

Übersicht:
Egypt
Jumhuriyah Misr al-'Arabiyah (Misr)
Arab Republic of Egypt
Nordafrika
Geographische Lage: 22°N - 32°N / 25°O - 36°O
Ägypten grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Süden an den Sudan, im Westen an Libyen und im Osten an das Rote Meer und Israel. Der Nil teilt das Land in zwei ungleichmäßige Hälften, östlich des Suezkanals liegt die Sinai-Halbinsel. Ca. 99% der Bevölkerung leben in dem von der Landwirtschaft geprägten Niltal am Delta, hinter dem die zumeist flache Wüste beginnt. Oasen sind die einzigen Überbleibsel der ehemals fruchtbaren westlichen Niederungen. Schmale Küstenregionen am Mittelmeer und an der afrikanischen Seite des Roten Meeres sind bewohnt, aber der Sinai ist allgemein trocken. Der Assuan-Staudamm bremst die Flut, die früher regelmäßig das Niltal überschwemmte, und dient der Elektrizitätserzeugung.
Zeitzone: MEZ + 1h
Fläche: 1,002.000 qkm
Höchster Punkt: Jabal Katrina 2629 m
Tiefster Punkt: Quattara Senke - 133 m
Längster Fluß: Nil 6690 km (Anteil Ägypten)
Klima: Mediterran (Küste, Nildelta) bis wüstenhaft (Kairo, Mittel- und Oberägypten).
Flora und Fauna: Entlang des Nils gedeihen viele Feuchtpflanzen, auch der Artenreichtum der Vogelwelt ist beeindruckend. Hunderte von Vogelarten, teils Zugvögel, teils Dauerbewohner des Niltals, zehren vom Fischreichtums des Stromes. Schleichkatzen, Silberreiher und Ibisse leben im Nildelta. Die Wüsten bestehen zum größten Teil aus Sandflächen ohne Vegetation, doch in der Arabischen Wüste können vereinzelt Gräser, Tamarisken und Mimosen wachsen. In der Nähe von Gewässern oder unterirdischen Wasseradern gedeihen Dattel- und Astpalmen. Zu den in der Wüste lebenden Tieren zählen Gazellen, Hyänen und Schakale, dazu kommen zahlreiche Nager, Skorpione und Insekten.
Hauptstadt: Kairo
Bevölkerung: 74,033000
Bevölkerungsdichte: 74/qkm
Ethnische Zusammensetzung: Beduinen und Berber 99%
Religion: Muslim 85%, Christen 6%
Sprache: Amtssprache ist Arabisch. Französisch und Englisch werden häufig gesprochen.
Politisches System: Präsidialrepublik seit 1953. Verfassung von 1971, 1981 wurden Notstandsgesetze erlassen. Zweikammerparlament (Rat des Volkes und Shura-Rat). Staatsoberhaupt: Mohamed Hosni Mubarak, seit 1981. Regierungschef: Atif Obaid, seit 1999. Unabhängig seit 1922 (ehemaliges britisches Protektorat).
Währung: 1 Ägyptisches Pfund = 100 Piaster
Durchschn. Kaufkraft/Jahr: 3.350 EUR
Wirtschaft: Ein Strukturanpassungsprogramm, das Ägypten mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank 1991 vereinbarte, bildet die Basis für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes in den letzten Jahren. Erste Erfolge konnten durch eine rigorose Ausgabenpolitik erzielt werden, wobei das Budgetdefizit und die Inflation reduziert wurden. Die Landwirtschaft wurde liberalisiert, Preise außer für Grundnahrungsmittel, Zinsen und Wechselkurs wurden freigegeben. Gegenwärtig konzentrieren sich die Bemühungen um Strukturveränderungen auf die Privatisierung von Staatsunternehmen und Banken, die Förderung des Außenhandels und darum, Anreize für ausländische Investoren zu schaffen. Deregulierungsmaßnahmen sollen am Telekommunikations-, Energie- und Versicherungssektor eingeführt und die staatliche Bürokratie abgebaut werden. Langfristiges Ziel dieser Strukturveränderungsmaßnahmen sind eine Anhebung des Lebensstandards der armen Bevölkerungsteile sowie die Verringerung der Arbeitslosigkeit. Die Regierung konnte zwar Inflation, Gesamt- und Neuverschuldung unter Kontrolle bringen, allerdings bleibt die Arbeitslosenrate Schätzungen zufolge bei ca. 20%. Ägypten ist einer der größten Baumwollproduzenten der Welt. Die Landwirtschaft spielt mit einem Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 17% eine wesentliche Rolle, der größte Anteil kommt jedoch vom Dienstleistungssektor (51%), gefolgt vom Industriesektor mit rund 32%. Andere wichtige Wirtschaftsfaktoren sind die Einnahmen aus den Suezkanalgebühren, den Erdölvorkommen und dem Tourismus, der sich vom Schaden, verursacht durch die Anschläge islamischer Fundamentalisten vor einigen Jahren, wieder erholt zu haben scheint.
Baumwolle, Reis, Mais, Weizen, Gerste, Obst, Gemüse, Viehzucht.
Gewinnung von Erdöl und Erdgas, Naturphosphat, Eisenerz, Salz, Kaolin
Textil-, Nahrungs- und Genussmittel-, chem., pharmazeut., Schwer-, Maschinen-, Zement-, Glasindustrie, Erdölraffinerien.
Tourismus
Exportgüter: Baumwolle, Baumwollprodukte, Erdöl, chem. Produkte, Genüse, Obst.
Landwirtschaft: 17%
Industrie: 32%
Dienstleistung: 51%
Lebenserwartung: 63 Jahre
Analphabetenrate Männer: 33%
Analphabetenrate Frauen: 56%
Information: http://www.touregypt.net
Das Land
Nur das schmale Band der Stromoase längs des Nil, das Nildelta, die Senke von Al Faiyum südwestlich von Kairo sowie kleine Oasengebiete sind landwirtschaftlich nutzbar, im Übrigen ist das Land ein Teil der Libyschen Wüste, also der Sahara, die in Ägypten 75% der Fläche des ganzen Landes einnimmt und die überwiegend den Charakter eines kahlen Tafellands hat, das von Sanddünen durchzogen und von kristallinen Felsgipfeln überragt wird. Östlich des Nil fällt die Arabische Wüste (bis 2187 m hoch) zum Roten Meer in steiler, über 1000 m hoher Stufe ab. Die höchsten Erhebungen von Ägypten (Jabal Katrinah 2637 m) finden sich auf der ebenfalls wüstenhaften Sinaihalbinsel. Das Klima ist subtropisch-trocken. Nur im Norden wird das Land vom Mittelmeerklima beeinflusst.
Die Bevölkerung
Die überwiegend islamische Bevölkerung (es gibt eine Minderheit koptischer Christen) ist sehr stark gemischt, vor allem arabisierte Hamiten und arabische Beduinen, daneben Berber, Türken, Nubier und Schwarzafrikaner, ferner Gruppen von Griechen sowie Italiener, Zyprer und Malteser. Universitäten: Es gibt 12 Universitäten (eine amerikanische Universität in Kairo), viele Fachinstitute und Lehrerbildungsanstalten.
Die Wirtschaft
Das äußerst fruchtbare Kulturland, vor allem im Niltal, das vom Strom direkt oder über Kanäle bewässert wird, nimmt nur 2,5% der Landfläche ein. Es gestattet bis zu drei Ernten im Jahr. Der Sicherstellung des für die Bewässerung und Ausdehnung des Kulturlands nötigen Wassers wie auch der Energieversorgung dient neben anderen Staudämmen der Hochdamm bei Assuan. Es werden Baumwolle, die 8% des Außenhandels deckt, Weizen, Mais, Gerste, Hirse, Tabak, Reis, Bohnen, Zwiebeln, Zuckerrohr, Dattelpalmen, Ölbäume, Südfrüchte, Wein u. a. angebaut. Außerhalb der Stromoase wird nomadische Viehzucht betrieben. Die Steigerung der Fischfang-kapazität im fischreichen Nasser-Stausee wird mit Entwicklungshilfe unterstützt. Die vielfältigen Bodenschätze sind teilweise noch unerschlossen, da sie meist in schlecht zugänglichen Wüstengebieten liegen. Es wird vor allem Erdöl, Phosphat, Eisenerz, Manganerz und Salz gefördert. In den letzten Jahren wurden mehrere neue Ölgebiete und Erdgasfelder gefunden. Die zu zwei Dritteln verstaatlichte Industrie erzeugt vor allem Baumwollwaren, Nahrungs- und Genussmittel, Getränke, Dünge-mittel sowie Maschinen und Fahrzeuge, insbesondere für die Bauindustrie. Dazu kommt die Eisen- und Stahlgewinnung in Helwan bei Kairo sowie Zement- und Glasherstellung. Die Energieversorgung hat sich durch den 1970 fertig gestellten Assuan-Staudamm beträchtlich verbessert. Das angeschlossene Kraftwerk verfügt über eine Kapazität von 2,1 Mio. kW. Die Großstädte in Unterägypten werden durch Wärmekraftwerke versorgt.
Der Verkehr
Eisenbahnenund gute Straßen erschließen u. a. das Niltal bis nach Assuan, das Nildelta und den Raum zwischen dem Nil und der Landenge von Suez (gesamte Straße 47 400 km). Ein Verkehrsweg von internationalem Rang ist der Suezkanal. Seit 1977 ist eine Erdölfernleitung von Suez zur Mittelmeerküste in Betrieb. Neben den internationalen Flughäfen Kairo und Alexandria besitzt Ägypten mehrere Flughäfen für den Inlandverkehr. Wichtigste Seehäfen sind Alexandria, Port Said und Suez.
Die Geschichte
Altertum In der Jungsteinzeit bezeugen die Kulturen von Merimde, Faiyum und Omari in Unterägypten eine sesshafte Bevölkerung. Der oberägyptische Raum zeigt die einander folgenden Kulturen von Tasa und Negade I und II. Nach Kämpfen im Norden schloss die Einigung beider Landesteile die vorgeschichtliche Zeit ab (Reichseiniger nach der Überlieferung Menes, 1. Dynastie). Dieser Staatsbildungsprozess ermöglichte zusammen mit der Schrift- und Kalenderentwicklung den Aufbau einer Verwaltungshierarchie. Zunächst regierten die Könige (für die sich das hebräische Lehnwort Pharao eingebürgert hat) von wechselnden Pfalzen aus das Land. Nach Unruhen und Konsolidierungsanstrengungen in der Thinitenzeit kam es in der 3. Dynastie zu einem kulturellen Höhepunkt unter Djoser (um 2650 v. Chr.). Es entstand ein straff gelenkter Zentralstaat (Altes Reich) mit fester Residenz in Memphis. Unter der 4. Dynastie (um 2570-2470 v. Chr.) wurden die großen Pyramiden von Gizeh und Dahschur durch Snofru, Cheops, Chephren und Mykerinos errichtet. Die Könige der 5. Dynastie (um 2470-2320 v. Chr.) erbauten Kultstätten für den Sonnengot Re. In der 6. Dynastie (um 2320-2155 v. Chr.) begann ein Zerfall der Regierungsgewalt (Zusammenbruch des Alten Reichs). Die 1. Zwischenzeit war von sozialen Umbrüchen gekennzeichnet. König Mentu-hotep II. aus dem oberägyptischen Theben (11. Dynastie) einigte erneut das Reich (Mittleres Reich, um 1994-1650 v. Chr.). Die Pharaonen der 12. Dynastie (1994-1781 v. Chr.), die wieder in der Nähe von Memphis residierten (besonders Sesostris I. und Sesostris III., Amenemhet III.), führten das Reich zu neuer Blüte. In der Zeit der 13. und 14. Dynastie (um 1781-1650 v. Chr.) gelangten die asiatischen Hyksos zur Macht (15./16. Dynastie, um 1650-1550 v. Chr.). Sie wurden durch die thebanischen Könige Kamose und Amasis I. vertrieben. Letzterer leitete die Zeit des Neuen Reichs ein (18.-20. Dynastie, um 1550-1062 v. Chr.). Ägypten wurde durch die Eroberung Syriens und Nubiens (besonders durch Thutmosis III., 1490-1437 v. Chr.) Großmacht mit der Hauptstadt Theben. Der religiöse Erneuerungsversuch des Amenophis IV. (Echnaton, um 1364-1346 v. Chr.) misslang; die asiatischen Besitzungen fielen an die Hethiter. Sethos I. (um 1304-1290 v. Chr.) wehrte den Angriff der libyschen und ägäischen Völker ab.Ramses II. (1290-1224 v. Chr.) erkämpfte Frieden mit den Hethitern. Ramses III. (um 1194-1163 v. Chr.) wehrte den Angriff der libyschen und ägäischen Völker ab. Unter Ramses IV.- XI. verfiel das Reich endgültig. In Ober-Ägypten regierten die Hohenpriester des Amun von Theben aus fast selbständig, als im Norden die schwache 21. Dynastie (um 1080-945 v. Chr.) folgte. Mit Schoschenk I. gewannen libysche Söldner (22. Dynastie um 945-720 v. Chr.) den Thron. Ägypten zerfiel erneut in Teilstaaten (23.-24. Dynastie), bis es von nubischen Königen von Kusch erobert wurde (25. Dynastie, um 712-655 v. Chr.). Psammetich I. (26. Dynastie, 664-525 v. Chr.) vertrieb die Nubier aus Oberägypten. Unter Psammetich III. (525-504 v. Chr.) gewann Ägypten noch einmal seine Unabhängigkeit. Auf die 2. persische Eroberung folgte bald die Alexanders des Großen (332/331 v. Chr.). In den Kämpfen der Diadochen gewann Ptolemaios Ägypten: Hauptstadt des Reichs der Ptolemäer (304-30 v. Chr.) wurde das neu gegründete Alexandria. 51 v. Chr. griff Caesar zugunsten der ägyptischen Königin Kleopatra in die Reichswirren ein und unterstellte Ägypten dem römischen Senat. Nach dem Sieg des Augustus über Antonius und Kleopatra wurde Ägypten 30 v. Chr. römische Provinz. 395 n. Chr. fiel es an Byzanz (395-641). Mittelalter Nach der Eroberung durch die moslemischen Araber 640/41 gehörte Ägypten zum Islamischen Reich. Nach der Dynastie der Tuluniden (868-905) folgte 935-969 die Dynastie der Ichschididen und der schiitischen Fatimiden. 1171 führte die von Saladin begründete Dynastie der Ajjubiden Ägypten zu neuer Macht und kultureller Blüte. Wirtschaftlich erstarkte Ägypten unter den Mamluken-Sultanen (1250-1517) anfänglich weiterhin, bald aber schwächten es innerdynastische Kämpfe so, dass es 1517 dem Angriff der Türken erlag. Neuzeit Mit der türkischen Armee, die die Ägyptenexpedition Napoleons I. bekämpfen sollte, kam Mohammed Ali, verdrängte den türkischen Statthalter und übernahm 1805 die Regierung. Im März 1811 ließ er etwa 300 Anführer der Mamluken in der Zitadelle von Kairo töten und brach ihre Macht im Land. 1811-1818 zerstörte er das Reich der Wahhabiten in Arabien, unterwarf 1820-1822 Teile des oberen Niltals (Sudan) und bemächtigte sich 1833 Syriens. Ihm folgten Abbas I. (1848-1854), Said (bis 1863) und Ismail (1863-1879), unter dem 1869 der Suezkanal gebaut wurde. Die Nachfolger Mohammed Alis bemühten sich weiter, Ägypten zu modernisieren und zu industrialisieren, gerieten jedoch dabei in unheilbare internationale Verschuldung. 1875 musste Vizekönig Ismail den ägyptischen Anteil an den Suezkanal-Aktien England überlassen. Frankreich und England übernahmen die Kontrolle der ägyptischen Staatsfinanzen. Gegen diese Demütigung erhoben sich 1881 nationalistische Offiziere mit Ahmed Arabi an der Spitze. Am 11. 7. 1882 landeten britische Truppen und schlugen die ägyptische Armee bei Tell Al Kebir. Bis nach dem 2. Weltkrieg blieb Ägypten von Großbritannien besetzt, obwohl die Oberhoheit des Osmanischen Reichs bis 1914 formell weiterbestand und die Dynastie Mohammed Alis auf dem Thron blieb. Unter britischer Führung zerstörten ägyptische Truppen 1896-1898 das Reich des Mahdi im Sudan, wo die ägyptische Herrschaft 1881 zusammengebrochen war. 1899-1956 wurde der Sudan als britisch-ägyptisches Kondominium verwaltet. 1879-1892 war Taufik Vizekönig, ihm folgte Abbas II. Hilmi. Die Regierung lag aber in den Händen des britischen Generalkonsuls Lord Cromer. 1914 wurde Ägypten auch offiziell britisches Protektorat unter Hussain Kamil als Vizekönig, dem 1917 Fuad folgte. 1922 nahm er als Fuad I. den Königstitel an, jedoch blieb das Land von Großbritannien abhängig. Die bürgerlich-nationalistische Bewegung, seit 1918 unter Führung von Saad Saghlul, dann von Mustafa Nahas in der Wafd-Partei organisiert, durfte zwar zeitweilig Regierungsämter besetzen, konnte jedoch an der Ohnmacht Ägyptens nichts ändern. Aufgrund eines unter König Faruk I. abgeschlossenen britisch-ägyptischen Bündnis- vertrags vom 26. 8. 1936 wurde die britische militärische Besatzung immerhin auf die Suezkanalzone beschränkt. Im 2. Weltkrieg schlugen britische und verbündete Truppen 1942 das deutsche Afrikakorps und die italienische Armee bei Al Alamein. Die ägyptische Armee beteiligte sich nicht an den Kämpfen, jedoch zog sie 1948 zusammen mit anderen arabischen Armeen gegen den neuen Staat Israel zu Feld und wurde in die arabische Niederlage verwickelt. Beim Waffenstillstand am 24. 2. 1949 übernahm Ägypten die Verwaltung des Gazastreifens. Seit 1949 wurde der Geheimbund der "Freien Offiziere" aktiv. Nach einem Staats-streich am 23. 7. 1952 zwang er Faruk zur Abdankung. Am 18. 6. 1953 wurde die Republik Ägypten proklamiert. Als Staatspräsident amtierte zunächst General M. Nagib; 1954 übernahm der Führer der Freien Offiziere, Oberst G. A. Nasser, das Präsidentenamt. Er errichtete schrittweise ein diktatorisches Regime und suchte eine sozialistische Ordnung eigener Prägung zu schaffen. Eine Bodenreform wurde eingeleitet und ein Teil der Wirtschaft verstaatlicht. Politische Gegner wurden mit polizeistaatlichen Mitteln verfolgt. Als Massenbasis sollte eine Einheitspartei dienen (seit 1962 unter dem Namen Arabische Sozialistische Union, ASU). Die Frauen erhielten das Stimmrecht. Jedoch gewannen Partei und Parlament kein politisches Gewicht. Ägypten blieb ein bürokratisch regiertes Land mit militärischer Spitze. Außenpolitisch bemühte sich Nasser zunächst um Zusammenarbeit mit dem Westen und übernahm dann eine führende Rolle in der Bewegung der Blockfreien. Die Propaganda und die Guerillatätigkeit gegen Israel wurden verstärkt. Aufgrund eines Abkommens von 1954 verließen die letzten britischen Truppen im Juni 1956 die Kanalzone. Wenig später verstaatlichte Ägypten den Suezkanal. Großbritannien, Frankreich und Israel griffen daraufhin im Oktober 1956 Ägypten militärisch an. Israelische Truppen stießen bis zum Suezkanal vor, doch unter dem Druck der USA und der UdSSR mussten sich die Angreifer zurückziehen. In der Folge knüpfte Ägypten engere Beziehungen zur UdSSR. Mit sowjetischer Hilfe begann es 1959 den Bau des Hochdamms von Assuan.1958 schloss sich Ägypten mit Syrien zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) zusammen; 1961 löste sich Syrien wieder aus der Verbindung. 1963-1967 unterstützte Ägypten mit Truppen und Material die Republikaner im jemenitischen Bürgerkrieg. Militärisch und wirtschaftlich geriet es in zunehmende Abhängigkeit von der UdSSR. Im Mai 1967 sperrte Ägypten den Golf von Aqaba für israelische Schiffe und erzwang den Abzug der UN-Truppen, die seit 1957 die ägyptisch-israelische Waffenstillstandslinie abschirmten. Daraufhin kam es mit einem israelischen Präventivschlag zum "Sechstagekrieg", in dem Ägypten eine schwere Niederlage erlitt. Israel eroberte die gesamte Sinaihalbinsel. Die UN erreichten eine Feuereinstellung am Suezkanal. Der Kanal selbst wurde unpassierbar. Mit sowjetischer Hilfe wurde Ägypten rasch wieder aufgerüstet. Am Suezkanal kam es schon bald wieder zu Feuergefechten zwischen Ägypten und Israel. 1970 trat mit US-amerikanischer Vermittlung eine Feuerpause ein, der jedoch keine Friedensver-handlungen folgten. Im gleichen Jahr starb Nasser. Sein Nachfolger, der bisherige Vizepräsident A. As Sadat, leitete eine liberale Wirtschaftspolitik ein und lockerte das diktatorische Regime. Der Polizeiterror wurde abgeschafft, ein gewisses Maß an bürgerlichen Freiheiten wiederhergestellt. Außenpolitisch löste Sadat die Bindung an die UdSSR und wandte sich dem Westen zu. Im Oktober 1973 führte er Ägypten in den vierten Krieg gegen Israel, der mit einem koordinierten ägyptisch-syrischen Angriff begann. Ägyptische Truppen konnten auf dem Ostufer des Suezkanals Fuß fassen; allerdings entging eine ägyptische Armee auf dem Westufer nur dadurch der Einkesselung, dass der UN-Sicherheitsrat einen Waffenstillstand erzwang. Mit US-amerikanischer Vermittlung wurden 1974/75 zwei Truppenentflechtungsabkommen geschlossen, die zu einem Teilrückzug Israels auf dem Sinai führten und die Wiedereröffnung des Suezkanals ermöglichten. Um die psychologischen Barrieren zu durchbrechen, die einem Friedensschluss entgegenstanden, unternahm Sadat im November 1977 eine spektakuläre Reise nach Jerusalem. Ägypten erklärte sich als erstes arabisches Land bereit, Israel völkerrechtlich anzuerkennen. Nach langwierigen Verhandlungen, in die mehrmals der US-amerikanische Präsident J. Carter als Vermittler eingriff, wurde am 26. 3. 1979 in Washington der ägyptisch-israelische Friedensvertrag unterzeichnet; er trat am 25. 4. 1979 in Kraft. Der Vertrag sah u. a. die vollständige Räumung des Sinai durch Israel binnen drei Jahren sowie die Aufnahme von Verhandlungen über die Autonomie der palästinensischen Araber in den von Israel besetzten Gebieten vor. Die meisten arabischen Staaten lehnten den Friedensschluss ab und ergriffen Boykott-maßnahmen gegen Ägypten. Die ägyptische Mitgliedschaft in der Arabischen Liga wurde bis 1989 suspendiert. Innenpolitisch setzte Sadat seinen Kurs der Liberalisierung fort. Die ASU wurde 1978 aufgelöst und ein Mehrparteiensystem eingeführt. Die Machtposition des Präsidenten blieb jedoch unangetastet. Der Friedensschluss mit Israel brachte nicht den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung. Dies führte zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung und stärkte die Gegner der prowestlichen Politik Sadats. 1981 fiel Sadat einem Attentat zum Opfer. Die Täter entstammten Kreisen, die einen islamischen Fundamentalismus vertraten. Neuer Präsident wurde der bisherige Vizepräsident Hosni Mubarak. Er setzte die Politik der Zusammenarbeit mit dem Westen fort, verhielt sich jedoch reserviert gegenüber Israel und war nicht ohne Erfolg bemüht, die Isolierung Ägyptens innerhalb des arabischen Lagers zu überwinden. 1987, 1993 und 1999 wurde Mubarak mit großer Mehrheit wiedergewählt. Im Golfkonflikt 1990/91 stellte sich Ägypten auf die Seite der USA. Die ungelösten Wirtschaftsprobleme des Landes führten seit Beginn der 1990er Jahre zu einer Stärkung des militanten islamischen Fundamentalismus. Die Kunst: Architektur, Plastik, Malerei und Kunsthandwerk Altägyptens standen in engem Zusammenhang mit religiösen Vorstellungen und hatten besonders dem sehr komplizierten Totenkult zu dienen. Früheste Denkmäler (7.-3. Jahrtausend v. Chr.) sind gemalte und gravierte Felsbilder zu beiden Seiten des Niltals mit Menschen- und Tierdarstellungen, Keramikgegenstände mit geometrischen Ritzmustern, weibliche Idolplastiken sowie Kupferarbeiten. Reliefverzierte Schminkpaletten und Steingefäße, Kleinplastiken aus Knochen und Elfenbein sowie rotpolierte Keramiken mit ornamentalen und figürlichen Darstellungen sind vom Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. bekannt. Die frühgeschichtliche Kunst Ägyptens beginnt um 3000 v. Chr. und umfasst etwa 300 Jahre (Thinitenzeit, 1. u. 2. Dynastie). Hauptwerke dieser Periode sind Schminkpaletten aus Schiefer, ferner Kalksteinstatuen des Gottes Min aus Koptos, die Keule des Königs Narmer; auf altorientalische Stileinflüsse deutende Wandmalereien in einem Grab in Nechen-Hierakonpolis (Oberägypten) und die Königsgräber von Abydos vom Ende der 1. Dynastie. Gewisse Stileigentümlichkeiten der ägyptischen Kunst, z. B. das Fehlen der Perspektive, gehen auf traditionsgebundene Gedanken-gänge und magische Vorstellungen zurück, die eine andere als die durch Überlieferung geheiligte Gestaltung unmöglich machten. Wichtigste, fast ausschließliche Aufgabe der Kunst war die Veranschaulichung religiöser Vorstellungen. Ihre erste Blüte erlebte die ägyptische Kunst im Alten Reich (um 3000-2134 v. Chr.), der nach einer Epoche des Niedergangs infolge von politischen Revolutionen und Bürgerkriegen (7.-10. Dynastie) im Mittleren Reich (ca. 2040-1650 v. Chr.) eine neue Hochblüte folgte. Bildwerke dieser Zeit zeigen oft Menschen, in deren Gesichtern sich Schmerz und Leid ergreifend spiegeln. Einen dritten Höhepunkt erreichte das altägyptische Kunstschaffen im Neuen Reich (ca. 1552-1070 v. Chr.). Verglichen mit der in sich gefestigten Stärke des Alten Reichs, war es eine Epoche betont äußerlicher Machtentfaltung, die in gigantischen Tempelbauten zum Ausdruck kam. In Menschen- darstellungen dieser Zeit erscheint vielfach, im Gegensatz zu früher, der Ausdruck heiterer Gelöstheit. Neue Wege ging die Kunst von Amarna; sie mündeten in einem naturalistischen Figurenstil mit sanften Linienschwüngen. Während der 26. Dynastie, um 600 v. Chr., kam es nach Jahrhunderten des künstlerischen Niedergangs zu einer Renaissance mit bedeutenden Kunstleistungen. Auch in der Zeit der Ptolemäer- und Römerherrschaft sind noch beachtliche Werke (Tempelbauten und Statuen) entstanden. Die Architektur: Die ägyptische Architektur erreichte sowohl im Holz- wie im Steinbau schon im Alten Reich einen erstaunlichen Grad der Vollendung. Ein bedeutendes Werk der Frühzeit ist die Grabanlage (Stufenpyramide mit umgebendem heiligem Bezirk und Umfassungs-mauer) des Königs Djoser in Saqqara, um 2650 v. Chr., die vorbildlich wurde für die monumentalen Pyramidenbauten der 4. u. 5. Dynastie in Medum, Dahschur und Gizeh. Der im Alten Reich vorgebildete Typus des Felskammergrabs verband sich im Grabbezirk des Mentu-hotep (11. Dynastie) bei Theben mit der Grabform der Pyramide, die bis zur 17. Dynastie die bevorzugte Form des Königsgrabs blieb. Hauptdenkmäler der Architektur des Mittleren Reichs sind die Felsgräber von Beni Hasan und die Pyramiden bei Lischt, Illahun und Haware (El Faiyum). Aus dem Neuen Reich (18.-20. Dynastie) sind vor allem bedeutende Tempelbauten erhalten. Dem Kult der verstorbenen Könige dienten Totentempel auf dem linken Nilufer bei der Reichshauptstadt Theben (z. B. für Hatschepsut, Sethos I., Ramses II., Ramses III.), während die Mumien der Herrscher in reich geschmückten Felsengräbern im abgelegenen Tal der Könige beigesetzt wurden. Die größten Sakralbauten jener Zeit sind jedoch die Tempel des Reichsgottes Amun in Theben (Karnak und Luxor). Ein Zug zum Gigantischen, der sich schon unter Amenophis III. ankündigte, fand seine stärkste Ausprägung unter Ramses II. (Felsentempel von Abu Simbel). Ihre letzte Blüte erlebte die ägyptische Architektur in der Spätzeit (Hathortempel von Dendera, Tempel auf Philae), die trotz der Fremdherrschaft durch ein starkes Traditionsbewusst-sein gekennzeichnet ist. Die Plastik: In der ägyptischen Plastik gelangten die gleichen Ewigkeitsvorstellungen zum Ausdruck wie in der Architektur. Dazu gehören in der Flachbildnerei der Verzicht auf Perspektive, die vom Rang der Dargestellten abhängige Verteilung der Größenmaße, die Verbindung von Profil- und Frontansichten innerhalb einer Figur und die friesartige Gliederung der Bildfläche in Streifen. Für die Rundbildnerei ist ein seit der Thinitenzeit auftretendes Streben nach monumentaler, blockhafter Geschlossenheit der meist steinernen Statuen typisch. Die Reliefs und Rundplastiken des Alten Reichs tragen meist vielfarbige Bemalungen. Eines der eindrucksvollsten plastischen Hauptwerke des Alten Reichs ist die Sphinx neben dem Chephren-Tempel von Gizeh. Während der 5. Dynastie tritt eine allmähliche Auflockerung der archaisch strengen Formgebung mit z. T. realistischen Zügen ein. Hauptwerke der Rundplastik des Mittleren Reichs sind die Sitzstatuen Mentu-hoteps, Sesostris' I. und dessen Gemahlin (12. Dynastie), die stilistisch überleiten zu den durch formale Vereinheitlichung und seelische Ausdruckskraft gekennzeichneten Bildnissen von Sesostris III. und Amenemhet III. In der gleichzeitigen Flachbildnerei verstärkt sich die Neigung zu der bereits in der Chephrenzeit gebräuchlichen Technik des versenkten Reliefs mit betont klarer Umrissführung und wachsender Körperhaftigkeit. Im Neuen Reich trat der Denkmalcharakter der Plastik zurück zugunsten dekorativer Wirkungen und gesteigerter psychologischer Lebendigkeit. Die Annäherung des Denkbilds an das Erscheinungsbild wird besonders deutlich zur Zeit Amenophis' III. und in den Bildnisplastiken der Amarnakunst (Kalksteinbüsten u. a. der Königin Nofretete), während die Herrscherbildnisse der Ramessidenzeit (Felsbilder von Abu Simbel, Sitzstatue Ramses' II., Turin) eine Rückkehr zur monumental-blockhaften Gestaltungsform erkennen lassen. Hauptwerke der Flachbildnerei dieser Zeit (18.-20. Dynastie) sind Reliefs im Totentempel der Königin Hatschepsut, an den Außenwänden der Säulenhalle von Karnak, in den Gräbern von Amarna und im Tempel von Abydos. Die Malerei: Die mit der Reliefkunst in engem Form- und Stilzusammenhang stehende Malerei Altägyptens legt mit zahlreichen Darstellungen auf Leinwand, Holz, Stein, Stuck, Papyrus (Totenbuchillustrationen) u. a. Zeugnis vom Ausmaß der Funktion ab, die sie im Totenkult hatte. Bevorzugt wurden leuchtende, ungebrochene Erdfarben. Die Größenordnung des Dargestellten richtet sich nach dessen Bedeutung, die Geschlechter werden durch unterschiedliche Körperfarben bezeichnet. Besonders zahlreich erhalten sind Grabmalereien mit kulturgeschichtlich bedeutenden Szenen aus dem Volksleben, die häufig durch Beischriften erläutert sind (Gräber des Nacht, Rechmire, Mencheporreseneb u. a. in Theben). Gegen Ende des Mittleren Reichs vollzog sich ein spürbarer Wechsel von der anfänglichen Vielfarbigkeit zu einer mehr koloristischen, mit feinen Farbabstufungen arbeitenden Darstellungsweise, wobei das landschaftliche Element zunehmend an Bedeutung gewann (Wand- und Decken-malereien in Amarna, die dekorative Elemente wie Sumpfbilder mit Wasservögeln und -pflanzen bevorzugen). Die Aufnahme hellenistischen Formenguts seit der Ptolemäer-zeit spiegelt sich in den zahlreichen mit Wachs- oder Temperafarben auf Holz ausgeführten Mumienbildnissen aus Faiyum wider. Das Kunsthandwerk: Erzeugnisse des ägyptischen Kunsthandwerks (Möbel, Salbenlöffel, Gold- und Halbedelsteinschmuck, Keramik) sind vielfach von hohem künstlerischem Niveau. Der Wandel ihrer Schmuckformen folgte der allgemeinen Stilentwicklung. Die Literatur: Der größte Teil der ägyptischen Literatur, auf Papyrus geschrieben, ist verloren gegangen. Was überliefert ist, umfasst zum größten Teil Alltagsschrifttum (Briefe, Urkunden, Rechnungen) und wissenschaftliche Literatur. Wichtig sind die Totenbücher, die man den Bestatteten mit ins Grab gab, um sie im Totenreich gegen Gefahren zu schützen. Neben diesem Schrifttum ist die Literatur Altägyptens nicht sehr umfangreich; doch sind Märchen- und Wundererzählungen überliefert - (z. B. das Brüdermärchen aus dem Neuen Reich), auch mythische Texte und die Erzählungen aus dem Intrigenleben der Höflinge ("Die Geschichte des Sinuhe"). Mythische Festspiele für religiöse Feiern und Lyrik verschiedenen Inhalts (Liebes-, Trink-, Arbeits-, Götter-, Preislieder) runden das Bild ab. Die ägyptische Literatur der Neuzeit ist ein Teil der arabischen Literatur. Die Musik: Ihre erste klassische Blütezeit erlebte die Musik unter den Herrschern des Alten Reichs (3. Jahrtausend v. Chr.). Aus dieser Zeit stammen Instrumente wie Bogenharfe, Langflöte und Doppelklarinette. Die ersten Namen von höfischen Berufsmusikern erschienen in den hieroglyphischen Inschriften der Gräber. Das Berufsmusikertum hatte sich bereits der damals gültigen Gesellschaftsordnung angepasst. Solistische Darbietungen mit Instrumentalbegleitung wechselten mit chorischen, auch antiphonal oder responsorial vorgetragenen Gesängen, weltliche mit kultischen Musik- und Tanzdarbietungen. Das gemischt vokal und instrumental besetzte Ensemble wurde durch den Cheironomen geleitet, der durch Zeichen seiner Hände den melodischen Ablauf und die rhythmische Gestaltung der Darbietungen anzeigte. Zu den erwähnten Instrumenten traten im Lauf der Jahrhunderte die heilige Priesterrassel (Sistrum), verzierte Klappern aus Holz oder Elfenbein und die Trompete. Seit dem Mittleren Reich (2040-1650 v. Chr.) waren in Ägypten auch Röhrentrommel und Leier bekannt. Aus der Zeit des Neuen Reichs stammen die erste historisch nachweisbare Laute der Weltmusikgeschichte, die im Grab eines Musikers namens Harmose aufgefunden wurde, und die ersten Trompeten aus Gold und Silber, im Grab des Tutanchamun entdeckt. Hauptform vokalen und instrumentalen Musizierens war ein Vorläufer des orientalischen Dor, einer Art primitiven Rondos. In der Spätzeit und im griechisch-römischen Ägypten erlag die Musik immer mehr ausländischen Einflüssen, was sich auch im Instrumentarium bemerkbar machte. An neuen Instrumenten kamen hinzu: Glöckchen, Becken, Panflöte, Aulos, Querflöte, hydraulische Orgel. Die pharaonische Musik hat im koptischen Kirchengesang (koptische Musik) und im Lied der Landbevölkerung weitergelebt.
Reiseinformation
Zu den Höhepunkten zählen Kairo, Alexandria (Nordküste), Nilkreuzfahrten, Luxor (das alte Theben), der Felsentempel Abu Simbel, Assuan, die Sinai-Halbinsel und das Rote Meer. Die Kombination von Strandurlaubsorten und historischen Stätten macht Ägypten zu einem der interessantesten Urlaubsländer.
Kairo:
Die pulsierende Hauptstadt mit ihrer erstaunlichen Vielfalt verbindet Afrika, den Orient und Westeuropa. Das Ägyptische Museum besitzt die größte und eine der bedeutendsten Sammlungen pharaonischer und byzantinischer Kunst. Kult- und Gebrauchsgegenstände aus fünf Jahrtausenden sind hier ausgestellt. Weltbekannt ist der Schatz aus dem Grab von Tutanchamun, der um 1360 v. Chr. lebte.
Im Herzen der Stadt liegt der Tahrir-Platz (Platz der Revolution). Mehrstöckige Häuser im französisch-neoklassischen Stil sind typisch für dieses Viertel, das im 19. Jahrhundert von Pascha Ismail gebaut wurde, dessen ehrgeizige Modernisierungspläne das Land in den Ruin stürzten. Von der Aussichtsplattform des Cairo Tower hat man einen wundervollen Blick auf die Stadt. Der 187 m hohe Turm steht in einem wohlhabenden Villenviertel.
Einen reizvollen Gegensatz hierzu bietet das geschäftige Treiben des Khan El Khalili-Basars, wo traditionelle Lederarbeiten, Messingwaren und handgeschneiderte Kleider angeboten werden. Eine Rundfahrt durch die Altstadt, einem Hort islamischer Kunst und Architektur, ist eine faszinierende Reise in die Vergangenheit. Die Zitadelle (12. Jh.) und die nahegelegenen Al Rif-ai-Moschee und Sultan Hassan-Moschee sollte man sich unbedingt ansehen.
Kairo hat über 1000 Moscheen, eine der schönsten ist die Al Azhar-Moschee (10. Jh.), der auch eine Medresse angehört. Besuchenswert sind auch das Koptische Museum und das Museum der Islamischen Kunst. Die Kairoer Museen öffnen im Sommer 08.00-13.00 Uhr, im Winter 09.00-16.00 Uhr. Freitags ist ab Mittag oft geschlossen.
Im Zeitalter der Pharaonen war das Ostufer des Nils für die Lebenden bestimmt, das Westufer für die Toten. Das heutige Westufer ist der moderne Teil der ägyptischen Hauptstadt mit der Universität, dem Vorort Zamalek und den Wohnblocks von Dokki, am Stadtrand jedoch beginnt abrupt das Ägypten der Fellachen (Landbevölkerung) mit Dattelpalmen, Kanälen, Lehmdörfern und üppigen grünen Feldern. Kasinos und Luxushotels weichen plötzlich Sanddünen und den großartigen, alles überragenden Pyramiden von Gizeh. Die größte der drei Pyramiden ist über 137 m hoch und besteht aus ca. drei Millionen Steinblöcken. Durch ein Labyrinth von Tunneln und Treppen kann man tief in das Innere der Pyramiden vordringen. Daneben steht die majestätische Sphinx, Pferde und Kamele können hier gemietet werden. Abends wird der nächtliche Himmel durch ein Lichtspektakel erhellt: die Pyramiden und Sphinx werden wirkungsvoll zur Geltung gebracht.
Ein neuer archäologischer Ausgrabungsort in Dahshur, Ägyptens Hauptstadt während des Alten Königreichs, soll im Rahmen eines Verbesserungsprogramms entstehen. Vorgesehen ist außerdem die Schaffung von touristischen und kulturellen Einrichtungen. Eine Untersuchung soll verborgene archäologische Monumente in diesem Gebiet, das als Golden Treasure Area bekannt ist, ausfindig machen. Da das Gebiet früher militärische Sperrzone war, blieb es bisher größtenteils unberührt.
Der bekannte Kur- und Winterurlaubsort Helwan liegt 30 km von Kairo entfernt. Im nahegelegenen Sakkara befindet sich die Stufenpyramide des Königs Djoser, die noch älter ist als die Pyramiden von Gizeh. Besonders in der Nekropolis (Totenstadt) gibt es außergewöhnliche Steinreliefs. Eselritte von Gizeh nach Sakkara werden angeboten. Ca. 50 km weiter südlich liegt der Salzwassersee Al Faiyoum, den schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot um 450 v. Chr. besuchte.
Nilfahrten:
Zahlreiche Anbieter veranstalten Kreuzfahrten auf dem Nil, die meisten Schiffe verkehren zwischen Luxor und Assuan. Einige Touren beinhalten Abstecher nach Abydos und Denderha. Die Luxor/Assuan-Kreuzfahrten dauern fünf, die Fahrt über Abydos und Denderha sieben Tage. Einige Firmen bieten gelegentlich auch längere Fahrten an nach El Minya, einer hübschen Stadt mit römischen, griechischen und pharaonischen Ruinen, oder weiter nach Kairo.
Unzählige Ausflugsdampfer befahren den Nil, der Standard ist im allgemeinen hoch. Je nach Bauart befördern sie zwischen 50 und 100 Fahrgäste. Es ist ratsam, über ein auf Kreuzfahrten spezialisiertes Reisebüro zu buchen. Zumeist werden Buchungen nur für die gesamte Reisedauer entgegengenommen. Traditionelle felluccas können gemietet werden.
Die Nordküste:
Alexandria ist moderner als Kairo, zahlreiche griechische und römische Baudenkmäler erinnern jedoch an die frühere Bedeutung der Stadt als Kulturzentrum. Ihre herrliche Lage am Mittelmeer macht die wichtige Hafenstadt zu einem beliebten Ferienziel der Ägypter.
Die Strände im Norden reichen von der libyschen Grenze bis zum Nildelta und entlang der Sinai-Halbinsel. Der westlich von Alexandria gelegene Urlaubsort Mersa Matrûh bietet einen feinen Sandstrand; von hier aus kann man die Siwa-Oase (Stätte des Amun-Orakels) an der libyschen Grenze besuchen. Herrliche Strände gibt es auch in El Alamein, Baltim, Gamasa, Sisi Kreir und Ras El Bar. Die Badesaison geht bis November.
Luxor:
Luxor, Homers »Theben der hundert Tore«, liegt ca. 500 km südlich von Kairo. Hier erwarten Besucher zahlreiche bedeutende archäologische Stätten: u. a. die mächtigen Tempel des Amon im 2,5 km entfernten Karnak mit riesigen Statuen, Obelisken und Hallen (wie in Gizeh gibt es auch hier eine Lightshow) und das berühmte Tal der Könige, in dem 64 Pharaone begraben und auf einem riesigen, aus dem Fels gehauenen Steinrelief dargestellt sind. Das Grab der Amun-Her-Chopeschef gilt als das schönste im Tal der Königinnen. Die Farben der Bilder haben sich wunderbar erhalten. Ein amerikanisches Ausgrabungsteam entdeckte 1997 in der Grabstätte von Ramses II. 46 weitere Grabkammern zusätzlich zu den 60 Kammern, die 1995 während Reinigungsarbeiten gefunden wurden. Insgesamt befinden sich 108 Kammern von 48 m Länge in sechs Durchgängen. Es ist damit die größte bisher entdeckte Grabstätte. Der Anblick der übrigen Tempel, Grabstätten und Monumente ist überwältigend. Man kann diese imposante Ansicht vom Heißluftballon aus genießen.
Assuan:
Assuan ist besonders im Winter ein schöner Ferienort mit zahlreichen Tempeln und Klöstern. Auf der Elephantine-Insel befindet sich der Nilometer (Wasserstandsanzeiger). Bekannt ist die Stadt vor allem durch den Assuan-Damm, einem der drei größten Staudämme der Welt. Ca. 2 km südlich liegt Philae, ein klassischer Tempel, der aufgrund des Stausees verlegt werden mußte. Die beiden herrlichen Tempel von Ramses II. in Abu Simbel wurden in den sechziger Jahren durch UNESCO-Hilfe vor dem Verfall gerettet. Einer der besterhaltensten Tempel steht in Edfu, 120 km nördlich von Assuan.
Sinai und das Rote Meer:
Ras Mohammed, Sharm El Sheik, Dahab, Nueba und El Arish gehören zu den beliebtesten Ferienzielen auf der Sinai-Halbinsel. Fast alle bieten Taucherzentren, die für jede Fähigkeitsstufe gerüstet sind. Die Aussicht über den Golf von Akaba auf die saudi-arabischen Berge ist herrlich. Die Temperaturen bleiben warm bis zum Jahresende. Überall an der Ostküste Sinais gibt es Feriendörfer mit ausgezeichneten Wassersportmöglichkeiten. Die Palmenstrände grenzen hier direkt an die Wüste. Der nördlichste Mangrovenwald der Welt befindet sich in Ras Mohammed am südlichsten Punkt der Sinai-Halbinsel.
Das zerklüftete Sinaigebirge im Landesinneren hat zahlreiche imposante Gipfel. Der fast 2300 m hohe Gabal Musa gilt als der biblische Berg Sinai. Das berühmte St. Katherinenkloster liegt am Fuß des Gabal Katharina, der bis auf 2637 m ansteigt. Im 4. Jahrhundert von Einsiedlern gegründet, wurde die Anlage in den folgenden Jahrhunderten ständig erweitert. Das Kloster ist im Besitz bedeutender Manuskripte, die zum großen Teil ausgestellt sind. Saladins mächtige Festung Qalaat Al Gundi, eine der vielen Zeitzeugen der Kreuzzüge, zieht ebenso viele Besucher an wie Al Tur, die am Roten Meer liegende Hauptstadt des Südlichen Sinai. Die Westküste des Roten Meeres wurde erst vor kurzem für den Tourismus entdeckt. Hurghada, ca. 400 km südlich von Suez, ist ein Ferienort mit vielen Freizeitanlagen und einem wundervollen Korallenriff. Das nahegelegene moderne Feriendorf El Gufton bietet ebenfalls vielfältige Erholungsmöglichkeiten.
Verkehrsmittel:
FLUGZEUG: Egypt Air (MS) fliegt täglich von Kairo nach Alexandria, Luxor, Assuan, Abu Simbel, New Valley und Hurghada. Air Sinai fliegt von Kairo nach Tel Aviv, El Arish, St. Catherine, Eilat, Ras El Nakab, Luxor und Sharm El Sheik.
SCHIFF: Ein Tragflächenboot verbindet Hurghada mit Sharm El Sheik auf der Sinai-Halbinsel. Außerdem stehen tägliche Fährverbindungen zur Verfügung (Fahrzeit 5-6 Std.). Die traditionellen Segelboote auf dem Nil (Felluccas) können stundenweise gemietet werden. Die sudanesische Eisenbahngesellschaft unterhält eine Dampferlinie von Assuan nach Wadi Halfa. 5tägige (Standardtour), 7tägige und 15tägige Kreuzfahrten auf dem Nil werden von Luxor nach Assuan, manchmal auch von Kairo nach Assuan angeboten.
BAHN: Gute Verbindungen auf der Ost-West-Linie von Sallom an der libyschen Grenze nach Alexandria und Kairo und am Nil entlang nach Luxor und Assuan. Port Said und Suez sind ebenfalls per Bahn erreichbar. Regelmäßiger Zugverkehr zwischen Kairo und Alexandria; mehrere klimatisierte Luxuszüge mit Schlaf- und Speisewagen verkehren auf der Strecke Kairo - Luxor - Assuan.
BUS/PKW: Neben dem gut ausgebauten Straßennetz im Niltal und im Delta gibt es Asphaltstraßen, die entlang der Küste am Roten Meer und am Mittelmeer verlaufen. Die Straße durch die westlichen Wüstenoasen von Asyut nach Giza ist jetzt durchgehend asphaltiert. Im Zeitraum von Oktober bis Februar gibt es in den Wüstengebieten (Sinai, Hurghada) schwere Unwetter, die manche Straßen unpassierbar machen; Ausweichrouten fehlen zumeist. In Wüstengebieten sollte man nur mit Führer und entsprechender Ausrüstung selbst fahren. Weitere Informationen vom Egyptian Automobile Club (Kairo). Bus: Das nationale Busnetz versorgt das Niltal und die Küstenstraßen. Hauptrouten verbinden Kairo mit St. Catherine, Sharm el-Sheikh, Dahab, Ras Sudr, El-Tour, Taba and Rafah; Suez mit El-Tour und Sharm El Sheik; und Sharm El Sheik mit Taba, Neweiba, El-Tour, Dahab und St. Catherine. Taxis mit Taxameter gibt es in den größeren Städten (s. Stadtverkehr). Gruppentaxis für lange Strecken sind verhältnismäßig preiswert, Fahrpreise sollten vor Fahrtantritt vereinbart werden. Mietwagen: Avis, Hertz, Budget und einheimische Firmen.
STADTVERKEHR: Die staatliche Cairo Transport Authority betreibt Busse, Straßenbahnen und Fähren in Kairo. In der Innenstadt gilt ein Einheitstarif. Zusätzlich kann man Privatbusse, Sammeltaxis und Minibusse benutzen. Letztere warten normalerweise an den Bahnhöfen auf eine volle Fuhre, andere haben regelmäßige Abfahrtszeiten, die Preise sind drei- bis viermal höher als die der staatlichen Busse. Wichtigste Verkehrsmittel des guten Kairoer Nahverkehrssystems sind die modernen Vorortzüge und die U-Bahn. In den Bussen und Straßenbahnen in Alexandria gibt es 1. und 2. Klasse, die Fahrpreise richten sich nach der Entfernung.
Unterkunft:
HOTELS: In den Großstädten gibt es preiswerte Qualitätshotels, im Winter empfiehlt sich Vorausbuchung. Kleinere Hotels sind oft sehr preisgünstig. Kategorien: 1-5 Sterne.
JUGENDHERBERGEN: Die insgesamt 15 Jugendherbergen befinden sich in Großstädten und beliebten Ferienregionen.
CAMPING: Es gibt nur wenige offizielle Zeltplätze, so z. B. in Alexandria, El Alamein, Kairo, Luxor, Assiut, Suez, Hurghada, Sharm El Sheikh, Nueba und am St. Katherinenkloster. Weitere Möglichkeiten bestehen u. a. in Dahab, Ras Muhammed und Marsa Alam, jedoch sind die sanitären Anlagen hier nicht immer ausreichend. Wildes Campen ist nicht gestattet.
VIRTUELLE ÄGYPTENREISE