenschaftlich zu evaluieren, so die WHO.
Der Weltmarkt für komplementär-medizinische Methoden wird von der WHO auf 60 Mrd. Dollar pro Jahr geschätzt. Ein Viertel der heute verwendeten modernen Medikamente basiert auf Pflanzen, die zunächst traditionell verwendet wurden. Nach Angaben der WHO gebe es noch eine Vielzahl von traditionellen Heilmitteln, die ein weites Wirkungsspektrum aufweisen. Eine davon ist die chinesische Pflanze Artemisia annua, die in Asien seit fast 2.000 Jahren verwendet wird. Der Wirkstoff soll nach neuesten Forschungserkenntnissen eines der effektivsten Anti-Malaria Präparate sein. Dies könnte 800.000 Menschenleben pro Jahr das Leben retten.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
29.05.2002
Die Weltgesundheitsorganisation WHO http://www.who.org will für Staaten in Afrika das chinesische Heilmittel Artemisinin gegen Malaria durchsetzen. Die amerikanische Agency for International Development http://www.usaid.gov spricht sich jedoch gegen dieses Mittel aus. Fest steht, daß rasches Handeln angesagt ist, denn die meisten Präparate gegen die Erkrankung sind mittlerweile wirkungslos und Malaria wird zur Todesursache Nummer eins in Afrika berichtet die New York Times. http://www.nytimes.com.
"Artemisinin ist ein hervorragendes Mittel. Es ist nicht nur eine Behandlung, sondern es hemmt die Form der Infektion, daher führt es zu einer schwächeren Intensität der Epidemie", so David Nabarro, Vize-Direktor in der WHO-Generaldirektion. Der Wirkstoff Artemisinin stammt aus einer Heilpflanze, die in China seit 2.000 Jahren in Verwendung ist. Vor 30 Jahren wurde das erste Derivat aus der Pflanze "Artesmisia annua" gezogen. Das Rohmaterial stammt aus China und Vietnam, obwohl die Pflanze auch in Teilen der USA wild wächst. Das Hauptargument der US-Behörde gegen den Einsatz der pflanzlichen Medizin liegen in der angeblich zu wenig untersuchten Wirkung bei Kindern und in den hohen Kosten. Dennoch räumt Dennis Carroll, ein Berater der Agency for International Development ein, daß dieses Präparat auf lange Sicht wahrscheinlich die beste Option sei. Doch die Zeit sei noch nicht reif.
Kritiker meinen, daß zu langes Warten aber die Todesrate in die Höhe schnellen lässt, da die anderen herkömmlichen Anti-Malaria-Medikamente praktisch wirkungslos werden. Problematisch in diesem Zusammenhang scheint aber vor allem die Finanzierung der Gesundheit in Ländern Afrikas. Ohne finanzielle Unterstützung der Weltbank kann es sich kein Land leisten auch nur annähernd die Kosten für eine effektive Malariabekämpfung aufzubringen. Carroll bestreitet aber die Eile und argumentiert mit der mangelnden Erfahrung des Wirkstoffes bei Kindern. Schließlich gebe es nach Ansicht der Agency for International Development noch Möglichkeiten altbekannte Medikamente einzusetzen. Argumente wie diese bringen Epidemiologen wie den ghanesischen Malaria-Spezialisten Fred Binka in Rage. "In armen Ländern wie Ghana gibt es für Kinder nur eine Chance. Wenn sie beim ersten Besuch in einer Klinik das falsche Medikament erhalten, sterben sie", so Binka. Auch Bernard Pecoul, Direktor der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", meint, daß die amerikanische Position hart zu verstehen sei.
Die Argumente der US-Behörde stoßen auch deshalb auf taube Ohren in Afrika, weil für Malaria in der Forschung zu wenig Geld ausgegeben wird. Im internationalen Vergleich wird für die Entwicklung von neuen Wirkstoffen 3.360 Dollar pro Aids-Toten an Forschungskosten aufgewendet, 840 Dollar für jeden Asthma-Toten und nur 42 Dollar pro Malaria-Opfer. Malaria ist aber in 90 Staaten der Welt eine Bedrohung. 300 Mio. Menschen erkranken jährlich daran, für eine Mio. endet die Krankheit tödlich. Kinder in ländlichen Gebieten Afrikas erkranken bis zu sechs Mal jährlich an Fieberschüben. In manchen Gegenden gibt es bis zu 60 Prozent Resistenzen gegen die herkömmlichen Medikamente. Experten sind sich mittlerweile einig darüber, daß nur eine Mischung aus verschiedenen Wirkstoffen ähnlich wie die Aids-Behandlung erfolgreich ist. Nach Expertenmeinungen gilt dies aber nicht für den Wirkstoff der Artemisia annua.
Der einzige Nachteil des Heilmittels liegt in seiner Erstdosis. Bis zu 12 Pillen sind über drei Tage bevorzugt mit Milch einzunehmen. Wer sich das nicht leisten kann, sorgt unfreiwillig dafür, daß die resistentesten Parasiten überleben und mit der nächsten Anopheles-Mücke auf einen anderen Menschen übertragen werden.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
24.06.2002
Südafrikanischen Forschern ist eigenen Angaben zufolge ein Durchbruch bei der Malaria-Bekämpfung gelungen. Das Wissenschaftsteam aus Chemikern und Pharmakologen um Tim Egan von der University of Cape Town http://www.uct.ac.za entdeckte, daß der Malaria-Erreger einen wichtigen Abwehrstoff im menschlichen Blut in eine wirkungslose Substanz verwandelt. Diese Ergebnisse sollen die Entwicklung wirksamerer Medikamente zur Behandlung der durch die Anophelesmücke übertragene Infektionskrankheit ermöglichen, berichtet http://www.health-e.org.za.
Wird dieser Abwehrstoff ausgeschaltet, so Forschungsmitglied Giovanni Hearne von der Wits University, zerstört der Parasit den für den Sauerstoff-Transport in den roten Blutkörperchen zuständigen Anteil, nämlich das Häm des Hämoglobins. Es entsteht das für den Erreger ungiftige Malaria-Pigment Hämozoin. "Medikamente können nun so entwickelt werden, daß sie diese Detoxifikation blockieren und das Häm seine toxische Wirkung behält", erklärte Hearne. Zusätzlich entdeckten die Forscher, daß die Stechmücken Hämozoin in ihren Nahrungsvakuolen speichern. Dadurch ergibt sich eine weitere Möglichkeit für die Entwicklung eines Anti-Malaria-Medikaments, wenn der Erreger an der Speicherung von Hämozoin gehindert wird.
Malaria gilt als weltweites Problem, speziell aber in Afrika. Jedes Jahr sterben bis zu drei Mio. Menschen an der Krankheit und 200 Mio. Menschen infizieren sich neu. Der südafrikanische Gesundheitsminister betonte kürzlich in einer Parlamentssitzung, daß Malaria Südafrika Kosten von rund 12,4 Mio. südafrikanische Rand verursacht.
Von Sandra Standhartinger
pte
28.06.2002
Der OPEC Fonds für internationale Entwicklung http://www.opecfund.org ist der letzte Neuzugang der WHO-Kooperationspartner im Kampf gegen HIV/Aids. Wie die Weltgesundheitsorganisation bekannt geben hat, wurde die Vereinbarung heute, Donnerstag, in Genf unterzeichnet. Die ersten Zahlungen in der Höhe von 8,1 Mio. Dollar sollen zwölf der am stärksten betroffenen Ländern in Afrika südlich der Sahara zukommen, deren Bruttoinlandsprodukt, durch die Aids-Krise erschwert, pro Einwohner nur zwischen 500 und 1.400 Dollar liegt.
In den zwölf Staaten Burkina Faso, Burundi, Kenia, Togo, Uganda, Äthiopien, die Zentralafrikanische Republik, Mosambique, Tansania, Malawi, Ruanda und Sambia treten 80 Prozent aller HIV/Aids-Fälle auf. Nach Schätzungen der WHO http://www.who.int leben in dieser Region 28 Mio. Erwachsene und Kinder mit der HIV-Infektion bzw. der Immunschwächekrankheit. Das sind rund zehn Prozent der Bevölkerung südlich der Sahara. WHO-Generaldirektorin Harlem Brundtland begrüßt die Allianz. Es seien aber mehr Ressourcen nötig, um, wie es aktuell in Senegal und Uganda der Fall ist, ermutigende Daten in der Kontrolle der Epidemie zu erhalten.
Von Sandra Standhartinger
pte
04.07.2002
Das Weltbevölkerugswachstum bleibt weiterhin ein prägender Faktor des 21. Jahrhunderts. In den kommenden 50 Jahren wird die Bevölkerungszahl von derzeit 6,2 Mrd. auf 9,3 Mrd. Menschen anwachsen. Die Entwicklung der Weltbevölkerung kennzeichnen aber gegensätzliche Trends. Während in den Industrieländern das Wachstum der Bevölkerung faktisch zum Stillstand gekommen ist, zeichnet sich mit 95 Prozent des Weltbevölkerungswachstums in den Entwicklungsländern eine rasante Dynamik ab. "Das globale Bevölkerungswachstum und die katastrophale HIV/Aids-Ausbreitung betrifft die gesamte Menschheit", erklärte Ulrike Plichta, Geschäftsführerin der Österreichischen Stiftung für Weltbevölkerung und Internationale Zusammenarbeit (SWI) http://www.swi-austria.org heute, Donnerstag, vor Journalisten.
Nicht das Wachstum oder die Schrumpfung an sich, sondern die Dynamik selbst stelle die betroffenen Gesellschaften vor die größten Herausforderungen. Diese Dynamik gelte es zu beeinflussen. "Mit Empowerment der Frauen und Bildungsoffensiven möchten wir die Fertilitätsraten reduzieren und Neuansteckungen bei HIV/Aids verhindern. Es werden bereits konkrete Projekte in Asien und Afrika unterstützt, die vor allem Frauen und Jugendlichen zugute kommen, damit diese die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen und ihr Recht auf Familienplanung durchsetzen können ", so Plichta. Vor allem in Afrika sei seit vielen Jahren die demographische Entwicklung einzigartig. Neben der extrem hohen Fertilität und der sehr jungen Altersstruktur weist der Kontinent den höchsten Anteil an HIV/Aids-Erkrankungen auf. So kommen auf 13 Prozent der Weltbevölkerung, die in Afrika leben, derzeit 70 Prozent aller Aidsfälle weltweit. Daraus resultiert eine dramatisch gesenkte Lebenserwartung. "Bis zum Jahr 2025 wird z.B. in Botswana die Generation der über 40-Jährigen mit einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von nur noch 15 Prozent praktisch ausgestorben sein", beschreibt die Geschäftsführerin das Szenario.
Die SWI hat sich zum Ziel gesetzt, Fragen der globalen Bevölkerungsentwicklung in der österreichischen Gesellschaft stärker zu thematisieren. Anlässlich des Weltbevölkerungstages am 11. Juli präsentiert dazu die SWI ihre Broschüre "Dynamik der Weltbevölkerung 2002", die soziale und demographische Daten zu den Ländern und Regionen der Welt beinhaltet, und Strategien bzw. Programme zur Eindämmung der Weltbevölkerung vorstellt.
Von Sandra Standhartinger
pte
22.07.2002
Der Parasit, der für die Malariaerkrankung verantwortlich ist, ist wesentlich älter als bisher angenommen und genetisch anders, als es sich die Wissenschafter wünschen. Das ergab eine Analyse von Forschern der Universität von South Carolina in Columbia. Demnach wird es nahezu unmöglich sein, ein einzelnes Medikament zu entwickeln, das die Erkrankung weltweit erfolgreich bekämpfen kann, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature http://www.nature.com in seiner jüngsten Ausgabe.
Nach Ergebnissen des Molekularbiologen Austin Hughes von der Universität von South Carolina in Columbia und Xin-Zhuan Su vom National Institute of Allergy and Infectious Deseases in Bethesda, Maryland, haben sich die Malaria-Parasiten vor 100.000 bis 180.000 Jahren verschiedenartig entwickelt. In diesem Zeitraum gab es auch eine Bevölkerungsexplosion des Menschen, die zu einer großen Migration um den Globus führte. Die Malariaerreger sind wahrscheinlich mit den Menschen mitgewandert.
Die Forscher haben den Malariaerreger Plasmodium falciparum von fünf Kontinenten genauer untersucht. Beim Scanning fanden die Wissenschaftler im dritten Chromosom unterschiedliche SNPs (so genannte Single-Nucleotide Polymorphisms). Diese sind ein Hinweis auf zufällige Mutationen, die ein Lebewesen hinter sich hat und geben daher Aufschluss darüber, wie nahe Lebewesen der gleichen Spezies miteinander verwandt sind.
Doch auch zu dieser These gibt es bereits kritische Stimmen. Die Analyse ist nach Aussagen von Francisco Ayala von der University of California in Irvine mangelhaft. Ayala arbeitet seit fünf Jahren an einer Malaria Prophylaxe, die sowohl in Thailand als auch in Afrika wirken soll. Seiner Meinung nach sind die meisten der Parasiten vor 3.000 bis 5.000 Jahren ausgestorben. Nur eine kleine Population hat damals überlebt. Diese war genetisch mehr oder weniger homogen. Daher könne ein neuer Wirkstoff kaum Resistenzen entwickeln.
Von Wolfgang Weitlaner
news.ch
27.07.2002
Rund 13 Millionen Menschen in sechs südafrikanischen Ländern sind von Hunger und Krankheiten bedroht. Zur Vermeidung einer großen Katastrophe lancierte die UNO einen Appell an die internationale Gemeinschaft, 611 Millionen Dollar Hilfe bereit zu stellen.
Von diesem Betrag werden 507 Millionen Dollar für Lebensmittelhilfe benötigt, teilte das UNO-Büro für die Koordination humanitärer Hilfe (OCHA) in Genf mit.
Die UNO will bis im kommenden Frühling 12,8 Millionen Menschen - davon mehr als die Hälfte Kinder - mit 1,2 Millionen Tonnen Lebensmitteln unterstützen. 48 Mio. Dollar werden für die Gesundheitsversorgung gebraucht und 31 Mio. Dollar für die Landwirtschaft.
Simbabwe, wo sechs Millionen Menschen in Not sind, beansprucht mit 285 Millionen Dollar am meisten Unterstützung. Die übrigen fünf betroffenen Länder sind Malawi (144 Millionen Dollar), Sambia (71 Millionen Dollar), Mosambik (43 Millionen), Lesotho (41 Millionen) sowie Swasiland (19 Millionen).
Ausgelöst wurde die Krise durch die größte Dürre seit 1992 sowie die dramatisch steigende Zahl der mit dem Aids-Virus (HIV) infizierten Menschen. In den sechs Staaten ist durchschnittlich ein Viertel der Bevölkerung HIV-positiv. Die Zunahme der Unterernährung schwächt auch die Widerstandskraft gegenüber Krankheiten wie Cholera und Malaria.
Der Mangel an Lebensmitteln beschleunigt laut OCHA die Ansteckung von Aids. Da die Menschen weniger zu essen hätten, werde auch versucht, über käuflichen Sex an Nahrungsmittel zu gelangen, das erhöhe die Infektionsrate weiter.
pte
07.08.2002
Der Minengigant Anglo-American http://www.angloamerican.co.uk will für alle aidskranken Beschäftigten die Behandlungskosten übernehmen. Das Unternehmen will damit helfen, die Aids-Epidemie in Südafrika unter Kontrolle zu bringen. Anglo-American ist das erste Großunternehmen, das eine solche Kampagne startet, berichtet BBC-online http://news.bbc.co.uk heute.
AngloGold, die Goldminen-Tochter des Unternehmens, hat in einer Untersuchung Anfang des Jahres veröffentlicht, daß 28 Prozent der 44.000 Beschäftigten mit Aids infiziert sind. Die Infektionsrate liege damit dreimal höher als in ganz Südafrika. Das Unternehmen geht davon aus, daß eine angemessene Behandlung die Unze Gold um vier bis sechs Dollar (das sind zwei Prozent) verteuern wird. Internationale Gesundheits-Campaigner haben den Einsatz von Anglo-American lobend erwähnt. Sie kritisieren die Regierung Südafrikas, weil die Gesundheitsvorsorge im Falle von Aids versagt hat. In der Zwischenzeit entwickelt sich Aids zu einer regelrechten Epidemie am Kap von Afrika.
Andere multinationale Unternehmen, die in Südafrika tätig sind, haben für die Ignoranz der Krankheit heftige Kritik geerntet. So leistet der Getränkegigant Coca Cola keine medizinische Hilfe für infizierte Mitarbeiter.
Von Wolfgang Weitlaner
Salzburger Nachrichten
03.10.2002
Das Erbgut des Malaria-Erregers und der Malaria-Mücke ist entziffert. Dies ist das Ergebnis zweier am Mittwoch vorgestellter Studien internationaler Forschergruppen. Die Genomdaten könnten zur Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente, Insektengifte und Impfungen werden, um die schlimmste Tropenkrankheit der Welt einzudämmen, hoffen die Forscher.
Fast die Hälfte der Menschheit lebt in Regionen, in denen die Moskitos Malaria übertragen. 125 Millionen Menschen reisen jährlich in diese Gebiete, rund 10.000 bringen die Malaria mit nach Hause. Sie tötet nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa eine Million Menschen im Jahr. Rund 90 Prozent der Opfer leben in Afrika südlich der Sahara, fast drei Viertel sind Kinder unter fünf Jahren. Zwischen 300 Millionen und 500 Millionen Menschen werden jährlich neu infiziert.
Die Mücke hat nach den neuen Ergebnissen schätzungsweise etwa 280 Millionen Erbgut-Bausteine, bei Plasmodium sind es rund 23 Millionen. Zum Vergleich: Der Mensch besitzt drei Milliarden DNA-Bausteine.
Medikamente lassen noch auf sich warten
Die Daten seien nur die Grundlage für die Schaffung neuer Strategien gegen die Malaria, betonen beide Forscherteams. Jetzt müsse in den Genomen der beiden Organismen nach Zielen und Mechanismen für neue Medikamente gesucht werden. Derartige Substanzen könnten künftig beispielsweise verhindern, daß die Mücken ihre menschlichen Opfer erschnüffeln. Wirksam sei es voraussichtlich auch, das Eindringen der Einzeller in die roten Blutkörperchen zu verhindern. Denkbar wäre ebenfalls, gentechnisch veränderte und damit für den Menschen ungefährliche Mücken in die Natur zu entlassen. Sie sollen dann die natürlichen Varianten verdrängen.
Die Ergebnisse markieren einen wichtigen Schritt auf der Suche nach Mitteln gegen die gefährliche Tropenkrankheit, aber keinen Durchbruch. Die Sequenzen allein böten auf kurze Sicht keine Erleichterung für jene, die an Malaria leiden, sagen die Forscher. Daß finanzkräftige Pharmariesen nun aber verstärkt an neuen Medikamenten arbeiten werden, scheint eher unwahrscheinlich. "Malaria gehört zu den vernachlässigten Krankheiten, die fast ausschließlich Menschen in den armen Ländern trifft", erklärt Kattrin Lempp, Sprecherin der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen". Die Pharmaindustrie habe überhaupt kein Interesse daran, solche Medikamente für Menschen ohne Geld zu schaffen. Daß die Malaria trotz seit 100 Jahren geführtem Kampf eine Gefahr bleibt und sich in Afrika sogar wieder schneller verbreitet, liegt an der Zunahme von Resistenzen.
Neue Zürcher Zeitung
14.10.2002
Mehr als sieben Millionen Kindern droht nach Angaben von Unicef in sechs Staaten des südlichen Afrika in den nächsten Monaten der Hungertod. Dies gab das Uno-Kinderhilfswerk (Unicef) am Montag anlässlich des Welternährungstages bekannt. (sda/afp) Anlässlich des Welternährungstages am Dienstag hat das Uno-Kinderhilfswerk bekannt gegeben, daß sieben Millionen Kinder im südlichen Afrika vom Hungertod bedroht sind. Die Menschen litten schon seit langem Hunger, aber nun habe sich die Lage dramatisch zugespitzt, sagte der Vorsitzende der deutschen Unicef-Sektion, Reinhard Schlagintweit. Im November setze in den Staaten Lesotho, Malawi, Mosambik, Sambia, Simbabwe und Swasiland die traditionelle Hungerlücke zwischen Aussaat und Ernte ein, aber schon jetzt seien die meisten Lager leer. Als wichtigsten Grund für die "sich anbahnende Katastrophe" nannte die Organisation die Immunschwächekrankheit Aids. Die Nahrungsmittelknappheit treffe eine Bevölkerung, die durch Aids massiv geschwächt sei, erklärte der Koordinator für die Unicef- Nothilfe im südlichen Afrika, Sharad Sapra.
Durch Aids geschwächt
Sapra warnte vor einem "Massensterben", von dem insbesondere Minderjährige betroffen wären. Schon jetzt gebe es in der Region etwa 4,2 Millionen Voll- oder Halbwaisen, deren Eltern an Aids gestorben seien. Zumeist lebten diese Kinder in Haushalten ohne Erwachsene, gingen nicht zur Schule, um Nahrung aufzutreiben, und prostituierten sich mitunter sogar. Aus Furcht vor Ausbeutung hielten sie ihre Notlage oftmals geheim. Um diesen Teufelskreis aus Hunger, fehlender Aufklärung und neuen Infektionen mit dem HI-Virus zu durchbrechen, hat Unicef einen Nothilfeplan geschaffen. Dieser umfasst sowohl Nahrungshilfe und Impfungen als auch mittel- und langfristige Massnahmen wie die Identifizierung der Kinderhaushalte, Hilfe zur Selbsthilfe und mehr Aufklärung. Für die Umsetzung dieses Programms benötigt die Organisation rund 27 Millionen Euro, allerdings hat sie nach eigenen Angaben bisher erst etwa 6 Millionen Euro gesammelt.
taz
14.01.2000
Die Basilika von Yamoussoukro war früher ein Symbol des Anspruchs der Elfenbeinküste, anders zu sein als der Rest Westafrikas, nämlich reich und multikulturell. Dem römischen Petersdom nachempfunden, stellte sie Félix Houphou‘t-Boigny, der Gründervater der Elfenbeinküste, in den 80er Jahren in sein zur Landeshauptstadt erhobenes Heimatdorf. Jetzt holt die Wirklichkeit das Prachtgelände aus weißem Marmor ein. Hunderte Bürgerkriegsflüchtlinge kampieren auf dem Gras, geflohen von der nur wenige Dutzend Kilometer entfernten Kriegsfront zwischen Regierungstruppen und Rebellen.
Sie sind die Vorhut einer Massenflucht aus der Rebellenhochburg Bouaké, 100 Kilometer nördlich von Yamoussoukro, die seit einer Woche Ziel schwerer Angriffe der Regierungstruppen ist. Von den 600.000 Bewohnern Bouakés haben nach Angaben von Hilfswerken bis zu 150.000 die Stadt verlassen und versuchen, sich über die Kriegsfronten nach Süden ins Regierungsgebiet durchzuschlagen. Denn das Rebellengebiet der Elfenbeinküste ist von jeglicher Versorgung abgeschnitten, aus Abidjan, Wirtschaftsmetropole und Regierungssitz, kommt nichts mehr durch, weder Lebensmittel noch frisches Geld. Die Bürger Bouakés müssen mit Hunger rechnen, falls die Belagerung durch die eigene Regierung noch lange andauert.
Das ist nur eine Facette der "humanitären Katastrophe", vor der UN-Stellen in Abidjan im mittlerweile fast einen Monat alten Bürgerkrieg der Elfenbeinküste warnen. Noch mehr Sorgen als die Flucht aus Bouaké bereitet den Hilfswerken die Fremdenfeindlichkeit aufgeputschter Anhänger der Regierung in Abidjan. Tausende Immigranten aus Burkina Faso wurden bereits vertrieben, weil das Nachbarland als Urheber der Rebellion in der Elfenbeinküste gilt.
Am 6. Oktober empfahl das ivorische Staatsfernsehen, eine halbe Million der geschätzt 2,5 Millionen Zuwanderer aus Burkina Faso im Land hinauszuwerfen. Nun bereiten sich die Nachbarländer auf einen Zustrom von Flüchtlingen vor, manche erwägen eine Militärintervention, um ihre Landsleute zu retten, etwa ein Drittel der 15 Millionen Einwohner der Elfenbeinküste stammen aus dem benachbarten Ausland.
In allen Nachbarländern, Liberia, Guinea, Mali, Burkina Faso und Ghana, prognostiziert die UN-Koordinationsstelle für humanitäre Fragen (OCHA) jetzt steigende Instabilität. "Gezieltes Vorgehen gegen westafrikanische Immigranten, vor allem die aus Nachbarländern, könnten zu massiven Zuströmen von Zivilisten in Nachbarländer führen, die die Auffangkapazizäten dieser Länder ernsthaft herausfordern würden, mit schweren Folgen für Frieden und Sicherheit in der Subregion und darüber hinaus", heißt es im jüngsten OCHA-Lagebericht. Das UN-Welternährungsprogramm WFP warnte am Freitag, es drohe eine "humanitäre Katastrophe" vom Ausmaß jener im Afrika der Großen Seen in den 90er Jahren, als Millionen Menschen aus Ruanda flohen.
Früher galt Abidjan als stabilste Metropole Westafrikas und war die Basis für Hilfsaktionen in Liberia und Sierra Leone. Jetzt können die Hilfswerke sofort vor Ort arbeiten. Dabei fallen gleich mehrere Tabus, die noch 1994 in Ruanda internationale Organisationen lähmten. So kümmert sich das UNHCR um Flüchtlinge in der Elfenbeinküste von Anfang an, statt zu warten, bis sie in ein Nachbarland gezogen sind. Die OCHA sorgt sich nicht nur um die Folgen von Ausländerfeindlichkeit, sondern kritisiert diese auch. "Die Verfolgung von Zivilisten ausländischen Ursprungs geht weiter, mit ernsten Folgen für die westafrikanische Region", schrieb die UN-Stelle am Freitag in einem Appell zum koordinierten Handeln in allen betroffenen Ländern. "Wir appellieren an die Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, vernehmbar den Ruf zum Respekt von Zivilisten unabhängig von ihrem Ursprung, ihrem Glauben oder ihrer politschen Haltung zu verbreiten."
Von DOMINIC JOHNSON
pte
06.11.2002
Die Bayer AG http://www.bayer.de und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) http://www.who.int haben eine Vereinbarung über eine Arzneimittelspende des Medikaments Germanin zur Bekämpfung der Schlafkrankheit abgeschlossen. Die auch als Afrikanische Trypanosomiasis bekannte tödlich verlaufende Krankheit trifft vor allem Menschen in Zentral- und Westafrika. Die Schlafkrankheit wird durch Blutparasiten, so genannte Trypanosomen, hervorgerufen, die von der Tsetse-Fliege übertragen werden.
Der Spendenumfang basiert auf einer von der WHO prognostizierten Menge. Die Organisation wird die Regierungen der betroffenen Länder über die kostenlose Verfügbarkeit von Germanin informieren und das Prozedere erläutern, wie das Medikament erhältlich ist. Das Arzneimittel wird an die WHO geliefert, die anschließend mit Hilfe von Experten über die Medikamentenanforderungen entscheidet.
"Es ist unser Ziel ein weltweites Bündnis zu gründen, um diese Krankheit endgültig zu besiegen", erklärte Jean Jannin von der WHO-Abteilung zur Überwachung von übertragbaren Krankheiten, deren Vorbeugung und Eliminierung. Die Weltgesundheitsorganisation werde weiterhin neue Partner aus den Bereichen Regierung, Wissenschaft und Wirtschaft zur Verstärkung des Kampfes gegen die Schlafkrankheit suchen.
Bayer beteiligt sich außerdem an der "Pan African Trypanosomiasis and Tsetse Eradication Campaign" (PATTEC), die im Juli 2000 unter anderem von der WHO und weiteren Organisationen gegründet wurde, durch die Aktivitäten zur Eindämmung der Trägerinsekten unterstützt werden sollen.
Von Sandra Standhartinger
pte
06.11.2002
Der nächste Meningitis-Ausbruch in Afrika könnte in den kommenden zwei Monate bevorstehen. Werden nicht umgehend Geldmittel aufgebracht, werden Impfstoffe und Medikamente zur Prävention und Epidemie-Kontrolle nicht zur Verfügung stehen. Das Internationale Rote Kreuz (IFRC) http://www.ifrc.org , Ärzte ohne Grenzen (Medicins sans frontieres) http://www.msf.org , UNICEF http://www.unicef.org und die WHO http://www.who.int haben sich heute, Dienstag, mit einem Zehn-Mio.-Euro-Hilfsappell an die Öffentlichkeit gewandt. Mit zehn Mio. Euro sollen Medikamente- und Impfstofflager augestockt werden.
Meningitis ist eine tödliche Erkrankung mit der größten Auswirkung auf Kinder. Fieber, Übelkeit und Kopfschmerzen können rasch schwerwiegende neurologische Schäden verursachen und letztendlich zum Koma bzw. Tod führen. Unbehandelt stirbt die Hälfte der Infizierten. Selbst bei einer Behandlung überleben zehn Prozent die Erkrankung nicht. Jene, die überleben müssen mit geistigen Schäden und Taubheit rechnen. Im afrikanischen "Meningitis-Gürtel" zwischen Äthiopien im Osten und dem Senegal im Westen kommt es jedes Jahr zu einem Meningitis-Ausbruch. Alleine 2002 gab es mindestens 33.000 Meningitis-Fälle und 2.500 Todesfälle.
In diesem Jahr tauchte allerdings ein neues Phänomen auf, das eine zusätzliche Herausforderung im Umgang mit einem Meningitis-Ausbruch mit sich bringt. Ein Meningokokken-Stamm namens W135, der bislang nur für sporadische Fälle in Afrika verantwortlich war, galt bei einem Ausbruch in Burkina Faso als hauptsächliche Ursache. Zwischen Februar und Juni 2002 infizierten sich 12.000 Menschen, von denen 1.500 verstarben. Derzeit existiert nur ein tetravalenter Impstoff gegen W135. Dieser wird größtenteils für den Verkauf in reichen Ländern produziert. Der Impfstoff-Preis liegt zwischen vier und 50 Dollar und ist vom Verkaufsort abhängig. Laut Angaben der WHO sind Gespräche mit Produzenten weit fortgeschritten und eine Lösung soll in greifbarer Nähe sein. Dann soll der W135-Impfstoff für betroffene Länder in Afrika für einen Dollar pro Dosis zur Verfügung stehen.
Von Sandra Standhartinger
pte
13.11.2002
Noch in dieser Woche werden in 16 westafrikanischen Ländern 60 Mio. Kinder gegen Polio geimpft. Der Impfstoff-Produzent Aventis Pasteur http://www.aventispasteur.com hat dafür 30 Mio. orale Impfstoffdosen für die "Global Polio Eradication Initiative" kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Immunisierungs-Kampagne hat in den vergangenen zwei Jahren die Zahl der Polio-endemischen Länder in Afrika auf den tiefsten Stand bisher gesenkt. 1999 waren 20 afrikanische Staaten polio-endemisch. 2002 gelten nur mehr Nigeria, Niger und Somalia als endemisch. Laut WHO http://www.who.int besteht aber erneut Gefahr in Angola und Ägypten.
Die Initiative zur weltweiten Ausrottung der Kinderlähmung hat zum Ziel, jedes Kind unter fünf Jahren gegen Polio zu impfen. Die Aventis-Pasteur-Impfstoffspende bildet dabei eine Ausnahme, da rund drei Mio. der insgesamt 30 Mio. Dosismengen für die Polio-Impfstoff-Kampagne in Liberia zweckbestimmt sind. Seit 1997 hat der Impfstoff-Hersteller 120 Mio. Impfstoffdosen für Afrika zur Verfügung gestellt.
Neben Aventis Pasteur kooperieren zahlreiche andere Organisationen und Institutionen in der von der WHO, Rotary International, der UNICEF und den US-Centers for Disease Control and Prevention angeführten "Global Polio Eradication Initiative". Weitere Partner sind Regierungen (u.a. Finnland, Dänemark, Italien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Österreich und die USA), die Europäische Union, die Weltbank, Privatstiftungen (z.B. die Bill & Melinda Gates Stiftung) und humanitäre Organisation wie das Internationale Rote Kreuz. Seit dem Start der Initiative 1988 reduzierte sich die Poliovirus-Übertragung von 125 Ländern auf zehn Länder im Jahr 2002.
Von Sandra Standhartinger
pte
29.11.2002
Das ursprünglich zur Behandlung gegen Brustkrebs eingesetzte Medikament Miltefosine eignet sich auch im Kampf gegen die "vergessene Krankheit" Kala Azar (viszerale Leishmaniose). An der Krankheit der Armut erkranken jährlich rund 500.000 Menschen, hauptsächlich auf dem indischen Subkontinent und in Ostafrika, aber auch in Südeuropa. Jedes Jahr sterben Zehntausende. Ein internationales Forscherteam bestätigt nun vorangegangene kleinere Studien. Miltefosine wirkt zu 94 Prozent. Miltefosine wird vom deutschen Biotech-Unternehmen Zentaris http://www.zentaris.de entwickelt. Die Ergebnisse erscheinen im New England Journal of Medicine http://content.nejm.org/cgi/content/short/347/22/1739 . "Die Miltefosine-Behandlung, ein bis zwei Pillen über einen Zeitraum von 28 Tagen, erfordert keinen Krankenhausaufenthalt", erklärte Shyam Sundar von der Benares Hindu University in Indien und Leiter der Studie in einem Bericht der New York Times http://www.nytimes.com . Dies ist laut Sundar ein wesentlicher Vorteil, da Krankenhaus-Plätze für Kala-Azar-Patienten begrenzt sind. Der Mediziner hofft, daß das Medikament zu einem Preis für eine einmonatige Behandlung um 50 Dollar zur Verfügung stehen wird.
Miltefosine wurde Mitte der 80er Jahre entwickelt und erwies sich für die Behandlung von Brustkrebs als vielversprechend. Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich machten aber die Hoffnung zunichte. In niedrigerer Dosis eignet sich Miltefosine aber zur Behandlung von Kala Azar. Schwere Nebenwirkungen treten laut Forschern nicht auf. 40 Prozent der Patienten mussten erbrechen, 20 Prozent litten an Durchfällen. Die Symptome dauerten durchschnittlich ein bis zwei Tage an.
Weitere Studien sollen nun praktische Überlegungen abklären wie z.B. die Distributionspolitik. Diese soll gewährleisten, daß Miltefosine nicht an schwangere Frauen verabreicht wird. In Tierstudien führte das Medikament zur Schädigung des Fötus. Zudem wird untersucht, ob sich Miltefosine auch zur Behandlung in Afrika und Südamerika eignet. Auch in Südeuropa hält Kaza Azar, die durch einen Stich von Sandmücken, so genannten Phlebotomen, auf den Menschen übertragen wird, seit den vergangenen Jahren verstärkt Einzug. Wenn der Erreger Leishmania dovovani in den menschlichen Körper eingedrungen ist, vermehrt er sich und greift das Immunsystem an. Die Folgen sind hohes Fieber, starker Gewichtsverlust, Gelenkschmerzen und eine vergrößerte Milz. Unbehandelt führt Kala Azar unweigerlich zum Tod. Normalerweise sterben die Patienten an Begleiterkrankungen wie Lungenentzündung oder Durchfall, da das Immunsystem nicht mehr richtig funktioniert.
Von Sandra Standhartinger
Neue Zürcher Zeitung
04.12.2002
Blutsauger und Pflanzenschädlinge bedrohen Millionen von Menschen in Afrika. Ein besseres Verständnis tropischer Insekten kann jedoch helfen, Ausbrüche von Malaria und Schlafkrankheit einzudämmen sowie den Pflanzenschutz auf schonende Art zu verbessern. Deshalb untersucht das International Centre of Insect Physiology and Ecology in Kenya das Verhalten von Anophelesmücken und anderen Insekten.
Behutsam taucht der Forscher eine Kelle in die unappetitliche Brühe und fischt eine Anzahl Insektenlarven aus dem Teich. Ort des Geschehens ist eine Lehmgrube bei Kisii im dicht bevölkerten Hochland von Westkenya. Hier raffte eine Malariaepidemie in diesem Sommer mehr als vierhundert Personen dahin, obwohl das Gebiet wegen seiner relativ tiefen Temperaturen bisher als einigermassen malariasicher galt. Der Mitarbeiter des International Centre of Insect Physiology and Ecology (Icipe) ist vor allem an den Larven der Stechmücken interessiert, die zum Komplex der Anopheles gambiae gehören. Die ausgewachsenen Exemplare dieses Blutsaugers sind Überträger des Einzellers Plasmodium falciparum, des gefährlichsten Malariaerregers. Den Brutplatz, einen mit Regenwasser gefüllten Tümpel, hatte die lokale Bevölkerung ausgehoben, um Lehm zu Ziegeln zu verarbeiten.
Malaria - vom Menschen mitverursacht
Rund um Kisii sind in den vergangenen Jahrzehnten unzählige solcher Lehmgruben entstanden, denn die Nachfrage nach Ziegeln ist gross. Rund 95 Prozent der hier lebenden Malariamücken stammten aus diesen vom Menschen geschaffenen Brutplätzen, erklärt François Omlin, ein Schweizer Biologieprofessor, der das Projekt zur Untersuchung der sogenannten Hochland- Malaria des Icipe leitet. Dabei gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied. In den aufgegebenen und mit Regenwasser gefüllten Lehmgruben schlüpfen nur gerade 25 Prozent aller Anophelesmücken, während 70 Prozent aus den weiterhin ausgebeuteten Gruben kommen. Der Grund für diese Diskrepanz sind die natürlichen Feinde, die in den verlassenen und bereits von Pflanzen überwucherten Teichen besser gedeihen.
Der Kampf gegen die Anophelesmücke sollte im kenyanischen Hochland deshalb vor allem in den vom Menschen ausgehobenen Tümpeln geführt werden. Das Brennen von Ziegeln stellt jedoch eine wichtige Einkommensquelle dar. Deshalb ist es unrealistisch, sämtliche Lehmgruben trockenzulegen, zumal das in den Vertiefungen gesammelte Regenwasser in der Trockenzeit für die Ziegelproduktion gebraucht wird. Die Mückenplage lasse sich darum nur mit Insektiziden bekämpfen, meint Omlin, doch müsse man unbedingt darauf achten, daß die natürlichen Feinde der Anophelesmücke dabei nicht ebenfalls dezimiert werden.
Omlin ist zuversichtlich, schon in wenigen Monaten ein pflanzliches Mittel vorstellen zu können, das genau das leistet. Grundlage ist der lokal vorhandene Neem-Baum, dessen Früchte und Blätter die Kenyaner schon längst als Malariamittel verwenden. Experimente des Icipe haben gezeigt, daß zum Beispiel Säcke mit Sägespänen des Neem-Baums die Anopheles-Populationen drastisch vermindern, wenn sie für einige Zeit in die Lehmgruben getaucht werden. Die chemische Zusammensetzung der rund 100 Wirkstoffe des Neem-Baums ist allerdings noch nicht vollständig bekannt. Weil derart viele Substanzen in dem vom Icipe entwickelten pflanzlichen Insektizid enthalten seien, falle es den Malariamücken schwer, dagegen resistent zu werden, fügt Omlin hinzu. Mit Insektiziden auf Neem-Basis hofft das Icipe dazu beizutragen, einen neuen Ausbruch von "Hochland-Malaria" mit Hunderten von Todesopfern zu verhindern.
Die Erkenntnisse der Insektenforschung nützt das 1970 gegründete Icipe, das sein Hauptquartier in der kenyanischen Hauptstadt Nairobi hat, nicht nur im Kampf gegen Malaria. Auch Heuschrecken und die von der Tsetsefliege übertragene Schlafkrankheit bilden Forschungsschwerpunkte. Ihnen widmet man sich vor allem in Aussenstationen in den Nachbarländern Sudan und Äthiopien. Daß dem Institut eine starke internationale Ausstrahlung nachgesagt wird, hat aber nicht nur mit seinen verschiedenen Forschungszentren und mit dem bekannten Schweizer Agronomen Hans Rudolf Herren zu tun, der das Icipe seit 1994 leitet. Auch der Aufsichtsrat ist international, und in der Belegschaft sind insgesamt 25 Staaten vertreten. Zwar stammt die Mehrzahl der Mitarbeiter aus Afrika, es herrscht aber auch ein stetiges Kommen und Gehen von Forschern aus aller Welt. Zudem habe man mehr Wissenschafter ausgebildet als jede Universität in Afrika, erklärt der Mediziner Onesmo ole-MoiYoi, der Forschungsleiter des Instituts.
Als Herren das Zepter vor rund acht Jahren übernahm, ging es dem Icipe allerdings nicht gut. Mit einem Jahresbudget von 4,5 Millionen Dollar mussten die Gehälter von etwa 800 Angestellten bezahlt werden. Herren fokussierte die Forschung des Instituts, das sich mit Insektenforschung und Insektenkontrolle befasst, stärker auf vier Bereiche - Gesundheit für Menschen, Tiere, Pflanzen und Umwelt - und reduzierte den Mitarbeiterstab auf rund 200. Im gleichen Zeitraum stieg das Jahresbudget auf 11,5 Millionen Dollar, wobei die Schweiz, die skandinavischen Staaten und Frankreich zu den wichtigsten Geldgebern gehören. Herren gelang es in den letzten drei Jahren auch, den Anteil der Verwaltungskosten von 25 auf 15 Prozent zu verringern.
Anziehung und Abstossung beim Mais
Zu den Insekten, mit denen sich die Icipe-Forscher beschäftigen, gehören auch Bienen sowie Pflanzenschädlinge und -nützlinge. So fliesst ein grosser Teil des Budgets in ein Projekt zum Schutz von Mais gegen Schädlinge und schmarotzendes Unkraut. Mais ist das Hauptnahrungsmittel in Kenya und in vielen anderen afrikanischen Staaten. Bedroht wird die Ernte vor allem vom Stengelbohrer (Chilo partellus), einer Mottenlarve, die Getreidepflanzen von innen her auffrisst und deshalb gegen versprühte Insektizide weitgehend immun ist.
Zeyaur Khan, ein promovierter indischer Entomologe und leitender Icipe-Forscher, hat rund 400 lokale Grasarten auf ihre Anfälligkeit gegenüber dem Stengelbohrer untersucht. Dabei entdeckte er, daß Napier-Gras (Pennisetum purpureum) und Sudan-Gras (Sorghum vulgare sudanese) für Stengelbohrer attraktiver sind als Mais. Napier-Gras hat zudem die Eigenschaft, bei Befall durch Stengelbohrer einen Stoff auszuscheiden, an dem die Schädlinge kleben bleiben und verenden. Während das Napier-Gras die Stengelbohrer wie eine Falle anlockt (eine sogenannte Pull-Komponente), wirkt eine vor rund 50 Jahren nach Afrika eingeführte Leguminosenart namens Desmodium abstossend (Push-Komponente). Der Grund dafür sind von Desmodium abgesonderte chemische Substanzen, die der Stengelbohrer nicht mag.
Die Pflanze hat zudem eine höchst willkommene Nebenwirkung: Wo sie wächst, wird das Vorkommen der schmarotzenden Striga hermonthica stark vermindert. Dieses Unkraut bohrt seine Wurzeln in jene der Maispflanzen und entzieht diesen so die Nährstoffe. Khan schätzt die wirtschaftlichen Schäden in Afrika als Folge der Stengelbohrer- und der Striga-Plage auf 7 Milliarden bis 13 Milliarden Dollar pro Jahr. Das Überleben von Millionen von Menschen ist bedroht, wenn sich die Schädlinge weiter ausbreiten. Deshalb entwickelte Khans Team die sogenannte Push-Pull-Strategie: Rund um ein Maisfeld wird Napier-Gras gepflanzt, das Stengelbohrer von den Nutzpflanzen weg in eine Falle lockt. Im Feld wird zwischen dem Mais zudem Desmodium angesät, das Stengelbohrer vertreibt und Striga-Unkraut in Schach hält. Gegenüber den in Afrika weitverbreiteten traditionellen Anbaumethoden verbessert das Push-Pull-Verfahren das Verhältnis von Ertrag zu Kosten um zwischen 47 und 64 Prozent; und verglichen mit dem Einsatz von Insektiziden und Herbiziden beträgt die Steigerung immer noch 10 bis 28 Prozent.
Schwierige Umsetzung
Das Icipe versucht nun seit fünf Jahren, die Bauern in Westkenya von der Push-Pull-Methode zu überzeugen. Diese wird bisher jedoch nur von schätzungsweise 1500 Bauern praktiziert, eine verschwindend kleine Zahl gemessen an den rund 23 Millionen Kenyanern, die in der Landwirtschaft tätig sind. Die Push-Pull-Methode erfordert von den Kleinbauern nämlich erhebliche Investitionen in Form von Arbeit. Ein Teil des fruchtbaren Bodens muss dem Napier-Gras geopfert werden, das allerdings ein nahrhaftes Rinderfutter darstellt. Das grösste Hindernis ist allerdings der Preis der Desmodium-Samen: Ein Kilogramm, das für die Aussaat auf einer Fläche von etwa 40 Aren ausreicht, kostet umgerechnet rund 15 bis 23 Franken.
Der Icipe-Direktor Herren zeigt sich heute einigermassen frustriert über die geringe Verbreitung der Push-Pull-Methode. Er wirft den ausländischen Hilfsorganisationen vor, gegenüber neuartigen Verfahren wenig aufgeschlossen zu sein. Ausserdem mangle es immer dann an Geld, wenn es um die Umsetzung einer nützlichen Erfindung wie der Push-Pull-Methode gehe. Um das Angebot an Desmodium-Samen an die grosse Nachfrage anzupassen, wird das Icipe vom nächsten Jahr an auf rund 200 Hektaren Boden Desmodium anpflanzen. Das Land hat das Institut von der kenyanischen Regierung erhalten. Von diesem Effort erhofft sich Herren nun die nötige Initialzündung, die dem sanften Pflanzenschutz à la Icipe zum eigentlichen Durchbruch verhelfen soll.
Ein Schweizer mit Auszeichnungen
Hans Rudolf Herren, der Schweizer Direktor des International Centre of Insect Physiology and Ecology (Icipe), blickt auf eine grosse Erfahrung in der biologischen Schädlingsbekämpfung zurück. Der 1947 geborene Agronom promovierte 1977 an der ETH Zürich mit einer Dissertation über die biologische Bekämpfung des Lärchenwicklers im Engadin. Seinen bisher grössten Erfolg feierte er 1995, als er den World Food Prize erhielt, die begehrteste Auszeichnung im Bereich Landwirtschaft. Herren hatte Ende der siebziger Jahre ein Forschungsteam geleitet, das die aus Südamerika nach Afrika eingeschleppte Maniok-Schmierlaus mit biologischen Mitteln bekämpfte. Dieser Schädling bedrohte die Maniok-Wurzel, das Grundnahrungsmittel von rund 200 Millionen Afrikanern. Dank Herren wurden Millionen von Menschen vor dem Hungertod gerettet, wie es in der Laudatio hiess. Daneben wurde Herren mit dem Sir and Lady Rank Prize for Nutrition und dem Kilby Award ausgezeichnet. Und Ende letzter Woche erhielt er den Preis 2002 der in Zürich ansässigen Brandenberger-Stiftung.
K.P.
pte
15.12.2002
Versuche mit dem Wirkstoff Fosmidomycin, das den Malaria-Parasiten Plasmodium falciparum abtötet, sind erfolgreich verlaufen. Die antibakterielle Substanz eliminierte den Parasiten bei Probanden in Gabun/Afrika im Durchschnitt innerhalb von 48 Stunden. Die Nebeneffekte waren laut Forschern der Universität Tübingen http://www.uni-tuebingen.de nur geringfügig.
Der Erfolg des Versuchs ist auf die Analyse des Genoms von Plasmodium falciparum, das im Oktober publiziert wurde, zurückzuführen. Forscher der Justus-Liebig-Universität folgerten, daß der antibakterielle Wirkstoff Fosmidomycin den Isoprenoid-Stoffwechsel im Parasiten blockieren könnte. Lebenswichtige Isoprenoide wie Cholesterin, Steroidhormone, Carotinoide und Zellmembranbestandteile werden von allen Lebewesen synthetisiert. Bakterien und Plasmodien benutzen allerdings dazu einen anderen Stoffwechselweg als Menschen. Dies macht den Isoprenoid-Stoffwechsel zu einem geeigneten Ziel für Antibiotika. Es zeigte sich, daß Fosmidomycin ein Enzym dieses Stoffwechsels blockiert und die Erreger damit aushungert.
Die Tübinger Wissenschafter konnten nun bei 23 erwachsenen Probanden zeigen, daß Fosmidomycin bei einem Parasiten-Stamm wirkt, der auf die meisten herkömmlichen Medikamente resistent ist. Im nächsten Schritt soll der Wirkstoff bei Kindern getestet werden, da in den von Malaria heimgesuchten Regionen Erwachsene häufig chronisch dem Parasiten ausgesetzt und daher semi-immun sind. Wirkt Fosmidomycin auch bei Kindern, hat es eine noch größere Bedeutung, zitiert das Fachblatt New Scientist http://www.newscientist.com David Warhust von der London School of Hygiene and Tropical Medicine.
Von Sandra Standhartinger
pte
15.12.2002
Mit einer internationalen Kampagne will die Weltgesundheitsorganisation WHO http://www.who.int den Zugang zu Medikamenten für HIV-Patienten erleichtern. Nach einer veröffentlichten Studie hat nämlich derzeit von 20 HIV-Positiven nur einer Zugang zu effektiven Präparaten. An der Aktion der internationalen HIV Treatment Access Coalition (ITAC) http://www.itacoalition.org sind mehr als 50 Gesundheitsorganisationen weltweit beteiligt.
Geschätzte 300.000 Aids-Patienten in Entwicklungs- und Schwellenländern haben nach Angaben der WHO Zugang zu adäquaten Medikamenten. Von den weltweit 42 Mio. HIV-Patienten leben aber 95 Prozent in Entwicklungsländern. In manchen dieser Staaten ist sogar mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung mit HIV infiziert. ITAC will vor allem erreichen, daß bessere Aufklärungsarbeit über den Gebrauch der Medikamente geleistet wird und daß Druck auf internationale Pharmaunternehmen ausgeübt wird, um die Medikamente billiger an die Betroffenen abgeben zu können.
Obwohl die antiretroviralen Medikamente (ARV) die Krankheit nicht heilen können, verhindern sie aber die Replikation des Virus und sorgen so für eine Stärkung des Immunsystems um weitere Infektionen abzuwehren. Die ARVs haben in Europa und den USA die Zahl der Aids-Toten deutlich gesenkt und das Leben mit der heimtückischen Krankheit ertragbar gemacht. Obwohl in Afrika südlich der Sahara die Anwendung von ARV-Medikamenten 2002 um zwei Drittel gestiegen ist, hat nur ein Prozent der 4,1 Mio. Betroffenen Zugang zu den modernen Präparaten. Für WHO-Direktorin Gro Harlem Brundtland ist es ein Ziel die täglichen Kosten von zwei Dollar für ARV-Medikamente eines Betroffenen aufzutreiben. Es sei untragbar, daß Menschen wegen dieses Betrages zum Tod verurteilt sind, erklärte die engagierte WHO-Chefin. Es dürfe nicht sein, daß ein Leben auf unserem Planeten so wenig Wert sei.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
26.12.2002
Die Organochlorverbindung Triclosan könnte sich zur Behandlung der Schlafkrankheit (Trypanosoma) eignen. Im Labor stoppte Triclosan das Wachstum des Parasiten Trypanosoma brucei (T. brucei), berichtet Kimberly Paul von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore/Maryland http://www.hopkinsmedicine.org/medicalschool auf dem Jahrestreffen der American Society for Cell Biology in San Francisco http://www.ascb.org/meetings/am2002/main02mtg.htm. Triclosan wird wegen ihrer desinfizierenden Wirkung in kosmetischen Präparaten, als desodorierender Zusatz in festen Seifen und Flüssigseifen sowie in desinfizierenden Seifen und chirurgischen Händedesinfektionsmitteln eingesetzt.
Paul´s Team entdeckte, daß bestimmte Gene des Parasiten, die er zum Aufbau von Fettsäuren benötigt, eine nähere Verwandtschaft zu Genen in Bakterien aufweisen als zu Genen in Säugetieren oder Hefen. Die Forscher stellten dies unter Verwendung von DNA-Sequenzdaten des T.-brucei-Genom-Projekts fest. Die Ergebnisse überraschen die Wissenschafter, da Triclosan eine antibakterielle Chemikalie, T. brucei aber kein Bakterium ist.
Triclosan könnte eine Verbesserung gegenüber bestehenden Medikamenten, insbesondere Arsen-Derivaten, darstellen, die für Patienten toxisch sind. Triclosan greift nur den Parasiten und keine menschliche Zellen an. Noch müssen die Forscher aber testen, ob die Substanz tatsächlich auch die Symptome der Schlafkrankheit lindert. Selbst wenn sich die Wirkung bestätigt, könnte der Parasit durch die Resistenz-Entwicklung auf Triclosan die Hoffnung der Forscher zunichte machen. Die Schlafkrankheit wird durch die Tse-Tse-Fliege (Glossina morsitans centralis) übertragen.
In Afrika südlich der Sahara leiden mehr als eine halbe Million Menschen an Trypanosoma. Unbehandelt ist die Schlafkrankheit in der Regel eine tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Es treten schwere Schlafstörungen mit Schlaflosigkeit in der Nacht und gesteigertem Schlafbedürfnis am Tag auf. Das Spätstadium der Schlafkrankheit ist durch eine Vielzahl neurologischer Symptome gekennzeichnet, wie verwaschene Sprache, Gang- und Koordinationsstörungen sowie Krampfanfälle. Sie sind die Folge einer Entzündung des Gehirns und des Rückenmarkes durch auf dem Blutweg verschleppte Parasiten. Eine gestörte Nahrungsaufnahme führt zur typischen drastischen Gewichtsabnahme.
Von Sandra Standhartinger
pte
29.01.2003
Der Parasit Trypanosoma brucei, Auslöser der Schlafkrankheit, hat einmal eine Pflanze geschluckt. Wissenschafter der Universite catholique de Louvain in Belgien http://www.ucl.ac.be entdeckten im Organismus pflanzenartige Gene, die einen neuen Ansatz für Medikamente gegen die Mikrobe darstellen könnten. Die Schlafkrankheit befällt jährlich rund eine Mio. Menschen in Afrika südlich der Sahara. Durch Trypanosomen werden die ebenfalls tödliche Chagas-Krankheit in Südamerika und die Leishmaniose ausgelöst. Vor mehr als einer Mrd. Jahre haben sich die Vorfahren der Trypanosomen vermutlich mit einer Grünalgenspezies zusammengeschlossen, erklärte Fred Opperdoes. Mit der Pflanze an Bord konnten die Trypanosomen die Sonnenenergie nutzen. "Für die Mikroorganismen hätte dies einen enormen Vorteil gebracht", erklärte Opperdoes. Zu Parasiten gewordene Trypanosomen hätten nicht weiter Photosynthese betreiben müssen. Später ist die Alge degeneriert und einige der Gene wurden zu Genen der Trypanosomen. "Für den Parasiten sind die Gene lebenswichtig", so der Forscher in einem Bericht des Fachblatts Proceedings of the National Academy of Sciences http://www.pnas.org.
Opperdoes ist bereits seit mehr als zehn Jahren davon überzeugt, daß diese Gene ideale Medikamenten-Kandidaten darstellen. Bislang war aber unklar, woher die Gene stammen. Die belgischen Forscher entdeckten die Pflanzengen-Relikte bei der Analyse der Genome von T. brucei und Leishmania mexicana. Bisher wurden 16 relevante Gene gefunden.
Von Sandra Standhartinger
pte
28.02.2003
Aids wird auf das Weltbevölkerungswachstum verheerendere Auswirkungen haben als noch vor zwei Jahren angenommen wurde. Laut Schätzungen von Demographen der Bevölkerungsabteilung http://www.un.org/esa/population/unpop.htm der UNO hat die Immunschwächekrankheit 2050 ihre stärkste Auswirkung. Die Weltbevölkerung wird um 480 Mio. Menschen weniger ansteigen, heißt es im aktuellen Bericht "World Population Prospects: The 2002 Revision". Noch vor zwei Jahren wurde prognostiziert, daß Aids das Bevökerungswachstum Mitte des 21. Jahrhunderts um "nur" 300 Mio. Menschen drosselt. Ausführliche Informationen als pdf-Download unter: http://www.un.org/esa/population/publications/wpp2002/WPP2002-HIGHLIGHS.PDF
Die aktuellen Schätzungen reflektieren beides, mehr als angenommene Aids-Todesfälle und weniger Geburten, bedingt durch den frühen Tod von Frauen im gebärfähigen Alter. In Indien allein werden 47 Mio. der nach oben korrigierten Aids-Todesfälle erwartet. Für China rechnen die Demographen mit 40 Mio. Todesfällen. Den Erwartungen der UN-Abteilung entgegengesetzt wird sich die Aids-Epidemie auf die Bevölkerung in Afrika noch verheerender auswirken. Am stärksten betroffen werden Länder südlich der Sahara wie Botswana, Lesotho, Namibia, Südafrika, Swaziland, Sambia und Simbabwe sein. Hier sind mehr als 20 Prozent der Bevölkerung HIV-infiziert. In weniger als zwölf Jahren wird sich bedingt durch Aids in diesen Ländern die Bevölkerungszahl um 19 Prozent reduzieren. Als Hauptgrund für die nach oben korrigierten Aids-Todesprognosen nennt der Leiter der UN-Bevölkerungsabteilung Joseph Chamie den unerwarteten Anstieg der HIV-Prävalenz vor allem in bevölkerungsreichen Ländern wie Indien, China, Russland und Nigeria.
Botswana wird mit dem Aids-Problem am meisten zu kämpfen haben. Hier sind beinahe ein Drittel aller Erwachsenen mit dem HI-Virus infiziert. Die Lebenserwartung ist von 65 Jahren im Zeitraum 1990-1995 auf 56,3 Jahre zwischen 1995-2000 gesunken. In den nächsten zwei Jahren soll die Lebenserwartung nur noch bei 39,7 Jahren liegen. Ein düsteres Bild zeichnet sich für 2050 ab. Dann soll die Bevölkerung in Botswana 1,4 Mio. Menschen zählen. Dies ist gegenüber 2000 ein Schwund von 20 Prozent. Ein deutlicher Bevölkerungsrückgang wird auch für Südafrika, Lesotho und Swaziland prognostiziert.
Von Sandra Standhartinger
pte
07.03.2003
Deutschland hat sein erstes Hochsicherheits-Insektarium. Eingerichtet wurde es am Hygiene-Institut des Universitätsklinikums Heidelberg http://www.uni-heidelberg.de. In dem besonders abgesicherten Labor werden tropische Insektenarten wie z.B. Larven der Anopheles-Stechmücke, der Krankheitsüberträger der Malaria, gezüchtet und erforscht. Nur autorisierte Wissenschafter können mit einer Codekarte das Insektarium betreten. Beim direkten Umgang mit den Mücken müssen sie Schutzanzüge tragen. Wer das Insektarium verlässt muss eine fünfminütige Luftdusche über sich ergehen lassen. Die Mücken selbst sind dreifach in speziellen Behältern und Schränken gesichert. Der Sicherheitsstandard orientiert sich an Insektarien der US-Seuchenbehörde "Centers of Disease Control" in Atlanta. Dieser macht ein Entweichen der infizierten Mücken unmöglich.
"Um den Erreger der häufigsten Malariaform, den Parasiten Plasmodium falciparum, zu studieren, ist es wichtig, auch seinen Überträger züchten zu können", erklärt Kai Matuschewski, Wissenschafter in der Abteilung Parasitologie, die Vorteile von Experimenten mit lebenden Anopheles-Mücken. Denn für den Menschen infektiös seien ausschließlich die Sichelkeime, eine bestimmte Entwicklungsform des Plasmodiums, die sich nur in weiblichen Anopheles entwickelt. In Kooperation mit der "Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage" (KABS) wird nun untersucht, ob die wenigen, noch in Deutschland verbliebenen Stechmücken in der Lage sind, den Malaria-Erreger aufzunehmen und die gefährlichen Sichelkeime zu bilden. Mit einem Ausbruch der Malaria ist laut Michael Lanzer, Direktor der Abteilung Parasitologie, nicht zu rechnen. Denn nur in dem recht unwahrscheinlichen Fall, daß eine heimische Anopheles-Mücke eine Person sticht, die sich beim Aufenthalt in den Tropen infiziert hat, könnte es zur Verbreitung des Erregers kommen.
Ein weiteres Experiment der Heidelberger Arbeitsgruppe befasst sich mit der zunehmenden Unempfindlichkeit des Erregers gegen Chloroquin. Chloroquin war einmal das wichtigste Arzneimittel im Kampf gegen Malaria. Daher suchen die Forscher nach Genen für die Resistenz. "Wir kreuzen einen empfindlichen mit einem nicht-empfindlichen Stamm", erklärt Lanzer. An den Genmustern, die sich in den nachfolgenden Erreger-Generationen finden, kann abgelesen werden, welche Gene für die Entwicklung der Resistenz gegen Chloroquin ausschlaggebend sind. Sind die Gene identifiziert, kann das Chloroquin voraussichtlich verändert werden, so daß es wieder einsatzfähig wird. "Dies wäre ein erheblicher Fortschritt, denn neuentwickelte Malaria-Medikamente sind für die meisten Menschen in Afrika unerschwinglich", so Lanzer. Eine Impfung gegen Malaria gibt es nicht.
Von Sandra Standhartinger
pte
12.03.2003
Der Schweizer Medizin-Nobelpreisträger Rolf Zinkernagel bezweifelt, daß es jemals einen wirksamen Impfstoff gegen Aids geben wird. Der Mediziner glaubt aber, daß sich das HI-Virus quasi zu Tode mutieren wird. Das sei die einzige Chance, den Erreger loszuwerden, berichtet die Singapore Straits Times http://straitstimes.asia1.com.sg. Der Forscher, der bei einer Konferenz über Immunologie an der Universität von Singapur teilnimmt, meint aber, daß dies noch Jahrzehnte dauern könnte.
Zinkernagel, der 1996 zusammen mit dem Australier Peter Doherty für die Entdeckung des Erkennungsvorgangs köperfremder Zellen durch das menschliche Immunsystem, die so genannte MHC-Restriktion der T-Zell-Erkennung, den Nobelpreis erhielt, bezweifelt, daß es je eine wirksame Impfung gegen Aids geben werde. Andere Erkrankungen wie etwa die Pocken konnten mit Vakzinen ausgerottet werden, dies ist beim HI-Virus aller Wahrscheinlichkeit nach nicht möglich. "HIV verkrüppelt das Immunsystem, indem es die T-Zellen infiziert und tötet, diese sind aber wesentlich für das Funktionieren des Immunsystems", so der Forscher. Das Virus verwendet für diesen Angriff eine Protein-Struktur namens gp120, um in die Zellen eindringen zu können. "Die Schwierigkeit eines Vakzins liegt darin, daß wenn auch nur eine einzige Zelle vom Virus angegriffen wird, das Virus in dieser Zelle bleibt und an andere Zellen weitergegeben wird, auch wenn das Immunsystem ganz normal weiter arbeitet und versucht dagegen anzukämpfen", so der Experte, der Leiter des Instituts für experimentelle Immunologie an der Universität von Zürich ist. HIV könne relativ lange kontrolliert werden, vor allem dann, wenn die T-Zellen und Antikörper gestärkt werden.
"Wir arbeiten daran, den Ausbruch von Aids so lange wie möglich hinauszuzögern", so der Forscher. 30 bis 40 Jahre sollten in Zukunft kein Problem darstellen. Im Vergleich dazu sei es heute schon möglich, den Ausbruch der Krankheit um eine Dekade hinaus zu schieben. Weltweit, schätzen Gesundheitsexperten, sind fast 45 Mio. Menschen HIV-positiv. Geschätzte 3 Mio. Menschen sind bis heute daran gestorben. Zinkernagel räumt ein, daß es möglich ist, daß Aids deshalb so ein virulenter Killer ist, weil die Erkrankung noch nicht lange genug auf den Menschen adaptiert sei. "Generell hat ein Virus kein Interesse daran, daß der Wirt stirbt, da es dann selbst auch zu Grunde geht", erklärt der Spezialist. "Afrikanische Primaten, von denen die Krankheit möglicherweise stammt, tragen alle abgeänderte Aids-Viren in sich, sie sterben aber nicht daran." Der Wissenschaftler hält es für möglich, daß im Zuge der Mutation des Virus die letale Wirkung von selbst beendet. Das könne aber noch Jahrzehnte dauern. Zinkernagel sieht Prävention als wichtigste Kampfmaßnahme gegen das tödliche Virus. "Wie bei den meisten medizinischen Problemen scheitert es am Menschen selbst, denn diese sind von Natur aus undiszipliniert". Schließlich sei es leichter eine Impfung gegen die Erkrankung zu fordern, als beim Geschlechtsverkehr oder beim Drogenkonsum vorsichtig zu sein.
Weitere Informationen: http://www.unizh.ch/pathol/experimentelle-immunologie
Von Wolfgang Weitlaner
pte
12.03.2003
Rizin, ein Extrakt aus Bohnen des Rizinusbaumes, soll nach Ansicht von Wissenschaftern der University of Texas als neues Mittel gegen Krebs Verwendung finden. Der Stoff ist eine hochgiftige Substanz, die auch als biologische Waffe Einsatz findet, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk heute, Dienstag.
Die Wissenschafter des Southwestern Medical Center, einer Forschungseinrichtung der Universität von Texas http://www3.utsouthwestern.edu, haben das gefährliche Toxin genetisch so modifiziert, daß es für den Menschen nicht gefährlich ist, aber die Krebszellen tötet. Das Toxin hat nämlich in seiner unveränderten Art zum "Syndrom blutender Gefäße" , das insbesondere die Blutgefäße der Lungen betroffen hat, geführt. Die Forscher hatten daraufhin andere Proteine, von denen sie wussten, daß sie zu dem Syndrom führen, genetisch untersucht. Die Ähnlichkeiten in den chemischen Substanzen, die zu den Blutungen führten, konnten eindeutig festgestellt werden. Dann wurde das genetisch veränderte Rizin-Toxin, das diese chemischen Strukturen nicht aufwies, in Tierversuchen getestet. Tatsächlich zeigte sich, daß dieses die Tumorzellen tötete. Außerdem litten weniger Mäuse an dem Syndrom der blutenden Gefäße. Über das Ergebnis dieser Forschungsarbeit wird in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature Biotechnology" berichtet.
Der Rizinusbaum (Ricinus cummunis), der in Asien und Afrika beheimatet ist, ist seit über 4.000 Jahren bereits als Ölpflanze in Ägypten bekannt. Das Öl wurde seinerzeit schon als Abführmittel aber auch für die Haarpflege benutzt. Der zu den Wolfsmilchgewächsen zählende Baum wird zwei bis drei Meter hoch, in seiner Heimat sogar bis zu 13 Meter. Das Gift liegt in der Samenkapsel. Die kritische Dosis ist nach Angaben von Forschern der Informationszentrale für Vergiftungen an der Universität von Bonn nicht bekannt. Ein zerkauter Samen kann aber bereits schwerwiegende Krankheitszeichen hinterlassen, berichten die Bonner Experten.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
04.04.2003
An der Nelson Mandela Medical School http://www.nu.ac.za/department/default.asp?dept=medicine und an der Universität von Natal http://www.nu.ac.za im südafrikanischen Durban starten nächste Woche Versuche mit einer neuen Technologie im Kampf gegen HIV. In klinischen Tests an 360 HIV-positiven-Patienten wird untersucht, ob Mikrowellen das tödliche Virus von der Vervielfältigung abhalten können. Die elektromagnetische Behandlung erfolgt mit einem Gerät, das Radiowellen emittiert. Die Emission entspricht jener von Mobiltelefonen, erklärt der Leiter der medizinischen Abteilung Umesh Lalloo. Ende des Jahres sollen die Versuche abgeschlossen sein. Am Standort der Uni, der Provinz KwaZulu-Natal, sind Schätzungen zufolge mehr als ein Drittel der Bevölkerung HIV-infiziert.
Medikamente und Impfungen kommen bei der Behandlung nicht zur Anwendung. Getestet wird die Hypothese, daß eine elektromagnetische Frequenz Brüche im viralen Genom verursacht und ob dieser Effekt die virale Replikation beeinflusst. Entwickelt wurde das Verfahren von russischen Wissenschaftern, perfektioniert von südafrikanischen Forschern. Laut dem medizintechnischen Unternehmen Hivex, das die Versuche vorbereitete, kam es aber unter wissenschaftlich kontrollierten Bedingungen nie zum Einsatz. Mit drei Mio. Dollar wird die Studie vom britischen Rüstungskonzern BAE Systems finanziert, der ebenso wie Hivex seine Unabhängigkeit betont.
Nach Angaben von Lalloo werden alle teilnehmenden Probanden ausführlich über die Versuche informiert. Zu diesem Zeitpunkt sei die positive Wirkung der Behandlung reine Spekulation. Die Gesundheitsbehörde in Pretoria ist am Projekt nicht beteiligt. Von der Strahlungskontrollaufsicht wurde eine eingeschränkte Genehmigung erteilt. Die Forschung wird vom Ethik-Komitee der Uni, in dem medizinische Experten von Südafrika, den USA, Kanada und Ungarn vertreten sind, begutachtet.
Von Sandra Standhartinger
Neue Zürcher Zeitung
09.04.2003
In weiten Teilen Afrikas ist die durch Tsetsefliegen übertragene Schlafkrankheit auf dem Vormarsch. Nun versucht ein Konsortium unter Federführung der Internationalen Atomenergiebehörde, die Seuche, die nebst den Menschen auch Rinder befällt, mit einem ehrgeizigen Bekämpfungsprogramm auszurotten. Mit einer Safari durch die Nationalparks im Süden Sambias hatte sich ein englisches Ehepaar vor drei Jahren einen Lebenstraum erfüllt, Afrikas Wildnis einmal hautnah zu erleben. Zebras und Giraffen, Elefanten und Kaffernbüffel sowie Löwen und Flusspferde hatten die Reise zu einem Erlebnis gemacht. Einzig die Schwärme blutsaugender Insekten blieben den Engländern in schlechter Erinnerung. Besonders schmerzhaft waren die Stiche grosser brauner Fliegen, die mit einem aggressiven Brummton selbst bei geschlossenen Fenstern über die Lüftungsklappen in den Geländewagen eingedrungen waren.
Trypanosomen als Krankheitserreger
Zwei Tage nach der Rückkehr nach England bemerkte der Mann ein Geschwür am rechten Oberarm. Es hatte die Grösse eines Ein-Euro- Stücks. Die Haut war stark gerötet und die entzündete Stelle schmerzhaft. Nach zwei weiteren Tagen verspürte der pensionierte Ingenieur ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl: Die Glieder schmerzten, der Kopf dröhnte und die Muskeln fühlten sich starr an. Dann traten Erbrechen und Durchfall auf, und die Körpertemperatur stieg auf 40,3 Grad Celsius an, ein untrügliches Zeichen, daß die Immunabwehr gegen einen Krankheitserreger kämpfte. Im Tropenspital von London stellten die Ärzte innert 24 Stunden die Diagnose akute Schlafkrankheit, verursacht durch den Stich einer Tsetsefliege. Krankheitserreger sind Trypanosomen, Parasiten, die über den Speichel der Fliegen auf den Menschen übertragen werden.
Die Schlafkrankheit des englischen Touristen im Jahr 2001 ist kein Einzelfall. Rund ein Dutzend Patienten sind dem Überwachungsnetzwerk der europäischen tropenmedizinischen Institute mittlerweile gemeldet worden, in den zwei Dekaden zuvor war es nicht ein einziger Fall gewesen. Alle Reisenden hatten sich für kurze Zeit in Nationalparks im östlichen und südlichen Afrika aufgehalten und von Schwärmen aufdringlicher Tsetsefliegen berichtet.
Das unerwartete Auftreten der Schlafkrankheit bei europäischen Touristen geht einher mit einer seit längerem beobachteten Entwicklung: Die Seuche, die den Schwarzen Kontinent über Jahrhunderte im Würgegriff hatte und die man Anfang der sechziger Jahre glaubte ad acta legen zu können, ist in weiten Gebieten ausser Kontrolle geraten. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stieg die Zahl der Neuerkrankungen von rund 2500 im Jahr 1962 auf rund 60.000 im vergangenen Jahr. Da in den Genfer Statistiken nur die offiziell gemeldeten Fälle auftauchen, zahlreiche afrikanische Gesundheitsministerien aber schon seit langem aufgehört haben, die Infektionskrankheiten ihrer Bevölkerung (mit Ausnahme von Aids) zu dokumentieren, schätzen Experten die tatsächliche Zahl von Schlafkranken auf 300.000 bis 500.000 pro Jahr.
Auch räumlich breitet sich die Plage aus. So taucht die afrikanische Trypanosomiasis, wie die wissenschaftliche Bezeichnung der Schlafkrankheit heisst, neuerdings auch an Stellen auf, wo sie bisher unbekannt war, etwa im Saroti-Distrikt in Uganda, einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Region nördlich des Viktoriasees, die nach den Bürgerkriegswirren der Idi-Amin-Zeit neu besiedelt wurde. Mehr als 200 Fälle sind hier seit Herbst 1998 aufgetreten.
Die Renaissance der Schlafkrankheit verursacht nicht nur unsägliches Leid, weil die für die Behandlung zur Verfügung stehenden Medikamente wenig wirksam, schwierig zu verabreichen und teilweise mit derart erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind, daß nur der ohne Behandlung drohende Tod des Patienten ihren Einsatz rechtfertigt. Die Krankheit ist auch ökonomisch eine Bürde. In den 37 betroffenen Ländern werden die dadurch verursachten Kosten auf vier Milliarden Dollar geschätzt.
Rinder sind für die Bauern wichtig
Das hängt damit zusammen, daß eine Unterform der Parasiten, Trypanosoma brucei brucei, eine Art Schlafkrankheit bei Rindern verursacht. Diese Nagana-Seuche lässt pro Jahr rund drei Millionen Rinder verenden und macht in ganzen Landstrichen die Haltung von Kühen unmöglich. Doch für die bitterarme Bevölkerung sind Rinder nicht nur Lieferanten von Milch und Fleisch. Mit Ochsen können die Bauern ihre Felder bestellen und mit Kuhmist gleich düngen. Eine bescheidene Rinderhaltung hebt deshalb, wie Studien nachgewiesen haben, die afrikanischen Subsistenzbauern über die Armutsschwelle. Es ist kein Zufall, daß 32 Länder, in denen die Nagana-Seuche vorkommt, zu den 40 ärmsten Nationen der Welt gehören.
Da erscheint es wie ein Geschenk des Himmels, wenn die sonst zerstrittene Organisation Afrikanischer Staaten (OAS) auf ihrem 36. Treffen in Togo im Juli 2000 einstimmig eine Resolution zur Ausrottung der Schlafkrankheit verabschiedet hat. Mit einem ambitiösen Programm namens PATTEC (Pan African Tsetse and Trypanosomiasis Eradication Campaign) sollen die aggressiven Fliegen und damit Schlafkrankheit und Nagana-Seuche vom afrikanischen Kontinent getilgt werden. Dabei behilflich sind unter anderem die WHO, die Food and Agriculture Organization (FAO) sowie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA).
Das Zauberwort, mit dem den Insekten der Garaus gemacht werden soll, heisst SIT. Das Kürzel steht für "sterile insect technique" und ist auch als "Sterile-Männchen-Technik" bekannt. Die Idee dahinter ist einfach. Die im Labor gezüchteten männlichen Tsetsefliegen werden radioaktiv bestrahlt, um sie zeugungsunfähig zu machen. Die sterilisierten Männchen werden dann überall dort freigelassen, wo die Schlafkrankheit vorkommt. Setzt man dieses Verfahren lange genug ein, kommt die natürliche Reproduktion der gefährlichen Insekten zum Stillstand.
Bevor allerdings "Stürme von Atom-Fliegen über Gebiete mit Schlafkrankheit rasen", wie die britische "Sunday Times" im März 2002 schrieb, ist noch eine lange Liste von Problemen zu lösen. So müssen Dutzende von Insektenzuchtstationen im afrikanischen Hinterland aufgebaut und mit einer insektentauglichen Gammastrahlenquelle ausgerüstet werden. Das Personal muss in der Bedienung der Kobalt-60-Strahlenquelle ausgebildet und die logistische Voraussetzung für die gezielte Freilassung einiger Milliarden sterilisierter Fliegenmännchen geschaffen werden.
Modellrechnungen haben ergeben, daß das Verhältnis von bestrahlten zu normalen Tsetsefliegen-Männchen mindesten 10:1 sein muss, vermutlich sogar 50:1, um einen Rückgang der Population zu erreichen. Schliesslich müssen Flugzeuge speziell ausgerüstet werden, um die unfruchtbaren Fliegen grossflächig über dem Zielgebiet zu verteilen.
Verschiedene Tsetsefliegen
Allerdings gibt es die Tsetsefliege im biologischen Sinn gar nicht. Glossinen, so die zoologische Bezeichnung, sind ein schwer entwirrbarer Komplex verschiedener Spielarten der Natur, deren räumliche Verbreitung sich häufig überlappt, die aber stets nur untereinander "heiraten". Deshalb müssen mindestens ein Dutzend unterschiedlicher Varianten gezüchtet, behandelt und dort freigesetzt werden, wo die entsprechenden Weibchen sich aufhalten.
Das PATTEC-Programm setzt also nicht nur präzise entomologische Kenntnisse für unterschiedliche Biotope und geographische Räume voraus. Um erfolgreich zu sein, muss das Projekt nach der Eliminierung der Fliegen aus einem geographisch umschriebenen Verbreitungsgebiet auch deren Wiederbesiedlung verhindern. Da Glossinen gute Flieger sind und an einem Tag bis zu 20 Kilometer zurücklegen können, plant das Konsortium, um "befreite" Areale Tsetsefliegen- Barrieren zu errichten - wie diese allerdings beschaffen sein sollen, ist noch unklar.
Der Optimismus der Tsetsefliegen-Bekämpfer unter Federführung der IAEA basiert auf einem Pilotprojekt in Sansibar. Dort gelang es 1997 mit dem Einsatz mehrerer Millionen Dollar, die Glossinen durch die Sterile-Männchen-Technik auszurotten. Allerdings ist fraglich, ob sich die Erfahrungen aus Sansibar auf den afrikanischen Kontinent übertragen lassen. Denn nur ein geringer Teil der Insel war von einer einzigen Tsetsefliegen-Spezies (Glossina austeni) bevölkert, deren entomologische Merkmale zudem gut bekannt waren. Ausserdem liegt die Insel 40 Kilometer von der Küste entfernt, was eine erneute Invasion durch Fliegen vom Festland unwahrscheinlich macht.
Während die Planung für das mehrere Milliarden teure Programm - jede tote Tsetsefliege wird schätzungsweise 500 Dollar kosten - auf Hochtouren läuft, mehren sich kritische Stimmen, die von dem ambitiösen Mammutprojekt abraten. Sarah E. Randolph etwa von der zoologischen Abteilung der Universität Oxford wies vor kurzem in der Fachzeitschrift "Trends in Parasitology" darauf hin, daß PATTEC sowohl die Grundlagen der Populationsbiologie der Glossinen als auch die logistische Dimension des Unternehmens völlig unterschätze. So basiere der Einsatz der SIT- Technik auf der Annahme, daß Tsetsefliegen, im Vergleich zu anderen krankheitsübertragenden Insekten, eine sehr niedrige Reproduktionsrate aufwiesen. Doch Glossinen seien, so Randolph, in ihren traditionellen Biotopen auch unter unwirtlichen Umweltbedingungen deutlich fitter als andere Insekten.
Geringe Erfolgschancen
Hans Herren vom Internationalen Zentrum für Insektenphysiologie und -ökologie in Nairobi bezeichnet das PATTEC-Programm sogar als "völlig unrealistisch", und für David J. Rogers, einen bekannten Tsetsefliegen-Forscher aus Oxford, sind die Erfolgschancen des Unternehmens "verschwindend gering".
Tatsächlich bestätigen vier Jahrzehnte der Tsetsefliegen-Bekämpfung in Afrika, daß die Projekte immer nur für kurze Zeit erfolgreich waren. Sobald der Geldstrom aus dem Ausland versiegte, waren die widerstandsfähigen Fliegen nach kurzer Zeit wieder überall dort, wo sie vor ihrer Bekämpfung schon waren. Erfolgreich hingegen waren Massnahmen, die die lokale Bevölkerung einbezogen. So zeigten Untersuchungen in Westafrika, dasß Kleinbauern die Behandlung ihrer kranken Kühe selbst durchführten, wenn man ihnen die entsprechenden Medikamente gab. Dadurch reduzierte sich die durch Tsetsefliegen übertragene Parasitenpopulation drastisch, was auch zur Reduktion derjenigen Parasitenvarianten führte, die für den Menschen gefährlich sind.
Mittlerweile stehen molekularbiologische Methoden zur Verfügung, mit denen man die Trypanosomen in Tieren typisieren kann. So weiss man, ob unter den zahlreichen Varianten der Parasiten, die beispielsweise im Blut von Rindern zirkulieren, auch solche sind, die den Menschen krank machen können. Diese Methoden der Parasiten- Differenzierung können kombiniert werden mit Bekämpfungsmassnahmen, die bereits in der Vergangenheit erfolgreich eingesetzt wurden, mobile Fliegenfallen, die Behandlung erkrankter Rinder sowie die systematische Untersuchung der Bevölkerung in Risikogebieten. Damit können zwar weder Schlafkrankheit noch Nagana-Seuche ausgerottet werden. Der afrikanischen Bevölkerung bleibt aber möglicherweise die triste Erfahrung erspart, daß es sich beim internationalen Versprechen, die Trypanosomiasis auszurotten, um eine Seifenblase handelt, die in der Tropensonne platzt. Ein warnendes Beispiel ist die Malaria, welche die WHO in den sechziger Jahren ebenfalls mit einem ambitiösen Programm in Afrika ausrotten wollte. Heute wütet diese Krankheit vielerorts schlimmer denn je.
Von Hermann Feldmeier
Biologisches Verwirrspiel
Die einzelligen Trypanosomen, die Erreger der Schlafkrankheit, sind Parasiten, die ein breites Spektrum von Säugetieren befallen. Während die meisten Grosswildtiere sowie einige Haustiere wie etwa das Schwein die Erreger beherbergen, ohne daran zu erkranken, führt die Infektion beim Menschen und bei Rindern zu schweren Erkrankungen. Lange bevor man die einzelnen Trypanosomen-Varianten voneinander unterscheiden konnte, hatten Wissenschafter aufgrund von Tierversuchen und immunologischen Studien drei "Spezies" postuliert: Trypanosoma brucei brucei als Erreger der Nagana-Seuche, während T. brucei gambiense die west- und zentralafrikanische Form der Schlafkrankheit und T. brucei rhodesiense die ostafrikanische Variante verursacht.
Während die westafrikanische Form der Schlafkrankheit durch einen chronischen Krankheitsverlauf über mehrere Jahre charakterisiert ist, verschlechtert sich der Zustand des Patienten mit der ostafrikanischen Schlafkrankheit rapide. Das hängt damit zusammen, daß T. brucei rhodesiense bereits nach kurzer Zeit - manchmal nach wenigen Wochen, die Blut-Hirn-Schranke durchquert und sich in der Hirnflüssigkeit ausbreitet. Die daraus resultierende Entzündung verursacht zahlreiche neurologische Symptome, unter anderem Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, was der Krankheit den Namen gegeben hat.
Werden durch den Stich einer Tsetsefliege andere Trypanosomen-Varianten auf den Menschen übertragen, etwa jene, welche die Nagana-Seuche des Rinds verursachen, so werden diese Parasiten durch körpereigene Abwehrmechanismen abgetötet. Es ist wahrscheinlich, daß sehr geringe Unterschiede in der Oberflächenstruktur der Trypanosomen, die nur durch molekularbiologische Methoden zu erkennen sind, für die krankmachenden Eigenschaften beim Menschen beziehungsweise beim Rind verantwortlich sind.
SIT - eine Methode mit Tücken
Im Süden der USA und in Mittelamerika wird seit 1997 versucht, die Dasselfliege auszurotten. Die Dasselfliege legt ihre Eier in winzige Wunden in der Haut von Nutztieren, aus denen sich dann parasitierende Larven entwickeln. Auf Betreiben der grossen Rinderfarmen, die den nordamerikanischen Markt mit Frischfleisch versorgen, wurde die Panama- United States Commission for the Eradication and Prevention of Cattle Screwworm ins Leben gerufen, die in den vergangenen fünf Jahren 50 Millionen Dollar investiert hat, um mit Hilfe der Sterilen-Männchen-Technik die Plage zu beseitigen.
Nach anfänglichen Erfolgen hat das Programm jetzt einen herben Rückschlag erlitten. In einer mexikanischen Anlage war ein Drittel der gezüchteten Fliegenmännchen unzureichend mit Gammastrahlen bestrahlt worden. Die vitalen Fliegen waren zusammen mit sterilen Insekten nach Panama geliefert und dort in einem Gebiet freigelassen worden, das durch Bekämpfungsmassnahmen bereits als frei von Dasselfliegen galt. Da das Gebiet an der Grenze zu Kolumbien liegt, wird nun befürchtet, daß sich die Dasselfliegen in der schwer zugänglichen Region erneut ausbreiten.
pte
23.04.2003
Britische Forscher haben eigenen Angaben zufolge einen Durchbruch bei der Behandlung von Malaria erzielt. Wissenschafter der University of Edinburgh http://www.ed.ac.uk identifizierten gemeinsam mit Forschern des Biotec-Institute in Bangkok im Malaria-Erreger jenes Protein, das für die schnelle Resistenz gegen neue Medikamente verantwortlich ist. Bislang verhinderte dieses Protein den Einsatz eines Impfstoffes für eine dauerhafte Malaria-Behandlung, berichten die Forscher im Fachmagazin Nature Structural Biology http://www.nature.com/nsb.
Laut Wissenschaftern liegt der Schlüssel zur Lösung des Problems im Protein DHFR (Dihydrofolat-Reduktase). Diese Protein benötigt der Erreger zum eigenen Überleben. Mit Hilfe von gentechnischen Tests wurde nun derjenige Teil des Proteins isoliert, der dieses vor der Chemikalie Pyrimethamin schützt. Pyrimethamin wird in Medikamenten gegen Malaria eingesetzt.
"Jetzt können wir die Proteinstruktur nutzen, um eine neu Generation von Medikamente zu entwickeln. Dagegen können auch resistente Malaria-Stämme keine Resistenz entwickeln", erklärt Malcolm Walkinshaw. Seit langem haben Forscher dieses Protein studiert. Bis dato konnte aber niemand die genaue Struktur des Protein aufklären, so Walkinshaw weiter. Mit Unterstützung des Wellcome Trust hofft man nun auf die ehest mögliche Entwicklung von Medikamenten gegen die Tropenkrankheit, an der alle 30 Sekunden ein Kind in Afrika stirbt.
Von Sandra Standhartinger
pte
24.04.2003
Chloroquin, das billigste und meistgenutzte Medikament gegen Malaria, hat in den meisten Teilen Afrikas seine Wirksamkeit verloren. Die Kindersterblichkeit durch Malaria steigt in vielen besonders schwer betroffenen Regionen an. Durchschnittlich 3.000 afrikanische Kinder sterben täglich an der Tropenkrankheit. Zu diesen alarmierenden Ergebnissen kommt der erste umfassende Bericht zu Malaria in Afrika, den das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF http://www.unicef.com morgen, Freitag, gemeinsam mit der WHO vorstellen wird.
Auf afrikanische Länder südlich der Sahara entfallen rund 90 Prozent der weltweit über eine Million Todesopfer durch Malaria pro Jahr, schreibt UNICEF Deutschland http://www.unicef.de. 75 Prozent davon sind Kinder unter fünf Jahren. Im Kampf gegen Malaria wird seit Jahrzehnten das billige und daher für die arme Bevölkerung in afrikanischen Ländern am meisten verfügbare Chloroquin eingesetzt. Allerdings sind die Malaria-Erreger in den meisten Teilen Afrikas gegen den Wirkstoff inzwischen resistent. Die nächste Generation von Medikamenten, die auf dem Wirkstoff Artemisim basieren, kostet zwischen einem und drei Dollar pro Behandlung und ist damit für die meisten afrikanischen Patienten unbezahlbar.
Für den Bericht wurden erstmals Daten aus allen afrikanischen Ländern zusammengetragen. Er ist Teil der 1998 mit Unterstützung von UNICEF, WHO und Weltbank gestarteten Anti-Malaria-Initiative "Roll back Malaria", an der sich mittlerweile 44 afrikanische Staaten beteiligen. Viele dieser räumen der Malariabekämpfung oberste Priorität ein und stellen für Vorsorge und Kontrolle inzwischen deutlich mehr Geld zur Verfügung. Steuern und Zölle für Medikamente und Insektizide wurden gesenkt oder ganz abgeschafft. Der Kampf gegen Malaria muss laut UNICEF aber weiter intensiviert werden. Vor allem den besonders bedrohten Kindern und schwangeren Frauen müssen imprägnierte Moskitonetze sowie neue, wirksame Medikamente zur Verfügung gestellt werden.
Von Sandra Standhartinger
pte
25.04.2003
Kinderlähmung ist nach zwischenzeitlichen Erfolgen erneut im Vormarsch: nach Angaben der WHO hat sich die Zahl der Polio-Fälle vom Vorjahr um das Vierfache gesteigert. Schuld daran ist der Ausbruch der Erkrankung in Indien, berichtet BBC-News http://news.bbc.co.uk. Indien ist aber nur einer von sieben Staaten, in denen die Krankheit immer noch endemisch ist.
Erfolge verzeichnete die WHO hingegen in Äthopien, im Sudan und in Angola sowie in Somalia und Afghanistan, dort haben Impfaktionen die Krankheit massiv eingedämmt. Nach Angaben der WHO soll Polio bis 2005 weltweit ausgerottet sein. Nach Angaben der US Centers for Disease Control and Prevention gab es im Vorjahr 1.920 Polio-Fälle. Im Jahr zuvor waren es nur 483. Die Krankheit, die einst Millionen von Kindern betroffen hatte, attackiert das Nervensystem und führt zu Lähmungen, Muskelschwäche und Deformierung von Gliedmaßen. Zwischen fünf und zehn Prozent der Polio-Erkrankungen führen zu Atemmuskellähmungen und zum Tod. Die Erkrankung wird durch verseuchtes Trinkwasser verbreitet. In den meisten westlichen Industriestaaten ist Polio seit den Massenimpfprogrammen in den 50er Jahren quasi ausgerottet. In einigen asiatischen und afrikanischen Staaten hingegen konnte die Erkrankung nicht ausgerottet werden. Laut Jahresbericht der WHO gibt es in Nigeria, Ägypten, Somalia, Niger, Pakistan, Afghanistan und Indien immer noch Neuerkrankungen. 71 Prozent der Fälle im Vorjahr betrafen den Ausbruch in den indischen Staaten Uttar Pradesh und Bihar.
Den Forschern sind zwei Arten der Kinderlähmung bekannt. Eine wilde Polio und eine Vakzin-derivate Form der Polio. Der wilden Polio kann mit drei Schluckimpfungen, die aus einem Lebendimpfstoff bestehen, vorgebeugt werden. In einigen Fällen kann der Lebendimpfstoff im Körper reaktiviert werden und mit Kot ausgeschieden werden. Wenn die hygienischen Bedingungen dazu führen, daß er wieder in den Trinkwasserzyklus kommt, kann sich die Erkrankung erneut weiterverbreiten.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
06.05.2003
Experten gehen davon aus, daß unhygienische Injektionsnadeln hunderttausende HIV-Fälle in Südafrika verursacht haben. Nach jüngsten Angaben des Human Research Council of South Africa http://www.doh.gov.za sind 5,6 Prozent der Kinder zwischen zwei und 14 Jahren HIV-positiv. Einige der Forscher behaupten, daß gebrauchte Injektionsnadeln an bis zu 40 Prozent der HIV-Infektionen schuld sind. UNO-Behörden bestreiten diese Zahlen. Für sie ist ungeschützter Geschlechtsverkehr immer noch der Hauptinfektionsherd, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk heute, Dienstag.
Forscher der Universität von Tübingen http://www.uni-tuebingen.de sind der Ansicht, daß unhygienische Injektionsnadeln für den Großteil der HIV-Infizierten verantwortlich sind. Von den 670.000 HIV-positiven Kindern in Südafrika sind demnach die meisten durch mangelnde Impfhygiene mit dem Virus infiziert worden. Einige der Kinder haben das Virus von ihrer Mutter übertragen, die Zahlen liegen aber nach Ansicht der Forscher weit unter den bisher geschätzten Fällen. Das Forscherteam aus Tübingen hat die Erkenntnisse in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Journal of Obstetics and Gynaecology" veröffentlicht. "Injektionen sind bei afrikanischen Patienten sehr beliebt: Bei rund 90 Prozent der Arztbesuche werden sie verabreicht. Häufig sind die injizierten Medikamente unnötig und die Spritzen und Nadeln sind nicht steril", so das Ergebnis der Forscher. Der häufige Irrglaube, daß das HI-Virus durch heterosexuellen Kontakt übertragen werde, werde dadurch entkräftet, meinen die Wissenschafter. Die UN-Behörden warnen jedoch davor, diese Ergebnisse an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Sämtliche Kampagnen, die eine Verwendung von Kondomen propagieren, könnten dadurch hinfällig werden.
Die deutschen Wissenschafter fordern aber rasche Schritte zur Schaffung besserer hygienischer Umstände in den zahlreichen Kliniken und Arztpraxen in Afrika. Neben einem höheren Standard sollte auch die Bevölkerung vor nicht sterilen Injektionsnadeln gewarnt werden. Südafrika hat die höchste HIV-Population der Welt. Jeder Fünfte ist mit dem HI-Virus infiziert.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
13.05.2003
Das Aids-Virus HIV-2, das sich hauptsächlich in Westafrika ausbreitete, wurde möglicher Weise erst durch den Unabhängigkeitskrieg des westafrikanischen Staates Guinea-Bissau gegen Portugal zur Plage. Den ersten Menschen hat es laut Analysen aber bereits Anfang der 40er Jahre befallen, behaupten Forscher der Katholischen Universität Leuven http://www.kuleuven.ac.be/english nach dem Vergleich des Erbguts von HIV-2 mit jenem eines Virus von Grünen Meerkatzen, aus dem sich HIV-2 entwickelte. Erst 1984 wurden die Aidsviren entdeckt.
Epidemische Auswüchse nahm das Virus zwischen 1955 und 1970 an. Die belgischen Forscher vermuten im Unabhängigkeitskrieg Guinea-Bissaus gegen Portugal eine treibende Kraft. Man vermutet, daß die schlechte medizinische Versorgung wie etwa die Benutzung unsteriler Spritzen von Ärzten der portugiesischen Armee zur Massenimpfung der lokalen Bevölkerung aber auch das veränderte Sexualverhalten (gemeint sind Prostitution und Vergewaltigungen) die Verbreitung von HIV-2 gefördert haben. Denn laut Anne-Mieke Vandamme und ihren Kollegen gab es bis Mitte der 50er-Jahre nicht mehr als zehn mit dem Subtypus HIV-2A infizierte Personen, berichtet das Fachmagazin New Scientist. Zwischen 1955 und 1970 kam es aber zu einem exponenziellen Anstieg.
Laut Vandamme sollen portugiesische Forscher demnächst epidemiologische Studien publizieren, die zeigen, daß die Epidemie in Folge des Unabhängigkeitskrieges ihren Lauf nahm. Weltweit leiden aber bedeutend mehr Menschen unter dem Aidsvirus HIV-1. Dieser entwickelte sich vermutlich aus dem Schimpansen-Virus (SIV). Der Sprung vom Schimpansen auf den Menschen soll in den 30er Jahren in der heutigen Demokratischen Republik Kongo erfolgt sein. Der Ursprung von HIV-2 war bislang unklar.
Von Sandra Standhartinger
pte
15.05.2003
Der Pflanzensaft des afrikanischen Bleistiftstrauches Euphorbia Tirucalli könnte laut Forschern der University of Michigan/Ann Arbor http://www.umich.edu für den häufigsten Krebstod bei Kindern in Ländern südlich der Sahara verantwortlich sein. Der Milchsaft des afrikanischen Strauches wird neben Spielzeug als Klebstoff in Schulbüchern und zur Herstellung von Pflanzenmitteln eingesetzt. Bereits in den 80er Jahren brachten Forscher den Saft mit der Krebserkrankung Burkitt-Lymphom in Zusammenhang. Die Wirkung der klebrigen Substanz wurde bislang allerdings nicht getestet.
Forscher um die Virologin Rosemary Rochford http://www.sph.umich.edu/faculty/rochford.html haben nun aber entdeckt, daß bereits eine kleine Pflanzensaftmenge ausreicht, um die Aktivität eines krebsauslösenden Virus in menschlichen Zellen zu steigern. Gemeint ist das Epstein-Barr-Virus, es soll der Hauptauslöser für das Burkitt-Lymphom sein. In Ländern südlich der Sahara leiden zehn von 100.000 Kindern am Burkitt Lymphom. Es führt bei Kindern vor allem zur Bildung zahlreicher Geschwulstbildungen der Kiefer. In westlichen Ländern ist die Krebserkrankung mit 0,1 Fällen pro 100.000 Kindern sehr selten.
Dem Zusammenhang zwischen dem Burkitt-Lymphom und dem Pflanzensaft ging Rochford in Kenia nach. "Kinder spielten häufig mit der Pflanze, weil sie wirklich sehr klebrig ist. Ihre Hände steckten sie danach häufig in den Mund", zitiert New Scientist die Virologin. Zurück im Labor untersuchte das Team, wie das Virus auf verschiedene Pflanzensaftkonzentrationen in menschlichen Zellen reagierte. Es zeigte sich, daß der Pflanzensaft eine Schaltfunktion für die Viren-Replikation in den Zellen hatte. Der Saft könne das Virus quasi ein- und ausschalten. Er aktiviere drei wichtige Gene und führe zur raschen Replikation des Virus. Die Forscher vermuten, die zugrunde liegende Substanz im Saft bereits identifiziert zu haben. Jetzt wolle man vom Burkitt-Lymphom betroffene Kinder in Kenia untersuchen, um eine tatsächliche Verbindung mit dem Milchsaft herzustellen. Bestätigt sich der Zusammenhang müssen Eltern aufgeklärt werden, ihre Kinder vom klebrigen Strauch fernzuhalten.
Von Sandra Standhartinger
pte
15.05.2003
Im Schatten von SARS und AIDS spielt sich insbesondere in Indien und Afrika eine stille Tragödie namens Lepra ab. Obwohl die Krankheit im Gegensatz zu den anderen grossen Seuchen geheilt werden kann, breitet sie sich in einem Besorgnis erregenden Ausmass aus. Die neuesten Statistiken der WHO zeichnen ein erschreckendes Bild. Noch ist kein Rückgang von Neuansteckungen mit Lepra zu verzeichnen. Im Gegenteil: Im Vergleich zu 2002 ist die Ansteckungsrate um 17 Prozent gestiegen und betrifft 760.000 neue Fälle. Zwölf Prozent davon sind Kinder.
Vier Millionen Menschen leiden heute an den Folgeerscheinungen der Lepra. Die Hälfte davon ist mit schwerwiegenden Komplikationen wie entstellte Gesichter, verstümmelte Hände oder Füsse belastet. Die andere Hälfte leidet unter einem irreversiblen Verlust des Schmerzempfindens und riskiert somit, falls sie nicht behandelt wird, ebenfalls Körperverstümmelungen.
Die gegenwärtige Situation veranlasst die Evangelische Lepramission, die sich vornehmlich in Asien und Afrika im Kampf gegen die Lepra engagiert, neue Prioritäten für ihre Hilfeleistungen zu setzen. In erster Linie sollen die Regierungen der betroffenen Länder in der Identifikation von neu angesteckten Personen unterstützt werden. Zweitens sollen Forschungsprogramme gefördert werden, welche die Ausrottung der Krankheit zum Ziel haben. Nicht zuletzt wird die soziale Integration der Kranken weiterhin vorangetrieben. Psychosoziale Hilfsangebote im persönlichen Kontakt mit den Betroffenen haben sich dabei als besonders effizient erwiesen. Aus diesem Grund beschäftigt das Hilfswerk in den von der Lepra betroffenen Regionen über 2000 einheimische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
pte
21.05.2003
Das World Service der British Broadcasting Corporation http://www.bbc.co.uk/worldservice startet im Herbst eine Aufklärungskampagne zur Eindämmung der HIV/Aids-Ausbreitung in Afrika und der Karibik. Finanziert wird die Kampagne, in deren Rahmen neben der regelmäßigen Ausstrahlung von Spots und Schwerpunktsendungen in den BBC-World-Service Radioprogrammen auch anderen Sendern kostenlos Features zur Verfügung gestellt werden, vom BBC World Service Trust http://www.bbc.co.uk/worldservice/us/trust, der Henry J. Kaiser Family Foundation http://www.kff.org und Viacom http://www.viacom.com.
Neben Produktionen in Englisch, Französisch und Portugiesisch werden auch Sendungen in lokalen Sprachen wie Hausa, Somali, Swahili und Kinyanwanda/Kirundi erfolgen. Das sub-saharische Afrika und die Karibik zählen zu den am härtesten von HIV beziehungsweise Aids sowie den sozioökonomischen Folgen der Immunschwäche-Krankheit betroffenen Regionen der Erde.
http://www.kff.org/docs/sections/publicedu/KNOW_BBC_PressRelease_Final.pdf
http://www.bbc.co.uk/worldservice/us/trust/030519_aidsviacom.shtml
Von Daniel A. J. Sokolov
pte
28.05.2003
Ein neuer Malaria-Impfstoff hat sich laut britischen Forschern als äußerst erfolgreich erwiesen. Die zwei entwickelten Varianten riefen in Kombination eine zehnfach stärke Immunreaktion hervor als konventionelle Impfstoffe, die auf einmal injiziert werden. Der klinische Versuch wurde mit britischen Probanden durchgeführt. Eine umfassende Studie in Westafrika ist bereits in Vorbereitung. Diese wird laut Forschern der Oxford Univeristy http://www.ox.ac.uk erstmals zeigen, daß Malaria durch eine Massenimpfung mit diesem Vakzin in den Griff zu bekommen ist. Die meisten Mediziner sehen Impfungen als die einzige Hoffnung, die Krankheit in armen Ländern zu kontrollieren. Denn obwohl Malaria-Medikamente vorhanden sind, sind sie für diese Länder oft zu teuer. Auch die Resistenzen des Erreger auf Medikamente steigen.
Im Versuch wurde den Probanden der Impfstoff vor der Infektion mit dem tödlichsten Malariastamm - Plasmodium falciparum - injiziert. Entwickelte ein Teilnehmer Symptome, wurde sofort ein Anti-Malariamittel verabreicht, schreiben die Studienautoren im Fachblatt Nature. "Die geimpfte Gruppe hatte eine viel stärkere Immunreaktion", erklärte Hill. Der Impfstoff hatte auch diesen Zweck, so Studienleiter Adrian Hill. Er sollte die zelluläre Immunreaktion (mit spezialisierten Zellen: "T-Zellen" oder "Helfer-Zellen") stimulieren. "Mit dem zellulären Arm des Immunsystems Impfstoffe zu entwickeln ist sehr schwierig", erklärt Hill. Sein Team entwickelte zwei Versionen des Impfstoffes. Bei einem handelt es sich um ein kleines DNA-Molekül, das die Schlüsselgene des Malaria-Parasiten enthält, der andere Impfstoff ist ein Virus. "Die Kombination bietet einen hoch wirksamen Schutz", resümiert der Studienleiter.
Von Sandra Standhartinger
pte
14.06.2003
Bisher war bekannt, dass HIV-1, ein Typ des HI-Virus, von Schimpansen auf den Menschen übertragen wurde. Das Geschehen davor war aber ungeklärt. Ein Team um Paul Sharp, University of Alabama http://www.ua.edu, forschte nach der Geschichte des Virus vor der Infektion der Schimpansen. Demnach ist HIV-1 ein Hybrid, eine Kreuzung aus zwei genetisch unterschiedlichen Erregern, gaben die Forscher in einer Aussendung bekannt.
HIV-1 entsteht im Menschen durch das Virus SIVcpz, das zuvor in Schimpansen aus zwei weiteren SI-Viren entstanden ist. Zwei unterschiedliche Affenarten in Afrika sind mit diesen Viren infiziert: die Rotkopf-Mangaben (SIVrcm) und die Weißnasenmeerkatzen (SIVgsn). Schimpansen ernähren sich u.a. vom Fleisch anderer Affenarten und könnten sich so mit beiden Viren infiziert haben, berichten die Forscher. In den Schimpansen entstand dann das Hybrid SIVcpz. Auf den Menschen übertragen wurde das Virus durch Jagen von Schimpansen und den Verzehr des Fleisches, des so genannten "bushmeat". SIV war bei den Affen bereits lange Zeit verbreitet, während es bei Schimpansen erst kürzlich aufgetreten ist.
Ebenso wie die Schimpansen können Menschen mit zwei Arten von HI-Viren infiziert werden: HIV-1 und HIV-2. Letzteres wird von Halsbandmangaben aus Westafrika übertragen. Der Unterschied zwischen SIV-Infektionen bei Schimpansen und HIV-Infektionen beim Menschen liegt darin, daß die Primaten keinerlei Symptome entwickeln. Die Gründe dafür sind noch nicht geklärt.
Zukünftige Forschungen werden sich weiter mit SI-Viren in Affen und Schimpansen beschäftigen. Beispielsweise wäre es interessant zu erfahren, ob Schimpansen auch SIVs von anderen Affenarten tragen können, so die Wissenschafter. In einem solchen Fall wäre es möglich, daß auch diese Viren Menschen infizieren - ein potenzielles HIV-3.
Von Bettina Benesch
pte
10.07.2003
Wissenschafter hoffen, einem wirksamen Malaria-Impfstoff gefunden zu haben. Die ersten klinischen Tests waren nach Angaben des Herstellers GlaxoSmithKline http://www.gsk.com positiv verlaufen, nun sollen 2.000 Kinder in Afrika geimpft werden, berichtet BBC-online http://news.bbc.co.uk. Bei den Erwachsenen war der Impfschutz nämlich nach zwei Monaten vorbei. Die Experten hoffen, daß die Wirksamkeit bei Kindern länger andauert.
Täglich sterben in Afrika 3.000 Kinder an den Folgen der heimtückischen Krankheit. Schon in der Vergangenheit waren verschiedene Impfungen gegen Malaria erprobt worden. Die meisten hielten aber kaum das, was sie versprachen. Nach Angaben von BBC ist das Vakzin von GlaxoSmithKline das am weitesten entwickelte Medikament. Im nun folgenden Versuch werden Kinder geimpft, die in Gebieten leben, in denen die Malaria endemisch ist. Der Test wird über einen Zeitraum von 18 Monaten gehen. Das ist der längste klinische Test seit der Entwicklung des Impfstoffes.
In den umfassenden ersten Testreihen, die in Europa, den USA, Gambia und Mosambik durchgeführt wurden, war der Impfschutz bei Erwachsenen nach rund zwei Monaten vorbei. Die Wissenschafter von GlaxoSmithKline zeigen sich zwar zuversichtlich, räumen aber zugleich ein, daß es noch fünf bis acht Jahre dauern werde, bis das Vakzin RTS,S/AS02 im Handel sein wird.
Wenn eine Anopheles-Mücke sticht, überträgt sie eine frühe Form des Malaria-Parasiten, den so genannten Sporozoit. Der Sporozoit tritt in den Blutkreislauf des Menschen ein und beginnt dort den ungeschlechtlichen Entwicklungszyklus. Sporozoiten dringen in die Leberzellen ein und entwickeln sich zur nächsten Zwischenstufe, den Schizonten. Beim Plasmodium falciparum, dem Erreger der Malaria tropica, der gefährlichsten Malaria-Form, entwickeln sich alle Schizonten in den Leberzellen zu reifen Zellen, welche die so genannten Merozoiten enthalten. Diese Merozoiten werden nach Zerstörung der Leberzelle freigesetzt und gelangen in das Blut, wo sie die roten Blutkörperchen befallen. Der neue Impfstoff will den Lebenszyklus des Parasiten in der frühen Sporozoit-Phase unterbrechen. Das Vakzin besteht nämlich aus einem Oberflächen-Protein des Sporozoiten und zwei anderen Substanzen, die das menschliche Immunsystem zum Angriff auf die "Eindringlinge" animiert.
Die Studienleiter in Mosambik hoffen auf den positiven Ausgang der Versuche. "Malaria ist der Kinderkiller Nummer eins in Afrika", so Pedro Alonso, Mediziner in Mosambik. Melinda Moore, Direktorin der Malaria Vaccine Initiative http://www.malariavaccine.org, die auch das Impfprojekt in Mosambik unterstützt, drängt jedenfalls auf eine baldige Lösung. "Jeder Monat Verspätung kostet 120.000 Kindern das Leben".
Von Wolfgang Weitlaner
pte
22.07.2003
Ab 2004 startet die Europäische Raumfahrtbehörde ESA ein neues Satelliten-Projekt zur Bekämpfung von Seuchen. Eines der Ziele ist die Suche nach dem Zwischenwirt des heimtückischen Ebola-Virus in Zentralafrika. Jährlich fordert das Ebola-Virus zahlreiche Menschenleben. Um den Zwischenwirt des Virus auf die Spur zu kommen, werden mittels Satellitenbildern detaillierte Vegetationskarten von Kongo und Gabun erstellt. Das ist ein Teil des ESA-Projektes Epidemio, das Erdbeobachtungsdienste für Epidemiologen entwickelt, gab die ESA http://www.esa.int heute, Donnerstag, bekannt.
Das in Gabun ansässige Internationale Zentrum für Medizinische Forschung (CIRMF) wird die Beobachtungsdaten mit Feldforschungsergebnissen in einem Geographischen Informationssystem (GIS) zusammenführen. Die Forscher hoffen, besondere Charakteristika der Umwelt in den betroffenen Gebieten zu finden. Wichtig sind dabei zum Beispiel tote Tiere oder Einwohner von Dörfern, die Ebola überlebt und Antikörper erworben haben. "Durch den Vergleich mit bekannten infizierten Gegenden können mittels Fernerkundung andere verdächtige Gegenden festgestellt werden", so Ghislain Moussavou vom CIRMF. Die Satellitendaten werden monatlich aktualisiert, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen, Die Forscher haben in den beiden zentralafrikanischen Staaten, der Republik Kongo und Gabun, eine jährliche Wiederkehr der Ebola-Ausbrüche beobachtet. "Daraus folgt, daß der Lebensraum des Wirtstieres durch bestimmte Umweltbedingungen gekennzeichnet ist", meint Moussavou.
Auch die WHO stellt Erdbeobachtungsdaten zur Verfügung. Sie dienen zum Einlesen in die GIS-Software HealthMapper der WHO, die von Gesundheitsfunktionären in mehr als 70 Ländern benutzt wird. "Unser System hängt aber letztendlich von Felddaten ab, Fernerkundung könnte jedoch eine nützliche Ergänzung sein", so der WHO-Experte Jean-Pierre Meert. "Lokale Landkarten sind oft 30 Jahre überaltert, deshalb haben wir um hochauflösende Bilder von Städten gebeten, von Casablanca in Marokko bis zu Vientiane in Laos, um medizinische Aktionen, wie etwa Standortentscheidungen für städtische Kliniken, besser planen zu können", erklärt der Wissenschafter. Dadurch sollen auch nomadisierende Stämme besser im Auge behalten werden, um sie mit medizinischer Hilfe versorgen zu können.
Epidemio soll auch für die Malaria-Bekämpfung wertvolle Dienste leisten. Die Beschaffung meteorologischer Satellitendaten ist dabei besonders wichtig. Hohe Luftfeuchtigkeits- und Niederschlagswerte kündigen häufig Malaria-Ausbrüche an. "Zuverlässige Informationen zur Oberflächentemperatur ganzer Erdteile sind ein besonderer Segen," meint der Zoologe Simon Hay von Universität in Oxford. "Mit Temperaturdaten könnten solche Regenereignisse in besonders malaria-gefährdeten Gebieten herausgefiltert werden", meint der Forscher.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
06.08.2003
Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline GSK http://www.gsk.com hat ein neues billiges Malariamittel entwickelt, das auch für Entwicklungsländer finanziell interessant ist. Nach Angaben von BBC-Online http://news.bbc.co.uk soll eine Behandlungsreihe des Medikaments Lapdap 26 Cent für Erwachsene kosten. Für Kinder soll das Medikament schon um 13 Cent erhältlich sein. Experten hoffen, daß damit die Zahl der Malariaopfer drastisch reduziert werden kann.
Insgesamt erkranken jährlich 300 Mio. Menschen an Malaria. Neun von zehn Malariafällen treten in Afrika auf. Dort sterben fast eine Mio. Menschen daran. Nach Ansicht der WHO könnten auch in Afrika mehr Menschen überleben, wenn es geeignete und vor allem günstigere Medikamente gebe. Bisherige Präparate kosten pro Behandlungsreihe bis zu 46 Euro.
Lapdap ist ein Kombinationspräparat mit zwei bekannten Wirkstoffen und wurde von GSK in Kooperation mit der WHO und britischen Experten entwickelt. Nach ersten Untersuchungen ist das Medikament besser geeignet als ältere Präparate, gegen die vielfach Resistenzen bestehen. Insgesamt hat die Entwicklung von Lapdap fünf Mio. Dollar gekostet. Die Entwicklungskosten haben GSK, die WHO und das UK Department for International Development gemeinsam getragen. Das Medikament soll so schnell wie möglich auch im südlichen Afrika erhältlich sein.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
11.07.2003
Dem Alterungsprozess von Wirbeltieren gehen italienische Forscher nun genauer auf die Spur. Mit Hilfe des kleinen Killifisches Nothobranchius furzeri, der nur maximal drei Monate alt wird, wollen sie Alterung genetisch erklären, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin Biology Letters http://www.pubs.royalsoc.ac.uk der Royal Society der britischen Akademie der Wissenschaften.
Der Fisch mit dem deutschen Namen Furzers Prachtgrundkärpfling nutzt die kurze Regenperiode in kleinen Teichen optimal aus, er erreicht nach wenigen Wochen die Geschlechtsreife, paart sich, legt Eier und stirbt. Vor dem Einsetzen der nächsten Trockenperiode ist er bereits tot. Die Eier, die in den schlammigen Boden gelegt werden, reifen während der nächsten Trockenzeit heran, damit ist das Überleben der kommenden Generation gesichert. Die beiden Wissenschafter Alessandro Cellerino und Stefano Valdesalici vom Instituto di Neuroscienze in Pisa haben den kleinen Fisch im Aquarium gehalten und dort untersucht. Auch unter optimalen Lebensbedingungen sind alle Fische nach zweieinhalb Monaten gestorben. In dieser Zeit sind sie so gealtert, daß sie nicht mehr lebensfähig waren. Die Forscher erkennen darin eine genetische Vorbestimmung des Lebenszyklus. Die Forscher wollen in weiteren Untersuchungen den Alterungsprozess und die dahinter liegenden genetischen Abläufe studieren.
Die Prachtgrundkärpflinge, sie gehören zur Familie der eierlegenden Zahnkarpfen (auch Killifische genannt), zählen unter den Aquarianern wegen ihrer hübschen Färbung zu den beliebtesten Zierfischen.
Von Wolfgang Weitlaner
pte
07.11.2003
Bei mit Malaria infizierten Frauen ist die Gefahr, daß sie das HI-Virus auf ihre ungeborenen Kinder übertragen, größer. War die Mutter an Malaria erkrankt, wurden 40 Prozent der Kinder mit HIV angesteckt. Bei nicht malariakranken Frauen waren es nur 15 Prozent. Im Fachmagazin Aids http://www.aidsonline.com gehen die Forscher davon aus, daß die Behandlung von Malaria die Anzahl mit HIV geborenen Babys deutlich verringern kann. An der Studie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health http://www.jhsph.edu nahmen 746 HIV positive Frauen aus Uganda teil.
Das Team um Heena Brahmbhatt wies nach, daß HIV infizierte Frauen häufiger und schwerer mit Malaria angesteckt werden. Frauen mit beiden Krankheiten hatten ein höheres Risiko einer Anämie, Fehl- oder Frühgeburt und eines geringen Geburtsgewichts der Kinder. Zusätzlich führten große Mengen von HIV im Körper eher zu einer Übertragung. Die Teilnehmerinnen wurden zwischen 1994 und 1997 begleitet.
An Malaria stirbt laut BBC http://www.bbc.co.uk jährlich rund eine Mio. Menschen. Mehr als 90 Prozent der Erkrankungen werden aus Schwarzafrika gemeldet. Die Ansteckungsraten sind in dieser Region am höchsten. Die Übertragung von Mutter auf Kind gehört in Afrika zu den häufigsten Verbreitungsarten. Über 40 Mio. Menschen sind weltweit mit HIV infiziert.
Von Michaela Monschein
pte
13.11.2003
Einer der großen Tests eines möglichen Impfstoffes gegen HIV ist fehlgeschlagen. Der Hersteller VaxGen http://www.vaxgen.com erklärte, daß die vorläufigen Ergebnisse von AIDSVAX in Thailand zeigten, daß eine Impfung weder die Ansteckungsgefahr mit AIDS verringerte noch das Fortschreiten der Krankheit verlangsamte. Frühere Tests hatten keine direkten Hinweise auf einen möglichen Erfolg erbracht. In Thailand wurde mit einer großen Anzahl von Teilnehmer die Endstufe der Tests erreicht. Der Impfstoff enthält kein genetisches Material des Virus selbst, sondern synthetische Versionen von Proteinen, die im Virus zu finden sind. Vorgesehen war, daß das Immunsystem gegen diese Proteine sensibilisiert wird und in der Folge alle Viren abwehrt, die derartige Proteine enthalten.
Es konnten keine starken Nebenwirkungen nachgewiesen werden. Es gab jedoch bei der AIDS-Anfälligkeit keinen Unterschied zwischen Geimpften und Nichtgeimpften. Insgesamt waren in Bangkok mehr mehr als 2.500 an der Nadel hängende Drogenabhängige beteiligt. Eine Hälfte erhielt den neuen Impfstoff, die andere ein Blindpräparat. Während der Laufzeit infizierten sich 105 Teilnehmer der Kontrollgruppe mit AIDS. Bei den geimpten Freiwilligen waren es 106. Der Direktor von VaxGen, Donald Francis, erklärte, daß zumindest die Entwicklung eines Modells gelungen sei, das weltweit für klinische Tests von HIV-Impfstoffen eingesetzt werden kann. Im Februar veröffentlichte Ergebnisse mit 5.000 Teilnehmern hatten gezeigt, daß der Impfstoff bei Weißen nicht funktioniert. Es bestanden aber laut BBC http://www.bbc.co.uk Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit bei Asiaten und Afrikanern.
Von Michaela Monschein
pte
26.10.2005
Rund 10.000 afrikanische Frauen werden die Wirksamkeit eines Mikrobiozids in Gelform als Schutz gegen HIV testen. Das in Amerika entwickelte Gel kann das Eindringen des Virus in die menschliche Zelle blockieren. Die Teilnehmerinnen aus Südafrika, Tansania, Sambia und Uganda sollen das Gel zusätzlich zum Kondom verwenden. Diese für vier Jahre anberaumte Studie ist Teil eines Programmes für das das Medical Research Council (MRC) http://www.mrc.ac.uk und das Department for International Development http://www.dfid.gov.uk rund 42 Millionen Englische Pfund zur Verfügung gestellt haben. Die Wirksamkeit des von dem Pharmaunternehmen Indevus http://www.indevus.com hergestellte Gels wurde in Tierversuchen bereits nachgewiesen.
Das Gel PRO 2000 wird in der Vagina aufgetragen. Laut BBC wurde seine Wirksamkeit gegen andere sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien, Herpes und Gonorrhö ebenfalls bereits nachgewiesen. Die an der aktuellen Studie teilnehmenden Frauen werden in drei Gruppen aufgeteilt. Sie werden nach dem Zufallsprinzip entweder ein Blindpräparat oder PRO 2000 in einer von zwei verschiedenen Dosierungen erhalten. Sie werden das Gel vor dem Geschlechtsverkehr auftragen, Kondome benutzen und sollen zusätzlich eine entsprechende Beratung erhalten. Anatoli Kamali vom MRC in Uganda erklärte, daß die Tests in Schwarzafrika durchgeführt würden, da in dieser Region die Infektionsraten am höchsten seien. Juli Bakobaki, ebenfalls vom MRC, betonte, daß ein positives Testergebnis einen unglaublichen Durchbruch in der Bekämpfung der Ausbreitung von HIV und Aids bedeuten würde. Das Microbicides Development Programme wird vom Imperial College London und der MRC Trials Unit in Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen in Afrika und Großbritannien koordiniert.
Von Michaela Monschein